Implantierbare automatische Kardioverter-Defibrillator-Systeme
Neue therapeutische Konzepte zur Behandlung von
therapierefraktären Kammertachykardien bzw. Kammerflimmern
A. Hannekum, B. Herse, V. Hombach, H. W. Höpp……………………….. 2
Die Aufgaben des Kardiotechnikers bei der Herztransplantation
S. Schüler, H. Warnecke, H. H. Zahner, L. Jürgens, K. D. Endrigkeit,
D. Koch und R. Hetzer……………………………………………………………………. 9
Technische Möglichkeiten des extrakorporalen
Umgehungskreislaufs bei Operationen an der thorakalen Aorta
G. Lauterbach, B. Herse ..’……………………………………………………………….13
Handhabung und klinische Erfahrung mit dem
SHILEY M-2000 Membranoxygenator
H. Gehle, A. Philipp………………………………………………………………………….17
Diagnostik und Therapie der Pericardtamponade
B. Herse…………………………………………………………………………………………….21
Anatomie des Körperkreislaufs und seiner Verbindungen
mit dem Koronarkreislauf (extrakardiale Anastomosen)
R. Baur………………………………………………………………………………………………29
Medikamentöses Management während und unmittelbar nach
extrakorporaler Zirkulation
Ruth I. Gattiker………………………………………………………………………………….33
Intraaortale Gegenpulsation:
Einführung, praktische Gesichtspunkte, Erfahrungen eines Jahres
M. Lichtensteiner, J. P. Brügger……………………………………………………… 38
Zur Problematik der Weichmacherzusätze in
medizinischen Einmalartikeln aus PVC
W. Lemm, E. S. Bücheri…………………………………………………………………….46
Run-away Pumpe, Ursache, Folgen und Beherrschung
einer bedrohlichen Situation
D. Demierrer, D. Maass, E. Garcia, M. Turina…………………………………. 50
Die Technik aorto-coronarer Bypass-Chirurgie bei offener Aorta
E. Kraus, K. Bermel, M. Hänsel, G. Wagner, H. Winklmaier…………… 51
Pressemitteilungen/Tagungshinweis………………………………………………..52

2
Referat
Aus der Herzchirurgischen Universitätsklinik Köln ( Direktor: Professor Dr. H. Dalichau) und der Medizinischen Klinik III
(Direktor: Professor Dr. H. H. Hilger) der Universität zu Köln
Implantierbare automatische Kardioverter-Defibrillator-Systeme
Neue therapeutische Konzepte zur Behandlung von
therapierefraktären Kammertachykardien bzw. Kammerflimmern
A. Hannekum, B. Herse, V. Hombach, H. W. Höpp
Summary
Patients with Coronary Heart Disease and drug refractory ventricular tachyarrhythmias are particularly threatened by sudden death.
In carefully selected cases implantable cardioversion-defibrillation devices may considerably improve longterm prognosis. We are describing
the technical and functional characteristics of both devices for cardioversion-defibrillation, as well as the implantation procedure and the
initial clinical results.
Einleitung
Der sogenannte plötzliche Herztod (sudden death) trifft
am häufigsten Patienten, die an einer coronaren Herz­
krankheit leiden, besonders gefährdet sind diejenigen mit
schwerer linksventrikulärer Funktionsstörung. Als weitere
Risikogruppe gelten Patienten mit kongestiver Kardiom­
yopathie. Obwohl die pathophysiologischen Mechanismen,
die dem sogenannten sudden death zugrunden liegen, noch
nicht völlig aufgeklärt werden konnten, ist aufgrund zahl­
reicher Untersuchungen, insbesondere langzeitelektrokar-
diographischer Studien, zu entnehmen, daß ein großer Pro­
zentsatz dieser plötzlichen Todesfälle durch ventrikuläre
Tachykardien oder Kammerflimmern infolge einer elektri­
schen Instabilität des Herzens, dem nur in einem kleinen
Prozentsatz eine akute Myocardischämie vorausgeht, be­
dingt ist (8).
