Operative Techniken der Myokardprotektion mit Blutkardioplegie
F. Beyersdorf, K. Sarai, L. Eckel, G. Matheis, P. Satter…………………………………………………………………
Neues aus der Industrie……………………………………………………………………………………………….
Das Portrait
Rehau AG + Co………………………………………………………………………………………………………….. 28
Das Klinikportrait
Klinik für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie, Frankfurt/M……………………………………. 31
Mitteilungen der DGfK………………………………………………………………………………………………. 34
Kongreßnotizen…………………………………………………………………………………………………………… 37
Kongresse, Veranstaltungen………………………………………………………………………………………… 38
Heft 2/93
Heft 3/93
Erscheinungstermin
19. 5.1993
Einsendeschluß für
• redaktionelle Beiträge
1. 3.1993
• Anzeigenaufträge
13. 4.1993
Leitthema:
Datenverarbeitung in der Kardiotechnik
Erscheinungstermin
15.10.1993
Einsendeschluß für
• redaktionelle Beiträge
6. 8.1993
• Anzeigenaufträge
17. 9.1993
Leitthema:
Tachycarde Rhythmusstörungen
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Editorial
seit Beginn der Herzchirur­
gie ist die intraoperative
Myokardprotektion ein
wichtiger Bestandteil der ge­
samten operativen Strate­
gie. Grundlagen der Myo­
kardprotektion basieren auf
den Arbeiten von Bret-
schneiderund seinen Mitar­
beitern sowie den Ergebnis­
sen der Hamburger (Bleese,
Döring, Kalmar, Kirsch, Po-
kar, Rodewald) und der
Londoner Gruppe (Braim-
bridge, Hearse, Jynge), die
in den siebziger Jahren zei­
gen konnten, daß der kar-
dioplegische Herzstillstand
anderen Myokardprotekti­
onsformen (z. B. direkte
Koronarperfusion oder nor-
motherme Aortenabklem­
mung) überlegen ist. Auf­
grund dieser Studien wird
heute an den meisten herz­
chirurgischen Zentren eine
Form der Kardioplegie in­
traoperativ angewandt. Aber
auch andere, nicht-kardio-
plegische Protektionsme­
thoden (z.B. hypothermes
Kammerflimmern) werden
mit gutem klinischen Er­
folg angewandt, wodurch
erneut unterstrichen wird,
daß das Resultat eines
herzchirurgischen Eingrif­
fes vom guten Zusammen­
spiel aller Faktoren – nicht
nur der Myokardprotektion
– abhängt. Wegen der kom­
plexen Interaktionen vie­
ler Faktoren während des
herzchirurgischen Eingriffs
ist eine sofortige, klinisch
einfache Überprüfung der
Qualität der jeweiligen
Myokardprotektion oft
nicht möglich. Darin mag
zum Teil eine Erklärung für
die große Anzahl unter­
schiedlicher Methoden lie­
gen. Wünschenswert wäre
ein einfaches, kontinuierli­
ches On-line-Monitoring
der Qualität der Myokard­
protektion. Die einzige bis­
her praktikable Lösung, die
Messung der Myokardtem­
peratur, gibt leider keine
Auskunft über den metabo­
lischen Status des Herzens,
wie die Studien von Khuri
und Mitarbeitern gezeigt
haben. Eventuell wird in
den nächsten Jahren durch
die Messung von myokar­
dialem pH oder pO2 eine
verläßlichere Methode zur
Verfügung stehen.
Aufgrund der großen Verän­
derungen im herzchirurgi­
schen Patientengut (z.B. Al­
ter, grenzwertige Ventrikel­
funktion, diffuse Koronar­
sklerose, Notfall-Patienten,
Rezidiv-Eingriffe, Dialyse-
Patienten) und in der Ent­
wicklung neuerer, zeitauf­
wendiger Operationsme­
thoden (z.B. vollständige ar­
terielle Revaskularisation,
Mitralklappenplastik etc.)
wird versucht, die vorhan­
denen akzeptierten Grund­
prinzipien der kardioplegi-
schen Myokardprotektion
an das neue Patientengut
anzupassen und weiter zu
verbessern. Neuere Ent­
wicklungen auf dem Gebiet
der kardioplegischen Myo­
kardprotektion erstrecken
sich sowohl auf die Zusam­
mensetzung der Lösung als
auch auf die Verteilung im
Myokard.
