Die Anwendung des hypothermen Kreislaufstillstandes beim Er­
wachsenen
S. Kasseckert, G. Görlach, H. H. Scheid…………………………………………….. 10
Ein Zentrum für Forschung und Entwicklung
600 Jahre Kölner Universität 1388/1988
F. Rudorf……………………………………………………………………………………………..16
On-Line Messung von Blutgaswerten während der EKZ
Klinische Erfahrungen mit dem Gas-Stat (Bentley)
H. H. Weitkemper/H. Knobl………………………………………………………………….18
Ständige Konferenz der Verbände im Gesundheitswesen
G. Lauterbach ………………………………………………………………………………… 27
Darstellung eines Oxygenators mit mikroporösen Kapillarfasern
Lautier, A., Sergentini, J. C., Pommier, J., Ecpriet, G………………………………30
CODEC — Computer Designed Custom-Pack
R. Göbert……………………………………………………………………………………………37
Der Kardiochirurgische Patient — Anästhesieassistenz im Kin­
desalter
M. Thywissen, E. Mohnen………………………………………………………………….38
Körperaktivitätsgesteuerter Herzschrittmacher Activitrax
— Untersuchungen der Frequenzadaption während submaxi­
maler Belastung im Straßenverkehr sowie bei zahnärztlichen
Eingriffen
M. Zegelman, R. Rahn, J. Kreuzer, D. Beckmann, R. Wagner………………43
Pressemitteilungen

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Referat
Aus der Experimentellen Chirurgie der Chirurgischen Klinik und Poliklinik, Universitätsklinikum Rudof Virchow Standort Charlot­
tenburg, Freie Universität Berlin
Analyse der pneumatischen Druckkurven in Blutpumpen zum Ersatz des Herzens
Z. Jin, J. Frank, E. Hennig, E. S. Bücheri
Summary
For the support and even for the replacement ofthe heart nowadays, pneumatic percutaneous systems are usedfor the most part, experimentally
and clinically. The driving unit, which generates a pulsatile air current, moves the flexible diaphragm separating the blood chamber from the
air chamber in the blood pump. The dirving unit parameters, i. e. the values determining the form of the air pulse, are set manually. Ideally,
these parameters should be adjusted continually to the heamodynamic requirements. For this adjustment, an analysis of the air pressure pulse,
the air flow signal or the motor speed signal is required.
An analysis method programned in BASIC was prepared, which can compute the points in time of the respective diaphragm end-positions with
a single-card computer (SC-5286). The result ofthe analysis is a digital signal which can be processedfurtherfor the automatic adjustment of the
pressure demand curve to the biological and heamodynamic requirements.
Problem
Die sogenannten percutanen pneumatischen Kunstherzsysteme
bestehen aus den Hauptkomponenten Blutpumpen, Antrieb,
Steuer- und Regeleinrichtung und der Energieversorgung. Die
Blutpumpen werden pneumatisch aktiviert; sie sind an Stelle des
Herzens im Brustkorb implantierbar, alle anderen Komponen­
ten verbleiben außerhalb des Körpers.
Die pneumatische Energie wird in Form eines Luftflußpulses
über Kunststoffschläuche, die mit sogenannten Hautdurchlei­
tungen die Brustwand durchdringen, vom Antrieb zu den im­
plantierten Blutpumpen geleitet. Bewährt haben sich Mehr­
membranblutpumpen, bei denen drei oder mehr dünne Kunst­
stoffmembranen die „Blutkammer” von der „Luftkammer”
trennen (Abb. 1). Die Membran wird durch den pneumatischen
Puls hin und her bewegt, entsprechend füllt bzw. entleert sich
die Blutkammer. Für den gerichteten Blutstrom sorgen künstli­
che Herzklappen in Ein- und Ausflußposition. Die Pumpe ar­
beitet also nach dem Verdrängerprinzip (1).
Bei uns werden z. Zt. überwiegend Antriebe verwendet, die in
Zusammenarbeit mit der Fa. AEG vor mehr als 12 Jahren ent­
wickelt wurden. Diese Antriebe zeichnen sich durch große Zu­
verlässigkeit aus. Sie arbeiten nahezu geräuschlos und lassen sich
in einer Vielzahl von Betriebsparametern steuern (Abb. 2) (2).
Gehäuse
Anschlussring
Blutkammer
; Luftkammer
Alu-Boden
T reibmembranen
Blutkontaktmembran
Abbildung 1: Schematische Darstellung der Blutpumpe
Abbildung 2: Pneumatische Antriebe
Links: Totalherzantrieb
Rechts: Bypass-Antrieb und Koffer-Antrieb
Kardiotechnik 11. Jahrgang/Heft 1/1988

Nur drei Verbindungen und
Ihr geschlossenes Membran-System
ist einsatzbereit.
