Einflußfaktoren auf den Sauerstoffverbrauch des Gesamtorganismus
während der extrakorporalen Zirkulation
J. Schreiner-Hecheltjen……………………………………………………………………………………. 2
Der Ventrikelunterstützungs-Bypass für das versagende linke und/oder
rechte Herz
D. Birnbaum…………………………………………………………………………………………………….. 12
Die interaoperative Flowmessung
P. Bardos………………………………………………………………………………………………………… 16
Wärmeaustauschervergleich
M. Kopitz………………………………………………………………………………………………………… 18
Homologer Blutverbrauch bei Herzoperationen mit und ohne Einsatz des
Haemonetics Cell-Saver
P. Böttger, C. Minale, H. B. Lo, B. J Messmer…………………………………………………… 20
Polyurethan-Elastomere für die Medizin
W. Lemm, Prof. E. S. Bücheri…………………………………………………………………………… 23
Fortbildung –
Operative Behandlung der koronaren Herzkrankheit
Referent: Prof. Dr. med. R. W. Hacker………………………………………………………………. 30
Operative Behandlung von Mitralklappenfehlern
Referent: Prof. Dr. med. R. W. Hacker………………………………………………………………. 36
Kaltsterilisation aus der Sicht des Praktikers in der Kardiotechnik
A. Reidiger………………………………………………………………………………………………………. 40
Kardiotechnik
Fachzeitschrift für medizinische und technische Berufe
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3 x jährlich zum April, August und Dezember
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Eigenverlag Kardiotechnik, Bad Ems
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Abt. Herz- und Gefäßchirurgie, Goethestraße 27 – 29
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D-5427 Bad Ems, Telefon 0 2603/ 1 3091
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2
Referat
Aus dem Zentrum der Anaesthesiologie und Wiederbelebung (Geschäftsführender Direktor: Prof. Dr. med. R. Dudziak) der
Johann-Wolfgang-Goethe-Universität Frankfurt a. M.
Einflußfaktoren auf den Sauerstoffverbrauch des
Gesamtorganismus während der extrakorporalen Zirkulation
J. Schreiner-Hecheltjen
Summary
Parallel to the protection against hypoxemic damage of the myocardium during hypothermic extracorporal circulation question about the
sufficient oxygen supply of the whole organism is important just as much. The sufficient oxygen supply of the whole body during extra
corporal circulation presumes in addition to the sufficient offer of oxygen knowledge ofdifferent factors which influence oxygen consumption
of the whole body – 134 patients were studied referring to the influences of the arterial partial pressure of CO,, of the arterial value of
pH, of the total peripheral resistance and of the endogenous catecholamines on the oxygen consumption of the whole organism. The oxygen
consumption of the whole body during hypothermic extracorporal circulation increased significantly during respiratory or metabolic al-
calosis, during a decrease of the total peripheral resistance and during a decrease of the endogenous catecholamines epinephrine and no
repinephrine. Increased hypothermic sympatho-adrenal activity during extracorporal circulation shouldn’t in any case sause in increase of
oxygen consumption of the whole body.
Parallel zu der fortschreitenden Verbesserung der Myo
kardprotektion gegenüber hypoxischen Schäden ist die Fra
ge hinsichtlich des Sauerstoffverbrauches und der Sauer
stoffversorgung des Gesamtorganismus während des extra
korporalen Kreislaufes gleichwertig aktuell. Die funktio
nelle Integrität jeder Körperzelle hängt ab von einem aus
reichenden Sauerstofftransport über ein intaktes Kreis
laufsystem zu jeder Zelle des Organismus. Da die Gewebe
keine nennenswerte Speichermöglichkeit für Sauerstoff ha
ben, muß durch eine ausreichende Kreislauffunktion und
Gewebsperfusion die dem jeweiligen Sauerstoffbedarf ent
sprechende Sauerstoffzufuhr kontinuierlich gewährleistet
werden. Dieses Primärziel einer intakten Kreislauffunktion
unterliegt einer Reihe verschiedener Regulationsprinzi
pien.
