Zwei moderne Hohlfasermembranoxygenatoren
P.A.M. Everts, T.M. van den Berg ……………………………………………….. 28
Absolventen der Akademie für Kardiotechnik:
Bericht nach einem Jahr
A. Winkel, R. Lode, B. Lindgren, M. Rothe……………………………………. 34
Drei Jahrzehnte Herzschrittmachertherapie
M. Zegelmann, J. Kreuzer, R. Wagner, F. Beyersdorf, R. Rahn …. 37
Pressemitteilungen………………………………………………………………………. 44

4
Referat
Aus der Klinik u. Poliklinik für Herzchirurgie (Direktor: Prof. Dr. E. R. de Vivie) der Universität Köln
Eine miniaturisierte Herz-Lungen-Maschine
I. Krüger*, F. Ghussen
Summary
A simple, reliable and efficient miniaturized extracorporeal circulation system for perfusion of small organs has been described.
The system consists of a newly devised bubble-oxygenator, heat exchanger, commercially available roller pump, and silicone
tubes. The minimal priming volume was 4.7 ml, the flow rates ranged between 1 and 20 ml/min.
Es wird eine miniaturisierte Herz-Lungen-Maschine zur
extrakorporalen Perfusion kleiner Organe bei Flußraten
von 1 bis 20 ml/min vorgestellt. Bei der Entwicklung die­
ses Aggregates war die Frage zu klären, ob es bei der
kleinen Bauweise gelingt, eine zuverlässige und zufrie­
denstellende Funktion der einzelnen Bauteile zu errei­
chen. Diese sollte vor allem anhand der Oxygenierungs-
leistung des Oxygenators, der Wärmeübergangskoeffi­
zienten des Wärmetauschers und der Hämolyseraten des
Gesamtaggregates in-vitro objektiviert werden.
Material und Methodik
Die Herz-Lungen-Maschine bestand aus einem miniatu­
risierten Bubble-Oxygenator, einem flexiblen Wärmetau­
scher und einer kleinen Rollerpumpe.
Der Oxygenator
Der Oxygenator wurde nach dem Prinzip des Gasdisper-
sions-Bubble-Oxygenator konzipiert und aus Plexiglas
gefertigt. Der Aufbau des Oxygenators wird in Abbil­
dung 1 dargestellt.
Die Basis der Konstruktion bildete ein Hohlzylinder mit
abgeschrägter Bodenfläche, auf den ein Kopfteil mit in­
nen abgerundetem Deckel aufgesteckt wurde. In das Lu­
men des Kopfteils, ebenfalls ein Hohlzylinder, war ein
kleiner Becher eingebaut, der von den Blut- und Gaszu­
leitungsröhrchen getragen wurde. In diesen Becher war
eine Glasfritte (Porengröße G2) unterhalb des Blut- und
oberhalb des Gaszuleitungsröhrchens eingebracht, die
von einer eingedrehten Halterung fixiert wurde. Am un­
teren Ende ging aus dem Kopfteil ein Rohr mit am Ende
aufgeklebten Rippen hervor, in dem sich der Vorent­
schäumer (Polyäthylenschaum mit 3—6 Poren/cm)1 be­
fand. Außen wurde das Rohr über den Rippen mit einem
Entschäumersystem aus einem Polypropylennetz (Mono­
filamentdicke 0,17—0,22 mm)2, einem Polyurethan­
schaum (7—10 Poren/cm)3 und einem abdeckenden Ny­
longewebe umgeben.
