Experimentelle und klinische Erfahrung mit dem VP-CML-Säuglings-
und Kindermembranoxygenator der Firma Cobe
G. Lauterbach, H. Schneider, R Drechsler, G. Hilgenhöner………….. 17
Kunstherz — heutiger Stand der Entwicklung
A. Schiessler, E. Hennig, E. Zartnack, J. Franke, E. S. Bücheri…….. 23
Heparinfreie Durchführung einer extrakorporalen Zirkulation
mittels eines Serinproteasen-Inhibitors (FOY): Eine experimentelle
Studie
B. Oedekoven, K. Mottagby………………………………………………………… 31
Was ist medizinisches no-DOP-PVC?
W. Lemm, E. S. Bücheri………………………………………………………………. 39
Myokardprotektion mit Kardioplegie bei Koronarpatienten
J. V. d. Schelde, P. Braun, J. Boldt u. J. Mulch……………………………. 42
Einfluß der Hypothermie auf den Elektrolyt- und Säure-Basen-
Haushalt
C. J. Preuße……………………………………………………………………………….. 45
Rasterelektronenmikroskopische Untersuchungen zur Effektivität
von Pre-Bypass-Filtern
J. Lüttges, St. Kassekert, G. Görlach, J. Mulch……………………………. 48
Der notfallmäßige Einsatz der Herz-Lungen-Maschine
A. Philipp…………………………………………………………………………………….. 52
Elastase — Ein empfindlicher Indikator für Granulozyten Läsionen
durch extracorporale Oxygenatoren
B. Wolf, H. E. Zeplin, R. Reinhards, H. Knopl, K. Kleesiek,
D. Pauquet, K.-H. Hildinger, B. J. Messmer, H. Greiling………………… 57
15. Internationale Fort- und Weiterbildungsveranstaltung der
Deutschen Gesellschaft für Kardiotechnik am 9./10. 5. 1986 in
Bad Krozingen……………………………………………………………………………. 59
Literaturhinweise…………………………………………………………………………. 60

4
Fortbildung
Aus der Klinik für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main
(Leiter: Professor Dr. med. P. Satter)
Ferdinand Sauerbruch — Leben und Werk —
R. Wagner
Folge 2
Alles geben die Götter, die unendlichen,
Ihren Lieblingen ganz:
Alle Freuden, die unendlichen,
Alle Schmerzen, die unendlichen, ganz.
(Goethe)
neuen Aufgaben erfüllte er mit Feuereifer. Er baute insbeson­
dere die Thoraxchirurgie weiter aus und richtete eine neue gro­
ße Operationskammer ein.
Zu Miculiczs Nachfolger wurde Carl Garre (1857-1928) beru­
fen, dessen Hauptarbeitsgebiet nicht die Thoraxchirurgie war
und der zudem seinen eigenen Mitarbeiterstab mitbrachte.
So verließ Sauerbruch noch im Herbst des gleichen Jahres Bres­
lau und ging als 2. Oberarzt zu Paul Leopold Friedrich
(1864-1916) an die Chirurgische Universitätsklinik in Greif­
wald. Hier begann er, experimentell zur Problematik der Para-
biose zu arbeiten und die Auswirkungen des Druckdifferenz­
verfahrens bei Eingriffen an und im Schädel zu untersuchen.
Auf dem 35. Kongreß der Deutschen Gesellschaft für Chirur­
gie im April 1906 stellte er seine Ergebnisse in einem Vortrag
über „Blutleere Operationen am Schädel unter Überdruck und
Beiträge zur Hirndrucklehre“ vor. In jener Zeit publizierte er
auch Arbeiten zur Chirurgie des Herzens resp. des Herzbeu­
tels, zum Unterdruckverfahren in der Herzchirurgie und zur
Problematik der Bruchoperationen.
Als Friedrich im Sommer 1907 zum Direktor der Chirurgi­
schen Universitätsklinik zu Marburg an der Lahn berufen
wurde, nahm er Sauerbruch als 1. Oberarzt und Leiter der Poli­
klinik mit.
