Einfluß der Hypothermie auf den Elektrolyt- und Säure-Basen-
Haushalt
C. J. Preuße……………………………………………………………………………….. 45
Rasterelektronenmikroskopische Untersuchungen zur Effektivität
von Pre-Bypass-Filtern
J. Lüttges, St. Kassekert, G. Görlach, J. Mulch……………………………. 48
Der notfallmäßige Einsatz der Herz-Lungen-Maschine
A. Philipp…………………………………………………………………………………….. 52
Elastase — Ein empfindlicher Indikator für Granulozyten Läsionen
durch extracorporale Oxygenatoren
B. Wolf, H. E. Zeplin, R. Reinhards, H. Knopl, K. Kleesiek,
D. Pauquet, K.-H. Hildinger, B. J. Messmer, H. Greiling………………… 57
15. Internationale Fort- und Weiterbildungsveranstaltung der
Deutschen Gesellschaft für Kardiotechnik am 9./10. 5. 1986 in
Bad Krozingen……………………………………………………………………………. 59
Literaturhinweise…………………………………………………………………………. 60

4
Fortbildung
Aus der Klinik für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main
(Leiter: Professor Dr. med. P. Satter)
Ferdinand Sauerbruch — Leben und Werk —
R. Wagner
Folge 2
Alles geben die Götter, die unendlichen,
Ihren Lieblingen ganz:
Alle Freuden, die unendlichen,
Alle Schmerzen, die unendlichen, ganz.
(Goethe)
neuen Aufgaben erfüllte er mit Feuereifer. Er baute insbeson­
dere die Thoraxchirurgie weiter aus und richtete eine neue gro­
ße Operationskammer ein.
Zu Miculiczs Nachfolger wurde Carl Garre (1857-1928) beru­
fen, dessen Hauptarbeitsgebiet nicht die Thoraxchirurgie war
und der zudem seinen eigenen Mitarbeiterstab mitbrachte.
So verließ Sauerbruch noch im Herbst des gleichen Jahres Bres­
lau und ging als 2. Oberarzt zu Paul Leopold Friedrich
(1864-1916) an die Chirurgische Universitätsklinik in Greif­
wald. Hier begann er, experimentell zur Problematik der Para-
biose zu arbeiten und die Auswirkungen des Druckdifferenz­
verfahrens bei Eingriffen an und im Schädel zu untersuchen.
Auf dem 35. Kongreß der Deutschen Gesellschaft für Chirur­
gie im April 1906 stellte er seine Ergebnisse in einem Vortrag
über „Blutleere Operationen am Schädel unter Überdruck und
Beiträge zur Hirndrucklehre“ vor. In jener Zeit publizierte er
auch Arbeiten zur Chirurgie des Herzens resp. des Herzbeu­
tels, zum Unterdruckverfahren in der Herzchirurgie und zur
Problematik der Bruchoperationen.
Als Friedrich im Sommer 1907 zum Direktor der Chirurgi­
schen Universitätsklinik zu Marburg an der Lahn berufen
wurde, nahm er Sauerbruch als 1. Oberarzt und Leiter der Poli­
klinik mit.
An seiner neuen Wirkungsstätte ergaben sich jedoch bald Pro­
bleme für Sauerbruch. Zum einen fand er hier seinen Kontra­
henten Brauer als Direktor der Medizinischen Klinik wieder,
zum anderen entwickelten sich zunehmend Schwierigkeiten
mit seinem Chef Friedrich. Dennoch setzte er seine Untersu­
chungen zur Parabiose und zum blutleeren Arbeiten in der
Hirnchirurgie fort und leistete damit wichtige Beiträge zur pla­
stischen bzw. zur Transplantationschirurgie. International
wurde Sauerbruch zunehmend als Spezialist für Lungenchirur­
gie bzw. Chirurgie der Speiseröhre bekannt. Am Weihnachts­
abend des Jahres 1908 verlieh man ihm in Würdigung seiner
Verdienste das Prädikat „Professor“.
Zu Beginn des Jahres 1909 trat Sauerbruch eine Vortragsreise
nach Amerika an, und in der Mitte des gleichen Jahres nahm
er Verhandlungen mit der Universität Zürich auf, die ihn für
sich zu gewinnen suchte.
Schließlich wurde er mit Wirkung vom 15. Oktober 1910 zum
ordentlichen Professor für Chirurgie an der Hochschule Zü­
rich und zum Direktor der Chirurgischen Klinik und Polikli­
nik des Kantonsspitals Zürich berufen. Seine umfangreichen
Abbildung 1: Neue Unterdruckkammer der Züricher Klinik
In jener Zeit entwickelte er neue Operationsverfahren und
-techniken sowie zahlreiche neue Instrumente. Mit seinem
Oberarzt E. D. Schumacher veröffentlichte er die Technik der
Thoraxchirurgie“, welche weite Verbreitung fand. Unter Sauer­
bruchs Leitung wurde die Züricher Klinik zum Mekka der chi­
rurgischen Behandlung der Lungentuberkulose für Mediziner
und Kranke aus aller Welt.
