Klinische Erfahrung mit dem Blutfilter 40066 von SARTORIUS für
die arterielle Linie in der EKZ
H. Bock
Summary
Used over 1 WO times in hospitals, the arterial blood filters 40066 from SARTORIUS have proved reliable even under extreme
conditions.
The following features proved to be particularly beneficial in routine use:
p The flow direction in the filter Blood inlet at the lower side of the filter. Blood outlet at an angle of 90 to the blood inlet. A
simplified hose with no curves liable to kink and savings in hose of around 60 cm.
2. The facility of separate bleeding of the filter chambers, via the appropriate Luer connectors, means that the filter can be bled
very easily without having to change its position.
Prior rinsing with CO2 means that „knocking out“ the micro bubbles can be almost entirely dispensed with. Air bubbles
reaching the filter during operation can be removed easily from both chambers (!).
3. The dome fitted onto the filter serves to calm the flow thus facilitating an improved air elimination in the inside chambers of
the filter.
Einleitung
In enger Zusammenarbeit mit unserer Klinik entwickelte
die Fa. Sartorius im Jahre 1986 ein arterielles Blutfilter
für den Einsatz in der extracorporalen Zirkulation bei
Herzoperationen.
Konstruktion des arteriellen Blutfilters 40066
Dieses Filter besteht aus einem transparenten Filterge
häuse aus Cyrolite, welches das Filtergewebe aus Nylon
mit einer Maschenweite von 40 |im umschließt (Abb. 1).
Zur Stabilisierung des feinen Filtergewebes ist beidseitig
ein Stützgitter aus Polyäthylen angebracht. Das Filterge
webe wird nach der Plissierung mit Polyurethankleber
am Boden und Deckel des Filtergehäuses verklebt. Bei ei
ner effektiven Filterfläche von 650 cm2 beträgt das Füll
volumen 230 ml. Das Blut fließt im Unterschied zu den
meisten angebotenen Filtern von unten durch einen
’/«“-Anschluß in das Innere des Filters und fließt von dort
nach Passage des Filtergewebes in die äußere Filterkam
mer. Der Blutauslaß mit ’/«“-Anschluß ist in einem Win
kel von 90° zum Bluteintritt dicht am Filterboden ange
ordnet. Ein auf dem Filtergehäuse sitzender Dom be
wirkt für das einfließende Blut eine Strömungsberuhi
gung und ermöglicht damit eine gute Abscheidung von
Luftblasen beim Betrieb des Filters. Drei Luer-Anschlüs-
se am Filterdeckel erlauben die separate Entlüftung der
Innen- und Außenkammer des Filters. Die Luft wird
über entsprechende Schläuche ins Kardiotomiereservoir
geleitet. Der dritte Luer-Ansatz dient zur Temperatur
messung oder als Blutentnahmestelle.
Die sorgfältige Füllung und Entlüftung des Filters läßt
sich durch eine vorherige Spülung mit CO2 wesentlich
vereinfachen. Durch langsames Einströmen der Perfu
sionsflüssigkeit bei abgeklemmtem Blutausgang ent
weicht die Luft über die Luer-Ansätze der Filterinnen-
und Außenkammer durch die Entlüftungsschläuche ins
Kardiotomiereservoir, ohne daß das Filter in seiner Posi
tion verändert werden muß.
Material und Methode
Ein Standardschlauchsystem für die Nutzung von Bub
ble- und Membranoxygenatoren besteht für das arterielle
Abbildung 1: Schnittzeichnung des arteriellen Blutfilters 40066
Kardiotechnik 11. Jahrgang/Heft 3/1988
Referat
127
System aus 3/s“-PVC-Schläuchen. In der arteriellen Pum
pe liegt ein 3/s“-Silikonschlauch. Der Schlauch für das ve
nöse Blut hat V2“ Innendurchmesser. Das Saugersystem
hat ’/V-PVC-Schläuche. Das Kardiotomiereservoir von
Polystan mit einem Volumen von 1000 ml und einer Fil
tergröße von 120 |im entlüftet das Saugerblut und leitet
es danach durch ein Sartorius-Kardiotomieblutfilter in
den Oxygenator zurück. Bei Nutzung des Membranoxy-
genators fließt das venöse Blut in ein Reservoir, um von
dort durch die arterielle Pumpe, durch den Oxygenator
und durch das arterielle Filter in den Patienten zu gelan
gen. Die Polystan-Herz-Lungen-Maschine ist mit vier
Pumpen bestückt, das Blut wird mit dem Stöckert Hypo/
Hyperthermiegerät temperiert.
Als Bubble-Oxygenator benutzen wir den Polystan VT
5000 Venotherm mit zwei Wärmeaustauschern sowie den
Membranoxygenator MAXIMA von Medtronic. Für
Säuglinge und Kleinkinder kommen die beiden Master-
flo-Oxygenatoren von Dideco zum Einsatz.
Füllung des Oxygenations- und Schlauchsystems
Die Primärfüllung des Systems mit dem notwendigen Si
cherheitsvolumen liegt beim Bubbleoxygenator bei 2500
ml und 2000 ml für den Membranoxygenator bei erwach
senen Patienten. Für die Säuglings- und Kinderoxygena-
toren werden 700-1000 ml Flüssigkeit zur Füllung benö
tigt.
Die Füllung besteht aus 1000-1500 ml Ringer-Lactat,
500 ml Glucose, 100 ml Natriumbicarbonat, 400 ml 20%
Humanalbumin und 7500 i. E Heparin.
