Bericht über die Herzchirurgie und die Technik des extra­
korporalen Kreislaufes in Frankreich
D. Trouillard, A. Reidiger ……………. 80
Ein Blick zurück – Rehabilitation und Herzchirurgie – in
Bad Krozingen
H. G. Gehle, W. Klingelmeier, H. Pfeiffer …………………………….. 90
Tagungsberichte – Mitgliederinformationen ………………..
94 – 100
Kardiotechnik
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Referat
51
Aus dem Zentrum der Anaesthesiologie und Wiederbelebung der Johann Wolfgang Goethe Universität
Frankfurt am Main (Direktor: Prof. Dr. R. Dudziak)
Die Bedeutung der Mikrofiltration von Blut im Rahmen der
extrakorporalen Zirkulation
J. Schreiner-Hechelljen
Zahlreiche Untersuchungen während der letzten 10 Jahre
haben sich mit der Problematik einer Mikroembolisie-
rung während der extrakorporalen Zirkulation befaßt.
Definitionsgemäß ist ein Mikroembolus mit dem bloßen
Auge bei einer Größenordnung unterhalb von 200 Mikron
nicht mehr sichtbar.
Grundsätzlich sind wähend der extrakorporalen Perfu­
sionstechnik zwei verschiedene Typen von Mikroemboli
zu trennen:
a) corpusculäre – zelluläre Mikroemboli
b) Luftemboli
Für beide Typen von Mikroemboli sollen ihre Herkunft,
ihre Eintrittswege in den Empfängerorganismus, ihre
Auswirkungen im Empfängerorganismus sowie prophy­
laktische Richtlinien gegen eine Mikroembolisierung dis­
kutiert werden.
A. Corpusculäre Mikroemboli
Corpusculäre – zelluläre Mikroemboli während der extra­
korporalen Perfusion stammen:
1. aus dem Transfusionsblut in die Herz-Lungen-Ma­
schine, d.h. aus dem Fremdblut für den Patienten,
2. bilden sie sich im kardialen Operationsgebiet sowie im
Verlaufe der extrakorporalen Zirkulation in Abhän­
gigkeit der Perfusions- und Operationstechnik – und
stammen damit aus der Eigenblut-Fremdblut-Vermi-
schung sowie aus dem Gewebe des Operationsgebietes.
Die breite Anwendung von Bluttransfusionen als Voll­
blut- oder Erythrozytenkonzentrat zur Volumen- und
Sauerstoffträger-Substitution im Rahmen der Herz­
chirurgie und der extrakorporalen Zirkulation erfordert
eine aufwendige Bereitstellung von Blut auf Abruf. Für
geplante extrakorporale Zirkulationen wird die Verwen­
dung von Frischblut – wobei die Definitionen von Frisch­
blut hinsichtlich des zulässigen Alters einer Frischblut­
konserve sehr verschieden sind – angestrebt. Für Notfälle
muß häufig gelagertes der Blutbank verwendet werden.
Während ihrer Lagerungszeit läßt die Qualität der Blut­
konserve erheblich nach. Die Entstehung und Bildung
von Mikroaggregaten in gelagerten Blutkonserven ist wis­
senschaftlich eindeutig bewiesen. Die Mikroaggregate im
gelagerten Blut bestehen aus gealterten, zerfallenen und
degenerierten Thrombozyten und Leukozyten, aus da­
zwischen eingebetteten Erythrozyten und deren Mem­
branen, Zellfragmenten, Fibrin, Lipiden, Lipoproteiden
sowie denaturiertem Protein. Im ACD-Blut beginnt die
Entstehung dieser Mikroaggregate durch erhöhte Blätt-
chenaggregation nach zwei Tagen, im Heparinblut schon
wenige Stunden nach der Abnahme. Zahl und Größe der
Partikel nehmen von ihrer Entstehung an kontinuierlich
zu, nach dem zehnten Lagerungstag sind vorwiegend
Fibrineinlagerungen an der Aggregatbildung beteiligt.
