Beziehungen verschiedener Laborparameter zur Heparin-ACT-
Dosis-Wirkungskurve
D. U. Preiss, P Betz, D. Trenk………………………………………………………………. 76
Klinikvorstellung Augsburg
K. Friedlmeier, M. Jahn, E. Struck………………………………………………………..89
Jubiläumsprogramm „Veranstaltete Wissenschaft” der
Universität zu Köln
K.-H. Hansmeyer………………………………………………………………………………… 92
Akademie für Kardiotechnik am Deutschen Herzzentrum Berlin
P Böttger, M. Kopitz, R. Hetzer……………………………………………………………94
Pressemitteilungen……………………………………………………………………. 96
Zusammenfassung des 1. Hessischen-Kardiotechniker-
Stammtisches in Frankfurt am 23./24. Oktober 1987
G. Wagner……………………………………………………………………………………………97

60
Referat
Aus der Klinik für Thorax- u. Cardiovaskularchirurgie Herzzentrum Nordrhein-Westfalen (Dir. Prof. Dr. med. R. Körfer) Abt. Kardio-
technik
Erfahrungen mit der pulsatilen Perfusion während extrakorporaler Zirkulation
Dramburg, H. Knobl, K. Minami
Die Innovation in der extrakorporalen Zirkulationstechnik,
während pulsatiler Perfusion in der klinischen Routine, läßt kei­
nen Unterschied mehr in der Beurteilung der physiologischen
und der maschinell erzeugten arteriellen Druckkurve zu. Diese
zunächst nur rein optische, kongurente Druckkurve soll hier auf
ihre physiologische Wertigkeit der verschiedenen Regelmecha­
nismen und Organsysteme untersucht werden.
Die pulsatile Perfusion führen wir mit einem Doppelpumpen­
system durch. Hierbei fördert eine Pumpe venöses Blut aus dem
venösen Reservoir nonpulsatil durch den Oxygenator ins arte­
rielle Reservoir. Die pulsatil gesteuerte Pumpe fördert dann das
oxygenierte Blut aus dem arteriellen Reservoir über einen arte­
riellen Filter in die Aorta zurück.
Das Perfusionssystem besteht aus venösem und arteriellem Re­
servoir mit horizontalen Ein- und Ausgängen sowie einem inte­
grierten Filtermedium von 120 //m, das die Ein- und Ausgänge
trennt. Die beiden Reservoire werden zwischen zwei Plexiglas-
Als Steuereinheit für die pulsatile Persusion dienen uns zwei
Rollerpumpen und der PFC II (pulsatil flow controller) der Fa.
Stöckert.
scheiben so fixiert, daß für beide Reservoire ein statisches Volu­
men in zwei unterschiedlich wählbaren Größen zur Verfügung
steht. Nach Abklemmen der Kardiotomiereservoirlinie ist dies
ein geschlossenes Perfusionssystem.
Kardiotechnik 11. Jahrgang/Heft 2/1988

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Die Europäische
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BIOMEDICA

62
Referat
Als Oxygenierungseinheit benutzen wir einen Kapillar-
Oxygenator der Fa. Johnsen & Johnsen und das oben genannte
Doppelpumpenschlauchset der Fa. HMT. Die Handhabung,
Überwachung und Steuerung dieses Perfusionssystems ist bei
ausreichender Einarbeitungszeit und Kenntnisse der physiologi­
schen Grundlagen praktikabel und sicher.
Hierzu sei mir eine Bemerkung erlaubt. Nicht alles, was zur Zeit
von der Industrie angeboten wird und mit dem Prädikat „ein­
fach zu Handhaben“ ausgezeichnet ist, kann kritiklos vom
kompotenten Kardiotechniker übernommen werden. Nach­
weislich für den Patienten physiologischere Systeme dürfen und
können nicht Systemen mit dem Prädikat „einfach zu Handha­
ben“ weichen. Es scheint manchmal, daß die Industrie es sich
hier zu einfach macht.
Die Steuereinheit des Perfusionssystems muß so eingestellt wer­
den, das die imitierte Druckkurve der physiologischen Druck­
kurve, die durch die Herzkontraktion erzeugt wird, gleicht. Un­
tersuchungen von Ganong und Rainer haben gezeigt, daß die
physiologischen Effekte pulsatiler Perfusion wirksam werden,
wenn die Druckanstiegsgeschwindigkeit der Puslwelle 20% der
gesamten Zykluslänge unterschreitet. Ist dies nicht der Fall, so ist
der physiologische Effekt der pulsatilen Perfusion einge­
schränkt.
Ein weiterer Vorteil der pulsatilen Perfusion zeigt sich in der Re-
perfusionsphase. Ist der Rhythmus des operierten Herzens sta­
bil, so kann mit dem PFC II EWKG gesteuert diastolisch aug-
mentiert werden. Die Vorteile dieser Perfusion bei intakter Aor­
tenklappe setze ich als bekannt voraus.
Außerdem besteht die Möglichkeit über schrittweise Reduktion
des EKG-Triggers 1:1,1:2 und 1:3, das kardiochirurgisch versorg­
te Herz von der extrakorporalen Perfusion zu entwöhnen.
#1
99 PS
Unsere klinischen Erfahrungen beruhen auf einem Patienten­
gut von 80 Patienten die an unserer Klinik pulsatil perfundiert
wurden. Zum Vergleich wurden 60 Patienten herangezogen, die
nonpulsatil perfundiert wurden. Die Patienten wurden wegen
den unterschiedlichsten kardiochirurgischen Erkrankungen,
KHK, Klappenersätzen und/oder Kombinationseingriffen chi­
rurgisch versorgt.
Kardiotechnik 11. Jahrgang/Heft 2/1988

