Die Tiefkühlkonservierung autologer Erythrozyten in der
Herzchirurgie
Th. Schricker, L. Juchelka, I. Buchmann………………………………………………66
Umfrage der AmSECT Perfusionisten
Übersetzt von P. Keegan………………………………………………………………………74
Die Autotransfusion bei venösen Thrombektomien
K. J. Husfeldt, J. Scheele, G. Schneider………………………………………………..81
Die Entwicklung der Herzchirurgie
F. Helmer…………………………………………………………………………………………….86
Chirurgische Behandlung angeborener Herzfehler
J. von der Emde, H. Singer, J. Rein………………………………………………………92
Mitgliederinformationen — Veranstaltungen — Literaturhinweise .. .97 – 99
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Referat
55
Aus der Chirurgischen Klinik mit Poliklinik der Universität Erlangen-Nürnberg
(Direktor: Prof. Dr. med. F. P. Gall)
Stellenwert und praktische Durchführung der Pulmonalisembolektomie
unter extrakorporaler Zirkulation
J. Scheele, J. von der Emde, K. J. Husfeldt, G. Schneider
Die Pulmonalisembolektomie muß als wirkungsvolle,
jedoch aufwendige und eingreifende therapeutische Maß­
nahme in ein Gesamtkonzept der Prophylaxe und Thera­
pie thromboembolischer Komplikationen eingeordnet
werden.
Prophylaxe
Die wichtigste Aufgabe ist die Vermeidung von Situatio­
nen, die eine Pulmonalisembolektomie erfordern könn­
ten. Daher ist im Postoperativum und bei sonstigen
stationär bettlägerigen Patienten eine generelle, wir­
kungsvolle Thromboseprophylaxe (Frühmobilisation,
krankengymnastische Übungen, individuell angepaßte
elastokompressive Strümpfe, intermittierende Waden­
kompression, Bettfahrrad, medikamentöse Thrombose­
prophylaxe mit Low-dose-Heparin/Dihydroergotamin,
Dextran oder Azetylsalicylsäure) erforderlich (9, 11, 16,
19, 21, 25, 30, 37, 40, 41).
Verhalten im Verdachtsfall
Bei jedem Verdacht auf akute Lungenembolie ist die
umgehende Heparinisierung in antikoagulativer Dosis
indiziert (11, 22). Sie soll in erster Linie die Ausbildung
eines Abscheidungsthrombus an einem möglicherweise in
der Pulmonalis liegenden Embolus sowie die Entstehung
pulmonalarterieller Thrombosen in minderperfundierten
Lungenbezirken mit entsprechend verlangsamter Blut­
strömung, daneben die Neuentstehung und Embolisation
peripherer Thrombosen verhindern. Eventuelle Kontra­
indikationen treten mit zunehmender Schwere und Ein­
deutigkeit der klinischen Symptomatik in den Hinter­
grund.
Bei normalgewichtigen Erwachsenen empfiehlt sich eine
Initialdosis von 10 – 15.000 USP-E. mit nachfolgender
Dauertropfinfusion von 30 – 40.000 USP-E./24 Stunden.
Diagnostik
Wegen der auch bei zunächst geringfügiger Symptomatik
bestehenden Gefahr tödlicher Zweitembolien (8) sind
unverzüglich gezielte Untersuchungen einzuleiten.
Einerseits ist zu klären, ob dem akuten Zustandsbild
wirklich eine Lungenembolie zugrundeliegt, andererseits,
ob in der venösen Gefaßperipherie weitere emboliegefähr­
liche Thrombosen vorliegen.
Zur Klärung der ersten Frage dienen:
Als orientierende Untersuchungen das Elektrokardiogramm
(insbesondere zum Ausschluß eines akuten Myokardin­
farktes), die Röntgenthoraxaufnahme (insbesondere zum
Ausschluß einer Lungenparenchymerkrankung und als
Beurteilungsgrundlage weiterführender Untersuchung)
und die arterielle Blutgasanalyse bei Spontanatmung (8,
11, 18, 24); letztere gewinnt durch Kombination mit einer
endexpiratorischen Gasanalyse an Aussagekraft (8, 18).
Als Screening-Methode die Lungenperfusionsszintigraphie
mit ’ ’(J-markiertem makroaggregiertem Humanalbumin
oder „m Tc-markierten Mikrosphären, evtl, in Kombina­
tion mit einer 133Xe-Ventilationsszintigraphie (1, 3, 8, 20,
24).