An seiner neuen Wirkungsstätte ergaben sich jedoch bald Pro­
bleme für Sauerbruch. Zum einen fand er hier seinen Kontra­
henten Brauer als Direktor der Medizinischen Klinik wieder,
zum anderen entwickelten sich zunehmend Schwierigkeiten
mit seinem Chef Friedrich. Dennoch setzte er seine Untersu­
chungen zur Parabiose und zum blutleeren Arbeiten in der
Hirnchirurgie fort und leistete damit wichtige Beiträge zur pla­
stischen bzw. zur Transplantationschirurgie. International
wurde Sauerbruch zunehmend als Spezialist für Lungenchirur­
gie bzw. Chirurgie der Speiseröhre bekannt. Am Weihnachts­
abend des Jahres 1908 verlieh man ihm in Würdigung seiner
Verdienste das Prädikat „Professor“.
Zu Beginn des Jahres 1909 trat Sauerbruch eine Vortragsreise
nach Amerika an, und in der Mitte des gleichen Jahres nahm
er Verhandlungen mit der Universität Zürich auf, die ihn für
sich zu gewinnen suchte.
Schließlich wurde er mit Wirkung vom 15. Oktober 1910 zum
ordentlichen Professor für Chirurgie an der Hochschule Zü­
rich und zum Direktor der Chirurgischen Klinik und Polikli­
nik des Kantonsspitals Zürich berufen. Seine umfangreichen
Abbildung 1: Neue Unterdruckkammer der Züricher Klinik
In jener Zeit entwickelte er neue Operationsverfahren und
-techniken sowie zahlreiche neue Instrumente. Mit seinem
Oberarzt E. D. Schumacher veröffentlichte er die Technik der
Thoraxchirurgie“, welche weite Verbreitung fand. Unter Sauer­
bruchs Leitung wurde die Züricher Klinik zum Mekka der chi­
rurgischen Behandlung der Lungentuberkulose für Mediziner
und Kranke aus aller Welt.
In dieser fruchtbaren Zeit entwickelte Sauerbruch auch die
Technik der paravertebralen Thorakoplastik. Er operierte ins­
gesamt 172 Patienten, von denen nur zwei verstarben und er­
zielte eine erhebliche Senkung der bis dahin hohen Letalität
ausgedehnter thorakoplastischer Verfahren. In 40% gelang ihm
die Dauerheilung der Kranken, in 30% immerhin eine deutli­
che Besserung ihres Leidens. In enger Zusammenarbeit mit den
Sanatorien in Davos, welche ihm reichlich Patienten zuwiesen,
arbeitete er die Technik der Spitzenplastik durch Plomben so­
wie die Technik des extrapleuralen Pneumothorax aus.
Kardiotechnik 9. Jahrgang/Heft 2/1986

6
Fortbildung
In diese Zeit rastloser Arbeit fiel der Ausbruch des 1. Weltkrie­
ges! Sauerbruch meldete sich freiwillig und wurde zum Beraten­
den Chirurgen des XV. Armeekorps ernannt. Bei seinen
Einsätzen in den Vogesen und in Lille erfuhr er ganz unmittel­
bar die Schrecken des Krieges in ihren mannigfaltigen Erschei­
nungsformen. Schon bald forderte jedoch die Züricher
Universität seine Rückkehr, so daß er beurlaubt werden mußte
und im Jahre 1915 seine Vorlesungstätigkeit wieder aufnehmen
konnte. Das Schicksal der zahlreichen amputierten Soldaten,
die er im Felde gesehen hatte, ließ den Arzt nicht mehr los. Im
Sommer 1915 nahm Sauerbruch Gespräche mit Professor Sto-
dola von der Technischen Universität Zürich auf, nachdem er
sich ausgiebig mit der vorhandenen Literatur auseinanderge­
setzt hatte. Zum Studium der eisernen Hand des Ritters Götz
von Berlichingen, die im Jahre 1504 von einem Waffenschmied
in Olnhausen angefertigt worden war, reiste er zur Familie de­
rer von Berlichingen. Gleichfalls studierte er sehr eifrig die er­
ste willkürlich bewegbare Hand, die von dem Berliner
Zahnarzt ^////’konstruiert worden war. Die enge Zusammen­
arbeit mit Stodola schließlich führte zur Konstruktion eines
künstlichen Armes, bei dem die Agonisten und Antagonisten
zur Bewegung der Hand Verwendung fanden. Für die Zeit der
Semesterferien war Sauerbruch die Leitung des chirurgischen
Reservelazarettes Greifswald übertragen worden. Dort führte
er bei einem amputierten Soldaten, der sich mit der Operation
einverstanden erklärt hatte, erstmalig die Anpassung der neuen
Prothese mit Erfolg durch. Wieder in Zürich zurück, besuchte
er häufig das unweit der Schweizer Grenze gelegene Reservela­
zarett Singen am Hohentwiel, um die Probleme amputierter
und später prothetisch versorgter Soldaten zu studieren. Die
gewonnenen Erfahrungen brachte er dann umgehend in die in­
tensive Zusammenarbeit mit anderen Medizinern sowie Tech­
nikern ein. 1916 veröffentlichte Sauerbruch sein Buch „Die
willkürlich bewegbare künstliche Hand“.