Die Grundelemente
dieses BOS Pac® sind:
1. Das von Ihnen konzipierte Schlauchsystem.
2. Der BOS-CM Membran-Oxygenator.
3. Das BMR-1900 venöse Reservoir mit
dem Safe-T-Net zur sicheren Entlüftung.
Natürlich können Sie
ein Kardiotomiereservoir BCR 2500
oder BCR 3500
einen arteriellen Filter AF 10
einen Rezirkulationsfilter RF 20
und viele andere Details hinzufügen.
Besprechen Sie es doch mit uns!
BENTLEY LABORATORIES GMBH DÜSSELDORF
Tel. 0211/633067-69

6
Referat
Ein reversierender Gleichstrom-Motor bewegt über ein Getrie­
be einen Kolben zur Umsetzung der elektrischen in pneumati­
sche Energie. Ein kleinerer tragbarer Antrieb, der auch netzun­
abhängig mit Batterie betrieben werden kann, wurde ebenfalls
an der Freien Universität Berlin entwickelt. Er ermöglicht die
freie Beweglichkeit des Patienten (3, 4) für einen längeren Zeit­
raum. Hier erzeugt ein Rotationskolben nach dem Wankel-Prin­
zip den pulsatilen Luftfluß (Abb. 3).
Abbildung 3: Koffer-Antrieb mit Blutpumpen
Angestrebt wird, daß bei jedem Puls die Pumpe vollständig ge­
füllt bzw. entleert wird. Die Membran bewegt sich also von einer
diastolischen in eine systolische Endposition. Bei dieser soge­
nannten optimalen Arbeitsweise wird das Volumen der Blut­
pumpe bestmöglich ausgenutzt, ihre mechanische Belastung so­
wie die des Blutes und auch der Energieverbrauch wird dadurch
so gering wie möglich.
Um kontinuierlich diesen Betriebszustand einhalten zu kön­
nen, müssen die Antriebsparameter der Blutpumpen den sich
ständig ändernden Drucken im Blutkreislauf fortwährend ange­
paßt werden. Dieses ist nur mit entsprechend automatisierten
Regelsystemen möglich. Zum Ersatz des Herzens sind zwei Blut­
pumpen erforderlich, eine treibt das von den großen Sammelve­
nen kommende Blut durch den Lungenkreislauf zum linken
Vorhof, die zweite transportiert es von dort über die
Körperschlagader in den großen Kreislauf mit der nachgeschal­
teten Peripherie. Diese beiden Pumpen, die hintereinander ge­
schaltet sind, erfordern einen weiteren Regelmechanismus, der
ständig für gleiche Förderleistungen der beiden Pumpen sorgt.
Da die den Körperkreislauf versorgende linke Blutpumpe gegen
einen erheblich höheren Druck (arterieller Druck) fördern muß
als die rechte (Pulmonalarterien Druck), was den Wirkungsgrad
der Pumpen verschlechtert, ist die linke Pumpe konstruktiv be­
züglich des Schlagvolumens von vornherein größer gestaltet als
die rechte. Bei einer Differenz von 10 -15% kann die rechte Pum­
pe so gesteuert werden, daß sie bei jedem Puls vollständig gefüllt
und entleert wird; das Schlagvolumen der linken Pumpe wird
dann nicht restlos ausgenutzt, ein Flußausgleich kann über die
Variation des Schalgvolumens der linken Pumpe bei sich än­
derndem Füllungsdruck erfolgen (5).
Informationen über die momentanen Verhältnisse im Kreislauf
werden aus folgenden Meßparametern gewonnen:
— der rechte und linke Ventrikeldruck luftseitig
— der Schlauchdruck rechts
— der linke und rechte Vorhofdruck
— der Aortendruck
— der Pulmonalis-Druck und
— die beiden Motordrehzahlsignale (Tachogenerator).
Um die optimalen Pumpverhältnisse zu erreichen, müssen bei
Änderung der Zuflußverhältnisse und Änderung des peripheren
Widerstandes bzw. des Lungenwiderstandes die Antriebs­
parameter möglichst automatisch nachgestellt werden.
Die pneumatischen Antriebsparameter lassen sich in folgenden
Parametern verstellen:
— Systolendruck links und rechts
— Diastolendruck links und rechts
— relative Systolendauer links und rechts
— Pulsfrequenz für beide Seiten.
Methode
Aus den pulsatilen Luftdruckkurven in den Blutpumpen und
zusätzlich aus den Luftfluß- bzw. Motordrehzahl-Signalen las­
sen sich Steuergrößen für die Antriebsparameter ableiten.