Als beweisende Untersuchung die selektive Pulmonalisangio-
graphie (2, 6, 7, 8, 11, 13, 20, 24, 29, 33, 34).
Bezüglich weiterer peripherer Thrombosen erlauben un­
blutige Methoden (Sonographie, Impedanzplethysmo­
graphie, Phleborrheographie) eine orientierende Ein­
schätzung der Rezidivemboliegefährdung. Zur endgülti­
gen Klärung dieser Frage ist, insbesondere bei pathologi­
schem Ausfall der vorstehenden Untersuchungen, eine
aszendierende Phlebographie erforderlich. Neben der
hohen diagnostischen Sicherheit liefert sie genaue Anga­
ben über Lage, Ausdehnung und Art des Thrombus und
ermöglicht so eine differenzierte Therapieplanung (4, 11,
14, 19).
Therapeutisches Vorgehen
Die Schwere der klinischen Symptomatik und das Ergeb­
nis der vorstehenden Untersuchungen erfordern ein abge­
stuftes therapeutisches Vorgehen:
Lungenembolie ohne wesentliche kardiopulmonale Insuffizienz
Bei Patienten mit angiographisch nachgewiesener Lun­
genembolie, jedoch fehlender oder nur angedeuteter bzw.
vorübergehender Kreislaufmsuffizienz ist im Anschluß an
die Heparinbehandlung eine überlappende Antikoagula­
tion für mindestens 3-6 Monate angezeigt (11). Ergibt
jedoch die Angiographie eine über 50%ige pulmonalar­
terielle Obstruktion, so ist trotz geringfügiger klinischer
Initialsymptomatik eine frühzeitige Behandlung nach den
Richtlinien vital bedrohlicher Lungenembolien zu erwä­
gen (23, 26, 28, 36).
Kardiotechnik 4. Jahrgang/Heft 2/August 1978

56
Referat
Zusätzliche periphere Reslthrombosen erfordern dringlich rezi­
div prophylaktische Maßnahmen:
Bei Thrombosierung vorwiegend kleinerer Venen ist die
Heparinisierung und nachfolgende Antikoagulation, bei
ausgedehnterem Befund in geeigneten Fällen die Fibrino­
lyse Therapie der Wahl (11, 22).
Bei Befall der femoralen und iliakalen Stammvenen
empfiehlt sich wegen der Kombination einer sofortigen
hohen embolieprophylaktischen Sicherheit und eines
günstigen funktionellen Spätresultates die operative
Thrombektomie (4, 14, 39).
Nur bei schwerwiegenden Kontraindikationen gegen die
im Anschluß an die Thrombektomie erforderliche Anti­
koagulation oder bei Patienten mit allgemein erhöhtem
Thromboserisiko (gesicherte frühere rezidivierende Lun­
genembolien, Auftreten einer Thrombose trotz ausrei­
chender Antikoagulation) ist die partielle Cavaokklusion
vorzuziehen. Wegen der geringeren Verschlußrate sollte
sie überwiegend durch einen externen Cavaclipp, bei
erhöhtem Operationsrisiko oder nach erst kurz zurücklie­
genden großen abdominalchirurgischen Eingriffen durch
einen intraluminären Schirmfilter erfolgen (39).
Bei septischer Embolie ist die komplette Cavaligatur mit
Unterbindung auch der Venae spermaticae bzw. ovaricae
angezeigt (39).
Lungenembolie mit bedrohlicher kardiopulmonaler Insuffizienz
Bei Patienten mit kardiogenem Schock oder Herzstill­
stand ist neben der Progressionsvermeidung und der
fallweisen Rezidivprophylaxe zur Verbesserung der
Kreislaufsituation die Beseitigung des Embolus erforder­
lich. Zwei Verfahren stehen zur Verfügung:
1. Die medikamentöse Fibrinolyse.
2. Die operative Embolektomie.
Die Fibrinolyse gilt heute als Therapie erster Wahl bei-
massiven akuten Lungenembolien (8, 11, 20, 22, 23, 32).