Der extrakorporale Kreislauf verursacht im menschlichen
Organismus tiefgreifende Veränderungen der Haemodyna-
mik, des Säure-Basen-Status der Sauerstofftransporteigen
schaften des Blutes, der Katecholaminfreisetzung sowie der
intrazellulären Energiestoffwechselvorgänge. Die totale ex
trakorporale hypotherme Zirkulation stellt eine außeror
dentliche artifizielle Kreislaufsituation dar, deren Regula
tionsprinzipien nur teilweise physiologischen oder patholo
gischen Kreislaufverhältnissen entsprechen.
Die Herstellung und Unterhaltung einer ausreichenden
Sauerstoffbilanz des Gesamtorganismus während der extra
korporalen Zirkulation beinhaltet die Frage nach dem „op
timalen“ Sauerstoffbedarf des Gesamtorganismus während
der extrakorporalen Zirkulation entspricht nicht einer Ma
ximalsenkung des Sauerstoffverbrauches bis zu dem „ho-
stoplegischen“ Minimalbedarf nach Laborit, H., sondern
die optimale Senkung des Gesamtsauerstoffverbrauches
während der hypothermen extrakorporalen Zirkulation
beinhaltet die Reversibilität einer Abnahme der zellulären
Stoffwechselvorgänge. Größenordnungsmäßig wurden –
u. a. auch im Rahmen eigener Untersuchungen – während
der hypothermen extrakorporalen Zirkulation im Mittel
Werte für den Sauerstoffverbrauch des Gesamtorganis-
mus/min./m2 Oberfläche unterhalb des von Boothby, W.
N. in Anlehnung an die Mayo Foundations Standards difi-
nierten Sauerstoffverbrauches bei Grundumsatzbedingun
gen von 123,79 ml/min./m2 für einen normalgewichtigen
männlichen Erwachsenen gemessen. (1)
Einerseits ist die Sauerstoffzufuhr während der hypother
men extrakorporalen Zirkulation durch verschiedene Fak
toren quantitativ limitiert. Andererseits hängt der Gesamt
sauerstoffverbrauch des Organismus während des extrakor
poralen Kreislaufes von multiplen verschiedenartigen Fak
toren ab; sie können den Sauerstoffverbrauch steigernd
oder senkend beeinflussen.
Einige dieser Faktoren – wie die arterielle Kohlensäurespan
nung, den von dem arteriellen Kohlensäurepartialdruck
trennbaren pH – Einfluß, den totalen peripheren Widerstand
und den Einfluß endogener Katecholamine möchte ich an
Hand eigener Untersuchungsergebnisse diskutieren. Ähnli
che Untersuchungen über den Zusammenhang zwischen
der arteriellen Kohlensäurespannung und dem Gesamtsau
erstoffverbrauch während des extrakorporalen Kreislaufes
sind von Gattiker, R. und Kreihenbühl, G. bereits 1976
veröffentlicht worden. (6)
Methodik:
Untersucht wurden insgesamt 134 Patienten mit einer ko
ronaren Herzerkrankung oder einem rheumatischen Herz
klappenfehler. Das methodische Vorgehen der Untersu
chungen skizziert das Folgende:
Der Sauerstoffverbrauch wurde ausschließlich während des
totalen Bypasses der extrakorporalen Zirkulation bei ge
schlossenen Hohlvenen und abgeklemmter Aorta gemes
sen. Exogen veränderte Parameter waren der arterielle Par
tialdruck für die Kohlensäure und die Temperatur des Pa
tienten. Der arterielle Kohlensäurepartialdruck wurde
durch Veränderungen des inspiratorischen Kohlensäure-
Flows zwischen 0 und maximal 1,0 Liter, im Mittel 0,8
1/min. für die Ventilation des Oxygenators verändert. Die
Flowwerte für die inspiratorische Sauerstoffkonzentration
bei der Herz-Lungen-Maschine lagen dabei zwischen 3,0
und 6,0 1/min. Als Bezugstemperatur wurde die Oesopha-
gustemperatur des Patienten genommen. Die Oesophagus-
temperaturen während der Untersuchungsperiode lagen
Kardiotechnik 6. Jahrgang/Heft 1/Mai 1983
Referat
3
zwischen 33°C und 22°C. Der dritte Parameter, welcher
die einzelne Beobachtungssituation charakterisierte, war
das Kreislaufminutenvolumen, vorgegeben durch die Um
drehungszahl der arteriellen Pumpe der Herz-Lungen-Ma
schine. Primär wurde angestrebt, die Förderleistung der
Maschine und damit das Kreislaufminutenvolumen für
den Patienten während der gesamten Untersuchungsperio
de konstant zu halten. Dies war bei 75 Patienten möglich,
bei den übrigen 59 Patienten mußte zur Aufrechterhaltung
optimaler haemodynamischer Bedingungen das Kreislauf
minutenvolumen erhöht oder reduziert werden.