Die Zugabe von Sauerstoff
zu kardioplegischen Lösun­
gen wird bereits seit vielen
Jahren sowohl bei kristal-
loiden (z.B. Hamburger
Kardioplegie) als auch bei
bluthaltigen kardioplegi­
schen Lösungen durchge­
führt. In letzter Zeit erschei­
nen vermehrt Arbeiten, die
zeigen, daß der Zusatz von
Sauerstoff zu kardioplegi­
schen Lösungen bei langen
Abklemmzeiten bzw. Risi­
kopatienten eine deutliche
Verbesserung erbringen
kann, wie zum Beispiel
Arbeiten über die oxyge-
nierte St.-Thomas-Lösung
oder, wie in diesem Heft
vorgestellt, über die oxy-
genierte Bretschneider-Lö-
sung.
Durch den Zusatz von Sau­
erstoff zu kardioplegischen
Lösungen ist man in die
Lage versetzt worden, von
einem der Basisprinzipien
der Myokardprotektion,
der Hypothermie, abzurük-
ken. Zahlreiche Studien
zeigen, daß durch warme
Gabe der Kardioplegie zu
Beginn und am Ende der
Aortenabklemmung eine
Verbesserung des metabo­
lischen Status des Myo­
kards bei Patienten im kar­
diogenen Schock zu errei­
chen ist. Diese Arbeiten
waren die Grundlage für
die neueste Entwicklung
auf dem Gebiet der Myo­
kardprotektion, der konti­
nuierlichen warmen Gabe
derBlutkardioplegie durch
die Toronto-Gruppe.
Verbesserungen in der
Verteilung der kardioplegi­
schen Lösungen sind durch
die retrograde Gabe der Lö­
sungen möglich (direkte
Gabe in den rechten Vorhof,
offene Kanülierung des Ko­
ronarsinus oder transatriale
Kanülierung des Koronarsi­
nus), wobei die transatriale
Kanülierung des Koronarsi­
nus technisch einfach ist
und daher in den meisten
Fällen bevorzugt wird.
Die ausgedehnte For­
schung auf dem Gebiet der
Myokardprotektion hat zu
Ergebnissen geführt, die
sich auch auf andere Organ­
systeme, die einer temporä­
ren Ischämie unterworfen
werden, anwenden lassen.
Dies trifft besonders für
die Transplantationschirur­
gie (Herz, Lunge, Nieren,
Leber, Pankreas) sowie für
akute Ischämie derExtremi-
täten (Replantation, arte­
rielle Embolie und Throm­
bose) zu.
Das große und sich weiter­
entwickelnde Gebiet der
Organprotektion betrifft in
zunehmendem Umfang
den Kardiotechniker, der
durch die Herstellung und
Gabe dieser Lösungen
unter Temperatur-, Druck-
und Flußkontrolle immer
mehr involviert ist. Diese
Ausgabe der Zeitschrift
KARDIOTECHNIK ist
daher der Organprotektion
gewidmet. In den einzel­
nen Beiträgen wird in
Übersichtsreferaten die
Blutkardioplegie und die
Bretschneider- Kardioplegie
dargestellt. Darüber hin­
aus werden neuere For­
schungsergebnisse über die
Zusammensetzung und
Verteilung von kardioplegi­
schen Lösungen vorge­
stellt.
Ihr
Dr. Friedhelm
Beyersdorf, PD,
Universitätsklinik
Frankfurt/M.
KARDIOTECHNIK 1/93
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E
Kardioplegie mit HTK-Lösung f
und monoatriale venöse
Kanülierung mit Zweistufen­
katheter
Zusammenfassung
In einer klinischen Studie
wurden die Auswirkungen
der kompletten Aufnahme
der kardioplegischen Lösung
HTK nach Bretschneider bei
Nutzung des venösen Zwei­
stufenkatheters untersucht.
Im Vergleich zur Aussaugung
des Perfusates aus dem rech­
ten Vorhof im totalen kardio­
pulmonalen Bypass wird eine
höhere, aber tolerable Hämo-
dilution induziert. Die Verän­
derungen im Elektrolythaus­
halt sind bezüglich Natrium
und Kalium nicht relevant, Bi­
lanzverluste von Magnesium
und Spurenelementen treten
ein. Die Aufnahme des Puf­
fers „Histidin“zeigt keine Ne­
benwirkung, das Ausmaß des
perioperativen Postaggressi­
onssyndroms kann gemildert
werden.
