Erste klinische Erfahrung mit Zentrifugalpumpe bei extrakorporaler
Kreislaufassistenz
H. Jakob, B. Palzer, H. Oelert ………………………………………………………. 46
Die Verteilung kardioplegischer Lösungen im menschlichen Myokard
Th. Hohlfeld, H. Dalichau, W. Hügel, W. Isselhard ………………………….. 54
Probleme während der klinischen Erprobung software-gesteuerter
Herzschrittmacher — Datenanalyse und Daten korrektur über Modem
M. Zegelmann, J. Kreuzer ………………………………………………………….. 58
Bericht über das 3. nordrhein-westfälische Kardiotechniker
Roundtable-Gespräch in Dortmund vom 14.11.-15.11.1986
G. Lutz, H. Brieden, D. Pauquet …………………………………………………… 60

Liebe Leser!
Mit Ausgabe 1/87 dürfen wir das 10-jährige Bestehen unserer Zeitschrift
Kardiotechnik feiern.
Im Februar dieses Jahres blicken wir auf das 10-jährige Bestehen der Zeit­
schrift Kardiotechnik zurück. In diesem Zeitraum war festzustellen, daß sich
die Zeitschrift immer größerer Beliebtheit erfreute und das ursprüngliche
Ziel der Informations- und Fortbildungsangebote bestätigt wurde. Das bis­
her Erreichte soll auch für die Zukunft bestimmend sein. Aus diesem Anlaß
haben wir uns entschlossen, den „Förderpreis Kardiotechnik” alljährlich zu
verleihen.
Unser besonderer Dank gilt den Autoren, den redaktionellen Mitarbeitern
und den Inserenten.
Verlag und Redaktion Kardiotechnik
Mit dem Förderpreis sollen Kardiotechniker gefördert werden, deren Arbeiten durch die Veröffentli­
chung in der Zeitschrift Kardiotechnik einen wesentlichen Beitrag zur Information oder Fortbildung
geleistet haben. Dieser Preis ist eine regelmäßige Einrichtung. Er wird 1987 erstmalig und weiter­
hin jährlich von den Kardiotechnischen Zeitschriften MTD Verlag GmbH verliehen.
1. Auf der Basis der Entscheidung des wissenschaftlichen Beira­
tes wird der Preis mit einer Zuwendung von 1000,– DM verge­
ben. Die Entscheidung des wissenschaftlichen Beirates ist
endgültig und erfolgt unter Ausschluß des Rechtsweges.
Ausgeschlossen von der Preisvergabe sind Mitarbeiter des
Verlages sowie Mitglieder des Redaktionsstabes.
2. Die Arbeit darf nicht an anderer Stelle veröffentlicht oder für
andere Preise eingereicht worden sein.
Die Arbeiten sind in der Sprache in der sie ursprünglich verfaßt
worden sind und in deutscher Sprache an den Verlag zu sen­
den.
Die Bekanntgabe des Preisträgers erfolgt in der Zeitschrift Kar­
diotechnik. Der Preisträger wird schriftlich informiert.
Kardiotechnische Zeitschriften MTD Verlag GmbH, 5000 Köln 51, Goltsteinstraße 49

Referat
5
Aus dem deutschen Herzzentrum Berlin
(Leiter: Prof. Dr. Dr. R. Hetzer)
Herztransplantation
Ä. Hetzer, H. Warnecke, S. Schüler, U Süthoff, M. Kopitz
1. Einleitung
Seit der ersten erfolgreichen klinischen Herztransplantation
durch Barnard in Kapstadt 1967 wurden weltweit mehr als 4 200
Herzverpflanzungen durchgeführt, davon zirka 1 600 im Jahr
1986 und nahezu 1 000 1985 (1). Nach der ersten Operation er­
folgten zwischen 1968 und 1970 eine Reihe von Herztransplan­
tationen, die dann von den meisten Gruppen wegen der sehr un­
günstigen Ergebnisse eingestellt wurden. Vor allem an der
Stanford-Universität in der Klinik von N. E. Shumway wurden
dann die diejenigen Erfahrungen und Fortschritte entwickelt,
welche mit zunehmend besser werdenden Ergebnissen seit
1979/1980 dazu führten (Abb. 1), daß die Herztransplantation
wieder von einer zunehmend größer werdenden Zahl von Teams
aufgegriffen wurde und zu der rasch zunehmenden Frequenz der
Operationen führte. In Deutschland wurde diese neuerliche
Entwicklung 1981 am Deutschen Herzzentrum München ein­
geleitet, gegenwärtig sind mehr als 300 Patienten in der Bundes­
republik und West-Berlin herztransplantiert worden. Weltweit
rechnet man gegenwärtig mit einer Einjahres-Uberlebensrate
von 80% und nach 5 Jahren leben noch mehr als 60% der Patien­
ten.