Zur Messung des Sauerstoffgehaltes, der Blutgasanalysen
und der Katecholamine wurde simultan venöses und arte
rielles Blut entnommen, das venöse aus dem Y-Stück des
Zusammenflusses der oberen und unteren Hohlvenenka
nüle, das arterielle Blut aus der Aortenkanüle 20 cm von
der Aortenklemme entfernt. Der integrierte Sauerstoffver-
brauch/m2/min. wurde nach Fick aus dem Kreislaufminu
tenvolumen, d. h. der Förderleistung der Herz-Lungen-Ma
schine, und aus der arteriovenösen Sauerstoffgehaltsdiffe
renz berechnet.
Der Sauerstoffgehalt des Blutes bei der aktuellen Oesopha-
gustemperatur wurde mit dem LEX-O,-Con-Gerät der Fir
ma B. G. Schlag, Bergisch Gladbach (4), gemessen. Da der
Sauerstoffgehalt im Blut als Vol %gemessen wurde, erfolg
te die temperaturkorrigierte Umrechnung der gemessenen
Gasvolumina bezogen auf einen Barometerstand von 760
Torr im trockenen Zustand. Alle aktuell gemessenen arte
riovenösen Sauerstoffgehaltsdifferenzen wurden auf eine
Bezugstemperatur von 33°C umgerechnet. Die berechne
ten Sauerstoffgehaltswerte für 33°C wurden mit den ent
sprechenden Korrekturfaktoren auf Vergleichstemperatu
ren von 17°C – 37°C transformiert. Die Korrekturfaktoren
für die Umrechnung von Gasvolumina wurden den Tabel
len der Dokumenta Geigy entnommen.
Um den Sauerstoffverbrauch in Abhängigkeit des arteriel
len CO,-Partialdruckes bei gleichen Temperaturbedingun
gen prüfen zu können, wurden die aktuell bei verschiede
nen Temperaturen gemessenen CO,-Werte unter Verwen
dung des Rosenthal-Faktors zunächst auf die gemeinsame
Bezugstemperatur von 33°C, anschließend unter Verwen
dung der temperaturspezifischen Korrekturfaktoren für
17°C – 37°C umgerechnet nach der Formel:
pCO2 = + 0,185 X (X = Oesophagustemperatur)
Die Bestimmung der Katecholamine im Blut wurde nach
der enzymatischen Methode von Passon, P. G. und Peuler,
J. D., die von der Arbeitsgruppe von Palm, D. und Appel,
E. modifiziert wurde, am Pharmakologischen Institut der
Universität Frankfurt, vorgenommen. (7)
Der Totale periphere Widerstand während der Bypasspha
se wurde aus dem Quotienten des gemessenen Perfusions
mitteldruckes und dem Zeitvolumen der Herz-Lungen-
Maschine mit Hilfe einer modifizierten Formel von Hagen-
Poiseuille, J. L. M. berechnet:
R = p(mmHg) x80
F (1/min.)
Die verschiedenen Faktoren, welche den Sauerstoffver
brauch des Gesamtorganismus während der extrakorpora
len Zirkulation entscheidend beeinflussen – d. h. die arte
rielle Kohlensäurespannung, der arterielle pH-Wert, der
totale periphere Widerstand und die endogenen Katecho
lamine, Adrenalin und Nor-Adrenalin, wurden sowohl als
Einzelparameter als auch in der Kombination ihrer Wir
kung auf den Sauerstoffverbrauch untersucht.
