Biokompatibilität – ein Begriff setzt sich durch
B. Oedekoven, B. Johnson…………………………………………………………………………………………………………. 7
Aktuelle Bestandsaufnahme biokompatibler Oberflächenbeschichtung
in der extrakorporalen Zirkulation
P. T Cahalan, M. LP M. Verhoeven……………………………………………………………………………………………. 12
Medizinisches PVC, besser als sein Ruf?
W. Lemm ………………………………………………………………………………………………………………………………….. 18
Erste klinische Erfahrungen beim Einsatz des
Kapillarmembranoxygenators „Quadrox“
A. Philipp, M. Kaluza, R. Behr, M. Kaiser, D. Birnbaum …………………………………………………………… 25
Journal-Club………………………………………………………………………………………………….. 31
Das Portrait
Medtronic GmbH …………………………………………………………………………………………….. 32
Neues aus der Industrie ………………………………………………………………………………….. 37
Kongreßnotizen ………………………………………………………………………………………………. 38
Mitteilungen der DGfK …………………………………………………………………………………… 40
Kongresse, Veranstaltungen ……………………………………………………………………………..
Heft 2/95
Heft 3/95
Erscheinungstermin
24.
5. 1995
Erscheinungstermin
11. 9.1995
Einsendeschluß für
Einsendeschluß für
• redaktionelle Beiträge
1.
3.1995
• redaktionelle Beiträge
16.
6. 1995
• Anzeigenaufträge
24.
4.1995
• Anzeigenaufträge
1.
8.1995
Die KARDIOTECHNIK wird auf chlorfrei gebleichtem Papier gedruckt
3

Medizin ist Kunst –
Kunst ist Medizin…
© MAYER GALBRAITH
Lilliput,
der Säuglingsoxygenator
für den
kongenitalen
Grenzbereich
der Herzchirurgie
didcco

Editorial
unsere hochspezialisierte Industriegesell­
schaft kommt heute nicht mehr ohne be­
rufsbegleitende Fachinformationen aus.
Im Gegenteil – der Bedarf wird immer
größer und das Tempo von technischen
und strukturellen Veränderungen immer
schneller. Mehr als 4.000 Fachzeitschrif­
ten, davon über 600 im medizinischen Be­
reich, haben regelmäßig ihre Leser.
Und damit nicht genug: Hinzu kommt ver­
stärkt Electronic Publishing über Disket­
ten, CD-ROMs und Online-Datenbanken.
Trockene Lehrbücher und Nachschlage­
werke können sich plötzlich zur unterhalt­
samen Lektüre mit schnellem Zugriff ent­
wickeln.
Aber bleiben wir zunächst bei unseren ge­
wohnten Fachzeitschriften: Diese Publika­
tionen werden in der Regel sehr intensiv
gelesen oder gar „durchstudiert“, denn die
Inhalte fördern überwiegend die Aus- und
Weiterbildung im Beruf. Man spricht hier
deshalb von „Muß“-Lesern (im Gegensatz
zu den „Muße“-Lesern von Publikums­
zeitschriften), die für die Herausgeber und
die Werbungtreibenden besonders interes­
sant sind.
Der Verbreitung von Fachzeitschriften sind
keine Grenzen gesetzt, wie die ständig
wachsende Leserschaft der KARDIO­
TECHNIK in Deutschland, Österreich, der
Schweiz und den anderen Nachbarländern
zeigt. Selbst in Island wird sie gelesen!
Damit dies so bleibt, arbeiten Redaktion
und Verlag ständig daran, die KARDIO­
TECHNIK attraktiv, informativ und ab­
wechslungsreich zu gestalten. Aber der
hohe medizinische bzw. medizintechni­
sche Stand der Fachbeiträge erfordert bei
der Redaktion immer wieder großen Auf­
wand, die Themen für breite Leserkreise
mit unterschiedlichem Wissensstand auf­
zubereiten. Nicht jedem Autor gelingt es
auf Anhieb, sein Spezialthema auch
sprachlich und didaktisch klar zu vermit­
teln. Hier ist dann die Redaktion und der
wissenschaftliche Beirat mit Fachkenntnis
und Fingerspitzengefühl gefragt.
Urteilen Sie selbst, ob dies bei der vorlie­
genden Ausgabe gelungen ist. Zum
Schwerpunktthema „Biokompatibilität von
Kunststoffprodukten in der Herzchirurgie“
– übrigens auch ein Thema der Jahresta­
gung in Duisburg (25.-27. 5. 1995) – finden
Sie hier drei Beiträge:
B. Oedekoven, Aachen, fuhrt mit seinem
Beitrag in die Problematik der Biokompa­
tibilität ein. Eine aktuelle Bestandsaufnah­
me biokompatibler Oberflächenbeschich­
tung in der EKZ unternimmt P. Cahalan,
Maastricht, und W. Lemm, Berlin, stellt
die Frage, ob medizinisches PVC besser
ist als sein Ruf.