SURVIVAL RESULTS
HEART TRANSPLANTATION
Abbildung 1: Aktuarische Überlebenskurven im Herztransplantations­
programm der Stanford-Universität seit 1968.
Die unterste Kurve illustriert die Überlebensrate der Patienten, die zur
Transplantation akzeptiert, aber aus verschiedenen Gründen nicht zur
Transplantation kamen. Nach 3 Monaten waren 90% dieser Patienten ge­
storben und nur ein patient lebte 9 Monate Darüber die Überlebenskur­
ven der transplantierten Patienten. Die unterste derjenigen, die bis 1973
transplantiert wurden (Einjahresüberlebensraten 40%, Fünfjahresüber­
lebensrate 20%). Darüber die Kurve der Patienten, die nach Einführung
der Endomyokardbiopsie transplantiert wurden, die oberste Kurve be­
trifft die Patienten, die nach Einführung von Cyclosporin-A transplan­
tiert wurden (Einjahresüberlebensrate über 80%, Vierjahresüberlebens­
rate über 60%), (Grafik Stanford University)
2. Faktoren die zur Verbesserung der Ergebnisse führten:
Die wesentlichen Schritte zur Erreichung des gegenwärtigen
Standes waren
1. die Präzisierung und Einschränkung des Indikationsspek­
trums mit Erkennung vor allem jener Patientenbedingun­
gen, bei denen eine Transplantation nicht zum Erfolg führen
kann,
,
2. die Einführung von Methoden zur Früherkennung von Ab­
stoßungsreaktionen am transplantierten Herzen, insbeson­
dere der regelmäßigen transvenösen Endomyokardbiopsie
seit 1973 (3).,
3. die Anwendung neuerer Medikamente in die immunsuppres-
sive Nachbehandlung, Antilymphozyten- bzw. Thymozy-
tenseren, Zyclosporin-A mit gegenwärtig von monoklonalen
Antikörpern,
4. die Entscheidung zur erneuten Transplantation, wenn das
implantierte Organ durch Abstoßungs- oder andere Prozesse
zerstört wurde.
3. Indikation und Kontraindikationen
Die Herztransplantation ist eine Behandlungsmethode, die wir
bei Patienten mit einer fortgeschrittenen Herzinsuffizientz an­
wenden, bei denen medikamentöse oder organerhaltende opera­
tive Verfahren keine Aussicht auf Erfolg haben. In der Regel
wurden Patienten zur Herztransplantation akzeptiert, wenn
mit den zuweisenden Kardiologen Einigkeit darüber bestand,
daß die Lebenserwartung der Patienten mit weniger als 3 bis 6
Monaten einzuschätzen ist. Unter dieser Prämisse sind es vor al­
lem Patienten mit fortgeschrittener koronarer Herzkrankheit,
nach großen oder mehreren Herzinfarkten und Patienten mit
Endstadien primärer Muskelerkrankungen, Kardiomyopa­
thien, hier zu allererst der dilatativen Kardiomyopathie, aber
auch anderen Formen dieser Erkrankungsart, die zur Transplan­
tation kommen.