Schlüsselwörter
HTK-Kardioplegie, Zweistu­
fenkatheter, Hämodilution,
Elektrolythaushalt, Amino-
säurestofifwechsel.
Summary
The effects of a complete up­
take of the cardioplegic soluti­
on HTK according to Bret­
schneider using venous two-
stage-catheter have been eva­
luated in a clinical study.
Comparing to double-venous
canulation technique inclu­
ding total cardiopulmonary
bypass with succing the perfu­
sed solution from right atri­
um a higher, but tolerable he­
modilution is induced. Altera­
tions in electrolyte-levels are
of no relevance concerning
sodium and potassium. Calcu­
lation of electrolyte balance
show considerable loss of ma­
gnesium and trace-elements.
There are no side-effects ac­
cording to the up-take of the
biological buffer „histidine“.
The extent of the usual peri­
operative postaggression-syn­
drom may be reduced.
Keywords
HTK-Cardioplegia, two-stage-
catheter, hemodilution, ba­
lance of electrolytes, metabo­
lism of aminoacids
Einführung
Die monoatriale Kanülierung
mit venösem Zweistufenka­
theter wird in zahlreichen kar-
diochirurgischen Zentren der
Bundesrepublik als Methode
der ersten Wahl in der Links­
herzchirurgie genutzt. Vortei­
le sieht man in der einfachen
Applikation, der Vermeidung
potentieller Verletzungsstel­
len (z.B. 2. Kanülierungsstel-
le, Anschlingungsstellen für
totalen Bypass) und der gerin­
geren Gefahr der rechtsventri­
kulären Überdehnung nach
Aufhebung der Aortenab­
klemmung.
Auf der anderen Seite kann
das mehr oder weniger große
Volumen der Kardioplegie
nicht am Sinus coronarius
durch den eröffneten rechten
Vorhof abgesaugt werden, die
Untermischung der Perfusi­
onslösung in den System­
kreislauf ist unvermeidlich.
Zur primären Hämodilution
durch das HLM-Vorfüllvolu-
men addiert sich somit eine
zweite, in der Regel bezüglich
des Volumens etwa gleich gro­
ße Dilution durch die kardio-
plegische Lösung.
Wir haben uns deshalb ge­
fragt,
1. ob diese Blutverdünnung
zu einem Mangel an Sauer­
stoffträgern (Erythrozyten)
führt und somit eine ausrei­
chende Gewebeversorgung
gefährdet,
2. ob die veränderte Elektro­
lytzusammensetzung der kar­
dioplegischen Lösung zu
schwerwiegenden Verschie­
bungen im zirkulierenden
Blut führt,
3. ob die Zusätze in der kar­
dioplegischen Lösung (z. B.
Aminosäuren) unerwünschte
Nebeneffekte auslösen bzw.
wie schnell sie im Stoffwech­
sel abgebaut werden können.
Material und Methode
Die Untersuchungen wurden
an vergleichbaren Gruppen
von je 20 Patienten, die sich ei­
ner Koronarrevaskularisati­
onsoperation unterzogen ha­
ben, durchgeführt. Nierenin­
suffizienz, Leberfunktions­
störungen und präoperative
höhergradige Herzinsuffi­
zienz waren Ausschlußkrite­
rien. Nach Zufallsverteilung
wurden die Patienten in zwei
Gruppen eingeteilt:
– HTK, mono: Die extrakor­
porale Zirkulation erfolgte via
Zweistufenkatheter, die kar-
dioplegische Lösung wurde in
das zirkulierende Kreislauf­
volumen aufgenommen.
– HTK, bi: Die extrakorpora­
le Zirkulation erfolgte mit bi-
cavaler Kanülierung im tota­
len kardiopulmonalen By­
pass, die kardioplegische Lö­
sung wurde soweit möglich
an der Austrittsstelle (Sinus
coronarius) abgesaugt.