In dieser fruchtbaren Zeit entwickelte Sauerbruch auch die
Technik der paravertebralen Thorakoplastik. Er operierte ins­
gesamt 172 Patienten, von denen nur zwei verstarben und er­
zielte eine erhebliche Senkung der bis dahin hohen Letalität
ausgedehnter thorakoplastischer Verfahren. In 40% gelang ihm
die Dauerheilung der Kranken, in 30% immerhin eine deutli­
che Besserung ihres Leidens. In enger Zusammenarbeit mit den
Sanatorien in Davos, welche ihm reichlich Patienten zuwiesen,
arbeitete er die Technik der Spitzenplastik durch Plomben so­
wie die Technik des extrapleuralen Pneumothorax aus.
Kardiotechnik 9. Jahrgang/Heft 2/1986

6
Fortbildung
In diese Zeit rastloser Arbeit fiel der Ausbruch des 1. Weltkrie­
ges! Sauerbruch meldete sich freiwillig und wurde zum Beraten­
den Chirurgen des XV. Armeekorps ernannt. Bei seinen
Einsätzen in den Vogesen und in Lille erfuhr er ganz unmittel­
bar die Schrecken des Krieges in ihren mannigfaltigen Erschei­
nungsformen. Schon bald forderte jedoch die Züricher
Universität seine Rückkehr, so daß er beurlaubt werden mußte
und im Jahre 1915 seine Vorlesungstätigkeit wieder aufnehmen
konnte. Das Schicksal der zahlreichen amputierten Soldaten,
die er im Felde gesehen hatte, ließ den Arzt nicht mehr los. Im
Sommer 1915 nahm Sauerbruch Gespräche mit Professor Sto-
dola von der Technischen Universität Zürich auf, nachdem er
sich ausgiebig mit der vorhandenen Literatur auseinanderge­
setzt hatte. Zum Studium der eisernen Hand des Ritters Götz
von Berlichingen, die im Jahre 1504 von einem Waffenschmied
in Olnhausen angefertigt worden war, reiste er zur Familie de­
rer von Berlichingen. Gleichfalls studierte er sehr eifrig die er­
ste willkürlich bewegbare Hand, die von dem Berliner
Zahnarzt ^////’konstruiert worden war. Die enge Zusammen­
arbeit mit Stodola schließlich führte zur Konstruktion eines
künstlichen Armes, bei dem die Agonisten und Antagonisten
zur Bewegung der Hand Verwendung fanden. Für die Zeit der
Semesterferien war Sauerbruch die Leitung des chirurgischen
Reservelazarettes Greifswald übertragen worden. Dort führte
er bei einem amputierten Soldaten, der sich mit der Operation
einverstanden erklärt hatte, erstmalig die Anpassung der neuen
Prothese mit Erfolg durch. Wieder in Zürich zurück, besuchte
er häufig das unweit der Schweizer Grenze gelegene Reservela­
zarett Singen am Hohentwiel, um die Probleme amputierter
und später prothetisch versorgter Soldaten zu studieren. Die
gewonnenen Erfahrungen brachte er dann umgehend in die in­
tensive Zusammenarbeit mit anderen Medizinern sowie Tech­
nikern ein. 1916 veröffentlichte Sauerbruch sein Buch „Die
willkürlich bewegbare künstliche Hand“.
Abbildung 2: „Sauerbruch-Arm“
Die Ergebnisse einer Nachuntersuchung von 539 Amputier­
ten, die Sauerbruch 1929 publizierte, seien hier vorwegge­
nommen:
92,4% der Patienten übten ihre berufliche Tätigkeit wieder aus,
davon 55,4% als Leicht- und 42,5% als Schwerarbeiter.
Im Sommer 1918 erreichte Sauerbruch ein Ruf auf den Lehr­
stuhl für Chirurgie in München, den er schließlich annahm.
So trat er im Spätsommer des Jahres seine Tätigkeit an der dor­
tigen Universität an. Bei Dienstantritt ernannte ihn der letzte
bayerische König noch zum Geheimen Hofrat und zum Gene­
ralarzt in der bayerischen Armee.
Abbildung 3: Sauerbruch kurz nach seiner Ernennung zum Geheimen
Hofrat
Infolge der Räterevolution erlebte Sauerbruch in München
1918/19, auch ganz persönlich, unruhige Zeiten. In der klini­
schen und wissenschaftlichen Arbeit erfuhr er durch so profi­
lierte Persönlichkeiten wie Müller (Medizin), von Romberg
(Medizin), wzz Pfaundler (Pädiatrie), von Zumbusch (Dermato­
logie), Kraepelin (Psychiatrie), Döderlein (Gynäkologie) und
Borst (Pathologie) zahlreiche Anregungen, die seine Arbeit be­
fruchteten. Sauerbruchs Hauptarbeit blieb dennoch die Tho­
raxchirurgie, auch, wenn er sich selbst nie als Spezialisten
betrachtete und sich stets für die Einheit der Chirurgie einsetz­
te. 1920 erschien sein Hauptwerk „Die Chirurgie der Brustor­
gane“, welches große Beachtung und weite Verbreitung fand.
In München gelang Sauerbruch auch als erstem die erfolgreiche
Operation einer Pericarditis calcarea. Trotz einer schweren
Komplikation, nämlich des Einrisses des rechten Ventrikels,
überlebte der Kranke den Eingriff und war später sogar wieder
voll arbeitsfähig. Hier entwickelte er auch seine sogenannte
Umkipp-Plastik, die darin besteht, bei einem malignen Tumor
des Femurs diesen aus seinem Bett auszulösen und die Tibia,
nach Absetzen des Fußes als Femurersatz dorthin einzuschla­
gen. Die Tibia entwickelt dabei in der Hüfte ein Ersatzgelenk,
Kardi