Durch das Gaszuleitungsröhrchen unterhalb der Glas­
fritte strömte das angefeuchtete Oxygenierungsgas mit
einem Durchfluß von 10:1 im Verhältnis zum Blutfluß
ein. Das Blut floß oberhalb der Glasfritte ein und wurde
so zu Blasen mit einem Durchmesser von ca. 2 mm auf­
geschäumt. Nach einer Schaumphase von ca. 90 Sekun-
Blut
Schnitt A-A
Abbildung 1: Schematische Darstellung des Oxygenators
a Glasfritte
b Vorentschäumer
c Hauptentschäumer
d Reservoir
Gas
2 cm
den passierte das Blut den Vorentschäumer und danach
das Hauptentschäumersystem. Das oxygenierte und ent­
schäumte Blut wurde im Reservoir gesammelt, während
das Gas den Oxygenator durch eine Öffnung in der
Wand des Basiszylinders verließ.
Der Oxygenator konnte mit einem minimalen Füllvolu­
men von 2,5 ml Blut betrieben werden.
Der Wärmetauscher
Der Wärmetauscher wurde aus Silikonschläuchen und
Verbindungsteilen aus Messing nach dem Gegenstrom­
prinzip konstruiert. Sein Aufbau geht aus der Abbildung
2 hervor.
‘Fa. Bentley Laboratories, Inc., Santa Ana, USA
2Fa. Bentley Laboratories Inc., Santa Ana, USA
3Fa. Bentley Laboratories Inc., Santa Ana, USA
Kardiotechnik 12. Jahrgang/Heft 1/1989

Referat
5
Heizwasser
Abbildung 2: Schematische
Darstellung des Wärmetau­
schers
Der blutführende Silikonschlauch mit einem Innen­
durchmesser von 2 mm und einer inneren Oberfläche
von 15,1 cm2 bei einem Volumen von 0,75 cm3 wies keine
Metallteile auf, da die Durchtrittsstellen durch das Mes­
sing mit Silikondichtmasse abgedichtet waren. Die Heiz­
wasser führenden Schläuche waren aus Silikonschläu­
chen mit 8 bzw. 15 mm Innendurchmesser und entspre­
chend großen Messingrohren als Verbindungsteilen auf­
gebaut.
Die Pumpe
Es fand eine Masterflex Rollerpumpe (Modell 7566,
Pumpenkopf Nr. 7013, Schlauch Nr. 6408/41)4 Verwen­
dung. Die Drehzahl der mit drei Rollen ausgestatteten
Pumpenköpfe ließ sich stufenlos regulieren, der erzielte
Blutfluß konnte an einer Skala direkt in ml/min abgele­
sen werden. Das Füllvolumen der Pumpe sowie sämtli­
cher Verbindungsschläuche sowie der Perfusionskatheter
betrug 1,45 ml.
In-vitro-T estung
Für die folgenden Untersuchungen wurde das Aggregat
zwischen den Perfusionskathetern kurzgeschlossen (sie­
he Abbildung 3). Zur Blutzufuhr oder Abnahme fanden
Plexiglas-T-Röhrchen Verwendung.
Alle Messungen wurden 5mal durchgeführt (n = 5).
Oxygenierungsleistung
Zur Ermittlung der Oxygenierungsleistung wurde venö­
ses Blut mit einem Hb von 14,9 g/dl, einem pH von
7,314, einem pO2 von 5,32 kPa und einer Sauerstoffsätti­
gung von 69% bei 23°C Bluttemperatur mit der Pumpe
bei Flußraten von 1, 5, 10 und 20 ml/min in den Oxyge­
nator gegeben. Als Oxygenierungsgas wurde ein Ge­
misch aus 99,15% O2 und 0,85% CO2 bei einem Gas-/
4Cole Parmer Instruments co., Chicago, USA
Abbildung 3: Schema des
Versuchsaufbaues
OXYG. Oxygenator
A Cal. Wärmetauscher
a. c.
arterieller Perfu­
sionskatheter
v. c.
venöser Perfusions­
katheter
Tg
Temperaturdesein­
strömenden Blutes
Ta
Temperatur des
ausströmenden Blu­
tes
Px Druckmeßstellen
Kardiotechnik 12. Jahrgang/Heft 1/1989

6
Referat
Blutfluß-Verhältnis von 10:1 verwendet. Nach einmali­
ger Passage des Oxygenators wurden Blutproben zur
pO2- und SOj-Bestimmung entnommen.