Auf einen nicht ganz unwesentlichen Unterschied hin­
sichtlich der Mikroaggregatbildung und Mikroaggregat­
erhaltung in der Blutkonserve in Abhängigkeit von ihrem
Stabilisator sei hingewiesen. Der CPD-Stabilisator macht
das Blut durch einen Phosphatzusatz alkalischer als das
ACD-Millieu ist. Im CPD-Blut bleiben die gebildeten
Mikroaggregate besser erhalten als im ACD-Blut. E. P.
Jennevein und D. L. Weiss wiesen 1964 erstmals patholo­
gisch-anatomisch durch Mikroemboli verstopfte Lungen­
arteriolen und -kapillaren nach und bewiesen eindeutig
die feingewebliche Identität dieser Mikroemboli mit in
der Blutkonserve enthaltenen Mikroaggregaten.
Neben dem transfundierten und zirkulierenden Blut als
Ursprungsquelle für die corpusculäre Mikroemboli wäh­
rend der extrakorporalen Zirkulation ist die Bildung von
corpusculären Mikroemboli im Kardiotomiegebiet gleich­
wertig von Bedeutung. Mikroemboli aus dem Kardioto­
miegebiet bestehen aus Fett- und Blutzellbestandteilen
und aus Fibrin. Sie bilden sich insbesondere bei starkem
Sog des Koronarsaugers und gelangen über diesen in den
extrakorporalen Kreislauf.
B. Luft-Mikroemboli
Die Luftemboli-Entstehung in der extrakorporalen Ein­
heit ist seit Beginn dieser Perfusionstechnik bekannt.
Charakteristische Entstehungsmöglichkeiten für Mikro-
Luft-Emboli während des extrakorporalen Kreislaufes
sind die folgenden:
1. Hoher Sauerstoff-Flow bei hohem SauerstofT-Durch-
flußverhältnis am Oxygenator. Der Oxygenator sollte
innerhalb seiner vorgesehenen Grenzen verwendet
werden. Es sollte das geringst mögliche sicherste
Sauerstoff-Durchflußverhältnis verwendet werden.
2. Große Temperaturschwankungen mit zu großen Tem­
peraturgradienten.
Der Einsatz der Hypothermie sollte sorgfältig kontrol­
liert werden. Der kleinste mögliche Temperaturgra­
dient sollte unterhalten werden.
3. Negativ-Drücke
Kurzes Abklemmen der arteriellen Linie proximal der
Kardiotechnik 5. Jahrgang / Heft 2 / August 1979

52
Referat
Pumpe. Die Klemmen am extrakorporalen System
sollten sorgfältig eingesetzt werden. Ein Schlag auf
der proximalen Seite der Pumpe führt zur massiven
Luftembolie.
4. Klopfen der arteriellen Linie distal zur Pumpe
Es sollte vermieden werden, an den Oxygenator anzu­
stoßen oder an andere Teile der Einheit, um keine
Blaseninvasion hervorzurufen. Je öfter der Oxygena­
tor angestoßen wird, desto mehr Blasen entstehen.
5. Luftschlaucheffekt
Ein sicherer arterieller Reservoirspiegel muß gewähr­
leistet werden. Der Luftschlaucheffekt kann zu großen
wie auch kleinen Luftblasen führen. Spiegelschwan­
kungen sollten unbedingt vermieden werden um einen
Luftschlaucheffekt zu vermeiden.
Auf der folgenden Abb. 1 sind die Ursprungsquellen für
Luftemboli während der extrakorporalen Zirkulation
zusammengestellt.
SOURCES OF POTENTIAL EMBOLI IN THE
EXTRACORPOREAL CIRCUIT
I.
Cardlotomy Return
II.
Blood Warming (Heat Exchanger)
III.
Oxygenator
A) Bubbling
B) Shock Waves
C) Vortexlng
IV.
Negative Pressure in Tubing (Crimping)
V.