Ergebnisse:
Die Arterielle Kohlensäurespannung beeinflußt den tota
len Sauerstoffverbrauch im Sinne einer Zunahme während
Hypokapnie. Dieser Einfluß der Kohlensäurespannung auf
den Sauerstoffverbrauch ist zwar temperaturunabhängig,
ist aber einem gleichzeitigen Temperatureinfluß auf den
Sauerstoffverbrauch untergeordnet; d. h. je höher die Tem
peratur war, desto weniger stark nahm der Gesamtsauer
stoffverbrauch mit ansteigender arterieller Kohlensäure
spannung ab, je niedriger die Temperatur war, desto stärker
konnte der Sauerstoffverbrauch mit ansteigender Kohlen
säurespannung reduziert werden. CO2 und Temperatur
einfluß auf den Sauerstoffverbrauch erfolgen einzeln be
trachtet grundsätzlich unabhängig voneinander – in der
Kombination ihrer Wirkungen auf den Sauerstoffver
brauch fand sich eine reziproke Abhängigkeit. Die Ergeb
nisse waren bei p < 0,01 hoch signifikant. Sie sind in der
folgenden Abbildung 1 graphisch dargestellt.
Abbildung 1 zeigt die Abhängigkeit des Sauerstoffverbrau
ches von der arteriellen Kohlensäurespannung bei konstan
tem Kreislaufminutenvolumen für den Temperaturbereich
von 17°C – 37°C. Der Sauerstoffverbrauch nimmt mit ab
nehmenden arteriellen Kohlensäurepartialdrucken in li
nearer Abhängigkeit zu. Mit zunehmenden arteriellen
Kohlensäurepartialdrucken nimmt der Sauerstoffver
brauch ab. Für 33°C wurde ein mittlerer Sauerstoffver
brauch von 76,19 ml/min./m2 bei einem mittleren Kohlen
säurepartialdruck von 42,77 mmHg gemessen. Bei kon
stanter Temperatur von 33°C nahm der Sauerstoffver
brauch mit ansteigenden CO,-Partialdrücken kontinuier
lich ab; er betrug bei einem CO,-Partialdruck von 20
mmHg 84,00 ml/min./2 und bei einem Co?-Partialdruck
von 60 mmHg 69,00 ml/min./m2. Bei 17°C und einem
Kohlensäurepartialdruck von 20,00 mmHg betrug der Sau
erstoffverbrauch z. B. 74,00 ml/min./m2, bei einem Koh
lensäurepartialdruck von 42,00 mmHg 56,00 ml/min./m2
und bei 60,00 mmHg 45,00 ml/min./m2. Für die entgegen
gesetzte geprüfte Grenztemperatur von 37°C lagen die
Werte für den Sauerstoffverbrauch bei den CO,-Ver
gleichswerten von 20,00 mmHg 91,00 ml/min./m"2, bei
42,00 mmHg 83,00 ml/min./m- und bei 60,00 mmHg
76,00 ml/min./m2.
Im Gegensatz zu der statistisch hoch signifikanten linearen
Abhängigkeit des totalen Sauerstoffverbrauches von der ar
teriellen Kohlensäurespannung bei Konstanz des zirkulie
renden Kreislaufminutenvolumens während der Änderun
gen des Kohlensäurepartialdruckes konnte der Einfluß der
Kohlensäurespannung auf den Sauerstoffverbrauch unter
der Voraussetzung, daß sich parallel aber unabhängig von
der Änderung des Kohlensäurepartialdruckes auch das
Kreislaufminutenvolumen geändert hatte, statistisch hoch
signifikant für den Temperaturbereich von 17°C – 37°C als
quadratische Funktion formuliert werden.
Kardiotechnik 6. J.ahrgang/Heft 1/Mai 1983
4
Referat
Abbildung l: Abhängigkeit des Sauerstoffverbrauches des Gesamt
organismus von der arteriellen Kohlensäurespannung bei kon
stantem Kreislaufminutenvolumen für den Temperaturbereich
von 17°C – 37°C
Die Abhängigkeit des Sauerstoffverbrauches von der arte
riellen Kohlensäurespannung bei veränderten Kreislaufmi
nutenvolumina ist für den Temperaturbereich von 17°C –
37°C auf Abbildung 2 dargestellt. Die effektiven Änderun
gen des totalen Sauerstoffverbrauches in dieser Patienten
gruppe stimmten größenordnungsmäßig mit den Ergebnis
sen der ersten Patientengruppe überein. Der während der
Hypokapnie beobachtete hohe Sauerstoffverbrauch nahm
zunächst bis in den Bereich physiologisch normaler CO2-
Grenzwerte ab, um allerdings mit weiter zunehmender
Kohlensäurespannung wieder anzusteigen.