In einem freien Beitrag vermittelt A. Phi­
lipp, Regensburg, erste klinische Er­
fahrungen beim Einsatz eines neuen Ka-
pillarmembran-Oxygenators.
Weiter möchte ich Sie auf eine neue Ru­
brik unserer Zeitschrift aufmerksam ma­
chen, die den angebotenen Lesestoff be­
reichern soll: Unter der Bezeichnung
„Journal-Club“ finden Sie eine aktuelle
Kurzauswahl der für die Kardiotechnik in­
teressanten Beiträge aus ärztlichen Fach­
zeitschriften wie zum Beispiel „The Thor­
acic and Cardiovascular Surgeon“.
Viel Spaß beim Lesen!
Gunter Morche
ProMeComm-Verlag, Hamburg
KARDIOTECHNIK 1/95
5

^-3
Der stetige Blutfluß versorgt uns mit Nährstoffen
und Sauerstoff, seine Bewegung hält uns am
Leben. Fremdkörper oder Wunden werden sofort
identifiziert, jede Störung beseitigt.
Ein hervorragendes System. Doch bei Herz­
operationen kurzzeitig außer Kraft gesetzt. Jetzt
kommt es darauf an, daß die externe Bahn vom
Organismus nicht als Fremdkörper erkannt wird.
Denn die lebensrettende Umleitung darf nicht zur
Gefahrenquelle werden.
ist Leben
RAUMEDIC ECO heißt Sicherheit, Leistungs­
fähigkeit und Zuverlässigkeit. Eigene Rezep-
tierungen, jahrzehntelange Produktionserfahrung
und eine ausgefeilte Qualitätssicherung sind die
Basis für die Zuverlässigkeit von REHAU Schlauch­
systemen in der extrakorporalen Zirkulation.
Optimale Reinheitsbedingungen gemäß U.S.
Federal Standard, GMP-gerechte Kontrollen,
gewissenhafte Dokumentation über sieben Jahre
und die Verarbeitung hochwertiger Rohstoffe sind
unser Konzept zur Sicherung des Patienten. Vom
Schlauchsystem bis zum komplett konfektionierten
ECC-Set.
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to

B. Oedekoven, B. Johnson *
Institut für Physiologie,
Klinikum RWTHAachen
*Jostra Medizintechnik, Hirrlingen
Biokompatibilität –
ein Begriff setzt sich durch
Zusammenfassung
Der Begriff Biokompatibilität wird schon
seit vielen Jahren für die Beschreibung der
Verträglichkeit von Biomaterialien ge­
genüber Blut, Gewebe usw. verwendet. Ei­
ne verbindliche Definition dieses Begrif­
fes gibt es nicht, obwohl allgemein be­
kannt ist, was darunter verstanden wird. In
der Vergangenheit wurden technische Ent­
wicklungen zum Einsatz in extrakorpora­
len Kreislaufsystemen vorwiegend zur
Leistungsoptimierung vorangetrieben. Zu­
nehmend werden heute Erkenntnisse auf
den Gebieten der Gerinnungsforschung
und Immunologie durch die Verwendung
moderner Verfahrenstechniken zur Her­
stellung von vollständig heparinbeschich­
teten extrakorporalen Kreislaufsystemen
umgesetzt.
Schlüsselwörter
Biokompatibilität, Biomaterialien, Hepa­
rinbeschichtung, ECC.
Summary
For many years the term biocompatibility
has been used to describe the behavior of
artificial surfaces against blood or tissue.
Until now we still have no obligatory defi­
nition for this term although it is common­
ly known what it means. In the past devi­
ces and components for an extracorporeal
application were mainly developed with a
special regard to their optimal perfor­
mance. Today there is an increasing ten­
dency to transfer the knowledge on the
fields of blood coagulation and immunolo­
gy research e.g. by the use of modern pro­
cess engineering in order to produce more
biocompatible materials. A most impor­
tant step into that direction is the use of
complete heparin coated extracorporeal
systems.