Bei allen Patienten wurden se­
rielle Blutproben während
und nach der Operation ent­
nommen und derUrin fraktio­
niert in den ersten 48 Stunden
gesammelt. In den Blutpro­
ben wurden das Blutbild, die
Blutgase, die Serumelektroly-
te (Atomabsorptionsspektro­
metrie) und die Aminosäure­
sequenzen (Hochdruckflüs­
sigkeits-Chromatographie,
HPLC) bestimmt, mit identi­
schen Verfahren wurden Elek-
trolyte und Aminosäuren im
Urin analysiert. Neben den
Serum- und Urinspiegelbe­
stimmungen konnten somit
Ein-/Ausfuhrbilanzen errech­
net werden.
Ergebnisse
und Diskussion
Problemstellung I:
„Sauerstoffträger“
Um die Auswirkung der Hä-
modilutionsstufen darzustel­
len, sei zunächst eine verein­
fachende Berechnung voran­
gestellt:
Ein etwa 80 kg schwerer Pa­
tient verfügt vor der Operati­
on über ein zirkulierendes
Blutvolumen von ungefähr
6.000 ml. Legen wir bei einem
KARDIOTECHNIK 1/93
7

Ausgangshämatokrit von 42
Vol.-% einen Hämoglobinge­
halt von 14,0 g/dl zugrunde,
so errechnet sich ein Gesamt-
Hämoglobin von 840 g. Die er­
ste Stufe der Hämodilution
besteht in der initialen kristal­
linen Infusion und dem Pri-
ming-Volumen der HLM, ca.
2.000 ml. Das zirkulierende
Volumen nach Start der extra­
korporalen Zirkulation be­
steht somit aus ca. 8.000 ml,
d. h. das zuvor errechnete Ge­
samt-Hämoglobin verteilt
sich jetzt auf diese Flüssig­
keitsmenge. Es wird ein Hä­
moglobingehalt von 10,5 g/dl
und Hämatokrit von 31,5
Vol.-°/o resultieren. Wird an­
schließend durch die systemi­
sche Aufnahme von ca. 2.000
ml kristalliner kardioplegi-
scher Lösung das zirkulieren­
de Volumen auf 10.000 ml er­
höht, so läßt sich ein Hämo­
globingehalt von 8,4 g°/o und
ein Hämatokrit von 25,7
Vol.-°/o vorausberechnen.
Es wird demnach keine kriti­
sche Senkung des Gehaltes
an Sauerstoffträgern zu er­
warten sein, eine Senkung bis
auf einen Hämatokrit von
20 Vol.-°/o kann nach zahlrei­
chen Untersuchungen gut to­
leriert werden.
Die eigenen Untersuchungen
(Abb. 1) bestätigen diese Ein­
schätzung der initialen Absen­
kung des Hämoglobins und
Hämatokrits. Der Vergleich
der Untersuchungsgruppen
läßt aber erkennen, daß diese
höhergradige Hämodilution
Abb. 1: Sauerstoffträger und Sauerstoffausschöpfung.
nur von äußerst kurzer Dauer
ist. Bereits eine Stunde nach
der Aufnahme der dilutieren-
den Lösungen haben sich bei­
de Gruppen nahezu auf den
gleichen Wert angeglichen.
Dieser erstaunliche Effekt be­
ruht zum größten Teil darauf,
daß bei den meisten Patien­
ten nach Aussaugen des Kar-
dioplegikums aus dem rech­
ten Vorhof schon bald ein re­
lativer Volumenmangel ein­
trat, den der Kardiotechniker
durch Gabe von kristallinen
Lösungen (z.B. Ringer-Lö­
sung) ausgleichen mußte. Die
Gesamtbilanz der Volumen-
Zufuhr/-Ausscheidung zeigt
dementsprechend auch kaum
Unterschiede zwischen den
Untersuchungsgruppen. Ge­
gen Ende der Operation ist in
der Regel durch spontane
oder angeregte Urinausschei­
dung bereits wieder ein Hä­
moglobingehalt von 10 g/dl
auch ohne Fremdbluttransfu­
sion erreicht.
Kritische Senkungen des Hä-
moglobins/Hämatokrits kön­
nen allerdings dann erwartet
werden, wenn der Patient be­
deutend kleiner und leichter
ist oder ein erheblich niedri­
gerer Ausgangswert vorliegt.