Nach den ursprünglichen Stanford-Regeln wurde das Alter der
Patienten auf 15 bis 50 Jahre beschränkt. Von einer starren
Handhabung dieser Altersgrenzen sind die meisten der trans­
plantierenden Gruppen mittlerweile abgerückt und es hat sich
gezeigt, daß ältere Patienten, bei denen ansonsten keine Hinde­
rungsgründe vorlagen, durchaus ebenso gute Langzeitergebnisse
aufweisen wie jüngere. Wir haben in zunehmendem Maße Pa­
tienten über 50 Jahre, der älteste mit 60 Jahren, transplantiert
und die gleiche positive Erfahrung gemacht. Transplantationen
bei Kindern wurden in beschränktem Maße durchgeführt, unser
jüngster Patient war zum Zeitpunkt der Operation 9 Jahre alt
und hat die Transplantation nun nahezu 2 Jahre hinter sich und
sich dabei wie ein altersgleiches normales Kind entwickelt.
Herztransplantationen sind auch im Neugeborenenalter, hier
vor allem bei bestimmten nicht korrigierbaren angeborenen
Fehlern, wie dem hypplastischen Linksherzsyndrom, möglich,
Kardiotechnik 10. Jahrgang/Heft 1/1987

6
Referat
wie die jüngsten recht guten Ergebnisse von Bailey zeigen, bei
dem 4 von 6 transplantierten Neugeborenen schon bis zu mehr
als einem Jahr überlebt und sich normal entwickelt haben (4).
Eine absolute Kontraindikation für die orthotope Herztrans­
plantation ist ein fixiert erhöhter Lungenarteriolen-Widerstand
von mehr als 5 bis 6 Wood-Einheiten, wie er sich im Laufe einer
lange bestehenden Linksherzinsuffizienz entwickelt. Ein so er­
höhter Lungenarteriolen-Widerstand kann nicht akut von dem
nicht adaptierten rechten Ventrikel des Spenderorgans über­
wunden werden. Es wurde berichtet, daß eine heterotope Herz­
transplantation unter dieser Bedingung mit Erfolg möglich sei,
andernfalls kommt für solche Patienten nur eine kombinierte
Transplantation von Herz und Lungen infrage.
Bestehende Infektionen, insbesondere Sepsis und Pneumonien
sind als absolute Kontraindikation anzusehen, da unter der not­
wendigen Immunsuppression solche Infektionen nicht zu be­
herrschen sind. Dieses gilt auch für Begleiterkrankungen, die
mit einem hohen Infektionsrisiko einhergehen, wie z. B. ein in-
sullinpflichtiger Diabetes mellitus.
Organtoxische Nebenwirkungen der immunsuppressiven Me­
dikamente machen eine Transplantation auch bei solchen Pa­
tienten in der Regel unmöglich, die unter fortgeschrittenen Er­
krankungen vor allem der Leber und der Nieren oder an cerebra­
len Erkrankungen leiden.
Da der Erfolg einer Transplantation im wesentlichen von einem
hohen Maß an Disziplin und Verständnis für die präzise Einhal­
tung der Medikamenteneinnahme, der Nachuntersuchungen
und einem hohen Maß an Hygiene abhängen, muß ein Patient
die erforderliche Einsicht hierfür mitbringen und über eine für­
sorgliche Umgebung verfügen, eine Vorausbedingung, die
jüngst häufig als „psychosoziales Umfeld“ bezeichnet wurde.
4. Spenderorgangewinnung
Als Organspender für eine Herzentnahme kommen Hirntote
infrage, bei denen der Kreislauf eben noch durch geringe Zufuhr
von Katecholaminen aufrechterhalten werden kann. Die Infor­
mation über Organspender erfolgt in Mitteleuropa zumeist
über Eurotransplant, Leiden, Holland, wo die transplantieren­
den Gruppen ihre wartenden Empfänger mit den entsprechen­
den Daten melden. Die Ischämiezeit des Spenderorgans zwi­
schen Organentnahme und abgeschlossener Transplantation
soll in der Regel 4 Stunden nicht überschreiten. Durch die An­
wendung moderner kardioplegischer Verfahren für das Spender­
organ und eine abgestimmte Transportkette war es möglich, die
Ischämiezeit auch bei Entfernungen von bis zu 1500 km unter
4 Stunden zu halten (Abb. 2). Von den 118 von unserer Gruppe
transplantierten Organen wurden 96 in entfernten Krankenhäu­
sern entnommen und nur 24 am Transplantationsort. Die läng­
ste Ischämiezeit betrug dabei 224 Minuten.