Inadvertent Introduction of Massive Air Bolus
A) Vortexlng and Arterial Reservoir Emptying
B) Ruptured Tubing
C) Tubing Connector Disconnect
Abb. 1: Ursprungsquellen für Luftemboli während der extrakorporalen
Zirkulation (Kamaryl, J. A. u.a.).
Zahlreiche spezifische Untersuchungen ergaben hinsicht­
lich der Ausbildung von Luft-Mikroemboli in Abhän­
gigkeit von der Art des verwendeten Oxygenators, d.h.
bei Verwendung von Bubble- oder Membran-Oxygena-
toren keine signifikanten Unterschiede. Es ist allerdings
die unbedingte Forderung zu erfüllen, daß vor Beginn der
extrakorporalen Zirkulation das Priming-volume 5-10
Minuten mit einer Flow-Rate von 3 1/min zirkuliert und
das gesamte extrakorporale Kreislaufsystem exakt entlüf­
tet wird. Bei Verwendung eines Membranoxygenators
wurden zwar primär weniger Luft-Mikroemboli beobach­
tet verglichen zu den Bubble-Oxygenatoren, aber in den
venösen Reservoiren der bisher untersuchten Membran-
oxygenatoren bildeten sich signifikant mehr Mikroemboli
im Vergleich zu den venösen Reservoiren der Bubble-
Oxygenatoren, so daß wie R. Dutton und C. Hutchinson z.B.
zeigten, der endgültige Nettoanteil an entstandenen
Mikroemboli bei beiden Oxygenatortypen identisch
war. Wesentlicher als der jeweilige Typ des Oxygenators
für die Bildung von Mikroemboli scheint eine exakte und
saubere Perfusionstechnik zu sein.
Corpusculäre und Luft-Mikroemboli werden bei einer
normalen intravenösen Bluttransfusion venös einge­
schwemmt, gelangen über das rechte Herz in den Lun­
genkreislauf und werden dort arteriolär bzw. kapillär zum
ersten Mal gefiltert. Der weitere Weg führt über das linke
Herz in den großen Kreislauf, wo im peripheren Kapil­
largebiet eine nochmalige Filterung erfolgt. Während der
extrakorporalen Zirkulation insbesondere während län­
geren totalen Bypassphasen fällt die Lunge als körpereige­
ner Filter, zwar unter der Gefahr einer Eigenschädigung,
aus; die im extrakorporalen System zirkulierenden Mikro­
emboli gelangen über die arterielle Linie und die Aorta
sehr schnell in den Körperkreislauf.
Der Wirkungsort der Mikroaggregate im Empfängeror­
ganismus liegt in der terminalen Strombahn im Bereich
der Mikrozirkulation. Die initiale Störung ist damit als
Mikrozirkulationsstörung zu definieren. Diese Mikrozir­
kulationsstörung hat in folgenden Organen wesentliche
Konsequenzen:
1. in der Lunge,
2. in der Niere,
3. im Gehirn.
Bevor ich detaillierter auf die Klinik, die Pathophysiolo­
gie und die Prophylaxe dieser Mikrozirkulationsstörun­
gen im Zusammenhang mit der extrakorporalen Zirkula­
tion in den verschiedenen Organsystemen eingehe, möch­
te ich in Anlehnung an Steinbereithner, K. und Mitter-
mayer, C. noch einige Bemerkungen zu dem Begriff der so­
genannten mikroembolischen Schädigungen in diesen
3 Organsystemen machen. K. Steinbereithner und C. Mitter-
mayer prägten für das Beispiel der Lunge den Begriff der
Transfusionslunge. Der spätere Versuch dieses pulmona­
len Reaktionssyndrom der sogenannten Transfusionslun­
ge im klinischen Verlauf und pathomorphologisch vom
pulmonalen Reaktionssyndrom der sogenannten Schock­
lunge zu differenzieren, brachte beide Krankheitsbilder
auf einen gemeinsamen Nenner, denn die klinischen,
pathophysiologischen und pathomorphologischen Verän­
derungen der Transfusions- und der Schocklunge sind
äquivalent. Analoge Überlegungen treffen für die beiden
anderen Organsysteme zu.