Die Sauerstoffaufnahme wurde nach dem 2. Fick’schen
Gesetz berechnet, wobei der physikalisch gelöste Anteil
unberücksichtigt gelassen wurde.
VO2 = SAO2 – SVO2
100
O2 Kap.
100
Q
VO2 Sauerstoffaufnahme in ml/min
SAO2 arterielle Sauerstoffsättigung
SVO2 venöse Sauerstoffsättigung
O2Kap. Sauerstoffkapazität, errechnet sich aus Hüfner-
Zahl und Hb des Blutes
Q Blutdurchströmung in ml/min
Wärmeübergangskoeffizient
Die Temperaturmessungen erfolgten mittels Eilab AK-85
Sonden, die in das Lumen des blutführenden Schlauches
eingebracht waren, über das Eilab Universalthermometer
TE-3S6.
Abbildung 4: Abhängigkeit des Sauerstoffpartialdruckes vom
Blutfluß in dem beschriebenen Oxygenator
Der Wirkungsgrad des Wärmetauschers wurde als Funk­
tion des Wärmeübergangskoeffizienten vom Stromvolu­
men für Flußraten zwischen 1 und 20 ml/min nach Gal-
letti und Brecher (4) errechnet:
C Wärmeübergangskoeffizient
Te Temperatur des einströmenden Blutes
Ta Temperatur des ausströmenden Blutes
Th Temperatur des Heizwassers
Druckamplituden
Der Pumpendruckverlauf wurde hinter der arteriellen
Pumpe (Meßstelle Po in Abb. 3) und hinter dem Perfu­
sionskatheter (Meßstelle P2) bei Flußraten von 1, 2, 3
und 4 ml/min gegen einen Druck von 50, 60, 70 und 80
mmHg bestimmt, der durch Kompression des abführen­
den Schlauches eingestellt wurde. Der Druck an den ver­
schiedenen Meßstellen wurde über einen Druckmeß­
wandler (P 23 ID)7 und eine Meßbrücke (Heilige Reco-
med)8 bestimmt. Der Druckverlauf wurde über einen
Schreiber aufgezeichnet, so daß die Druckamplituden
ausgemessen werden konnten.
Hämolyse
Die Bluttraumatisierung wurde durch Bestimmung des
freigesetzten Plasmahämoglobins nach 30 bzw. 60 Minu­
ten Zirkulationszeit bei einer Flußrate von 2 ml/min und
einer Bluttemperatur von 37° C überprüft.
Ergebnisse
Oxygenierungsleistung
Unter den definierten Bedingungen zeigte der erzielte
Sauerstoffpartialdruck bei den verschiedenen Flußraten
den in Abbildung 4 dargestellten Verlauf.
Die Sauerstoffsättigung lag dabei jeweils bei 99,9% bzw.
99,5% bei einer Flußrate von 20 ml/min. Daraus errech­
nete sich eine konstante Sauerstoffaufnahme von 0,061
ml O2/ml Blut/min.
Wärmeübergangskoeffizient
Bei der Bestimmung der Wärmeübergangskoeffizienten
als Funktion des Blutflusses wurde der in Abbildung 5
gezeigte Verlauf ermittelt. Dabei ergab sich bei einem
Blutfluß von 10 ml/min, entsprechend dem 14fachen des
Füllvolumens, ein Wärmeübergangskoeffizient von über
0,5.
Abbildung 5: Abhängigkeit der Wärmeübergangskoeffizienten
vom Blutfluß in dem beschriebenen Wärmetauscher
sFa. Elektrolaboratories Eilab A/S, Kopenhagen, Dänemark
6Fa. Elektrolaboratories Ellab A/S, Kopenhagen, Dänemark
7Fa. Heilige, Freiburg i. Breisgau
8Fa. Heilige, Freiburg i. Breisgau
Kardiotechnik 12. Jahrgang/Heft 1/1989

Der Mittelweg
mag zwar golden
sein, aber Gold ist
auch nicht immer
das Richtige
RAUMEDIC0 ECC noDOP
Wir stehen Ihnen gerne Rede und Antwort.
