Ein neuer Membranoxygenator für die extrakorporale Lungenunterstützung
S. Renolleau, J. Y. Chevalier, M. Larroquet, C. Couprie………………………………………………………………. 10
Gemischt-venöse Sauerstoffsättigung und Hämatokrit als
kontinuierliches On-line-Monitoring
E. Gygax, M. Lanz, P. Wüthrich …………………………………………………………………………………………………. 15
Medizinischer Fortschritt und Ethik
K.-J. Meineke…………………………………………. 21
Das Portrait
PAS Palzer GmbH…………………………………………………………………………………………… 24
Das Klinikportrait
Universitätsklinik für Thorax- und Kardiovaskular-Chirurgie, Düsseldorf…………… 27
Neues aus der Industrie …………………………………………………………………………………………….. 29
Kongreß-Notizen…………………………………………………………………………………………………………. 32
Bericht zur 23. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft
für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie………………………………………………………………. 34
Mitteilungen der DGfK………………………………………………………………………………………………. 37
Grundlagen und Richtlinien der Europäischen Kommission
für Kardiovaskuläre Perfusion …………………………………………………………………………. 38
Hinweise für Autoren………………………………………………………………………………………………….. 41
Kongresse, Veranstaltungen………………………………………………………………………………………… 42
Heft 3/94
Heft 4/94
Erscheinungstermin
9. 9.1994
Erscheinungstermin
1.12.1994
Einsendeschluß für
Einsendeschluß für
• redaktionelle Beiträge
1. 7.1994
• redaktionelle Beiträge
22. 9.1994
• Anzeigenaufträge
15. 8.1994
• Anzeigenaufträge
1.11.1994
Leitthema der nächsten Ausgabe:
Organprotektion
Die KARDIOTECHNIK wird auf chlorfrei gebleichtem Papier gedruckt
3

MEDIZIN IST KUNST –
KUNST IST MEDIZIN
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Editorial
vor 35 Jahren, am 21. Februar 1959, wur­
de erstmals ein Patient mit Hilfe der Herz-
Lungen-Maschine in Düsseldorf am Her­
zen operiert. Der Fortschritt in der Kar-
diochirurgie parallel zu der Entwicklung
der Extrakorporalen Zirkulation in den
letzten drei Jahrzehnten ist vergleichbar
mit der Entwicklung von der Dampfloko­
motive zur hypermodernen Magnet­
schwebebahn.
Angesichts der steigenden Zahl von Pa­
tienten mit Herz- und Kreislauferkran­
kungen und der damit verbundenen Ver­
sorgungspflicht wurden in den letzten
Jahren mehrere neue Herzzentren ge­
gründet oder bestehende erweitert. Die
ansteigende Zahl der herzchirurgischen
Kliniken hat auch einen vermehrten Be­
darf an kardiochirurgischen Fachkräften
und qualifizierten Kardiotechnikern zur
Folge.
So kann ich es nur begrüßen, daß es der
DGfK gelungen ist, eine gesetzlich gere­
gelte Ausbildung an der Fachhochschule
Jülich zu etablieren, wo noch in diesem
Jahr das Fachstudium zum Kardiotechni-
ker aufgenommen werden kann.
Neben einer qualifizierten Fachausbil­
dung sollte später auch in der Praxis die
Fort- und Weiterbildung für den einzel­
nen Kardiotechniker von Wichtigkeit
sein, sei es in Form von Kongreßbesu­
chen oder der Lektüre fachspezifischer Li­
teratur. Wichtig ist hierbei der interdiszi­
plinäre Erfahrungsaustausch mit anderen
Fachgebieten, die an der Herzchirurgie
mehr oder weniger direkt beteiligt sind,
wie z.B. Anästhesie, Allgemeinchirurgie
und viele andere.
Die Fachzeitschrift KARDIOTECHNIK
gibt Ihnen die Möglichkeit, Ihr Fachwis­
sen zu erweitern, Erfahrungen auszutau­
schen und somit auf dem laufenden zu
bleiben. So hoffe ich, daß Sie auch in Zu­
kunft diese Möglichkeit nutzen werden,
damit Ihr Fachwissen in Form adäquaten
Handelns unseren Patienten zugute kom­
men kann.