Übersicht
In den letzten Jahren ist der Begriff Bio­
kompatibilität immer häufiger als ein Maß
zur Beurteilung der Güte von Biomateria­
lien herangezogen worden, obwohl er nur
sehr unscharf das Verhalten künstlicher
Umgebungsverhältnisse gegenüber natür­
lichen Bestandteilen des Organismus be­
schreibt. So wird die Verträglichkeit eines
implantierten Zahnes gegenüber dem Kie­
ferknochen und dem umliegenden Gewe­
be ebenso als mehr oder weniger biokom­
patibel beschrieben wie die einer Kontakt­
linse für Augen, eines künstlichen Hüftge­
lenkes, eines künstlichen Blutgefäßes, ei­
ner künstlichen Herzklappe oder ganzer
extrakorporaler Blutkreislaufsysteme. Ei­
ne Differenzierung des Oberbegriffes Bio­
kompatibilität erfolgt nur noch bestenfalls
hinsichtlich des direkten Umgebungsmi­
lieus dieser künstlichen Organe oder deren
Teilkomponenten, indem deren Verträg­
lichkeit in die Begriffe Gewebekompatibi­
lität oder Blutkompatibilität gefaßt wird.
Extrakorporale Blutkreisläufe werden
heute als moderne Therapiemöglichkeiten
ganz selbstverständlich in der Kardiochir-
urgie mit Herz-Lungen-Maschinen und
mit Dialysatoren zur chronisch wiederhol­
ten Blutwäsche betrieben. Diese Applika­
tionen setzen aus verfahrenstechnischen
Gründen die Verwendung gleich mehrerer
der unten aufgeführten Materialien vor­
aus. ECC-Systeme können die verschie­
densten Sorten von Kunststoffen wie
PVC, Polyurethan, Polykarbonat, Polypro­
pylen, Polyethylen, Polyester, Teflon sowie
Silikone, Naturkautschuk, Latex usw.,
aber auch Metalle, Keramik und andere
Stoffe in Form diverser Bauelemente bein­
halten. Diese unterschiedlichen Stoffe
werden also aufgrund ihrer speziellen phy­
sikalischen und verfahrenstechnischen
Vorteile für bestimmte Komponenten der
ECC-Systeme verwendet, da sie je nach
den an sie gestellten Anforderungen z. B.
besonders bruchfest oder flexibel, rauh
oder glatt, wärmeleitend oder isolierend,
gaspermeabel usw. beschaffen sein sollen.
Bereits aus dem Spektrum der oben ge­
nannten Applikationen für künstliche Ma­
terialien als Prothesen, intrakorporale und
extrakorporale Komponenten sowie der
großen Anzahl der unterschiedlichen Ma­
terialien geht hervor, daß eine objektive
Bewertung der Verträglichkeit sehr schwer
sein und immer nur im Zusammenhang
mit den jeweiligen Betriebssituationen ge­
sehen werden muß.
Aus technischer Sicht war es auch früher
schon kein unlösbares Problem, z. B. lei­
stungsfähige künstliche Lungen oder Nie­
ren zu konstruieren. Die besonderen und
immer präziser formulierten medizini­
schen Anforderungen und die vor allem
wegen des komplex aufgebauten und reak­
tionsfähigen Blutes mit seinen besonderen
physikalischen und biochemischen Eigen­
arten erschwerten Umgebungsbedingun­
gen für diese Kunstorgane machten es aber
notwendig, aus den ursprünglichen, im
Prinzip einfachen Geräten zum Stofftrans­
port medizintechnische „High-Tech“-Pro-
dukte zu entwickeln.
Technische Entwicklung
und Biomaterialien
Bei allen zum Einsatz in der modernen
„High-Tech“-Medizin zu entwickelnden
Geräten steht zwangsläufig zunächst die
verfahrenstechnische Machbarkeit im Vor­
dergrund. Als ein Beispiel sollen hier die
Entwicklungen auf dem kardiopulmona­
len Gebiet dienen: Eine große Herausfor­
derung ist hier die Konstruktion hocheffi­
zienter Oxygenatoren, die in der Lage
sind, möglichst schnell und präzise einen
Gastransfer zu gewährleisten.
Die historische Betrachtung der Oxygena-
torentwicklung zeigt dabei, daß anfäng­
lich wirklich fast ausschließlich die tech­
nische Realisierung eines Gasaustau­
schers für Blut im Vordergrund stand, die
bestenfalls dadurch erschwert wurde, daß
das Blut die Neigung hat, außerhalb des
Körpers zu gerinnen.
Die Entdeckung des Heparins als wirksa­
mes Antikoagulans ermöglichte daher erst
die klinische Realisierung von extrakorpo­
ralen Organunterstützungen, die im Falle
der Oxygenatoren in ihren ersten Versio­
nen wirklich nur Gas austauschen konnten
und bei denen ihre anderen Auswirkungen
auf