Bericht der Kommission für Kapazitätsermittlung der Deutschen Ge­
sellschaft für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie Teil II. Vorausset­
zungen zum Betrieb leistungsfähiger Kliniken
H. G. Borst, H. Dittrich, M.-J. Polonius ………………………………………..
Bericht der Kommission für Kapazitätsermittlung der Deutschen Ge­
sellschaft für Thorax-, Herz-und Gefäßchirurgie Teil III: Lösungsvor­
schlag zur Deckung des Bedarfs an operativen Eingriffen auf dem
Gebiet der Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie in der Bundesrepublik
Deutschland
M.-J. Polonius, H. G. Borst, H. Dittrich ………………………………………..
Klinische Erfahrungen mit dem Bentley-Spiraflo BOS-10 Oxygenator
G. Lauterbach, K. D. Hanke ……………………………………………………….
Ein vorläufiger Bericht über die neue pulsatile Pumpe von Polystan
L. Hein, C. Green, übersetzt von P. Keegan ………………………..
Einfache intraoperative Methode zur Orientierung überdie Kapazität
des Empfängersegmentes bei peripheren Gefäßrekonstruktionen
R. Meister, W. Hohenberger, D. Raithel ………………………………………..
Methodik und Wertigkeit der intraoperativen elektromagnetischen
Durchflußmessung
G. Kobinia, P. Scherer ……………………………………………………………….
Einmaldruckdome in der kontinuierlichen Blutdruckmessung
J. Mottner …………………………………………………………………………………
Pflege und Überwachung nach Herzoperationen — Fortbildung —
W. Barth, B. Barth …………………………………………………………………….
Auslandsberichte — Mitgliederinformationen — Literaturhinweise —
Veranstaltungen — Leserbriefe …………………………………………………
Kardiotechnik
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langen, Telefon: 09131/85 32 42 + 60 12 85
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G. Häufte, Chir.-Univ.-Klinik,Maximiliansplatz1,8520Erlangen,
P^Keegan, Deutsches Herzzentrum, Lothstraße 11,8000 Mün­
chen 19 Telefon: 089/12 0 91
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Referat
3
Bericht der Kommission für Kapazitätsermittlung
der Deutschen Gesellschaft für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie
Teil II: Voraussetzungen zum Betrieb leistungsfähiger Kliniken
H. G. Borst, H. Dittrich, M.-J. Polonius
Beirat und Kommissionsmitglieder:
Bernhard (Kiel), Bircks (Düsseldorf), Hehrlein (Gießen), Hoffmeister (Tübingen),
Kirchhoff (Göttingen), Maaßen (Essen-Heidhausen), Reidemeister (Essen),
Rodewald (Hamburg), Schlosser (Freiburg), Satter (Frankfurt), Sebening (München)
In einem ersten Bericht hat Dittrich im Auftrag der
„Kommission für Kapazitätsermittlung“ der Deutschen
Gesellschaft für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie das
Aufkommen von Kranken mit chirurgischen Leiden der
Thoraxorgane, des Herzens und der Gefäße in der
Bundesrepublik Deutschland zusammengestellt (3). In
diesem zweiten Bericht stellt die Kommission Leistungs­
zahlen unterschiedlich großer Kliniken der Thorax-,
Herz- und Gefäßchirurgie auf, wie sie bei optimaler
Betreuung durch die Nachbardisziplinen, bei Verfügbar­
keit adäquaten Personals und entsprechender operativer
Plattform erreicht werden können.
Die Deutsche Gesellschaft für Thorax-, Herz- und Ge­
fäßchirurgie geht bei dieser Analyse von zwei Vorausset­
zungen aus:
1) Ein operatives Zentrum vertritt geschlossen die
Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie und sollte nicht
auf eine der Subspezialitäten festgelegt sein,
2) Ein solches Zentrum soll auf der breiten Basis eines
größeren Klinikums fußen.