Eine intrapulmonale Einschwemmung von Mikro­
emboli ist während des partiellen Bypasses bei offenen
Hohlvenen und teilweiser funktioneller Lungenperfusion
möglich. McNamara bewies eindeutig den Anstieg des pul­
monalen Kapillarwiderstandes als Reaktion auf mittrans­
fundierte Mikroemboli. Auf dieser initialen Erhöhung
des pulmonalen Gefäßwiderstandes baut sich das kom­
plette Bild einer Mikrozirkulationsstörung in der Lunge
auf: die initale mechanische Verstopfung von Lungenge­
fäßen löst humurale Mechanismen aus, d.h. die Freiset­
zung von vasoaktiven Substanzen, vornehmlich aus
Thrombozyten, Leukozyten und Mastzellen: Serotonin,
ATP-ADP, Histamin, Bradykinin. Rückkoppelungsme­
chanismen zur dissiminierten intravasalen Gerinnung
sind möglich. Die freigesetzten vasoaktiven Substanzen
führen zur weiteren Widerstandserhöhung im Lungen­
kreislauf, des Pulmonalarteriendruckes, des pulmonalen
Kapillardruckes und des linken Vorhofdruckes. Bisher
liegen allerdings keine sicheren Untersuchungsergebnisse
vor, wie weit diese Reaktionen während des extrakorpo­
ralen Kreislaufes verändert ablaufen. Die Größenord­
nung der terminalen Strombahn der Lunge mit präkapil­
lären Durchmessern bis zu 350 u und einem Arteriolen­
querschnitt von 20 – 25 /z läßt erkennen, daß eine mecha­
nische Verstopfung der Lungenstrombahn durch Teil­
chen mit einem Durchmesser von 50 [a möglich ist.
Kardiotechnik 5. Jahrgang / Heft 2 / August 1979

Referat
Pathohistologische Entwicklungsstufen der pulmonalen
Reaktionen auf die Einschwemmung von insbesondere
corpusculären Mikroemboli sind die folgenden:
a) Thromboembolischer Verschluß von Lungenkapilla­
ren.
b) Degenerierte Kapillarwände, dilatierte Gefäße, wel­
che sogenannte Schockkugeln, bestehend aus Fibrin
und zerfallenen Blutzellen, enthalten.
Als Folgereaktionen:
c) Hyaline Membran der Alveolarwand.
d) Hyaline Kapillarthrombose, die in der Mehrzahl zur
pulmonalen Gefäßwiderstandserhöhung führt.
e) Interstitielle Infiltration als Grundlage für aufge­
pfropfte Pneumonien.
f) Reaktion der Alveolarmembran: Ausscheiden von
hyalinen Membranen, Leukozyten und Erythrozyten
im Alveolarlumen als Ursache für Mikroatelektasen.
Im Rahmen des Release-Syndroms mit Freisetzung der
genannten vasoaktiven Substanzen kommt es zu einer
Schädigung des Kapillarendothels und einer daraus re­
sultierenden Permeabilitätssteigerung, die durch die ini­
tial begonnene Hypoxie mit resultierender Azidose ver­
stärkt werden. Die durch die Widerstandserhöhung im
Lungenkreislauf zustande kommende Vergrößerung der
hydrostatischen Druckdifferenz zwischen Kapillare und
Interstitium führt zusammen mit der Vergrößerung des
Filtrationskoeffizienten in Folge des Endothelschadens
zum interstitiellen und intraalveolären Odem. Die Hyali-
nisierung der Alveolarwand und die hyaline Kapillar­
thrombose sind die morphologischen Äquivalente für die
klinisch zunehmende, therapeutisch in vielen Fällen nicht
beeinflußbare progrediente Hypoxämie entsprechend
dem röntgenologischen Äquivalent einer zunehmenden
Hepatisierung der Lungen. Die beiden folgenden Abb. 2
und 3 geben den röntgenologischen Befund einer solchen
hepatisierten Lunge wieder.