Zum Ausschluß ihrer Beeinflussung durch das Verhalten
des Kreislaufminutenvolumens wurden die aproximativen
Ergebnisse über den reziproken Zusammenhang des Sauer
stoffverbrauches und der arteriellen Kohlensäurespannung
bei konstanten und veränderten Kreislaufminutenvolumi-
na für beide Patientenkollektive zusammengefaßt. Dabei
ergab sich für den reziproken Einfluß der arteriellen Koh
lensäurespannung auf den Gesamtsauerstoffverbrauch eine
nicht lineare Abhängigkeit, die bei p < 0,05 signifikant
war. Die Ergebnisse sind für die Temperaturen von 27°C,
33°C und 37°C auf der Abbildung 3 dargestellt.
Nach den beschriebenen Veränderungen des Gesamtsauer
stoffverbrauches bei hypo- oder hyperkapnischen arteriel
len Kohlensäurepartialdrucken war es von Interesse, den
Einfluß des arteriellen pH-Wertes auf den Sauerstoffver
brauch zu prüfen. Übereinstimmend mit dem nachgewie
senen Anstieg des Gesamtsauerstoffverbrauches mit abneh
mender arterieller Kohlensäurespannung wurde unabhän
gig von der Konstanz oder Veränderung des Kreislaufmi
nutenvolumens bei aktueller Temperatur und transfor-
Abbildung 2: Abhängigkeit des Sauerstoffverbrauches des Gesamt
organismus von der arteriellen Kohlensäurespannung bei verän
derten Kreislaufminutenvolumina für den Temperaturbereich
von 17°C – 37°C
Abbildung 3: Abhängigkeit des Sauerstoffverbrauches von der arte
riellen Kohlensäurespannung bei 27°C, 33°C und 37°C unabhän
gig von der Konstanz oder Veränderung des Kreislaufminutenvo
lumens
Kardiocechnik 6. Jahrgang/Heft 1/Mai 1983
Referat
5
miert für den Sauerstoffverbrauch von 24°C – 37°C ein An
stieg des Gesamtsauerstoffverbrauches mit ansteigendem
pH-Wert im arteriellen Blut beobachtet. Die metabolische
Alkalose ging ebenso wie die respiratorische Alkalose mit
einer signifikanten Zunahme im Gesamtsauerstoffver
brauch einher. Die respiratorische oder metabolische Azi
dose beeinflußte den Sauerstoffverbrauch in entgegenge
setzter Richtung. Der Einfluß des arteriellen pH-Wertes
auf den Sauerstoffverbrauch war bei p < 0,001 hoch signi
fikant, bei konstanten Kreislaufminutenvolumina fand sich
eine proportionale lineare Abhängigkeit der beiden Para
meter, bei veränderten Kreislaufminutenvolumina waren
pH-Wert und Sauerstoffverbrauch nicht linear proportio
nal voneinander abhängig.
Die Abbildung 4 zeigt die Abhängigkeit des Sauerstoffver
brauches von dem arteriellen pH-Wert bei aktueller Tem
peratur, bei 24, 27, 30, 33 und 37°C bei dem Patientenkol
lektiv mit konstanten Kreislaufminutenvolumina. Mit an
steigenden pH-Werten in den alkalotischen Bereich nahm
der Gesamtsauerstoffverbrauch zu. Für eine Bezugstempe
ratur von 33°C wurde aufgrund der statistischen Auswer
tung der Meßergebnisse bei einem pH-Wert von 7,20 ein
Sauerstoffverbrauch von 60,00 ml/min./m2, bei einem pH-
Wert von 7,35 ein Sauerstoffverbrauch von 66,00
ml/min./m2 und bei einem arteriellen pH-Wert von 7,45
ein Sauerstoffverbrauch von 72,00 ml/min./m2 berechnet.