Die erste Forderung ergibt sich aus der anatomischen
und funktionellen Zusammengehörigkeit der Erkran­
kungen der kardiovaskulären und respiratorischen Sy­
steme, die sich in gleichen oder ähnlichen Operationsver­
fahren, aber auch in Forschungs- und Entwicklungsar­
beiten und insbesondere in der identischen Intensivpfle­
ge, niederschlägt. Sie beruht weiterhin auf der Notwen­
digkeit, die Weiterbildung des Nachwuchses auf eine
übersehbare, ausreichend vielgestaltige und für die Mit­
arbeiter zukunftsträchtige Basis zu stellen, um so eine
Überspezialisierung zu vermeiden. In der Lehre ist die
geschlossene Darstellung des Gebietes eine Vorausset­
zung für das Verständnis der pathophysiologischen Zu­
sammenhänge — erst recht nach der gesetzlichen Ein­
führung der Approbationsordnung, die die deduktive
Lehrmethode in der Klinik vorschreibt. Auch in interna­
tionalem Rahmen ist die Einheit der 7 horax-, Herz- und
Gefäßchirurgie, zumindest aber zweier oder dreier Be­
standteile des Gebietes, die Regel (11, 13).
Die zweite Forderung beruht auf fachlichen und glei­
chermaßen auf wirtschaftlichen Gesichtspunkten: die
Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie bedarf für Diagno­
stik und Therapie und angesichts eines breiten Spek­
trums perioperativer Komplikationen steter und enger
Betreuung durch eine größere Anzahl unmittelbarer
Partnerdisziplinen, wie sie in der Regel unter dem Dache
Mit Genehmigung des Georg Thieme Verlages, Stuttgart, übernom­
men aus der Zeitschrift Thoraxchirurgie – Vaskuläre Chirurgie 24
(1976) Seite 261-271.“
eines Klinikums vorhanden sind. Umgekehrt erfordern
die bei der Diagnostik erkannten oder in ihrer Folge
gelegentlich auftretenden lebensbedrohlichen Situatio­
nen die Präsenz eines Chirurgenteams. Es erscheint
daher ebensowenig wünschenswert, ein diagnostisches
Zentrum weitab chirurgischer Möglichkeiten überhaupt
auszustatten, wie eine chirurgische Fachklinik an eine
isolierte Diagnoseeinheit anzubinden.
I. Partnerinstitutionen der Thorax-, Herz- und
Gefäßchirurgie
Die in Tabelle 1 aufgeführten Partnerdisziplinen sind
aufgeteilt in solche, ohne deren Vorhandensein der
Betrieb einer Klinik für I horax-, Herz- und Gefäß­
chirurgie kaum vertretbar erscheint, und andere, deren
Verfügbarkeit für die optimale Versorgung des vollen
Spektrums fachbezogene Erkrankungen und Komplika­
tionen wünschenswert ist. Die unmittelbaren Partner­
disziplinen der Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie sind
naturgemäß Kardiologie, Angiologie und Pulmonologie.
unerläßlich
wünschenswert
Abt. Kardiologie
Angiographieeinrichtung
Lungenfunktionslabor
Anästhesiologische Arbeitsgruppe
Blutbank
j
Abt. Radiologie
>
Klinisch-chemisches Labor J
Hämatologisches und
Gerinnungslabor
Schnellschnitt- und Sektions­
möglichkeit
Bakteriologisches Labor
1
Krankenhaushygieniker
J
Dialysemöglichkeit
Internistische Konsiliardienste
Allgem. Chirurg. Konsiliardienste
Neurologischer Konsiliardienst
Krankengymnastischer Dienst
Abt. Kinderkardiologie
Abt. Angiologie
Abt. Pulmonologie
Abt. Anästhesiologie
Zentralinstitute
Abt. Hämatologie
Pathologisches Institut
Mikrobiolog. Institut
Abt. Nephrologie
Medizinische Klinik
Chirurgische Klinik
Neurologische Klinik
Zentralinstitut
Tab. 1 Partnerinstitutionen der Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie
Kardiologie
Die Kardiologie muß unter allen Umständen im glei­
chen Haus vertreten sein. Ihre diagnostische Kapazität
muß im Einklang mit der Operationsfrequenz der
Chirurgischen Klinik stehen, um unzumutbare Warte­
zeiten einmal diagnostizierter Patienten zu vermeiden.