Ihr
Prof. Dr. R. Körfer
KARDIOTECHNIK 2/94
5

Das kleine Wunder:
System 97
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W. Dramburg, H. Knobl, T. Breymann,
K. Minami, R. Körfer
Herz- und Diabeteszentrum NR W, Universitäts­
klinik der Ruhr-Universität Bochum,
Bad Oeynhausen
(Leiter: Prof. Dr. R. Körfer)
Entwicklung eines
t
Maschinensets für
L:
die pulsatile Säuglingsperfusion
Zusammenfassung
Viele klinische Studien haben verglei­
chende Untersuchungen zu pulsatiler
und nicht pulsatiler Perfusion angestellt.
Trotz unterschiedlicher Ergebnisse ist al­
len Studien die Feststellung gemeinsam,
daß pulsatiler Blutfluß bei langdauernder
EKZ für den Patienten besser sei. Des­
halb wird im Eierz- und Diabeteszentrum
Bad Oeynhausen pulsatile Perfusion auch
in der Chirurgie der kongenitalen Vitien
eingesetzt.
Bisher stand für pulsatile Säuglingsperfu­
sion jedoch kein Maschinenset zur Verfü­
gung. Dies wurde von uns entwickelt. Da­
bei wurde insbesondere auf Bioverträg­
lichkeit Wert gelegt. Venöse und arterielle
Beutel sind mit integriertem Filter ausge­
stattet. Sowohl zur Reduktion des Ge­
samt-Füllvolumens als auch zur Reduzie­
rung der Fremdoberfläche und um es
sicher in der Handhabung zu machen,
wurde das Set so klein wie möglich gehal­
ten und möglichst wenig Konnektoren
benutzt, was auch dem besonderen Be­
streben nach Elimination von Strömungs­
hindernissen entgegenkommt. Das Set ist
kompatibel mit allen gängigen Säuglings-
oxygenatoren. Es wurden nur Marken­
artikel zur Herstellung verwendet.
Schlüsselwörter
Pulsatile Perfusion, Doppelpumpen­
schlauchsystem, Säuglinge.
Summary
Many clinical studies have been perform­
ed on comparing pulsatile with non-pulsa-
tile perfusion. Although their results are
different, one conclusion is common to
all studies: pulsatile blood-flow is better
for patients undergoing long-duration
ECC. For this reason pulsatile perfusion
is used in the Herz- und Diabeteszentrum
Bad Oeynhausen in surgery of congenital
heart disease.
However, up to now there has been no
supply of a HLM-tubing-set for pulsatile
perfusion of infants. This has now been
developed in our clinic. Greatest impor­
tance was attached to bio-compatibility.
Venous as well as arterial blood-sacs are
provided with an integrated filter.The tub­
ing set has been created as small as possi­
ble to reduce both priming-volume and
artificial surface area. Another profit of a
small set is more safety in handling and
the realization of reducing connectors
which leads to better elimination of ob­
struction of current blood-flow. The set
has been produced using exclusively
FDA-components and is compatible to
all common infant-oxygenators.
Keywords
Pulsatile perfusion, double-pump-tubing-
system, infants.
Einleitung
In der neueren Zeit der Perfusionstechno­
logie wurden die verschiedenen Perfu­
sionsverfahren der EKZ unterschiedlich
bewertet und häufig kontrovers disku­
tiert.
Vor allen Dingen wurden die Vor- und
Nachteile der pulsatilen Perfusion gegen­
über der non-pulsatilen in vielen kardio-
chirurgischen Kliniken mit großem Auf­
wand untersucht und mit differenten Er­
gebnissen vorgestellt.
Einige Arbeitsgruppen zeigten eine Ver­
besserung der Mikrozirkulation bei redu­
ziertem TPR unter pulsatiler Perfusion.
Andere Arbeiten konnten nachweisen,
daß der Plasma-Katecholaminspiegel un­
ter pulsatiler Perfusion (ab hier PP ge­
nannt) deutlich niedriger war als unter
non-pulsatiler Perfusion (ab hier NP ge­
nannt). Wieder andere Studien wiesen
nach, daß die Diureseleistung unter PP
höherwar als unterNP und so eine besse­
re HLM-Gesamtbilanz erreicht werden
konnte. Nur wenige Arbeitsgruppen
konnten keine Vorteile der PP nach­
weisen.
Den meisten Veröffentlichungen gemein­
sam ist jedoch die Feststellung, daß die
PP bezogen auf die HLM-Zeit der NP
überlegen ist. Diese Tatsache führte in
unserer Klinik dazu, die PP bei lang­
dauernden Eingriffen einzusetzen. Dabei
erscheinen uns Eingriffe im Bereich der
kongenitalen Vitien besonders geeignet.