Abbildung 4: Abhängigkeit des Sauerstoffverbrauches von dem ar
teriellen pH-Wert bei aktueller Temperatur, 24°C, 27°C, 30°C,
33°C und 37°C bei konstanten Kreislaufminutenvolumina
Die Abbildung 5 zeigt die analogen Ergebnisse bei verän
derten Kreislaufminutenvolumina. Die größenordnungs
mäßig gleichen Ergebnisse liegen formal gesehen auf dem
fast linearen Teil einer Parabel entsprechend der berechne
ten nicht linearen Abhängigkeit der beiden Parameter.
Zusammenfassend beeinflussen die arterielle Kohlensäu
respannung und der arterielle pH-Wert den Sauerstoffver
brauch des Gesamtorganismus während der totalen hypo
thermen extrakorporalen Zirkulation im Sinne einer Stei
gerung des Sauerstoffverbrauches unter alkalotischen Be
dingungen und im Sinne einer Senkung des Sauerstoffver
brauches und azidotischen Bedingungen.
Der Totale periphere Widerstand ist ein weiterer wesent
licher Einflußparameter auf den Gesamtsauerstoffver
brauch. Zwischen dem Gesamtsauerstoffverbrauch des
Körpers und dem totalen peripheren Widerstand besteht
eine direkte Beziehung: Mit Abnahme des totalen Gefäß
widerstandes nahm der Sauerstoffverbrauch zu. Dieses re
ziproke Verhältnis zwischen dem Sauerstoffverbrauch und
dem totalen peripheren Widerstand war bei auf Grund der
statistischen Berechnung der Meßergebnisse p < 0,01 si
gnifikant unter der Bedingung des Konstantbleibens des
zirkulierenden Kreislaufminutenvolumens. Die quantitati
ve Analyse der Abhängigkeit des Sauerstoffverbrauches
vom totalen peripheren Widerstand ergab bei aktueller
Temperatur eine Zunahme des Sauerstoffverbrauches von
25 ml/min./m2 bei einer Abnahme des totalen peripheren
Widerstandes um je 500 dyn. sec. cm'5 und umgekehrt.
Diese Differenzbeziehung zwischen dem Gesamtsauer
stoffverbrauch und dem totalen peripheren Widerstand bei
konstantem Kreislaufminutenvolumen bei aktueller Tem
peratur und bei 33°C ist in der Abbildung 6 dargestellt.
Dieser grundsätzliche Einfluß des totalen peripheren Wi
derstandes auf den Gesamtsauerstoffverbrauch scheint
temperaturunabhängig zu sein.
Die nachgewiesenen Einflüsse von arterieller Kohlensäu
respannung, arteriellem pH-Wert und dem totalen peri-
Kardiotechnik 6. Jahrgang/Heft 1/Mai 1983
6
Referat
AbbildungCr Differenzbeziehung zwischen dem Gesamtsauerstoff
verbrauch und dem totalen peripheren Widerstand bei konstan
tem Kreislaufminutenvolumen berechnet für die aktuelle Unter
suchungstemperatur und für 33°C.
Abbildung 8: Zunahme des totalen peripheren Widerstandes bei
Zunahme der arteriellen Kohlensäurespannung bei veränderten
Kreislaufminutenvolumina bei aktueller Untersuchungstempera
tur und bei 33°C.
Abbildung 7: Zunahme des totalen peripheren Widerstandes bei
Zunahme der arteriellen Kohlensäurespannung bei konstantem
Kreislaufminutenvolumen bei aktueller Untersuchungstempera
tur und bei 33°C.
pheren Widerstand auf den Gesamtsauerstoffverbrauch lö
sten die Frage nach Wechselbeziehungen der einzelnen,
den Sauerstoffverbrauch beeinflussenden Parameter unter
einander aus. Die arterielle Kohlensäurespannung und der
arterielle pH-Wert beeinflussen den totalen peripheren
Widerstand direkt. Der totale periphere Widerstand nahm
mit zunehmender arterieller Kohlensäurespannung linear
zu. Die folgenden Abbildungen 7 und 8 demonstrieren die
Zunahme des totalen peripheren Widerstandes bei anstei
gender arterieller Kohlensäurespannung bei konstanten oder
veränderten Kreislaufminutenvolumina bei aktueller Tem
peratur und berechnet für 33°C. Bei konstanten und bei
veränderten Kreislaufminutenvolumina fand sich eine li
neare Abhängigkeit der beiden Parameter.