Sie beseitigt sowohl den pulmonalen Embolus als auch
evtl, noch vorhandene periphere Thrombosen, wobei im
Gegensatz zu operativen Maßnahmen auch Verschlüsse
in kleinen Gefäßen aufgelöst werden. Darüberhinaus ist
sie auch an mittelgroßen Krankenhäusern ohne kardio-
chirurgische Abteilung durchführbar. Dennoch sind klare
Einschränkungen erforderlich:
1. Primär oder nach einer erfolgreichen, nicht traumati­
sierenden Reanimation muß ein für die Aufrechterhal­
tung lebenswichtiger Funktionen ausreichender und
stabiler Minimalkreislauf vorliegen. Peristierende
Bewußtlosigkeit und Oligurie schließen diese Behand­
lung aus.
2. Eine Reihe von Kontraindikationen (Tab. 1) darf
nicht vorliegen; insbesondere sind Patienten im frühen
Postoperativum von dieser Behandlung auszuschlie­
ßen, wobei das postoperative Intervall je nach Größe
des Eingriffes und damit der möglichen Komplikatio-
nenzwischen2(z.B. Appendektomie, Hernienoperatio­
nen) und 10 Tagen (z.B. ausgedehnte Resektionen am
Verdauungstrakt oder parenchymmatösen Organen)
anzusetzen ist (14, 22).
A) Aktuelle Kontraindikationen
Längerdauernde Reanimation mit möglicher intra­
thorakaler Traumatisierung
Kurz zurückliegende Operationen (2-10 Tage)
Kurz zurückliegende akute Blutungen/schwere Ver-
letzungen
Wochenbett
B) Allgemeine Kontraindikationen
Hohes Alter
Hypertonie
Streptokokkeninfekte, Endokarditis, hoher ASL-
Titer
Floride Tuberkulose (Kavernen)
Gravidität
Apoplektischer Insult innerhalb der letzten 3 Mona­
te
Tab. 1: Kontraindikationen der Fibrinolyse
3. Bei gleichzeitig fortbestehender iliofemoraler Stamm­
venenthrombose ziehen wir je nach Kreislaufsituation
die Kombination „operative Thrombektomie/Anti-
koagulation“ oder „operative Thrombektomie/Pul-
monalisembolektomie“ einer Fibrinolyse vor.
Die operative Pulmonalisembolektomie ist mit zwei grundsätz­
lich verschiedenen Techniken möglich: der transvenösen
Saugkatheterextraktion und der direkten Embolektomie
am offenen Herzen.
Über die transvenöse Saugkatheterextraktion existieren
nur wenige Erfahrungsberichte (15). Als Indikationen
könnten sich Embolien mit angiographisch ausgedehnten
Verschlüssen, jedoch geringfügiger klinischer Initial­
symptomatik, insbesondere bei gleichzeitig vorliegender
ileofemoraler Stammvenenthrombose, darüber hinaus
mittelschwere Lungenembolien bei Patienten mit einge­
schränkter kardiopulmonaler Reserve herausstellen (11).
Die Pulmonalisembolektomie am offenen Herzen ist bei
Patienten mit akut lebensbedrohlicher Kreislaufdekom­
pensation die wirkungsvollste Maßnahme (5, 7, 10, 11,20,
23, 26, 28, 29, 31, 34, 36, 38). Da jedoch auch bei
konservativer Behandlung einmaliger massiver Lungen­
embolien Spätschäden im Sinne einer persistierenden
pulmonalarteriellen Hypertonie dank der allmählichen
Spontanlyse extrem selten sind (2, 12, 17, 27), ist ihre
Durchführung nur zur Verbesserung der Überlebensaus­
sichten, nicht jedoch zur Erzielung eines günstigen funk­
tionellen Spätresultates gerechtfertigt.
Kardiotechnik 4. Jahrgang/Heft 2/August 1978

Referat
57
Eine absolute Operationsindikation liegt vor:
1. bei reanimationsrefaktärem Herzstillstand,
2. bei nach einer erfolgreichen Reanimation nicht aus­
reichender Minimalperfusion lebenswichtiger Orga­
ne, d.h. bei fortbestehender Kreislaufinsuffizienz mit
Bewußtseinsstörung, Oligurie oder persistierenden
Zeichen einer koronaren Mangeldurchblutung im
EKG,
3. bei trotz konservativ-intensivmedizinischen Maßnah­
men zunehmendem kardiogenem Schock, insbesonde­
re, wenn eine Fibrinolysebehandlung kontraindiziert
ist oder erfolglos bleibt,
4. bei trotz maschineller Beatmung unzureichend blei­
bendem arteriellem Sauerstoffpartialdruck (33).