Sie übernimmt präoperativ unmittelbar lebensgefähr­
dete Patienten sowie postoperative Kranke mit lebens­
bedrohlichen kardiologischen Komplikationen auf die
eigene Intensivpflegestation. Eine Abteilung Kinderkar­
diologie bildet die Voraussetzung schlechthin für die
Durchführung operativer Eingriffe in der jüngeren pä­
diatrischen Patientengruppe und insbesondere bei Säug-
Kardiotechnik 5. Jahrgang/Heft 1/April 1979

4
Referat
lingen. Essentieller Bestandteil einer solchen Abteilung
muß eine Kinderintensivpflegeeinheit sein, so daß die
Patienten unmittelbar im Anschluß an die Operation
oder wenige Stunden danach in diese verlegt werden
könnnen. Die Erfahrung hat gezeigt, daß die Betreuung
von Kleinkindern und Säuglingen in einer Erwachsenen­
intensivpflegeeinheit besonders zeit- und personalauf­
wendig und oft unzureichend ist. Beide kardiologischen
Abteilungen müssen einen Bereitschaftsdienst rund um
die Uhr aufrechterhalten und diagnostische Maßna­
men einschließlich der Herzkatheterisation jederzeit
durchführen können.
Angiologie und Pulmonologie
Die Zusammenarbeit der Chirurgischen Klinik mit
Angiologie und Pulmonologie unter einem Dach ist in
weniger hphem Maße erforderlich als mit den kardiolo­
gischen Disziplinen. Zumindest aber muß sichergestellt
sein, daß Angiographien beliebiger Art zu jeder Zeit am
Orte durchgeführt werden können, ob dies in der
Kardiologie, der Radiologie oder der Angiologischen
Abteilung erfolgt.
Anästhesie
Die Verfügbarkeit eines starken anästhesiologischen Teams
mit eigener Stammannschaft kann nicht genügend her­
vorgehoben werden. Anästhesistengruppen, die von
einem zentralen Institut im Rotationsverfahren an die
Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie delegiert werden,
können die besonderen Aufgaben dieses Gebietes meist
nicht in adäquater Weise befriedigen. Das überwiegend
hohe Operationsrisiko erfordert von den hier tätigen
Anästhesisten langfristige Anlernzeiten, eine überdurch­
schnittliche Vorbildung in der Pathophysiologie des
Kreislaufs und der Atmung und einen hohen Grad
klinischer und wissenschaftlicher Motivierung. Eine selb­
ständige Abteilung mit Lebensstellungen und Langzeit­
positionen für die Senioranästhesisten garantiert ein
durchgehend hohes Niveau der anästhesiologischen Be­
treuung und bedingt ihre Attraktivität für den Nach­
wuchs.
Blutbank
Von vitaler Bedeutung ist weiterhin das Vorhandensein
eines leistungsfähigen Bluttransfusionsdienstes am Orte, der
dazu in der Lage sein muß, Frischblut und Gerinnungs­
faktoren in beträchtlicher Menge sowie Konserven un­
gewöhnlicher Blutgruppen in einem Umfang zur Verfü­
gung zu stellen, daß Op-Planung und -Durchführung
nicht behindert werden. Ein Blutbedarf von 2 600
Konserven, wie er an der Klinik des Autorsimjahre 1975
bei 500 offenen Herzoperationen erreicht und durch das
zentrale Institut gedeckt wurde, mag die Bedeutung der
leistungsfähigen Blutbank hinlänglich illustrieren.
Radiologie und Labor
Unabdingbar sind eine Röntgenabteilung in unmittelbarer
Nähe der chirurgischen Einheit, die in vielen Fällen auch
die Aufgaben der Angiographie einschließlich Neurora­
diologie übernimmt, ein voll ausgerüstetes klinisch-chemi­
sches Labor sowie ein hämatologisches und Gerinnungslabor.
Die Erfahrung hat gezeigt, daß klinikumszentrale kli­
nisch-chemische Laboratorien in der Regel nicht dazu in
der Lage sind, den Schnellanforderungen der Thorax-,
Herz- und Gefäßchirurgie im Operationsbereich und auf
Intensivpflegestation nachzukommen. Es ist daher erfor­
derlich, ein eigenes Laboratorium für diesen Zweck
aufzubauen.