Während ursprünglich nur Spender bis zu 35 Jahren ohne Hin­
weis für kardiale Vorerkrankungen, ohne Thoraxtrauma, Reani­
mation, hypotensive Phasen, Infektionszeichen und mit minde­
stens gleichem Gewicht wie der Empfänger für die Transplanta­
tion akzeptiert wurden, sind wir angesichts des drohenden To­
des von wartenden Patienten über diese Beschränkungen hinaus­
gegangen und haben Organe von Spendern bis zu 50 Jahren mit
Erfolg transplantiert, wenn durch nichtinvasive Untersuchungs­
ergebnisse und bei der Organentnahme selbst eine normale, un­
gestörte Herzfunktion zu erkennen war. Dies schloß auch Spen-
Abbildung 2: Herztransplantationsprogramm am Deutschen Herzzen­
trum Berlin seit April 1986. Auswärtige Organentnahme und Transport
der Spenderherzen nach Berlin.
der nach Reanimation und mit Thoraxtrauma ein. Ebenso zeig­
ten Herzen von Spendern mit bis zu 20% weniger Gewicht als
die Empfänger ein normales Verhalten nach der Transplanta­
tion.
Die Organe werden den Empfängern nach Verträglichkeit im
ABO-Blutgruppensystem zugeordnet. Es ist gegenwärtig nicht
erwiesen, daß Unterschiede in den Gewebefaktorensystemen,
z. B. dem HLA-System, ein erhöhtes Maß an Abstoßungsreak­
tionen nach sich ziehen.
5. Die Operation
Die orthotope Herztransplantation erfolgt nach der Technik
von Lower und Shumway (5) modifiziert von Barnard und Coo­
ley {6). Diese beinhaltet die Exzision der kranken Herzkammern
des Empfängerherzens unter Zurücklassung der Vorhöfe und
der großen Gefäße knapp oberhalb der Taschenklappen. Die
Spenderherzen werden mit der Gesamtheit der Vorhöfe ent­
nommen, diese werden für die Anastomosierung durch Vereini­
gung der Lungenveneneinmündungen am li. Vorhof und durch
Inzision des re. Vorhofes von der unteren Hohlvene zum re.
Herzohr für die Anastomosen vorbereitet. Mit letzterer Technik
wird gewährleistet, daß der Sinusknoten und seine Arterie am
Spenderherzen unberührt bleiben und tatsächlich wiesen alle
von uns transplantierten Herzen einen stabilden Sinusrhyth­
mus postoperativ auf (Abb. 3a). Die Anastomosierung der Vor­
höfe erfolgt mit fortlaufend 3-0 Prolene, diejenigen der großen
Gefäße mit fortlaufend 4-0 Prolene. Die Anastomosensequenz
ist li. Vorhof-re. Vorhof-Pulmonalarterie-Aorta (Abb. 3b). Die
Operation ist sehr standardisiert und rasch durchführbar, die
Aortenklemmzeiten betrugen bei unseren Patienten 27 bis 68
Minuten, im Mittel 41 Minuten.
6. Eigene Ergebnisse
Die Erfahrungen des Autors und seiner Mitarbeiter beruhen
derzeit auf 118 Transplantationen, die bei 114 Patienten seit Au-
Kardiotechnik 10. Jahrgang/Heft 1/1987

In der Kardiotechnik
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8
Referat
Abbildung 3a, b: Technik der orthotopen Herztransplantation. Zu Be­
ginn der Spenderherzimplantation (a), erkennt man die Hinterwände
der belassenen Vorhöfe des Spenderherzens und die Stümpfe der großen
Gefäße sowie die vorbereiteten Strukturen der Vorhöfe und der großen
Gefäße am Spenderherzen. Die Inzision am re Vorhof des Spenderher­
zens geht von der unteres Hohlvene zum re Herzohr. Die Anastomosie-
rung beginnt mit der linkslateralen Wand des li. Vorhofes. Es werden suk­
zessive der li. Vorhof, der re Vorhof, die Pulmonalarterie und zuletzt die
Aorta (b) anastomosiert.