In Anlehnung an U. A. Bergmann leiten sich aus den be­
schriebenen Folgen der organischen Mikroembolisierung
der Lungen als Ursache für die zunehmende Verschlech­
terung der Oxygenierung ab:
1. Eine Verteilungsstörung 1. Art zwischen Ventilation
und Perfusion.
a) Als Zunahme des Shunt-Volumens (Alveolarwand-
Hyalinisierung).
b) Als Zunahme der Totraumventilation (Kapillar-
wand-Hyalinisierung).
2. Eine Ventilationsstörung 2. Art zwischen Diffusion
und Perfusion mit kontinuierlicher Zunahme der Dif­
fusionsstrecke für den Gasaustausch. Das klinische Bild
eines Patienten mit pulmonalen – im gegebenen Falle
erst postoperativ sichtbar werdenden – mikroemboli-
schen Schäden skizziert sich mit Zeichen einer akuten
oder subakuten respiratorischen Insuffizienz mit
Zyanose, Tachykardie, Tachypnoe, zerebraler Hy­
poxie, Somnolenz, motorischer Unruhe und hyperten­
siven Kreislaufreaktionen, die bis zu einer Latenzzeit
von vier Tagen nach der extrakorporalen Zirkulation
auftreten können. Die Blutgasanalysen ergeben eine
Hypoxämie mit progredient abnehmenden Sauerstoff­
partialdrucken, anfangs mit begleitender Hyperventi­
lation und Hypokapnie; im weiteren Verlauf der Lun­
genveränderung geht die initiale Sauerstoffpartialin­
suffizienz in eine Globalinsuffizienz über. Die alveolo-
arterielle SauerstofTdifferenz nimmt progredient zu.
Abb. 2 und 3: Charakteristische röntgenologische Veränderungen einer mikro-
embolisch geschädigten Lunge.
Eine intrarenale Einschwemmung von Mikroemboli
während der extrakorporalen Zirkulation ist über die
Aortenkanüle und Aorta sowohl während des partiellen
als auch während des totalen Bypasses möglich. Nach
G. Ayer kommt es analog zu den primären Lungenver­
änderungen zu einer Zunahme des präglomerulären Ge­
fäßwiderstandes mit resultierender Abnahme der glome-
rulären Filtrationsrate. Eine intraoperative Mikroembo­
lisierung der Niere kann zum akuten Nieren versagen
postoperativ führen bei primär intakter Nierenfunktion
oder zusätzlich zu einer vorher bestehenden latenten oder
manifesten Niereninsuffizienz. Das Endstadium ist poten­
ziell die chronische irreversible kortikale bilaterale
Nekrose.
Die pulmonalen und renalen Folgen einer Einschwem­
mung von Mikroemboli während der extrakorporalen
Zirkulation können den herzchirurgischen Patienten
postoperativ, trotz hämodynamisch gutem Operationser­
folg, zu einem Langzeitbeatmungs- und einem Langzeit­
dialyse-Patienten werden lassen mit sämtlichen zusätzli­
chen Komplikationen dieser Intensivtherapie.