Bei aktueller Temperatur verursachte eine mittlere Zunah
me der arteriellen Kohlensäurespannung von 25 mmHg ei
nen Anstieg des totalen peripheren Widerstandes von 500
dyn. sec. cm'5. Die Ergebnisse der Differenzprüfungbezüg
lich der CO,-abhängigen Veränderungen des totalen peri
pheren Widerstandes bei konstanten Kreislaufminutenvo
lumina sind in der Abbildung 9 wiedergegeben. Eine über
einstimmende Beziehung wurde zwischen dem totalen
peripheren Widerstand und den arteriellen pH-Werten bei
konstanten und veränderten Kreislaufminutenvolumina
nachgewiesen. Mit abnehmenden arteriellen pH-Werten
stieg der totale periphere Widerstand linear an. Die pH-
Abhängigkeit des totalen peripheren Widerstandes ist in
der Abbildung 10 dargestellt.
Mit der nachgewiesenen reziproken Abhängigkeit des Ge
samtsauerstoffverbrauches während der extrakorporalen
Kardiotechnik 6. Jahrgang/Heft 1/Mai 1983
Referat
7
volumen.
Zirkulation sowohl von der arteriellen Kohlensäure
spannung als auch der Höhe des totalen peripheren Wider
standes und der proportionalen Abhängigkeit des totalen
peripheren Widerstandes von der arteriellen Kohlensäure
spannung bei gleichsinnigem pH-Verhalten schließt sich
ein Funktionskreis für die Regulation des Sauerstoffver
brauches während der extrakorporalen Zirkulation: Der
Gesamtsauerstoffverbrauch steigt mit abnehmenden arte
riellen Kohlensäurepartialdrucken, mit ansteigenden arte
riellen pH-Werten und mit abnehmendem totalen peri
pherem Widerstand an.
Im Rahmen von Untersuchungen über die Höhe des Ge
samtsauerstoffverbrauches während des extrakorporalen
Kreislaufes war der Einfluß der Endogenen Katecholami
ne, Adrenalin undNor-Adrenahn von besonderem Interesse.
Es wurde geprüft, ob zwischen den endogenen Adrenalin-
und Nor-Adrenalinspiegeln im Blut und den Faktoren,
welche den Sauerstoffverbrauch des Gesamtorganismus
während des totalen Bypasses maßgebend beeinflussen,
nämlich dem arteriellen Kohlensäurepartialdruck, dem ar
teriellen pH-Wert und dem totalen peripheren Widerstand
direkte oder indirekte Beziehungen bestehen.
Mit zunehmender arterieller Kohlensäurespannung stiegen
die Adrenalin- und Nor-Adrenalinspiegel im Blut bei kon
stanten und veränderten Kreislaufminutenvolumina linear
an. Die Anhängigkeit der Adrenalin- und Nor-Adrenalin-
spiegel im Blut von der arteriellen Kohlensäurespannung
bei konstanten und veränderten Kreislaufminutenvolumi
na ist in den folgenden beiden Abbildungen 11 und 12 dar
gestellt.
Abbildung 10: Abhängigkeit des totalen peripheren Widerstandes
vom arteriellen pH-Wert bei konstanten und veränderten Kreis
laufminutenvolumina
Abbildung 11: Abhängigkeit der Adrenalin – und Nor-Adrenalin-
Spiegel im Blut von der arteriellen Kohlensäurespannung bei kon
stantem Kreislaufminutenvolumen
Kardiotechnik 6. Jahrgang/Heft 1/Mai 1983
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KARDIOVASKULAR-CHIRURGIE
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Thorax-Aorta Aneurismen.
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obere Lungenvene.
Ferguson Vena Cava Katheter
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Einführung und Plazierung.
TH I™ Aorten Perfusionskanüle
Optimale Durchflußraten.
Mit gerader oder gebogener
Spitze.