7. Immunsuppression
An nahezu allen transplantierten Organen lassen sich Absto­
ßungsreaktionen erkennen. Diese sind gehäuft in den ersten Wo­
chen nach der Transplantation, können aber auch zu späteren
Zeitpunkten und nach Jahren noch auftreten. Nach dem gegen­
wärtigen Erkenntnisstand müssen die transplantierten Patienten
daher auf eine lebenslange medikamentöse Unterdrückung ihres
Immunsystems vorbereitet sein. Die Balance zwischen Absto­
ßungsreaktionen einerseits und Nebenwirkungen der immun-
suppressiven Medikamente, insbesondere der Infektionen ande­
rerseits, sind der Schlüssel für einen langfristigen Erfolg der
Transplantation. Mit der Einführung von Cyclosporin-A in die
Nachbehandlung der Herztransplantierten, seit 1980, ist eine
wesentliche Verbesserung der Ergebnisse erzielt worden, insbe­
sondere wurde die Anzahl der tödlichen Infektionen bedeutend
vermindert. Seit Aufnahme unseres Transplantationsprogram­
mes 1983 haben wir sukzessiv 3 immunsuppressive Schemata an­
gewandt. Die erste Gruppe von 24 Patienten wurde nach dem
von Oyer angegebenem Schema (8) behandelt, welches eine ver­
hältnismäßig hochdosierte Cyclosporin-A-Behandlung, kombi­
niert mit einer geringen Dosierung von Prednisolon umschließt
(Abb. 4a). In dieser Gruppe sahen wir eine Reihe von cyclospo-
gust 1983 durchgeführt wurden. Dies schließt ein 72 Transplan­
tationen an der Medizinischen Hochschule Hannover bis Okto­
ber 1985 (7) und 46 Transplantationen am Deutschen Herzzen­
trum Berlin seit April 1986. Dabei handelte es sich um 36 Patien­
ten mit koronarer Herzkrankheit, 14 Patienten mit bis zu 4 vor­
ausgegangenen Operationen (Koronarbypass-OP’s, Aneurys-
mektomien), 72 Patienten mit kongestiver Cardiomyopathie,
hiervon 3 mit vorausgegangenem Mitralklappenersatz, ein Pa­
tient mit Zustand nach Mitral- und Aortenklappenersatz, eine
Patientin mit Endokardfibrose und eine weitere Patientin mit
rechtsventrikulärer Dysplasie.
Das Kolletiv beinhaltet 93 Männer und 21 Frauen im Alter von
9 bis 60 Jahren, im Mittel 41 Jahren. Von den 114 Patienten leben
gegenwärtig 88,29 länger als ein Jahr, 22 länger als 2 Jahre und 2
länger als 3 Jahre.
Alle Patienten überlebten die Operation, 8 verstarben an Absto­
ßungsreaktionen, 9 an Infektionen, 3 am Versagen der rechten
oder beider Herzkammern, 2 an Hirnblutungen und 4 mit un­
terschiedlichen Todesursachen, die in 2 Fällen nicht mit dem
transplantierten Herzen in Verbindung standen.
— CSA
—–Prednisolon
Gruppei 24 Pat.
800-1000 nq/ml
Kardiotechnik 10. Jahrgang/Heft 1/1987

Referat
9
Pat. Monate 65
28
210
Abbildung 4a – d: Konsekutiv angewandte immunsuppressive Schemata
und Komplikationsinzidenz. In Gruppe I (a) Beginn präoperativ mit re­
lativ hohen Dosen von Cyclosporin-A, der Blutspiegel wird bei 800 bis
1000 ng/ml eingestellt. Zusätzlich geringe Dosierung von Prednisolon.
In Gruppe II Beginn mit Azathioprin, welches zwischen dem 4. und 6.