Im Rahmen der extrakorporalen Zirkulation ist das
Gehirn als Erfolgsorgan einer Mikroembolisierung von
Kardiotechnik 5. Jahrgang / Heft 2 / August 1979

54
Referat
besonderer Bedeutung. Während der extrakorporalen
Zirkulation gelangen corpusculäre und Luft-Mikroembo-
li über die arterielle Linie während des partiellen und
des totalen Bypasses direkt in die Aorta und damit schnell
in das Gehirn. Mikroembolische Schädigung des Gehirns
mit psychotischen Erscheinungen nach Herzoperationen
mit extrakorporaler Zirkulation werden teilweise zurück­
geführt auf eingeschwemmte Mikroemboli bei unzurei­
chender Filtertechnik der arteriellen Linie. Bei den nach­
gewiesenen zerebralen Mikroemboli handelte es sich
zum Teil neben mikroembolischen Lufteinschlüssen um
Blutzellen und Fibrinfragmente sowie um Chylomikronen
und Fettzellaggregate bei nachgewiesenem lipämischem
Donatorblut. Corpusculäre als auch Luft-Mikroemboli
verursachen im Gehirn durch Verschluß des zerebralen
Gefäßsystems hypoxische und ischämische Veränderun­
gen. Auf die von W. Bushari und /J Rittmeyer beobachteten
typischen EEG-Veränderungen sei verwiesen. Zur Ob­
jektivierung von zerebralen Schädigungen während der
extrakorporalen Zirkulation wurden von R. W. Brenn­
mann eine Reihe spezifischer Untersuchunsergebnisse ver­
öffentlicht.
Diese Befunde wurden tierexperimentell an Hunden wäh­
rend des totalen extrakorporalen Kreislaufes unter Ver­
wendung eines Bubble-Oxygenators ermittelt. Bei einem
Teil der Versuchstiere wurde in die arterielle Linie ein
Mikrofilter eingebaut mit einer Porengröße von 25 jz, so
daß das gesamte, zum Organismus rückströmende Blut,
von der Herz-Lungen-Maschine mikrogefiltert wurde,
bei der Kontrollgruppe wurde das Blut ungefiltert re-
perfundiert.
Verglichen zu den mikrogefilterten Zellen fanden sich bei
den Versuchstieren ohne Mikrofiltration des reperfun-
dierten arteriellen Blutes eine deutliche Verminderung
des zerebralen Blutflusses und des zerebralen Sauerstoff­
verbrauches gemessen als das Produkt des zerebralen
Blutflusses und der arteriovenösen Sauerstoffdifferenz;
außerdem fand sich eine deutliche Abnahme der Stoff­
wechselraten für Glukose, CO 2 und Laktat bei den nicht
gefilterten Zellen. Die beschriebenen Untersuchungser­
gebnisse sind auf den folgenden Original-Abbildungen 4 – 8
graphisch wiedergegeben. Die durchschnittliche Abnah­
me des zerebralen Blutflusses lag bei 25 % ohne Mikrofil­
ter, der zerebrale Sauerstoffverbrauch nahm um 45 % ab,
die Stoffwechselrate für die Glukose fiel um 60 % des Aus­
gangswertes ab. Die beschriebenen Änderungen des
zerebralen Stoffwechsels waren noch mehrere Stunden
nach Beendigung der extrakorporalen Zirkulation nach­
weisbar.
Die Tatsache, daß während der extrakorporalen Zirkula­
tion schwere mikroembolische Schäden induziert werden
können, die sich unter Umständen postoperativ als vital­
bedrohliche Organschäden manifestieren können, macht
neben einer äußerst präzisen Perfusionstechnik die Forde­
rung an eine für corpusculäre und für Luft-Mikroembolie
suffiziente Mikrofiltration des venösen und arteriellen
Blutes während des extrakorporalen Kreislaufes, unum­
gänglich.
Als Anaesthesist möchte ich an dieser Stelle nicht unter
kommerziellen Gesichtspunkten die Verwendung eines
Time (hours)
Abb. 4: CBF in control, filtered, and
nonfiltered groups (mean average ±
SEM) measured before, immediatley
after, and one and one-half hours
following bypass. Numbers in paren­
theses equal number of animals. CBF in
nonfiltered group fell 25 % (p 0,05).
Cerebral metabolic rate for oxygen
(cc./100 gm. of brain min.)
Time (hours)
Abb. 5: Changes in CMR()2 resulting
from bypass. In the unfiltered group it
fell 45 % and still was subnormal one and
one-half hours later (p 0,001). (6)
Cerebral metabolic rate for glucose
(M./100 gm. of brain/min.)