Ein Hämoglobinwert von 7 g% oder der entsprechen
de Hämatokrit von 20% wird nicht unterschritten. Vo
lumenverluste während der Perfusion, durch Urinaus
scheidung oder Blutungen werden mit kristalloiden
Lösungen ausgeglichen. Beim überwiegenden Teil er
wachsener Patienten wird während der Perfusion kein
Blut benötigt.
Patientengut und Perfusionstechnik
Mit Hilfe dieses Systems wurden seit Oktober 1986 über
1500 EKZ mit den Sartorius-Filtern in unserer Klinik
durchgeführt. Ausgewertet wurden 1266 Perfusionen.
Davon kamen 791 Patienten mit degenerativen Herzer
krankungen zur Operation (Tab. 1). 255 Eingriffe an
den Herzklappen (Tab. 2) und es wurden 198 angebore
ne Herzfehler im Kindesalter korrigiert (Tab. 3).
In der Alters- und Gewichtsverteilung der Patienten war
der jüngste Patient 17 Tage alt und wog 2700 g (Tab.
4, 5). Der älteste Patient war 78 Jahre alt. Der schwerste
Patient wog 118,0 kg.
Das Perfusionsvolumen lag zwischen 300 ml und 600
ml/min. Das entspricht einer Perfusionsrate von 2,15 bis
2,50 1/m2 min. Alle Formen der Hypothermie kamen zur
Anwendung. Die tiefste rectal gemessene Temperatur be
trug 16° C, wobei die venöse Bluttemperatur 10° C er
reichte. Bei der Wiedererwärmung wurde eine Tempera
turdifferenz von über 5° C vermieden. Die Perfusion
wurde nicht vor Erreichen einer rectalen Temperatur von
35° C beendet.
Tabelle 1: Anzahl der Perfusionen bei Koronarerkrankungen
ACVB/IMA
1-fach
70
ACVB/IMA
2-fach
168
ACVB/IMA
3-fach
311
ACVB/IMA
4-fach
195
ACVB/IMA
5-fach
47
ACVB + Vent. Aneus.
28
ACVB 4- AKE
38
ACVB + MKE
10
ACVB + AKE + MKE
5
Gesamt
791
Tabelle 2: Anzahl der Perfusionen bei isolierten Herzklappen
eingriffen
AKE
154
MKE
68
TKE
4
AKE + MKE
27
AKE + MKE + TKE
2
Gesamt
255
Tabelle 3: Anzahl der Perfussionen bei angeborenen Herzfeh
lern
ASD
30
VSD
15
ASD + VSD
7
A-V-Kanal
16
Fallot’s
38
TGA
23
DORV
9
Single Ventrikel
2
Cor Atrium
2
Fontan
15
Conduit-Op.
11
Aortenventriculoplastik
5
Aortenstenosen
24
Gesamt
198
Perfusionszeiten
Bei einer mittleren Perfusionszeit von 125 Min. dauerte
die kürzeste Perfusion 17 Minuten (Tab. 6), die längste
Perfusion nach kardiochirurgischem Eingriff mit an
schließender Linksherzunterstützungsperfusion 579 Mi
nuten.
Zur Entlastung des rechten oder linken Ventrikels mit
Hilfe einer Zentrifugalpumpe (CENTRIMED) betrug
die längste Perfusion mit art. Filter 194 Stunden.
Kardiotechnik 11. Jahrgang/Heft 3/1988
128
Referat
Tabelle 4: Altersverteilung
70 Jahre
128
Gesamt
1266
Tabelle 6: Perfusionszeit
bis
60 min
111
bis
120 min
620
bis
180 min
358
bis
240 min
89
bis
300 min
59
über
300 min
29
Gesamt
1266
Tabelle 3: Gewichtsverteilung
80.0 kg
330
Gesamt
1266
Hämolyse
Abbildung 2: Hämolyserate
Siebdruck
Die routinemäßig durchgeführten Druckmessungen in
der Innen- und Außenkammer des Filters ergaben eine
Druckdifferenz von 3—14 mm Hg in Abhängigkeit vom
Perfusionsvolumen, Hämatokrit und Bluttemperatur.
Ein Ansteigen der Druckdifferenz als Anzeichen einer
Filterverstopfung wurde nicht beobachtet.
Hämolyse
Mit einem Anstieg von 0,31 mg %/min freies Hämoglo
bin im Plasma lag nach einer Stunde die mittlere Hämo
lyserate bei 18,4 mg % (Abb. 2). Nach 140 Minuten Per
fusionszeit stieg die Hämolyse auf 66,1 mg %, was einem
Anstieg auf 0,52 mg %/min entspricht.
Zusammenfassung
Bei über 1 500 Einsätzen im klinischen Betrieb haben sich
die arteriellen Blutfilter 40066 von SARTORIUS auch
unter extremen Anforderungen an die Leistungsfähigkeit
als zuverlässig erwiesen.
Als besonderer Vorteil erwies sich im Routinebetrieb:
1. Die Flußrichtung im Filter
Bluteingang an der Unterseite des Filters
Blutausgang im Winkel von 90° zum Bluteingang.
Eine vereinfachte Schlauchführung ohne abknickge-
fährdete Schlauchbogen und ein Einsparen von
Schlauch in der Größenordnung von 60 cm.
2. Durch die Möglichkeit der separaten Entlüftung bei
der Filterkammern über die entsprechenden Luer-An-
sätze läßt sich das Filter sehr leicht entlüften, ohne
die Position des Filters verändern zu müssen. Mit
vorheriger COj-Spülung entfällt das „Ausklopfen“
der Microblasen fast gänzlich.
Im Betrieb lassen sich Luftblasen, di