Die therapeutischen Ansätze zur Behandlung dieser malig­
nen Arrhythmien konzentrierten sich bisher überwiegend
auf die Entwicklung wirksamerer antiarrhythmischer Sub­
stanzen zur Prävention von Tachykardien. Trotz einer hier­
durch erzielten erheblichen Verbesserung der Prognose
liegt die 1-Jahres-Sterblichkeit von Patienten, die eine erste
lebensbedrohliche Arrhythmie überstanden haben, immer­
hin noch bei 30% (8).
Nur wenige Patienten eignen sich für die Implantation an-
titachykarder Schrittmachersysteme, um paroxysmale
Tachykardien elektrisch zu terminieren. Ebenso kommt
eine direkte chirurgische Intervention am Endokard (z. B.
Endokardektomie bzw. Endokardinzision) nur bei den Pa­
tienten in Betracht, bei denen ein Endokardareal lokalisier­
bar ist, von dem ventrikuläre Tachykardien ihren Ausgang
nehmen. Ein neues therapeutisches Konzept stellt die Be­
handlung ventrikulärer Herzrhythmusstörungen durch
implantierbare Kardioversions- bzw. Defibrillationsaggre-
gate in Fortentwicklung der aus der Notfall- und Intensiv-
medizin bekannten transthorakalen Elektroschockbehand­
lung dar (2, 9). Die im wesentlichen von ZIPES (Indiana­
polis) und M1ROWSKI (Baltimore) entwickelten implan­
tierbaren Kardioverter bzw. Defibrillatoren, die zwischen­
zeitlich Implantationsreife erlangt haben, werden im nach­
folgenden vorgestellt. Beide Systeme befinden sich derzeit
in ausgewählten Kliniken in klinischer Erprobung.
Eine chronische Myokardschädigung, degenerative Herz­
muskelveränderungen, toxische Herzmuskelschäden sowie
schwere Elektrolyt-Entgleisungen können neben anderen
Erkrankungen zu einer starken Verkürzung der Refraktär­
phase der Herzmuskelzelle führen. Die hieraus resultieren­
de elektrische Instabilität kann sowohl zum Extrasystolie-
induzierten Kammerflimmern als auch zur ventrikulären
Re-entry-Tachykardie, welche jederzeit in ein Kammer­
flimmern übergehen kann, führen. Infolge fehlender Aus­
wurfleistung der Herzkammern bedeuten diese Rhythmus-
störungen einen funktionellen Herzstillstand. Die sofortige
palliative Therapie von Kammerflimmern ist die transtho­
rakale Defibrillation zur elektrischen Gleichschaltung eines
großen Myokardareals, so daß das primäre Reizbildungs­
zentrum des Herzens, der Sinusknoten, wieder die koordi­
nierte übergeordnete Steuerfunktion des elektrischen Erre­
gungsablaufes übernehmen kann. Als Kardioversion wird
eine QRS-synchrone elektrische Terminierung supra- bzw.
ventrikulärer Arrhythmien oder Tachykardien bezeichnet.
Subclavian Vein
Pulse Generator
Def ibrillating
Apical Patch
Electrode
Bipolar
Electrogram
Electrodes
Abbildung /.’Schema zur Implantation eines AICD-Systems (epi­
kardial-intrakardial)
Superior
Vena Cava
Electrode
Kardiotechnik 8. Jahrgang/Heft 2/1985

Referat
3
Abbildung 2: Schema zur Implantation eines AICD-Systems (epi­
kardial-epikardial)
Die hierfür erforderliche Energie liegt bei einer transthora­
kalen Kardioversion und Defibrillation zwischen 1 50 und
400 Joule, bei epikardialer Durchführung (z. B. im Rah­
men herzchirurgischer Eingriffe) bei 15 bis 50Joule. Dieser
hohe Energiebedarf stellte eines der Hauptprobleme bei der
Entwicklung implantierbarer elektrischer Systeme dar.