Abbildung 2: „Sauerbruch-Arm“
Die Ergebnisse einer Nachuntersuchung von 539 Amputier­
ten, die Sauerbruch 1929 publizierte, seien hier vorwegge­
nommen:
92,4% der Patienten übten ihre berufliche Tätigkeit wieder aus,
davon 55,4% als Leicht- und 42,5% als Schwerarbeiter.
Im Sommer 1918 erreichte Sauerbruch ein Ruf auf den Lehr­
stuhl für Chirurgie in München, den er schließlich annahm.
So trat er im Spätsommer des Jahres seine Tätigkeit an der dor­
tigen Universität an. Bei Dienstantritt ernannte ihn der letzte
bayerische König noch zum Geheimen Hofrat und zum Gene­
ralarzt in der bayerischen Armee.
Abbildung 3: Sauerbruch kurz nach seiner Ernennung zum Geheimen
Hofrat
Infolge der Räterevolution erlebte Sauerbruch in München
1918/19, auch ganz persönlich, unruhige Zeiten. In der klini­
schen und wissenschaftlichen Arbeit erfuhr er durch so profi­
lierte Persönlichkeiten wie Müller (Medizin), von Romberg
(Medizin), wzz Pfaundler (Pädiatrie), von Zumbusch (Dermato­
logie), Kraepelin (Psychiatrie), Döderlein (Gynäkologie) und
Borst (Pathologie) zahlreiche Anregungen, die seine Arbeit be­
fruchteten. Sauerbruchs Hauptarbeit blieb dennoch die Tho­
raxchirurgie, auch, wenn er sich selbst nie als Spezialisten
betrachtete und sich stets für die Einheit der Chirurgie einsetz­
te. 1920 erschien sein Hauptwerk „Die Chirurgie der Brustor­
gane“, welches große Beachtung und weite Verbreitung fand.
In München gelang Sauerbruch auch als erstem die erfolgreiche
Operation einer Pericarditis calcarea. Trotz einer schweren
Komplikation, nämlich des Einrisses des rechten Ventrikels,
überlebte der Kranke den Eingriff und war später sogar wieder
voll arbeitsfähig. Hier entwickelte er auch seine sogenannte
Umkipp-Plastik, die darin besteht, bei einem malignen Tumor
des Femurs diesen aus seinem Bett auszulösen und die Tibia,
nach Absetzen des Fußes als Femurersatz dorthin einzuschla­
gen. Die Tibia entwickelt dabei in der Hüfte ein Ersatzgelenk,
Kardiotechnik 9. Jahrgang/Heft 2/1986

Fortbildung
7
und der Patient kann später mit einer Unterschenkelprothese
mit Kniegelenk versorgt werden, was ihm eine deutlich bessere
Rehabilitation ermöglicht als wenn er mit einer Prothese nach
Hüftgelenksexartikulation versorgt werden müßte Ein wichti­
ger Beitrag zur Behandlung der Lungentuberkulose in jener
Zeit war auch die Verfeinerung der Technik der extrapleuralen
Thorakoplastik.
Von Oktober 1918 bis Februar 1921 hatte Sauerbruch 57 Pa­
tienten bei einer Letalität von 7% operiert. 26% davon waren
bei der Nachuntersuchung bazillenfrei, 42% gebessert und 25%
unverändert.
Das Interesse Sauerbruchs auch an nichtchirurgischen Fragen
wird deutlich in der Entwicklung bzw. Modifikation einer Di­
ät zur Behandlung des damals sehr verbreiteten Lupus vulgaris,
einer Hautmanifestation der Tuberkulose, zusammen mit Her-
mannsdorfer und Gerson.
Im Jahre 1925 erreichte Sauerbruch ein Ruf als Nachfolger von
Otto Hildebrand (1858-1927) nach Berlin.