Andere Dienstleistungsbereiche
Ferner müssen der Klinik für Thorax-, Herz- und
Gefäßchirurgie rund um die Uhr einsatzbereite Konsiliar-
bzw. Bereitschaftsdienste der wichtigsten internistischen
Spezialitäten, insbesondere eine Akut-Dialyseeinheit,
zur Verfügung stehen. Dasselbe gilt für Allgemeinchirurgie
und Neurologie. Im Hinblick auf ein oft sofort erforderli­
ches Eingreifen der Partnerinstitutionen und die Gefähr­
lichkeit längerer Krankentransporte erscheint ihre An­
siedlung in unmittelbarer Nähe der Thorax-, Herz- und
Gefäßchirurgie unverzichtbar. Schnellschnitt- und Obduk­
tionsmöglichkeiten müssen gegeben sein. Ein bakteriologischer
und krankenhaushygienischer Dienst am Orte verstehen sich
von selbst.
Die nahtlose Versorgung der Kranken durch Kranken­
gymnastinnen, auch an Wochenenden und Feiertagen,
muß garantiert sein. Sofern dieser Dienst nicht von einer
zentralen Einheit getragen werden kann, müssen der
Klinik entsprechende eigene Kräfte zur Verfügung ste­
hen.
II. Betriebseinrichtungen für die Klinik für
Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie
Tabelle 2 zeigt die erforderlichen chirurgischen Betriebs­
einrichtungen. Diese sind unterteilt in Einrichtungen,
die unabdingbaren Bestandteil der Klinik für Thorax-,
Herz- und Gefäßchirurgie bilden, und andere, die im
Verbund mit einer chirurgischen Gesamtklinik bzw.
einem Klinikum in der Regel zweckmäßiger und wirt­
schaftlicher betrieben werden können. Der Umfang
dieser Einrichtungen richtet sich nach der Größe der
operativen Einheit und folgt z.T. bekannten Grundsät­
zen, die hier nicht weiter erläutert werden sollen.
I. Unabdingbare Bestandteile der Klinik
Operationsabteilung
Poliklinische Op-Tisch(e) und Ambulanzen
Intensivüberwachungseinheit und Normalstationen
Intensivpflegestation
Sekretariat und Schreibdienst
Dokumentation, Archiv, Fotolabor
Sofortlabor in OP- und Intensivstation
Kardiotechniker-Werkstatt
Forschungslabor
Räumlichkeiten für Lehre und wissenschaftl. Arbeit
(s. Forderungen der neuen A.O.)
II. Fakultativ zentrale Einrichtungen
Aufnahmestation
Septische Operationsmöglichkeit
Instrumentenaufbereitung, Sterilisationseinheit
Sachzentrale
Apotheke
Hol- und Bringdienst
Reinigungsdienst
Tier-OP, Tierhaltung
Tab. 2 Betriebseinrichtungen der Klinik für Thorax-, Herz-
und Gefäßchirurgie
Kardiotechnik 5. Jahrgang/Heft 1/April 1979

Referat
5
5 Tage-Woche
40 Wochen volles Op.-Programm
8 Wochen 50 %
4 Wochen ohne
220 Nutzungstage/Tisch/Jahr
minus 10 %
200
c)
d)
e)
: 2 Op.-Tische/Tag
: 2.5
: 2,5
: 2,5
: Pauschaliert (s.Tab. 7)
0
a) offene Herzoperationen
b) geschlossene Herzopera­
tionen (Verh. a:b 5:1)
Große Thoraxeingriffe
Große Gefäßeingriffe
Notoperationen (hier­
von 20 % gr. Eingriffe)
Kleine Elektiveingriffe,
«
«
einschl. Diagnostik_____________________
Tab. 3 Operationstischnutzung
Das in der Tabelle aufgeführte Bereitschaftslaboratorium für
die Operationseinheit und die Intensivpflegestation wur­
de bereits erwähnt. Zweckmäßigerweise wird dieses
Laboratorium im Rotationsverfahren von medizinisch-
technischen Kräften des Forschungsbereiches versorgt.
Im Hinblick auf die notwenidge Aufrechterhaltung eines
Rund-um-die-Uhr-Dienstes müssen für diesen Zweck 8
medizinisch-technische Kräfte angesetzt werden. Eine
kleine Werkstatt halten wir ebenfalls aus Wirtschaftlich­
keitsgründen für zweckmäßig. In dieser verrichten die
Kardiotechniker einfachere Uberholungs- und Repara­
turarbeiten an Herz-Lungen-Maschinen und Überwa­
Kardiotechnik 5. Jahrgang/Heft 1/April 1979
chungsgeräten, die sonst kostspieliger durch Firmen
übernommen werden.