Automatischer transvenös implantierbarer intrakar­
dialer Kardioverter
Das im wesentlichen von ZIPES und Mitarbeitern entwik-
kelte System basiert auf einer intrakardialen Kardioversion
durch Elektroschockabgabe über eine transvenös zu appli­
zierende bipolare, im rechten Vorhof bzw. Ventrikel lie­
gende Sonde. Die beiden Elektrodenpole funktionieren als
Anode bzw. Kathode, wobei gleichzeitig die Anode eine in­
trakardiale EKG-Erkennung zur QRS-synchronen Impuls­
steuerung ermöglicht. Tierexperimentelle sowie klinische
Untersuchungen bei 96 Patienten mit der intrakardialen
Kardioversionssonde als temporäre Einheit zeigten, daß mit
Abbildung <■ Operarionssitus unter Verwendung der'Patch-Patch-
Technik
der Energie von lediglich 1 Joule <83%, mit der Energie von
0,5 Joule noch 75% der induzierten ventrikulären Tachy­
kardien zu beenden waren (9). Diese geringe Energiefrei­
setzung führte zu keiner wesentlichen subjektiven Miß­
empfindung durch den wachen Patienten, so daß ein klini­
scher Einsatz der intrakardialen Kardioversion als temporä­
res System in der Intensivbehandlung frühpostinfarzieller
Arrhythmien sicherlich in Zukunft eine breite Anwendung
finden könnte.
Diese Sonde ist für eine permanente Implantation mit ei­
nem von der Firma Medtronic entwickelten Kardioverter
kompatibel. Das Gerät wiegt 95 g und hat die Abmessun­
gen 57 x 73 x 97 mm. Analog einem Schrittmachersystem
sind die Sonde und das Aggregat in Lokalanästhesie im­
plantierbar. Der Generator kann Energien zwischen 0,06
und 2 Joule freisetzen. Über die Abgabe eines Kardiover­
sionsschocks hinaus besteht die Möglichkeit einer ventriku­
lären VVI-Stimulation, um ein sogenanntes back up-Pacing
bei kompensatorischer Bradykardie nach Kardioversion
durchführen zu können. Das System kann prinzipiell auf
automatische Funktionsweise programmiert werden oder
aber nach Implantation inaktiviert und nur bei Bedarf per
Induktion in Funktion gesetzt werden (9).
Bei automatischer Funktion sind folgende Parameter pro­
grammierbar: Energieabgabe zwischen 0,06 und 2 Joule,
Grenzfrequenz zur Auslösung eines Schocks nach Einsetzen
der Tachykardie (bis 455 ms), Empfindlichkeit zur Erken­
nung der R-Amplitude sowie Impulsbreite und Stimula­
tionsfrequenz bei ventrikulärer Stimulation. Über Tele­
metrie sind die einprogrammierten Parameter, ein intra­
kardiales Elektrokardiogramm sowie der Batteriestatus, ab­
rufbar. Darüber hinaus kann ein temporäres Programm zur
elektrophysiologischen Diagnostik im Rahmen einer Funk-
tionsüberprüfung eingegeben werden. Neben der Möglich­
keit der programmierten Ventrikelstimulation zur Auslö­
sung ventrikulärer Tachykardien, um die Wirksamkeit an­
tiarrhythmischer Medikation zu überprüfen, kann die Sti­
mulationsfrequenz der Schrittmachereinheit auf 400 Schlä­
ge pro Minute angehoben werden, um Tachykardien ent­
weder zu initiieren oder zu beenden.
Bei der Kardioversion ventrikulärer Arrhythmien oder
Tachykardien können diese Rhythmusstörungen prinzi­
piell in ein Kammerflimmern überfuhrt werden. Da die
von dem Kardioverter maximal freigesetzte Energie von 2
Joule für eine Defibrillation nicht ausreicht, besteht die
Möglichkeit, das System grundsätzlich zu inaktivieren und
lediglich nach aufgetretener Tachykardie und sofortiger
Hsopitalisierung des Patienten die interne Kardioversion
unter klinischer Kontrolle durchzuführen.