Rufen Sie uns doch an,
Tel.: 092 83/7728 60, (H. Wolfrum)
RAUMEDIC® ECC noDOP, unser DEHP-
freies Material ist sicher eines nicht:
mittelmäßig. Sonst wäre es nicht in der La­
ge, Weichmachenwanderung und das da­
mit verbundene Restrisiko auf ein Minimum
zu reduzieren. Genau das aber ist der Vor­
teil von RAUMEDIC® ECC noDOP. Denn wir
glauben: Mittelmaß hat in der Herzchirurgie
nichts zu suchen. Oder?
REHAU AG+Co
Sparte Medizin
Rheniumhaus
8673 Rehau

8
Referat
Druckamplituden
Es konnte keine Abhängigkeit der Druckamplituden vom
Gegendruck ermittelt werden. Bei den verschiedenen
Flußraten ergab sich an den definierten Meßpunkten der
in Abbildung 6 dargestellte Verlauf der Druckamplituden.
Hämolyse
Die Bestimmung des freigesetzten Hämoglobins ergab
nach 30 Minuten Zirkulationszeit einen Anstieg gegen­
über dem hämolysefreien Ausgangswert auf 26,5 ± 5 mg/
dl und nach 60 Minuten Zirkulationszeit auf 47,5 ± 5 mg/
dl.
Diskussion
Der Oxygenator wurde nach dem Gasdispersions-Bub­
ble-Prinzip konstruiert, weil es eine einfache Bauweise
und Handhabung sowie ein außerordentlich hohes Oxy-
genierungsvermögen bei niedrigem Füllvolumen gewähr­
leistet (1). Um eine gute Sauerstoffaufnahme des Oxyge­
nators zu erreichen, wurde mit einer langen Dispersions­
zeit (1. Fick’sches Gesetz) und dem hohen Gas-/Blut-
flußverhältnis von 10:1 gearbeitet. Die niedrige Arbeits­
temperatur des Oxygenators begünstigte ebenfalls die
Oxygenierung des Blutes, die als exothermer Vorgang
nach der Gibbs-Helmholtz’schen Gleichung bei niedri­
gen Temperaturen leichter abläuft. Die mit dem vorge­
stellten Oxygenator erreichte Sauerstoffaufnahme lag
deutlich höher als die des Temptrol-Oxygenators, einem
Vertreter moderner Bubble-Oxygenatoren (3). Sie ent­
sprach dabei den bei Borst (1) angegebenen Werten der
für die Klinik geeigneten Filmoxygenatoren. Der erzielte
Sauerstoffpartialdruck fiel zwar mit steigenden Durch­
flußraten ab, erreichte aber bei einem Blutfluß von 20
ml/min, entsprechend dem 8fachen des minimalen Füll­
volumens, noch einen Wert von 31,86 kPa. Damit war
die arteriovenöse pO2-Differenz mit 26,66 kPa noch sehr
hoch und zur Oxygenierung des Blutes voll ausreichend.
Der flexible Wärmetauscher wurde aus Silikonschläu­
chen gefertigt. Dieses Material zeichnet sich durch eine
gute Blutverträglichkeit aus (6), ist aber ein schlechter
Wärmeleiter. Durch die relativ große innere Oberfläche
des blutführenden Schlauches im Verhältnis zum Füllvo­
lumen wurde trotzdem ein guter Wirkungsgrad erreicht.
Fluß [ml-min-1]
o hinter der Pumpe
• hinter dem Katheter
Abbildung 6; Verlauf der Druckamplituden bei verschiedenen
Flußraten an den beschriebenen Meßstellen
Bei der Zusammenstellung der Herz-Lungen-Maschine
fand eine handelsübliche Rollerpumpe Verwendung. Das
nach dem Prinzip der De Bakey Rollerpumpe aufgebaute
Modell zeichnet sich durch gute Steuerbarkeit und einfa­
che Reinigung des blutführenden Silikonschlauches aus.