III. Operativer Bereich
Nutzung der Operationsabteilung
In Tabelle 3 sind die Nutzungstage je Operationstisch
und Jahr sowie die Frequenzen der einzelnen Opera­
tionskategorien in Eingriffen pro Tisch und lag bei
optimaler Nutzung der Operationsplattform dargesteilt.
Ausgegangen wird dabei von einer 5-Tage-Woche bei 40
Wochen eines vollen Operationsprogrammes, 8 Wochen
eines durch Urlaub bedingten halben Programmes und 4
Wochen operationsfreier Zeit (Ostern, Pfingsten, Weih­
nachten sowie sonstige Feiertage). Aus der Erfahrung
ergibt sich ein Abschlag von etwa 10 % von der Summe
jährlich verfügbarer Operationstage, bedingt durch
übermäßige Verlängerung einzelner schwieriger Opera­
tionen, unerwarteten Ausfall von akut erkrankten Pa­
tienten und Defekten an technischen Anlagen. Während
sich aus den jährlich verfügbaren Operationstagen die
Operationsfrequenz der einzelnen Elektiveingriffe er­
rechnen läßt, wird der Anfall kleinerer und notfallmäßi­
ger Operationen von Zentrum zu Zentrum außerordent­
lich variieren. In die folgenden Überlegungen sind daher
aus der Erfahrung stammende Mittelwerte diesbezügli­
cher Operationsfrequenzen eingesetzt worden. Weiter­
hin ging man davon aus, daß die kleineren Elektivopera-
tionen entweder an ambulanten Kranken oder an sol­
chen Patienten vorgenommen wurden, deren stationäre

6
Referat
Behandlung vor und nach der Operation im Idealfall
durch eine klinikumsgemeinsame Aufnahmestation oder
von Partnerdisziplinen bzw. einweisenden Krankenhäu­
sern voll gewährleistet ist. Dagegen belasten alle notfall­
mäßig operierten Patienten den Bettenpool der Chirur­
gie, ein Anteil von 20 % dieser Kranken auch die
Intensivpflegestationen.
Im Hinblick auf die lange und in vielen Fällen auch nicht
genau abschätzbare Dauer des überwiegenden Anteils
fachbezogener Operationen muß im Interesse einer
wirtschaftlichen Nutzung der investierten Mittel die
Nutzungszeit der für Elektivoperationen verfügbaren
Tische auf 11 Stunden, entsprechend einer reinen Opera­
tionszeit von 9 Stunden, veranschlagt werden. Die aus
Gründen der Personaleinsparung mancherorts zu verfol­
gende Tendenz einer Begrenzung der Nutzungszeiten
der Operationsabteilung auf unter 8 Stunden, entspre­
chend 6 Stunden oder weniger reiner Operationszeit,
halten wir von Seiten der notwendigen Krankenversor­
gung, der teuren nicht ausgelasteten technischen Investi­
tion und damit aus volkswirtschaftlichen Gründen für
unvertretbar. Die hier angesetzte Nutzungszeit kann nur
durch zwei überlappende Schichten in allen der elekti-
ven Chirurgie gewidmeten Operatiosnräumen gewähr­
leistet werden. Tab. 4 zeigt am Beispiel eines täglich für
zwei Herzeingriffe mit Hilfe der Herz-Lungen-Maschine
benutzten Operationstisches einen solchen überlappen­
den Einsatz des Pflegepersonals. Zusätzlich muß an
einem der Operationstische — im folgenden als „polikli­
nischer Tisch“ bezeichnet — ein Nachtdienst und ein
Nachtbereitschaftsdienst zur Verfügung stehen.