Abb. 1 31-jähriger Patient, posttraumatische massive akute Lungen­
embolie in auswärtigem Krankenhaus. Herzstillstand. Reanimation mit
20-minütiger Herzmassage. Operationsbeginn 1 Std. nach Eintritt des
Herzstillstandes.
Eine relative Operationsindikation stellen Patienten mit ini­
tial ausreichender Kreislaufleistung, jedoch angiogra­
phisch über 50%iger pulmonalarterieller Obstruktion dar,
insbesondere bei bestehender Kontraindikation gegen die
Fibrinolyse (10, 23, 26).
Intraoperativ sollten neben den Pulmonalarterien auch
die rechten Herzhöhlen auf liegengebliebene Emboli bzw.
Thromben untersucht und eine operative Rezidivprophy­
laxe durchgeführt werden. Wegen des selteneren Auftre­
tens postthrombotischer Syndrome bei gleicher rezidiv­
prophylaktischer Sicherheit streben wir im Gegensatz zu
den meisten Autoren (10, 11, 33, 34, 38, 39) auch bei der
Pulmonalisembolektomie die fallweise venöse Thrombek­
tomie (Abb. 1) nach intraoperativer Phlebographie an.
Indikationen für eine Cavasperroperation sind auch hier
rezidivierende Lungenembolien, operationsunabhängig
erhöhtes Thromboserisiko, schlechter Allgemeinzustand
und septische Embolie. Der völlige Verzicht auf eine
operative Rezidivprophylaxe (23, 35) scheint uns nicht
gerechtfertigt, da wir selbst einen Patienten, bei dem ein
entsprechender Eingriff unterblieben war, am 1. postope­
rativen Tag infolge einer autoptisch nachgewiesenen
Rezidivembolie verloren haben.
A) Emboli aus beiden Pulmonalarterien
B) Restthromben aus der Vena femoralis superficialis und iliaca rechts
Kardiotechnik 4. Jahrgang/Heft 2/August 1978

58
Referat
Praktisches Vorgehen bei vital bedrohlicher Lun­
genembolie
Während bei Patienten ohne wesentliche Kreislau (Insuffi­
zienz neben der initialen Heparinisierungeine schrittwei­
se diagnostische Abklärung und anschließende Therapie­
planung möglich ist, erfordern der Eintritt eines lebens­
bedrohlichen kardiogenen Schocks oder eines plötzlichen
Herzstillstandes ein enges Ineinandergreifen von Diagnostik
und Therapie.
Hierbei entsteht insofern eine Konfliktsituation, als einer­
seits der präoperative pulmonalangiographische Embo­
lienachweis die einzige absolut zuverlässige, nach Ansicht
vieler Autoren (7, 10, 20, 28) unerläßliche Indikations­
grundlage zur Embolektomie darstellt, andererseits eine
zu Gunsten der Angiographie in Kauf genommene Ope­
rationsverzögerung infolge der anhaltenden zerebralen
Hypoxie und der Gefahr einer irreversiblen überlastungs­
bedingten Schädigung des rechten Ventrikels die Erfolgs­
aussichten drastisch senkt (10, 28, 31). Angesichts der
nach Erfahrungen bei sonstigen kardiochirurgischen Ein­
griffen geringen Operationsbelastungen einer medianen
Thorakotomie mit Einrichtung der extrakorporalen Zir­
kulation (29) erscheint uns bei der Mehrzahl dramati­
scher Verläufe ein sofortiger Operationsbeginn gerecht­
fertigt. Das Risiko eines diagnostischen Irrtums liegt
hierbei um 10 % (26, 31). Wenngleich die Letalität
fehlindizierter Eingriffe außerordentlich hoch ist (20, 33),
dürfte die Prognose überwiegend von der zugrundelie­
genden Erkrankung, weniger von der zusätzlichen Ope­
rationsbelastung bestimmt werden.
Eine wertvolle Bereicherung, besonders in unklaren Fäl­
len, stellt die partielle extrakorporale Zirkulation nach
peripherer Kanülierung in der Leiste dar. Die Spitze des
arteriellen Katheters wird hierbei retrograd bis etwa zur
Aortenbifurkation, die des venösen Katheters orthograd
in die Vena cava bis in Höhe der Lebervenen vorgescho­
ben. Insbesondere bei noch vorhandener oder nach
Entlastung des rechten Ventrikels wieder einsetzender
kardialer Eigenleistung läßt sich eine ausreichende Zirku­
lation sicherstellen, so daß eine Pulmonalisangiographie
auf dem OP-Tisch möglich wird (5, 7, 10, 23, 28).