Begehrter jedoch als die Chirurgische Klinik an der Charite
war zu dieser Zeit die Klinik an der Ziegelstraße, der so bedeu­
tende Persönlichkeiten wie Albrecht von Graefe (1828-1870),
Bernhard von Langenbeck (1810-1878) und Ernst von Bergmann
(1836-1907) vorgestanden hatten und die jetzt von dem kurz
vor seiner Emeritierung stehenden August Bier (1861-1949) ge­
leitet wurde. Sauerbruch verlangte eine Zusammenlegung der
beiden chirurgischen Lehrstühle, womit man in Berlin schließ­
lich einverstanden war. So wurde er für das Sommersemester
1927 berufen. Als seine Oberärzte nahm er E. K. Frey, R. Nissen
und W. Felix mit. Bis zum Wintersemester 1927/28 aber war
Sauerbruch weiter kommissarischer Leiter der Münchener Kli­
nik, nachdem sich die Nachfolgefrage außerordentlich schwie­
rig gestaltete. So las er eine halbe Woche in Berlin und die
zweite Hälfte der Woche in München.
Auch in Berlin blieb der Schwerpunkt seiner Arbeit die
Lungen- bzw. die Thoraxchirurgie. Aber auch die chirurgische
Therapie des Morbus Basedow sowie die Behandlung der Car-
cinomerkrankungen beschäftigten ihn sehr. Während seiner
Berliner Tätigkeit gelang Sauerbruch erstmals die erfolgreiche
operative Behandlung eines perforierten Herzwandaneurys­
mas, seinem Oberarzt Nissen die erste erfolgreiche Pneumon­
ektomie.
1933 übernahm Sauerbruch die Fortführung der renommierten
Chirurgischen Operationslehre von Bier-Braun-Kümmel.
Die hervorragenden Leistungen Sauerbruchs begründeten sei­
nen internationalen Ruf und die weite Anerkennung seiner
Arbeit. Seine Autorität wurde zunehmend gestärkt und Sauer­
bruch ein absoluter Herrscher in seinem Reich, der Klinik.
Der gesamte Kliniksbetrieb wurde so stark Sauerbruch-
bezogen, daß Spannungen nicht ausbleiben konnten. E. K. Frey
vermied jede Auseinandersetzung mit seinem Chef. Er hatte ei­
nen Ruf nach Düsseldorf erhalten und daher nicht die Absicht,
sich noch kurz vor seinem Ausscheiden mit Sauerbruch zu
überwerfen. R. Nissen führte die Geschäfte der Klinik und hielt
alle Mißhelligkeiten vom „Chef“ ab. W. Felix hingegen führte
einen fast aussichtslosen Kampf gegen die dogmatischen Ent­
scheidungen Sauerbruchs, da er eine Stagnation der wissen­
schaftlichen Arbeit an der Klinik verhindern wollte. Dort
selbst herrschte ein außerordentlich straffer Betrieb. Operiert
wurde nach Nissens Plan an sechs Tischen gleichzeitig. Wäh-
Abbildung 4: Sauerbruch im Operationssaal
rend Sauerbruch zu seinen Mitarbeitern äußerst streng, ja sogar
schroff und nicht selten verletzend war, zeigte er seinen Kran­
ken gegenüber ohne Ansehen von Stand und Herkunft volle
Hingabe und menschliche Zuwendung.
Bis zum Beginn des 2. Weltkrieges waren die Forschungs­
schwerpunkte der Klinik weiter die Lungen- und die Tumor­
chirurgie. Während des Krieges setzte Sauerbruch seine
Arbeiten zur Problematik des Hirndruckes, die er in Zürich
begonnen und in München fortgeführt hatte, fort und lieferte
wichtige Beiträge zur Diagnostik und Therapie bei Tumoren
des Schädelinnenraumes. Neben technischen Fragen der Tu­
morchirurgie bearbeitete er mit seinen Mitarbeitern sehr aus­
führlich das Problem der Carcinomentstehung wobei er die
Bedeutung der Sexualhormone intensiv untersucht. In der Fra­
ge der adäquaten Behandlung maligner Tumore war Sauerbruch
ein Befürworter und in jener Zeit gleichzeitig ein Schrittma­
cher der Kombinationsbehandlung, d. h. der Behandlung
durch Strahl und Stahl. In die Chirurgie der Bronchiektasen
führte er neue Techniken ein. Er verließ die bis dahin übliche
Pneumothoraxbehandlung bzw. thorakoplastische Verfahren
zugunsten der Resektionsbehandlung und konnte 1934 über 58
Lobektomien, von denen 52 gelungen waren, berichten. Ab
1940 war Sauerbruch als Beratender Chirurg für Lazarette in
Frankreich, Belgien und den Niederlanden eingesetzt, stets
auch in seiner Klinik tätig.