In diesen Fällen sollte von Be­
ginn an überlegt werden, ob
eine venöse Doppelkanülie-
rung vorzuziehen ist oder ob
in die extrakorporale Zirkula­
tion ein Hämofilter integriert
werden sollte, um die Diluti­
on möglichst frühzeitig abzu­
fangen.
Abb. 2: Serumspiegel wichtiger Elektrolyte und Spurenelemente.
Problemstellung II:
„Elektrolyte“
a) Natrium
Der Serumspiegel des Natri­
ums zeigt bei beiden Untersu­
chungsgruppen niedrige Wer­
te über den gesamten Beob­
achtungsverlauf. Der sehr
niedrige Gehalt an Natrium
in der kardioplegischen Lö­
sung (15 mmol/1) bedingt in
der Gruppe mit kompletter
Untermischung der kardiople­
gischen Lösung zunächst er­
wartungsgemäß eine extrem
tiefe Absenkung bis auf nahe­
zu 110 mmol/1 im zirkulieren­
den Blut. Hier besteht die Ge­
fahr einer zu niedrigen Osmo­
larität und demzufolge auch
derverstärkten Ödembildung.
Nach sehr kurzer Zeit, späte­
stens nach 2 Stunden, ist der
Serum-Natriumspiegel wie­
der im unteren Normbereich,
und es besteht kein signifikan­
ter Unterschied mehr zur
Gruppe, in der die kardiople-
gische Lösung abgesaugt wur­
de (Abb. 2a).
b) Kalium
Der leicht angehobene Kali­
umwert in der Bretschneider-
Lösung (10 mmol/1) löst
kaum meßbare Veränderun­
gen aus. Beide Untersu­
chungsgruppen bleiben im ge­
samten Beobachtungszeit­
raum im Normbereich. Eine
zusätzliche Kaliumsubstituti­
on ist unabhängig von der
operativen Technik unbe­
dingt erforderlich (Abb. 2b).
c) Magnesium
Die Kontrolle des Magnesi­
um-Spiegels wird nur sehr sel­
ten unter den Bedingungen
der extrakorporalen Zirkulati­
on ausgeführt. Der Mangel an
diesem Ion ist aber für zahlrei­
che perioperative Rhythmus-
störungen und Pumpversa­
gen des Herzens mit verant­
wortlich. Unsere Untersu­
chungen zeigen, daß der hohe
Magnesiumgehalt der kardio­
plegischen Lösung kurzfristig
auch zu einem Anstieg ober­
halb des Normbereiches füh­
ren kann. Die gemessenen
Werte bleiben aber weit unter
den Bereichen, die eine patho­
logische Reaktion erwarten
lassen. Im Langzeitverlauf
bleibt derSerumspiegel im ge­
wünschten oberen Normbe­
reich (Abb. 2c). Bilanzunter­
suchungen haben allerdings
gezeigt, daß trotzdem erheb­
liche Magnesiumverluste,
wahrscheinlich aus dem intra­
zellulären Raum, eintreten,
die in beiden Gruppen sehr
hoch sein können. Noch grö­
ßere Verluste sind nachweis­
bar, wenn man eine andere
8
KARDIOTECHNIK 1/93

kristalline Kardioplegie mit
niedrigerem Magnesiumge­
halt einsetzt. Wir haben diese
Meßwerte zum Anlaß genom­
men, zusätzlich routinemäßig
Magnesium bei unseren Pa­
tienten zu substituieren, be­
sonders wenn Rhythmusstö-
rungen im späteren Verlauf
auftreten.
d) Zink
Sind Magnesiumbestimmun­
gen schon selten, so kann
man davon ausgehen, daß die
Messung von lebenswichti­
gen Spurenelementen bisher
nur in einigen wenigen wis­
senschaftlichen Untersuchun­
gen durchgeführt worden
sind.
Dies ist bedauerlich, da einer­
seits durch den erhöhten
Flüssigkeitsumsatz während
und nach extrakorporaler Zir­
kulation Spurenelementaus­
schwemmungen zu erwarten
sind, andererseits verschiede­
ne Medikamente und Amino­
säuren, wie z.B. das Histidin
in der HTK-Lösung, chemi­
sche Verbindungen mit Spu­
renelementen, sog. Chelate,
bilden können.
Die eigenen Messungen zei­
gen demnach auch in beiden
Untersuchungsgruppen eine
Senkung des Serumspiegels
unter den Normbereich, der
in de