Da die Industrie bisher aber kein HLM-
System für die PPbei Säuglingen zur Ver­
fügung stellen konnte, mußte ein pul­
sationsfähiges Doppelpumpen-HLM-Sy-
stem für Säuglinge von uns entwickelt
werden (Abb. 1).
Abb. 1: Funktionsprinzip des Doppelpumpen­
systems.
Allgemeine Anforderungen
Die allgemeinen Anforderungen an ein
pulsationsfähiges HLM-System für Säug­
linge können nach Spezifizierung von
handelsüblichen HLM-Sets abgeleitet
werden:
– Reduzierung des Füllvolumens
des pulsatilen HLM-Systems auf ein
Minimum
– Reduzierung der Fremdoberfläche
– Elimination aller turbulenten
Strömungen soweit möglich
– weitgehend physiologischer
Pulsationsbetrieb
– Verwirklichung aller bis dato
bekannten Sicherheitsaspekte
– Verwendung ausschließlich
biokompatibler Materialien
– Kompatibilität mit allen gängigen
Säuglingsoxygenatoren und arteriellen
Filtern
– übersichtliches und einfaches
Handling für den Anwender
– ausgewogenes Preis-Leistungs-
Verhältnis
KARDIOTECHNIK 2/94
7

Konstruktionszeichnung
Nach mehreren Probezeichnungen, Pro­
beaufbauten und Testläufen des zu ent­
wickelnden HLM-Sets wurde dann nach
unserer Maßgabe die Konstruktionszeich­
nung von der Fa. HMT (Fürstenfeld­
bruck) entworfen. Besonderer Wert wur­
de dabei auf eine kurze Linienführung
gelegt, auf den Einsatz bewährter Einzel­
produkte sowie auf Funktionalität des
Gesamtsystems (Abb. 2).
Abb. 2: Konstruktionszeichnung des Doppel­
pumpensystems.
Konstruktionsmaterial
Schlauchmaterialien
– PVC-Schlauch
Bei dem PVC-Schlauchmaterial entschie­
den wir uns für den Raumedic ECC no
DOP 7536 von der Fa. Rehau. Er besteht
aus Polyvinylchlorid und einem weitge­
hend wanderungsbeständigen Weichma­
cher.
Für nicht ständig blutführende Schläuche
wählten wir eine Wandstärke von 1/16
Zoll, für ständig blutführende Schläuche
eine Wandstärke von 3/32 Zoll bei einer
Schlauchhärte von 75 ±5. Dies hat den
Vorteil, daß bei relativ kurzen Kurven und
Biegungen des Schlauchsystems kein
Abknicken und keine Instabilität der
Schlauchlinienführung zu befürchten ist.
Auch ein Aufschwingen der Schlauchver­
bindungen wird so minimiert und die
Übertragung der Pulswelle von der Roller­
pumpe zum Patienten optimiert, da diese
Schlauchwandstärke keine Compliance
zuläßt.
– Silikonschlauch
Für die Pumpenschlauchsegmente wähl­
ten wir den Silikonschlauch Silastic Rx
Pump Tubing von der Fa. Dow Corning.
Silikon gehört in die Gruppe der Elasto­
mere, bei deren Herstellung zur Polymeri­
sation Phthalsäure verwendet wird. Dar­
aus resultiert eine hohe Druckbelastbar­
keit und Reißfestigkeit, die auch bei star­
ken Temperaturschwankungen (-100 bis
+250°C) erhalten bleibt. Das Schlauch­
material verändert in den Temperaturbe­
reichen der extrakorporalen Perfusion sei­
ne Konsistenz deshalb nicht. Ein weiterer
Vorteil des Silikonpumpenschlauchs be­
steht in der unumstrittenen Biokompati­
bilität dieses Materials.
Konnektoren
Die von uns verwendeten Konnektoren
werden aus Polycarbonat hergestellt. Sie
sind unzerbrechlich, nicht toxisch und
durchsichtig.
– Aufsteckfläche der Konnektoren
Die Aufsteckfläche der Konnektoren muß
so beschaffen sein, daß das Aufschieben
eines Schlauches mühelos erfolgen kann.
Der Spitzenbereich der Aufsteckfläche
sollte eine Wandstärke von 0,6 mm und ei­
nen Anschleifwinkel von 5° nicht über­
schreiten. Andernfalls