Der automatische, daueruafi implantierte, transvenöse Kar­
dioverter wurde bisher nur in kleiner Anzahl von wenigen
Kliniken implantiert. ZIPES überblickt das größte Kollek­
tiv (9). Er berichtet über 7 Patienten mit einer maximalen
Beobachtungszeit von 6 Monaten, bei 6 Patienten funktio­
niert das System bei automatischer Arbeitsweise einwand­
frei, bei dem 7. mußte es wegen Induktion eines Kammer­
flimmerns inaktiviert werden. Die Indikation zum breiten
klinischen Einsatz sollte daher wegen der fehlenden Mög­
lichkeit der sogenannten up-Defibrillation bei Induktion
eines Kammerflimmerns noch mit äußerster Zurückhaltung
gestellt werden.
Kardiotechnik 8. Jahrgang/Heft 2/1985

4
Referat
Implantierbarer automatischer Kardioverter-Defibril-
lator (AICDr)
Für die Defibrillation eines flimmernden Herzens sind er­
heblich größere Energiemengen erforderlich als für eine
QRS-synchrone Kardioversion von Tachykardien. Wäh­
rend bisher angenommen wurde, daß eine simultane Depo­
larisation aller Herzmuskelfasern erforderlich ist, damit ein
übergeordnetes Schrittmachersystem wieder die elektri­
sche Steuerfunktion übernehmen kann, konnten MOWER,
MIROWSK1 und Mitarbeiter bei Tierversuchen mit intra­
kardialen Defibrillationssonden herausfinden, daß nicht
die komplette Depolarisation aller Herzmuskelfasern erfor­
derlich ist, sondern lediglich die Synchronisation einer so­
genannten „kritischen Muskelmasse“ entweder zu einer er­
folgreichen Defibrillation führen kann oder eine Bahnung
für einen erfolgreichen zweiten Elektroschock bewirkt.
Darüber hinaus ist die Größe und Intensität des elektrischen
Feldes emer Elektrode für eine erfolgreiche Synchronisation
entscheidend (5).
Von dieser Erkenntnis ausgehend wurde ein Defibrilla-
tionssystem entwickelt, bei dem zur Verstärkung des elek­
trischen Feldes und zur besseren Durchsetzung des Myo­
kards im Gegensatz zu den tierexperimentellen Versuchen
unter Verwendung einer intrakardialen Defibrillationsson-
de eine epikardiale Flächenelektrode als Kathode verwandt
wird. Dieses Prinzip findet heute bei dem automatischen
implantierbaren Kardioverter-Defibrillator-System An­
wendung.
Das von der Firma Intec hergestellte System besteht aus ei­
nem 285 g schweren Generator mit den Abmessungen 71
x 112 x 25 mm, 2 myokardialen konventionellen Schritt­
macherelektroden zur bipolaren Abgreifung des Elektro­
kardiogramms sowie einer epikardialen Flächenelektrode
als Kathode und alternativ einer transvenösen (Abb. 1)
oder einer zweiten Flächenelektrode als Anode (Abb. 2).