Eine solche Druckkurve im Luftraum der Blutpumpe zeigt Ab­
bildung 4. Die Signale lassen sich in einzelne Phasen zerlegen:
200
Luftdruckfmm Hg]
Abbildung 4:Druckkurve im Luftraum der Blutpumpe, zerlegt in einzel­
ne Phasen
— die Kompri mierphase von Iq bis t j zeichnet sich durch einen
starken Druckanstieg aus;
— die folgende Austreibphase von t j bis tj wird dadurch einge­
leitet, daß das Ventrikelauslaßventil sich öffnet und so die
Membran das Flüssigkeitsvolumen der Blutkammer bei ge­
schlossenem Einlaßventil über die Aortenklappe in die Aor­
ta treibt;
Kardiotechnik 11. Jahrgang/Heft 1/1988

Referat
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— das Ende der Austreibungsphase zum Zeitpunkt tj wird mit
dem Anschlägen der Membran und dem Spannen derselben
erreicht, d. h. es wird kein Blut mehr ausgetrieben;
— der von tp bis t-j beschriebenen Systole schließt sich die Dia­
stole mit der Entspannungsphase t j bis t^ an;
— die geänderten Druckverhältnisse führen zum Schließen des
Auslaßventils. Mit zunehmendem Saugdruck wird der Luft­
raum verkleinert und das Einlaßventil geöffnet, so daß die
Flüssigkeit in die Blutkammer strömt bis zur vollständigen
Auslenkung der Blutmembran zum Pumpenboden (t^ bis
tj). Das Anschlägen der Membran zum Zeitpunkt t& been­
det die Diastole.
Die Druckspitzen, die am Ende der Systole bzw. am Ende der
Diastole durch die maximale Anspannung der Membran verur­
sacht werden, zeigen die komplette Entleerung bzw. Füllung der
Blutkammer an. Die Zeitpunkte und die Formen dieser Druck­
spitzen enthalten Informationen, die zur automatischen Rege­
lung der Antriebe verwendet werden können. So bedeuten z. B.
zu breite und zu hohe Druckspitzen in den Zeiten tj bzw. t^, daß
Treib- und Saugdruck zu hoch vorgegeben werden, womit die ef­
fektive Systolen- und Diastolendauer kürzer wird als die vorge­
gebene.
Bei der Druckkurvenanalyse mit dem von uns entwickelten BA-
SIC-Programm wird der Anfang der Systole aus den Druckwer­
ten und Druckdifferenzen ermittelt. In einem vorgegebenen
Zeitraum (100 – 500 Millisec, nach Systolenbeginn) werden die
Differenzen der Druckwerte gemessen und analysiert (Abb. 5).
Analog Eingang—D( I)
I =0-254
1
Abbildung 6: Flußdiagramm für die Druckkurvenanalyse
Abbildung 5: Druckkurve mit systolischen und diastolischen Anschlag­
spitzen. Systolische Druckkurvenanalyse im schraffierten Bereich
Die linke Pumpe zeigt wegen ihres größeren Schlagvolumens
üblicherweise keine diastolische „Druckspitze”, hier wird das
Druckplateau in der Füllphase bewertet und den entsprechen­
den Regelalgorithmen zugeführt. Der Rechner für dieses Erken­
nungssystem ist ein Einplatinen Computer (SC-5286) mit einem
Einchip-Mikroprozessor (8052 AH). Er hat neben seinen digita­
len Ein- und Ausgängen vier analoge Eingänge und einen analo­
gen Ausgang. Ein zusätzlicher Datenspeicher (RAM) und der
Programmspeicher (EPROM) mit eigener Programmierlogik
sind weitere Bestandteile des Rechners. Das Regelprogramm
wird in das EPROM geladen. Dieser Einplatinen Rechner ist auf
einer Europa-Standard-Platine (100 x 160 mm) aufgebaut. Er
kann problemlos in den Kofferantrieb eingesetzt werden. Das
Druckmeßsystem besteht aus einem Katheter, der im jeweiligen
Antriebsschlauch bis zur luftseitigen Kammer der Blutpumpe
geführt ist. Die Druc kspannungswandler sind den analogen Ein­
gängen des Rechners angepaßt (0 – 10 Volt) (6).
Die Abtastrate für die Druckkurve liegt bei 100 Punkte/sec.; es
werden 255 Punkte pro Meßzyklus aufgenommen. Das Flußdia­
gramm des Analyseprogramms ist in Abb. 6 dargestellt. Wird
während dieses Zeitfensters die systolische Druckspitze ausrei­
chend in Höhe und Breite erkannt, wird am Ausgang des Rech­
ners ein entsprechendes digitales Signal gesetzt. Läßt sich kein
entsprechendes Signal erkennen oder liegt die Druckspitze unter
einer vorgegebenen Gr