IV. Intensivpflegebereich
Tab. 5 gibt einen Überblick über Bettenbenutzungstage,
Verweildauer, Betten/-Pflegekraftschlüssel und Betten/-
Arztschlüssel der Intensivpflegestationen einer Klinik für
Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie. Bei der Bettennut­
zung wird von 60 % Belegung ausgegangen. Diese
verhältnismäßig niedrige Belegungsquote resultiert aus
dem schubweisen Anfall von Operierten, der Notwen­
digkeit, Kranke frühzeitig dem Intensivpflegestress zu
entziehen und schließlich der Regel, alle Raumeinheiten
einmal in der Woche zu desinfizieren. Weiterhin müssen
Freibetten für Notfälle vorgehalten werden. Die Verweil­
dauer für Kranke auf chirurgischen Intensivpflegestatio­
nen nach Herzoperationen läßt sich durch Einrichtun­
gen in Nachbardisziplinen in unterschiedlichem Umfang
verkürzen. Desgleichen verringert sich die Verweilzeit
auf der eigentlichen Intensivpflegestation bei Verfügbar­
keit einer chirurgischen Inlensivüberwachungseinheit. Die
letztgenannte Einrichtung trägt gleichermaßen zu einer
Verminderung des Intensifpflegestresses und zur Redu­
zierung des Personalbedarfs bei, da man bei der inter­
mediären Versorgung der postoperativen Kranken mit
einem Betten/-Pflegekraftschlüssel von 1:1 auskommt.
Die Verweildauer auf der chirurgischen Intensivpflege­
station von Kranken nach gefäß- und thoraxchirurgi­
schen Eingriffen ist erfahrungsgemäß weitgehend kon­
stant, da die Patienten durch die entsprechenden Part­
nerabteilungen in der Regel nicht kurzfristig übernom­
men werden können. Chirurgische Intensivüberwa­
chungseinheiten ermöglichen allerdings auch hier eine
mäßige Verkürzung der Verweildauer in der eigentli­
chen Intensivstation.
Ein Betten/-Pflegekraftschlüsse von 1:3 ist für die Inten­
sivpflegestation der Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie
absolut unerläßlich. Er entspricht dem überwiegend
besonders risikobelasteten Krankengut, das mindestens
zur Hälfte beatmet werden muß. Nach internationaler
Auffassung beträgt der Betten/-Pflegekraftschlüssel für
Beatmungsfälle 1:4 (1, 12). Dasselbe gilt grundsätzlich
für die Intensifpflege von Säuglingen und Kleinkindern.
Es sei hier ausdrücklich vermerkt, daß der von der
Deutschen Krankenhausgesellschaft veranschlagte Bet-
ten/-Pflegekraftschlüssel (2) für die Intensivpflegestatio­
nen der I horax-, Herz- und Gefäßchirurgie untragbar
niedrig ist. An vielen operativen Zentren wird nicht
einmal ein Schlüssel von 2:1 erreicht, was zwangsläufig
zu einer Unterversorgung der Kranken oder einer un­
wirtschaftlichen Nutzung von Operationsabteilung bzw.
Normalstation führt. Die Auffüllung fehlender Schwe-
sternstellen durch Sonderwachen trägt diesem Defizit
nicht voll Rechnung und hat sich für diese spezielle
Krankenbetreuung als wenig zuverlässig erwiesen.
Bettenbenutzungstage
(Belegung 60 %)
Verweildauer
offene Herzchirurgie
geschl. Herzchirurgie
Thoraxchirurgie
Gefäßchirurgie
Größere Notfalloperationen
Schlüssel Betten/Pflegekräfte
Schlüssel Betten/Ärzte
* Schlüssel für Säuglings- und Kleinkinderintensivpflege
grundsätzlich 1:4
Tah. 5 Intensivpllegestation
Der Betten/-Arztschlüssel in einer Intensivpflegestation
der 1 horax-, Herz- und Gefäßchirurgie soll bei 1:0,2
liegen, wobei die Anzahl der hier tätigen Ärzte im
Hinblick auf entstehende Freizeiten, Urlaub und Krank­
heit auch bei kleinen Abteilungen vier nicht unterschrei­
ten darf. Ob ein 12-stündiger Schichtdienst oder eine 3 x
8-stündige Rotation in der ärztlichen Betreuung der
Intensivpflegestation durchgeführt werden, ist weitge­
hend von der örtlichen Organisation abhängig. Das
ärztliche Team der Intensivpflege kann sich aus Chirur­
gen, Anästhesisten und Kardiologen zusammensetzen,
die Leitung sollte stets in Händen der Chirurgen liegen.’
V. Stationärer Bereich
In lab. 6 sind Bettennutzungstage und mitt