5C. Control
i HEEBdnn
E. Inuir □ 5
Time (hours)
Abb. 6:
Cerebral metabolic rate for carbon
dioxide (cc./100 gm of brain/min.)
Time (hours)
Abb. 7: CMRCO2 changes following
bypass. In the unfiltered group, it fell
50 % (p 0,02) following bypass and
remainced subnormal thereafter.
speziellen Mikrofilters für die extrakorporale Zirkulation
empfehlen, zumal die Entwicklung von Mikrofiltern spe­
zifisch für die extrakorporale Perfusion noch nicht abge­
schlossen ist. Vielmehr möchte ich – unter anderem unter
der Berücksichtigung ungünstiger Nebenwirkungen der
Mikrofiltration – die grundsätzlichen generellen Anforde­
rungen an einen suffizienten Mikrofilter für die extrakor-
Kardiotedinik 5. Jahrgang / Heft 2 / August 1979

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9
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56
Referat
Lactate concentration (mM./liter)
Abb. 8:
porale Zirkulation besprechen. Das gemeinsame Kon­
struktionsprinzip der verschiedenen für die Mikrofiltra-
tion während des extrakorporalen Kreislaufes in Frage
kommenden Filter besteht in einer großmaschigen Pla­
stikaußenhülle, die große Gerinnsel abhalten soll, und
dem folgenden eigentlichen Mikrofilter, entweder als Pla­
stikoberflächensieb oder Netzfilter oder als Tiefenfilter
aus Polyurethanschaum bzw. Dakronwolle, oft mehr­
schichtig kombiniert mit verschiedenen Porengrößen
nach unten abnehmend im Sinne einer fraktionierten Fil­
terung. Zur Mikrofiltration während der extrakorporalen
Zirkulation wurden bisher die folgenden Filter verwen­
det:
1. Der Swank-Filter {Fresenius} umschließt mit einer Poly­
karbonathülle einen Nylonnetzfilter mit einer Poren­
größe von 170 u. Darunter befinden sich zunächst 1 g
lose gepackte und schließlich 3 g fest gepackte Dakron­
wollfasern mit einem Durchmesser von 17 [t Dieser
Filter wirkt dreidimmensional aktiv und filtert durch
Partikeladhäsion. Der Filterungsprozeß hängt bei die­
sem Modell nicht von der Porengröße ab, sondern be­
ruht auf adhäsivitätsbedingten Absorbtionsvorgängen
zwischen dem zu filternden Material und der Oberflä­
che der Dakronwollfasern. Partikel bis zu 10 ft Größe
sollen sicher retiniert werden.
2. Der Bentley-Filter {Sandoz AG) besteht aus einer in
einer durchsichtigen Polykarbonatsumhüllung unter­
gebrachten Kombination eines großen Polyesternetz­
filters mit einer Porenweite von 170 ft, an dessen Basis
sich ein dreischichtiges schwammähnliches Filterele­
ment aus Polyurethanschaum befindet, welches gra­
duelle Filterschritte von 150, 73 und 27 ft hervorruft.
3. Der Fenwall-Filter ist als Dreiphasenfilter konstruiert:
Phase 1 besteht aus einem konischen Nylonsiebfilter
mit einer Porengröße von 250 ft, Phase 2 aus einem
150 ft Netzporenfilter daus Polyurethanschaum und
Phase 3 aus einer kompakten 20 ft Dakronwollfaser­
schicht. Die Retensionsgrenze liegt bei 20 ft
4. Der Pall-Ultipore-Filter besteht als Oberflächenfilter
aus einem gefalteten Polyesternetz mit konstanter Po­
rengröße von 40 ft, umgeben von einem Gerinnsel­
gitter.
5. Es ist mir von den Herstellern erlaubt, bereits zu er­
wähnen, daß von der Fa. Biotest ein dem MF 10-Kaska-
denfilter äquivalenter Typ mit der kleinsten Porengrö­
ße von 10 u für die Mikrofiltration während der extra­
korporalen Zirkulation in der experimentellen Erar­
beitung ist.