Referat
63
Patientencharakteristika
PP NP
tientengruppen erhielten während der EKZ im Mittel 2,3 ml Os-
mofundin pro kg Körpergewicht und 170 ml Fremd- oder Ei­
genblut. Die Narkose wurde mittels 1,2 Volumen % Ethrane
fortgeführt. Andere Narkotika, Vasodilatatoren und Diuretika
kamen nicht zum Einsatz.
Anzahl
88
68
Patienten
Alter
35-76
41-78
Jahre
KoerpergeMicht
42-91
46-88
kg
kalk. HZV
3.2-5.1
3.5-4.9
1/nin
HLH-Zeiten
65-241
72-212
«in
Ischaeniezeiten
16-177
23-158
nin
Die Untersuchung der prae und post EKZ Hb- und Hk-Werte er­
gab, daß sowohl die Werte für die Pulsatil-Gruppe (Hb 13,0 g/dl,
Hk 34,5%), als auch für die Nonpulsatil-Gruppe (Hb 13,2 g/dl,
Hk 36,2%), fast identisch waren. Post EKZ zeigt sich eine Verän­
derung dahingehend, daß die Hb- und Hk-Werte für die pulsatile
Das Aker der pulsatil perfundierten Patienten betrug dabei im
Mittel 62 Jahre, das der nonpulsatilen 59,5 Jahre. Die mittlere
HLM- und Ischämiezeit betrug bei den pulsatil perfundierten
Patienten 130 und 61,6 min. bei den nonpulsatil perfundierten
Patienten 122,3 und 56 min.
PP
(mmHg)
zSOmtR.L
250ml RL. 250ml RI.
Centn Anastomosis ECC
Ethrane ?•?
lOOmlR-L. bOOmlMB 500m(M.B.
Hb- und H
0.7 1
8.9
+ 0.6
0.92
Post-op
1 h
34.9 + 3.4
36.6
+ 3.7
0.83
FHB
( mg/dl )
4 h
28.6 + 2.9
29.7
+ 3.0
0.80
14 h
17.9 + 1.6
20.1
+ 1.8
0.65
Pre-op
14.9 + 0.24
14.9
+ 0.25
0.99
Post-op
HB
14 h
10.5 + 0.35
10.4
+ 0.45
0.86
( mg/dl )
T days
11.6 + 0.83
10.9
+ 0.39
0.46
•) : X + SEM; p: t-test
Ich hoffe, daß ich mit diesem Referat einige Vorurteile gegen die
pulsatile Perfusion ausräumen konnte und stelle fest, daß die pul­
satile Perfusion im Gegensatz zur nonpulsatilen Perfusion im
Bereich der Filtrationsleistung der Niere, des Gesamtvolumen­
verbrauchs während EKZ und der Gewebsödemprophylaxe in
Hypothermie deutliche Vorteile aufweist.
Literatur
R. E Schmidt, G. Thews: Physiologie des Menschen. Springer Verlag. 20. Auflage. S.
420 – 444, S. 490 – 498, S. 546 – 553
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ge. S. 573-583, S. 685-691
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lage. S. 108- 115, S. 138-145
R. M. Berne, M. N. Levy: Cardiovascular Physiology. C. V. Mosby Comp. 5. Auflage.
S. 222 – 226
J. R. Utley: Pathophysiology and Techniques of Cardiopulmonary Bypass Volume
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K Minami, U? Heinze, M. M. Körner, M. Schwerdt, H. Knobl, R. Körfer: Influence of
Pulsatile and Nonpulsatile Extracorporeal Circulation on the Integrated Venous
System. (Part II) Clinical Study. Herzzentrum Nordrhein-Westfalen, Bad Oeyn­
hausen
K. Minami, M. M. Körner, W. Dramburg, K H. Müller, R. Körfer: Plasma Catechola­
mine Levels and Vasomotor Dynamics during and after Cardiac Surgery using
Nonpulsatile and Pulsatile Extracorporeal Circulation. 17th Annual Meeting of
the German Society for Thoracic and Cardiovascular Surgery. Bad Nauheim
A nschrift der A utoren:
U7 Dramburg, H. Knobl, K. Minami,
Klinik für Thorax- u. Cardiovaskular-
Chirurgie, Herzz