Tag gegen eine steigende Dosierung von Cyclosporin-A ersetzt wird. Der
CYA-Spiegel wird auf 400 bis 600 ng/ml eingestellt. Zusätzlich Antithy­
mozytenglobulin (ATG) während der ersten 4 postoperativen Tage In
Gruppe III Beginn mit Azathioprin präoperativ, welches in niedriger
Dosierung auf Dauer beibehalten wird. Cyclosporin-A wird am Tag
nach der Operation in steigender Dosierung begonnen, der Blutspiegel
wird auf 350 bis 550 ng/ml eingestellt. Die Patienten werden auf Dauer
mit einer Kombination von CYA, Azathioprin und Prednisolon behan­
delt. Die Komplikationsinzidenz (d) hat in den konsekutiv angewandten
Schemata abgenommen, insbesondere die Organtoxizität durch
Cyclosporin-A bedingt konnte erheblich reduziert werden.
rinbedingten toxischen Organversagen, insbesondere akutes
Nierenversagen. In der Gruppe II wurde das Konzept entspre­
chend einem Vorschlag von Cabrol (9) modifiziert (Abb. 4b).
Der Beginn der Behandlung war mit Azathioprin (Imurek), wel­
ches am 4. und 5. Tag durch dann beginnende Cyclosporin-
Einnahme ersetzt wurde. Gleichzeitig wurde ATG während der
ersten 4 Tage postoperativ gegeben. In dieser Gruppe von 12 Pa­
tienten war die Häufigkeit von toxischen Reaktionen erheblich
vermindert, allerdings sahen wir meherere, z. T. sehr heftige Ab­
stoßungsreaktionen, welche auf den späten Beginn der
Cyclosporin-Behandlung zurückgeführt werden müssen. Nach
neuerlicher Modifikation wurden alle seither transplantierten
78 Patienten mit dem Schema III behandelt (Abb. 4c). Dies bein­
haltet einen präoperativen Beginn mit Azathioprin, am Tage
nach der Operation wird mit steigenden Dosen Cyclosporin
hinzugegeben, bis zu einem Blutspiegel von 350 bis 550 ng/ml.
Zusätzlich nach Gabe von Antithymozytenglobulin die ersten 4
Tage. Die niedrigdosierte Behandlung mit Cyclosporin-A, Azat­
hioprin und Prednisolon wird auf Dauer beibehaken. Unter die­
sem zuletzt geübten Regime war die Häufigkeit von Nebenwir­
kungen und auch von Abstoßungsreaktionen erheblich gesenkt
(Abb. 4d), das Landzeit-Überleben in dieser Gruppe lag bei über
80% (Abb. 5). In jüngster Zeit wurden anstatt von Antithymo­
zytenglobulin auch monoklonale Antikörper zur postoperati­
ven Prophylaxe und auch zur Behandlung von Abstoßungsreak­
tionen eingesetzt. Über den Wert dieses letzteren Medikamentes
liegen noch keine schlüssigen Ergebnisse vor.
8. Abstoßungsdiagnostik
Die frühzeitige Erkennung von Abstoßreaktionen ist entschei­
dend für den Langzeit-Verlauf. Es kommt dabei darauf an, vor
Einsetzen klinischer Symptome wie Rhythmusstörungen und
Herzinsuffizienz ein akutes Aufflammen der Immunreaktion
am Transplantat festzustellen und durch eine zusätzliche kurz­
fristige immunsuppressive Behandlung zu unterdrücken. Die
von Caves 1973 (3) eingeführte transvenöse Endomyokardbiop-
sie zur Gewinnung von Myokard für die histologische Aufarbei­
tung ist die derzeit zuverlässigste Methode. Wir führen diese in
Lokalanästhesie über die Vena jugularis interna unter Röntgen­
durchleuchtung wöchentlich während der ersten 3 Monate und
mit größer werdenden Intervallen in unserer Ambulanz durch.
Diese Methode ist zwar ungefährlich, stellt aber eine erhebliche
Belästigung für die Patienten und eine zunehmende Belastung
für das Nachsorge-Team dar. Bei der Suche nach nicht invasiven
Methoden der Abstoßungserkennung haben sich in unseren
Händen zwei Methoden als so zuverlässig erwiesen, daß sie in
Kombination oder einzeln die Biopsie ersetzen oder zumindest
ihre Frequenz vermindern lassen. Die Münchner Arbeitsgruppe
am Klinikum Großhadern hat eine Methode des „zytoimmuno-
logischen Monitorings“ entwickelt, wobei Abstoßungsreaktio­
nen und auch Infektionen durch zytologische Untersuchung
der Lymphozyten des peripheren Blutes erkannt werden kön­
nen (10.)