Generell ist die Filtereffektivität eines Mikrofilters für die
extrakorporale Perfusion nach den folgenden Filtereigen­
schaften zu beurteilen:
Corpusculäre als auch Luft-Mikroembolie müssen sicher
zurückgehalten werden.
1. Ausreichende Mikroaggregatfilterung
Sie entspricht der eigentlichen Filtereffektivität und
wird maßgeblich bestimmt durch die kleinste Poren­
größe des Mikrofilters – die für die Bluttransfusion un­
ter physiologischen Kreislaufbedingungen bisher kom­
promißlos erforderliche Filterung unterhalb einer Po­
rengröße von 40 ft – da 90 % aller Mikroaggregate klei­
ner als 40 ft sind – ließ sich bisher für die extrakorporale
Zirkulation nur auf Kosten einer erheblichen Abnah­
me der Flußraten und eines erheblichen Anstieges der
Druckgradienten vor und nach dem Filtern verwirk­
lichen.
2. Ausreichende Filtergeschwindigkeit
Unabhängig von der Länge des Bypasses muß der Fil­
ter ein Kreislaufminutenvolumen von 2,4 1/min/m2
Körperoberfläche mindestens fördern können. Wäh­
rend der ersten 10-15 Minuten des extrakorporalen
Kreislaufes ist häufig ein deutlicher Anstieg des Druck­
gradienten vor und nach dem Filtern zu beobachten
mit einer gleichzeitigen Verminderung des Flows bzw.
des Perfusionsdruckes. Mit dem Anstieg des Druckgra­
dienten geht ein starker Abfall der Thrombozyten und
weißen Blutzellen im zirkulierenden Blut, variabel in
Abhängigkeit verschiedener Filtertypen, einher. Zu­
sätzlich bleiben Fibrin und Fibrinspaltprodukte im
Mikrofilter hängen.
3. Ausreichende Filterkapazität
Unabhängig von der Länge des Bypasses muß eine aus­
reichende Flußrate von mindestens 2,41/min/m2 Kör­
peroberfläche kontinuierlich für die gesamte Länge
des Bypasses gefiltert werden können.
4. Möglichst geringe Bluttraumatisierung
Durch den Kontakt des Blutes mit der Fremdoberflä­
che des Filters, wobei der Kontaktzeit, dem Filterma­
terial und der Filtergeometrie eine wesentliche Rolle
bezüglich der Bluttraumatisierung während des Fil­
terungsvorganges zugemessen werden, erfolgt neben
der zellulären Funktionseinbuße eine zahlenmäßige
Verminderung der Blutzellen. Die Bluttraumatisie­
rung während der Filterpassage umfaßt eine Schädi­
gung der Erythrozyten, der Granulozyten und Throm-
Kardiotechnik 5. Jahrgang / Heft 2 / August 1979

Referat
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bozyten mit einer zusätzlichen Aggregatbildung und
Beeinflussung plasmatischer Faktoren.
Die Mikroaggregatfilterung als eigentliche Filtereffektivi­
tät steht den anderen Erfordernissen gegenüber zwar im
Vordergrund, aber eine Überbetonung dieser Filtereigen­
schaft kann mit den Begriffen Filtergeschwindigkeit und
Filterkapazität und Bluttraumatisierung die praktisch
klinische Anwendbarkeit eines Mikrofilters für die
extrakorporale Zirkulation einschränken. Auf der folgen­
den Abb. 9, die aus einer Untersuchung von R. C. Dutton
stammt, sind einige der beschriebenen möglichen Verän­
derungen der verschiedenen Blutbestandteile während
der Mikrofiltration im extrakorporalen Kreislauf unter
Verwendung von Membran- und Bubble-Oxygenatoren
dargestellt. Zur Verminderung des Thrombozytenstur­
zes und einer Zerstörung der Thrombozyten während der
Mikrofiltration w