Kardiotechnik 9. Jahrgang/Heft 2/1986

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Fortbildung
Abbildung 5: Sauerbruch während einer Vorlesung
Während des Fortganges des Krieges wuchsen auch in Berlin
unter der zunehmenden Feindeinwirkung Not und Elend der
Bevölkerung. Zahlreiche prominente Persönlichkeiten flohen
schließlich unter Angabe der fadenscheinigsten Gründe von
den herranrückenden sowjetischen Truppen in den sicherer
scheinenden Westen. Nicht so Sauerbruch. Seiner Verantwor­
tung für die ihm anvertrauten Kranken und Verletzten bewußt,
blieb er in der Stadt und widmete sich Tag und Nacht in der
Charite seinen zahlreichen Patienten. Das Kriegsende selbst er­
lebte er operierend im Bunker der Chirurgischen Universitäts­
klinik der Charite. Zu diesem Zeitpunkt war Sauerbruch
bereits 70 Jahre alt.
Am 17. Mai 1945 wurde der Chirurg zum Stadtrat für Gesund­
heitswesen im sowjetisch besetzten Teil der Stadt ernannt und
mit dem Wiederaufbau des Gesundheitswesens bzw. Fragen der
Seuchenbekämpfung und Hygiene betraut. Erst nach mehre­
ren Monaten intensiver Arbeit und nach Lösung der drängen-
sten Fragen konnte er an seine Klinik zurückkehren. Am 29.
Januar 1946 schließlich wurde die Berliner Universität feier­
lich wiedereröffnet und auch Sauerbruch konnte seine Lehrtä­
tigkeit wieder aufnehmen.
Seit dem Frühsommer 1948 jedoch machten sich bei Sauer­
bruch cerebralsklerotische Ausfallserscheinungen bemerkbar,
die seine chirurgische Sicherheit und geistige Spannkraft deut­
lich beeinträchtigten. Wie bei dieser Art der Erkrankung tragi­
scherweise meist üblich, wurde Sauerbruch selbst sich seiner
Situation in keiner Weise bewußt. Nachdem schließlich seine
Tätigkeit in der Klinik nicht mehr zu verantworten war, be­
mühten sich Freunde in langen Gesprächen immer wieder,
dem Kranken die Notwendigkeit seines Rücktrittes zu verdeut­
lichen, um ihm die zwangsweise Entlassung und die damit ver­
bundene große persönliche Enttäuschung zu ersparen.
Schließlich reichte er am 3. Dezember 1949 ein Gesuch um
Versetzung in den Ruhestand ein, dem stattgegeben wurde. Am
6. Juni 1950 schließlich schied Ferdinand Sauerbruch aus der
Klinik aus. Zu seinem Nachfolger ernannte man seinen Ober­
arzt und Schüler W. Felix.
Dennoch war der greise Chirurg nur für kurze Zeit nicht ärzt­
lich tätig. Da er sich nämlich mit dem Ruhestand, der ihm für
sein Verständnis zu Unrecht nahegelegt worden war, nicht ab­
finden konnte, nahm er Angebote Westberliner Privatkliniken
gerne an, dort zu arbeiten. Die Träger dieser Einrichtungen
waren sich entweder der Verfassung Sauerbruchs nicht bewußt
oder aber sie nahmen ganz bewußt die schweren Fehler bei Be­
handlung Kranker in Kauf, die Sauerbruch schon bald unterlau­
fen sollten, um mit dessen gutem Namen die Patienten
anzulocken und ihre Kliniken rentabel zu betreiben.
Zu Ostern 1951 nahm der schwer kranke Sauerbruch, von E.
K. Frey fürsorglich betreut, zum letzten Male am Chirurgen­
kongreß in München teil. Es wurde dies sein Schwanengesang.
Abbildung 6: Sauerbruch als Beratender Chirurg im Zweiten Weltkrieg
Kardiotechnik 9. Jahrgang/Heft 2/1986

Jostra Blutfilter HBF 20 und HBF40.
Moderne Technik ermöglicht optimale Filtrationseigenschaften.
Kaskadenfiltrationsprinzip
erlaubt durch Hintereinanderschalten
von 2 Filtergeweben unterschiedlicher
Porengröße kleine