Obwohl mit diesem Pumpentyp ein pulsatiler Fluß er­
zeugt wird, konnten wegen des nachgeschalteten Wär­
metauschers und der Perfusionskatheter keine großen
Druckamplituden erreicht werden. Dieser unphysiologi­
sche Druckverlauf führte im Tierexperiment zu einem
Vasospasmus, dem durch die Gabe von Papaverin begeg­
net werden mußte (5).
Ein wichtiger Gesichtspunkt zur Beurteilung einer Herz-
Lungen-Maschine ist die bei der extrakorporalen Perfu­
sion ausgelöste Bluttraumatisierung. Bei der kleinen Bau­
weise des vorgestellten Aggregates kommt es zu einer re­
lativen Erhöhung der inneren Oberfläche gegenüber dem
Füllvolumen, die sich durch den vermehrten Blutkontakt
mit Fremdoberflächen ungünstig auf die Bluttraumatisie­
rung auswirken mußte. Die zur Erzielung einer hohen
Sauerstoffaufnahme notwendige lange Dispersionszeit
im Oxygenator führte zu einer erhöhten Hämolyse, die
proportional zur Dispersionszeit ansteigt (2). Auch die
Trennung des Wärmetauschers vom Oxygenator hatte
durch die resultierende niedrige Arbeitstemperatur eine
höhere Hämolyse als bei Erwärmung des Blutes auf Kör­
pertemperatur zur Folge (2). Dennoch konnte eine zu­
friedenstellend niedrige Bluttraumatisierung, gemessen
als Freisetzung von Plasmahämoglobin, erzielt werden.
Bei einem minimalen Füllvolumen von 4,7 ml und einer
maximalen Flußrate von ca. 20 ml/min der gesamten
Herz-Lungen-Maschine konnte eine zuverlässige und zu­
friedenstellende Funktion der einzelnen Bauteile nachge­
wiesen werden, die in den überprüften Parametern mit den
in der Klinik eingesetzten Aggregaten vergleichbar sind.
Mit diesem Aggregat konnten tierexperimentelle Unter­
suchungen zur Extremitätenperfusion der Ratte erfolg­
reich durchgeführt werden (5). Darüber hinaus sind kli­
nische oder experimentelle Anwendungen zur extrakor­
poralen Perfusion kleiner Organe denkbar.
Literatur
1. Borst, H. G.: Die künstlichen Oxygenatoren. Thoraxchirurgie 6: 312
(1959)
2. Bücheri, E. S.: In-vitro-Untersuchungen zur Frage der Blutveränderun­
gen bei Verwendung einer künstlichen Lunge nach dem Gasdispersions­
prinzip. Thoraxchirurgie 5: 63 (1957)