THI™ Entlüftungskanüle
Speziell für die Aspiration von
Luft aus der Aorta beim
Kardiopulmonaren Bypass.
Parallel "Y" Verbinder
Speziell für den Einsatz in
Verbindung mit Vena Cava
Kathetern entwickelt.
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Referat
9
Abbildung 12: Abhängigkeit der Adrenalin – und Nor-Adrenalin-
Spiegel im Blut von der arteriellen Kohlensäurespannung bei ver
änderten Kreislaufminutenvolumina
Abbildung 13: Abhängigkeit der Adrenalin- und Nor-Adrenalin-
Spiegel im Blut vom arteriellen pH-Wert bei konstanten und ver
änderten Kreislaufminutenvolumina
Ebenso stiegen die Adrenalin- und Nor-Adrenalinwerte im
Blut mit abnehmendem arteriellen pH-Wert an; dabei fand
sich für das Adrenalin eine stärkere pH-Abhängigkeit ver
glichen zum Nor-Adrenalin. Formalstatistisch war der si
gnifikante CO,-Einfluß auf die Katecholamine im Blut
von dem signifikanten pH-Einfluß trennbar, so daß die
CO,-Wirkung nur teilweise mit einem pH-Einfluß zu er
klären ist. Die Abbildung 13 stellt die Abhängigkeit der
Adrenalin- und Nor-Adrenalinspiegeln im Blut bei kon
stanten und veränderten Kreislufminutenvolumina vom ar
teriellen pH-Wert dar. Adrenalin- und Nor-Adrenalin im
Blut nahmen mit abnehmenden pH-Werten bzw. mit zu
nehmender Azidose linear zu.
Unabhängig von der Konstanz des Kreislaufminutenvolu
mens fand sich eine signifikante lineare Zunahme des tota
len peripheren Widerstandes mit ansteigenden Adrenalin
spiegeln im Blut, während eine Zunahme des Widerstandes
in Abhängigkeit der arteriellen Nor-Adrenalinwerte nur
unter der Voraussetzung einer Konstanz des Kreislaufmi
nutenvolumens signifikant nachweisbar war.
Die Abbildung 14 zeigt die Abhängigkeit des totalen peri
pheren Widerstandes vom Adrenalinspiegel im Blut
a. bei konstantem Kreislaufminutenvolumen
b. bei verändertem Kreislaufminutenvolumen
c. für a. und b. zusammen
Die Abbildung 15 zeigt die Abhängigkeit des totalen peri
pheren Widerstandes vom Nor-Adrenalinspiegel im Blut
bei konstantem Kreislaufminutenvolumen. Im Gegensatz
zu der physiologischen Kreislaufsituation waren erhöhte
endogene Katecholaminspiegel im Blut während des
hypothermen extrakorporalen Kreislaufes mit Situationen
verbunden, während denen der Gesamtsauerstoffver
brauch abnahm. Aus den besprochenen Zusammenhängen
ist abzuleiten, daß die sympathoadrenale Aktivierung wäh
rend der künstlichen Hypothermie des totalen extrakorpo
ralen Kreislaufes nicht in jedem Falle eine Steigerung des
Gesamtsauerstoffverbrauches zur Folge haben muß. Die
sympathoadrenale Aktivierung während künstlicher
Hypothermie wird durch eine gleichzeitige Alkalose abge
schwächt und durch eine gleichzeitige Azidose verstärkt.
Als Resümee der besprochenen Untersuchungsergebnisse
leiten sich für die Praxis die folgenden Richtlinien ab:
Der Sauerstoffverbrauch des Gesamtorganismus während
der totalen hypothermen extrakorporalen Zirkulation
nahm zu
1. mit abnehmenden arteriellen Kohlensäurepartialdruk-
ken
2. mit ansteigenden arteriellen pH-Werten
3. mit Abnahme des totalen peripheren Widerstandes
4. mit Abnahme der arteriellen endogenen Adrenalinspie
gel
5. mit Abnahme der arteriellen endogenen Nor-Adrena-
linwerte.
Die Zunahme des Gesamtsauerstoffverbrauches während
einer Alkalose bzw. die Abnahme des Gesamtsauerstoff