Besonders günstige Voraussetzungen bietet eine batterie­
betriebene HLM-Einheit mit fremdwasserunabhängigem
Wärmeaustauscher. Sie ist überall einsetzbar, ermöglicht
die Überbrückung einer organisatorisch bedingten Ope­
rationsverzögerung — etwa, wenn momentan kein Ope­
rationssaal frei ist — und gestattet den Transport des
Patienten zur Angiographie bzw. in den nächsten freiwer­
denden Operationssaal unter permanenter Aufrechter­
haltung der extrakorporalen Zirkulation (28).
Im Einzelfall gehen wir nach folgenden Richtlinien vor:
1. Jeder Patient mit Verdacht auf akute Lungenembolie wird
bis zur endgültigen Diagnosesicherung und Therapieent­
scheidung von einem Arzt begleitet. Dieser führt die
Initialheparinisierung durch, in eindeutigen Fällen mit
Kreislaufinsuffizienz sofort, bei unklaren Verläufen, ge­
ringfügiger klinischer Symptomatik oder Vorliegen rela­
tiver Kontraindikationen im Anschluß an die Diagnostik.
Herzchirurgische Abteilung, Kardiotechniker und Inten­
sivstation sind von jedem Verdachtsfall zu informieren,
bei dramatischem Verlauf zu alarmieren.
2. Patienten mit kardiogenem Schock werden umgehend in den
intensivmedizinisch-operativen Bereich verlegt, falls ver­
fügbar, in einen Operationssaal mit der Möglichkeit zur
Serienangiographie.
Bei ausreichenden Kreislaufverhältnissen wird dort neben der
EKG-Ableitung eine Pulmonalisangiographie durchge­
führt; die Ausdehnung des embolischen Verschlusses
bestimmt die Operationsindikation.
Bei unzureichender Restzirkulation (R/R S 70 mm Hg,
Bewußtlosigkeit, hochgradige akute Ateminsuffizienz bei
normaler V entilation) werden junge, zuvor kardial gesun­
de Patienten mit typischen anamnestisch-klinischen oder
elektrokardiographischen Hinweissymptomen sofort tho-
rakotomiert und an die Herz-Lungen-Maschine ange­
schlossen. Bei atypischer Symptomatik, Patienten mit
kardialer Vorschädigung oder gravierenden anderweiti­
gen Komplikationen seitens vorangegangener Operatio­
nen wird nach Kanülierung in der Leiste eine partielle
extrakorporale Zirkulation eingerichtet und anschließend
angiographiert. Der Nachweis einer Embolie ergibt nahe­
zu ausnahmslos die Operationsindikation.
3. Patienten mit Herzstillstand werden unter Reanimations­
maßnahmen (Intubationsmöglichkeit auf allen Statio­
nen) sofort in den Operationssaal gebracht, peripher
kanüliert und an die HLM angeschlossen. In eindeutigen
Fällen kann unter Fortführung der Herzdruckmassage
sofort thorakotomiert werden, wenn dadurch eine Zeiter­
sparnis bis zum Bypassbeginn wahrscheinlich erscheint.
Eine Pulmonalisangiographie erfolgt nur, wenn nach
peripherer Kanülierung eine ausreichende Zirkulation,
beispielsweise durch Wiedereinsetzen der Herztätigkeit,
vorliegt.
4. Bei organisatorisch bedingten Operationsverzögerungen (z.B.
kein Saal frei) ist die Reanimation bzw. medikamentöse
Kreislaufstützung konsequent fortzuführen. Auch ein
langdauernder Herzstillstand mit weiten, reaktionslosen
Pupillen schließt nach eigenen Beobachtungen eine er­
folgreiche Operation nicht aus, zumal die Pupillenreak­
tion unter Gabe von Sympathikomimetika nicht sicher
verwertbar ist.
Sobald uns eine transportable Herz-Lungen-Maschine
zur Verfügung stehl, wird sie in diesen Fällen umgehend
eingesetzt, also bei allen Patienten, die in hochgradigem
kardiogenem Schock oder unter Reanimation auf der
Intensivstation ankommen und nicht sofort operiert wer­
den können.