3. Clark, R. E., Mills, M. .-The infant temptrol oxygenator. J. Cardiovasc.
Surg. 60: 54 (1970)
4. Galletti, P. M., Brecher, G.A.: Heart lung bypass. Grüne & Stratton,
New York (1962)
5. Krüger, I., Ghussen, E, Nagel, K., Isselhard, VF.: Ein neues Modell zur
regionalen Extremitätenperfusion der Ratte — Stoffwechsel und Hämo­
dynamik. Z. exp. Chir. Transplant, künstl. Organe 20: 257 (1987)
6. Lymann, D. J.,Muir, W. M., Lee, I. /..The effect of chemical structure and
surface properties of polymers on the coagulation of blood. I. Surface free
energy effects. Trans. Amer. Soc. Artif. Intern. Organs 11: 301 (1965)
7. Peirce, E. C.: Extracorporeal circulation for open heart surgery. Tho­
mas, Springfield (1969)
Anschrift des Verfassers:
Dr. Ingo Krüger
Klinik u. Poliklinik für Herzchirurgie
Joseph-Stelzmann-Str. 9
5000 Köln 41
Kardiotechnik 12. Jahrgang/Heft 1/1989

Referat
9
Aus der Klinik für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie der Medizinischen Hochschule Hannover und der Abteilung für
Gefäßchirurgie des St.-Johannes-Hospitals Dortmund
Der Einfluß unterschiedlicher proximaler Kanülierung des TDMAC-
Heparin-Shunts auf Druck- und Flußparameter
A. Mumme, W. Maatz, A. Haverich und G. Walterbusch
Einleitung
Gefäßrekonstruktionen im Bereich der Aorta descendens
sind infolge der Kreislaufunterbrechung mit dem Risiko
ischämischer Organschäden behaftet. Besonders ge­
fürchtet sind die Rückenmarksläsionen mit nachfolgen­
der Querschnittslähmung. Um solche Komplikationen
zu vermeiden, wurden eine Reihe pumpengesteuerter
Verfahren zur Aufrechterhaltung der Perfusion in der
unteren Körperhälfte angegeben (1, 2, 3). Deren wesent­
licher Nachteil wird in der Notwendigkeit der systemi­
schen Antikoagulation und der damit verbundenen er­
höhten Blutungsgefahr gesehen. Alternativ hierzu kann
der von Grode und Gott (4) konzipierte TDMAC-Hepa-
rin-Shunt eingesetzt werden, der mit einer antithrombo-
genen Innenfläche (Tridodecyl-Methylammoniumchlo-
rid in Verbindung mit Heparin-Natrium) beschichtet ist
und den Verzicht sowohl auf eine systemische Antikoa­
gulation als auch auf eine Pumpenunterstützung ermög­
licht.
Im klinischen Einsatz richtet sich die Wahl der proxima­
len Shuntkanülierung nach der Ausdehnung des erkrank­
ten Gefäßabschnittes und den anatomischen Gegeben­
heiten im Operationssitus. Im allgemeinen wird die linke
A. subclavia als Kanülierungsstelle bevorzugt. Dieses Ge­
fäß kann in endständiger und — mit Hilfe einer kurzen
Gefäßprothese — in seitenständiger Position des Shunts
angeschlossen werden. Im Falle einer Unzulänglichkeit
der linken A. subclavia ist alternativ die Kanülierung des
linken Ventrikels via Herzspitze möglich. Letzterer Ka-
nülierungsort erscheint wegen seines einfachen Zugangs
besonders attraktiv. Inwieweit dadurch allerdings die hä-
modynamische Effektivität des Shunts beeinflußt wird,
sollte in einer experimentellen Studie geklärt werden.
Methodik
Die Untersuchung wurde an sieben erwachsenen Misch­
lingshunden mit einem durchschnittlichen Körperge­
wicht von 23 kg (20—28 kg) durchgeführt. Oberhalb der
Aortenokklusion wurden der Blutdruck in der A. carotis
externa (pl) und der Fluß im Tr. pulmonalis (Ql) be­
stimmt. Zusätzlich wurde, unter der besonderen Frage
der Flußrichtung, jenseits des Shuntanschlusses der Fluß
in der linken A. subclavia (Q3) gemessen. Weiterhin wur­
den in der unteren Körperhälfte der Druck in der A. fe­
moralis (pl) und der Fluß in der A. descendens direkt
unterhalb der Shunteinmündung (Q2) ermittelt.
Abbildung 1: Der TDMAC-Heparin-Shunt
Aus den mittels mechano-elektrischem Druckwandler ge­
wonnenen Ergebnissen der Druckmessung wurden die
Mitteldruckwerte errechnet. Zur Flußmessung dienten
elektromagnetische Flußaufnehmer (Flowmeter Heilige
Servomed). Es konnten drei unterschiedliche Blutströ­
mungen simultan bestimmt werden. D