Unsere Arbeitsgruppe befaßt sich 3 Jahre mit der Analyse des in­
tramyokardialen Elektrogramms (IMEG), welches über ein
Telemetrie-Schrittmachersystem und Schraubelektroden in der
re. und li. Kammerwand abgeleitet wird (1), (Abb. 6). Die Volta­
ge des so gewonnenen Elektrogramms und seine Frequenzanaly­
se sind ein sehr zuverlässiger Parameter der Abstoßungsbe­
obachtung geworden. Es dürften in Zukunft eine tägliche nicht
invasive Beobachtung der Vorgänge am transplantierten Herzen
auch im Spätverlauf ermöglichen.
Abbildung 5: Aktuarische Überlebenskurven unter den drei konsekutiv
angewandten immunsuppressiven Regimes.
Telemetrie
Externer
IMEG
Schrittmacher
Empfänger
Amplitude
Abbildung 6: Schema der Ableitung des intramyokardialen Elektro­
gramms (IMEG) über einen implantierten Telemetrie-Schrittmacher
und Schraubelektrode in der Ventrikelwand. Das gewonnene Signal
wird auf seine Voltage und seine Frequenz analysiert.
Kardiotechnik 10. Jahrgang/Heft 1/1987

10
Referat
9. Langzeit-Ergebnisse
Wie oben schon angedeutet, ist der Spätverlauf nach Herz­
transplantationen gezeichnet durch Nebenwirkungen der im-
munsuppressiven Medikamente. Die Gefährdung der Patienten
ist seit Einführung von Cyclosporin-A wohl erheblich gemin­
dert, dennoch können spätere Abstoßungsreaktionen auftreten,
die Infektanfälligkeit ist erhöht, wenngleich keine Todesfälle
durch Infektionen im Spät verlauf zu beklagen waren. Die chro­
nische Cyclosporin-A-Medikation führt zu einem Bluthoch­
druck und kann eine Niereninsuffizienz erzeugen. Diese Ne­
benwirkungen lassen sich durch eine subtile Einstellung des
Cyclosporin-A-Spiegels und die Anwendung von antihyperten­
siven Medikamenten beherrschen (12).
Das transplantierte Herz unterliegt daneben Veränderungen, die
als chronische Abstoßungsreaktion gedeutet werden müssen
und sich in Form einer diffusen Koronarsklerose äußern kön­
nen. Bei routinemäßigen Herzkatheteruntersuchungen in jähr­
lichem Abstand haben wir bis jetzt bei 5 Patienten diffuse koro­
narsklerotische Veränderungen beobachtet, in einem Fall wurde
eine Retransplantation wegen dieser Zweiterkrankungen mehr
als 2 Jahre nach der Ersttransplantation erforderlich.
Bei bis jetzt vorhandenen 54 Katheteruntersuchungen bei 44 Pa­
tienten zeigten 40 Patienten eine normale Herzkammerfunk­
tion, bei 4 Patienten wurde eine Einschränkung der Kontrak­
tionsfähigkeit beobachtet.
Die Belastbarkeit der Patienten nach Herztransplantation ist in
den allermeisten Fällen als normal anzusehen. Die denervierten
Herzen reagieren bei Belastung über eine endogene Ausschüt­
tung von Katecholaminen. Bei einer Belastung wird die Herzlei­
stung entsprechend diesem Mechanismus verzögert gesteigert
und flaut nach Beendigung der Belastung auch nur allmählich
wieder ab.
Die soziale und berufliche Wiedereingliederung der Patienten
(13) nach Herztransplantation ist eine überraschend und erfreu­
lich gute. Von den 79 derzeit entlassenen Patienten, die sich in
unserer Nachbehandlung befinden, sind 45 wieder in Beruf und
Schule zurückgekehrt und 18 weitere Pat