Wünschenswerte Voraussetzungen für eine möglichst
schnelle und reibungslose Durchführung dieses Eingriffes
sind:
1. Sicherstellung eines schnellen Transports entsprechen­
der Patienten in die Intensivstation bzw. den Opera­
tionstrakt (zentrale Notsteuerung für einen bestimm­
ten Aufzug)
Kardiotechnik 4. Jahrgang/Heft 2/August 1978

Langzeit-
Oxygenations-
Maschine
Bei akuten, schweren Lungendiffusionsstörungen ist die Langzeitoxygena-
tion nach erfolgloser Respiratorbehandlung oft die einzige Behandlungs­
möglichkeit.
Zu den bekannten Schwierigkeiten bei der Oxygenation, wie
– Anschlußtechnik der Herz-Lungen-Maschine
– Verhinderung der Blutgerinnung
– Zusätzlicher Laboraufwand, der über das normale Maß der Intensiv­
betreuung hinausgeht
kommen bei der Langzeitoxygenation noch folgende Probleme hinzu:
– Überwachung der Herz-Lungen-Maschine
– Gefahr der Luftembolie oder
– Volumenverlust durch Fehlregulation der extrakorporalen Pumpe oder
durch das Versagen des extrakorporalen Kreislaufs.
Wir haben daher in Zusammenarbeit mit Herrn Dr. Hankeln an der
Universitätsklinik Heidelberg (Abt. Prof. Schmitz) eine Herz-Lungen-
Maschine modifiziert und neu entwickelt, die eine extrakorporale
Perfusion eines Patienten durch die Herz-Lungen-Maschine
über Tage und Wochen gestattet, und die genannten Pro­
bleme und Gefahren bei der Langzeitoxygenation praktisch
ausschließt.
Das von uns entwickelte System besteht aus einer
De-Bakey-Rollenpumpe und einem Membranoxy-
genator mit niedrigem Gradienten und einer Steuer­
elektronik. Diese Steuerelektronik erfaßt die in ein
venöses Blutreservoir drainierte Blutmenge mittels
photoelektrisch arbeitender Sensoren, die am Reser­
voir anliegen und steuert die Rollenpumpe (Abb.).
Bei einem bestimmten Flüssigkeitspegel im Reservoir
wird ein in den Sensoren befindlicher Schwingkreis
verstimmt, ein damit verschaltetes Relais aktiviert und
hierüber mittels Vorwiderständen die Umdrehungs­
geschwindigkeit der Rollenpumpe reguliert.
Einer dieser Sensoren wird zur Ausschaltung der Pumpe
bei einem eventuell auftretenden Blutminimum im Reser­
voir benutzt. Über eine Elektronik steuern die darüber­
liegenden Photoelektronen die Pumpgeschwindigkeit so,
daß der Blutpegel konstant gehalten wird. Die Vorteile dieses
Systems gegenüber existierenden kapazitiv oder über Wiege-
Potentiometer arbeitenden Systemen sind:
– weitgehende Störungsfreiheit
– Adaptionsmöglichkeit an fast allen Pumpen
– einfache Bedienung
– geringer personeller Aufwand
Über eine venöse Kanüle, die bis in die Vena cava inferior über die Vena femoralis
des Patienten eingeführt wird, wird das venöse Blut durch Schwerkraft über einen
Wärmeaustauscher und einem Membranoxygenator in ein Reservoir drainiert. Von
diesem Reservoir, das gleichzeitig als Blasenfänger wirkt, übernimmt eine De-Bakey-Rollen­
pumpe das nunmehr oxygenierte
Blut und perfundiert es in die Femo-
ralarterie des Patienten zurück.
Beide, arterieller und venöser An­
schluß der Herz-Lungen-Maschine
können grundsätzlich an derselben
Leiste vorgenommen werden.
Abb. Schema des extra­
korporalen Kreislaufs mit Regelung,
a — venöser Anschluß,
b — arterieller Anschluß.
HERZ- LUNGEN – SYSTEME
TRAVENOL GMBH
Nymphenburger Straße 1
D-8000 München 2
Telefon (089) 59941
Telex 524163tramud

60
Referat
2. Zentrales Informations- bzw. Alarmsystem der bei
solchen Notfällen betroffenen Abteilungen.
3. Bereitstellung einer funktionsfähigen, nicht im Routi­
neprogramm benötigten, möglichst batteriebetriebe­
nen Herz-Lungen-Maschine.
4. Jederzeitige Verfügbarkeit eines Kardiotechnikers