Die erheblich größeren Ausmaße des Generators ( Abb, 3)
im Vergleich zum implantierbaren Kardioverter werden
erforderlich, da zur Defibrillation trotz Verwendung der
Flächenelektroden eine erheblich höhere Energie als zur
Kardioversion bereitgestellt werden muß. Die zugrundelie­
gende Herzrhythmusstörung (ventrikuläre Tachykardie,
Kammerflimmern) wird über die zwei myokardialen Elek­
troden erkannt. Der Wahrnehmungsmodus beruht einer­
seits auf der Erkennung des QRS-Komplexes, um im Falle
einer Tachykardie eine EKG-gesteuerte Kardioversion aus­
zulösen, andererseits auf der Analyse der sogenannten „pro­
bability density function (PDS)“, einer „Erkennung des
Fehlens“ isoelektrischer EKG-Anteile bei Kammerflim­
mern. In diesem Fall erfolgt eine Defibrillation. Nach einer
Zeit von 5-15 Sekunden zur Erkennung und Diagnostik
der Arrhythmie folgt ein weiteres Intervall von 5-15 Se­
kunden zur Aufladung des Ausgangsgenerators. Es wird an­
schließend ein Schock von 23 – 27 Joule abgegeben. Im Fal­
le einer erfolglosen Defibrillation folgen zwei weitere Kon­
densatorentladungen mit gleicher Energie jeweils im Ab­
stand von 18 Sekunden. Bei persistierendem Kammerflim-
mern wird ein 4. Elektroschock mir einer Energie von 32
Joule abgegeben. Eine erneute Schockabgabe erfordert jetzt
ein 35 Sekunden dauerndes Zeitintervall, in dem ein nor­
males EKG vorliegen muß. Der einzelne Impuls bei der
Kondensatorentladung hat eine Dauer von .3 – 8 ms, abhän­
gig von dem Widerstand zwischen den beiden Elektroden.
Mittels eines externen Analyzers kann neben der Anzahl
der bereits erfolgten Defibrillationen auch die Ladezeit, die
von Aggregat zu Aggregat unterschiedlich ist, abgerufen
werden. Kriterium für eine Batterieerschöpfung ist die
Verlängerung der Ladezeit des Output-Generators ( Abb.
4). Die voraussichtliche Lebensdauer der heute zur Verfü­
gung stehenden automatischen implantierbaren Kardio-
verter-Defibrillatoren (AICD) beträgt 2 – 3 Jahre, die Ka­
pazität reicht für die Freisetzung von ca. 100 Schocks. Das
gesamte System kann durch Auflage eines Magneten akti­
viert bzw. inaktiviert werden.
Die ersten klinischen Implantationen des Defibrillators er­
folgten unter Verwendung einer epikardialen Flächenelek­
trode als Kathode und einer transvenösen als Anode (s.
Abb. 1). Zahlreiche tierexperimentelle und klinische Un­
tersuchungen konnten zwischenzeitlich belegen, daß der
Energiebedarf bei Verwendung zweier Flächenelektroden
deutlich geringer ist (s. Abb. 2) (1, 5,6). Es wird daher heu­
te überwiegend die Patch-Patchtechnik unter Verwendung
zweier Flächenelektroden angewandt.
Implantationstechnik des AICD
Die Implantation dieses voluminösen Systems erfordert ei­
nen erheblich größeren Aufwand als das Einsetzen eines
Kardioverters. Allein das Volumen des Aggregates macht
eine Plazierung des Generators in Vollnarkose in der
Bauchwand, möglichst vor der hinteren Rectusscheide, er­
forderlich. Bei Verwendung lediglich einer epikardialen
Flächenelektrode als Kathode kann diese über einen sub-
xyphoidalen Zugang mit inferiorer Perikardiotomie appli­
ziert werden. Kommen zwei Flächenelektroden zur An­
wendung, muß das Herz entweder über eine linksseitige
Thorakotomie oder über eine mediane Sternotomie freige­
legt werden. Idealerweise sollte die größere, 6×9 cm große
Elektrode über der Hinterwand des linken Ventrikels und
eine kleinere, 4×7 cm große Elektrode auf der Vorder wand
des rechten Ventrikels plaziert werden, so daß die Elektro­
denflächen einander gegenüberliegen. Es kann entweder
eine Fixierung am Herzbeutel oder aber eine Anheftung an
die Ventrikel, ggfs. unter Zuhilfenahme von Fibrin-Kleber
erfolgen. Bei der Implantation ist darauf zu achten, daß die
Elektroden keinen Kontakt mit dem linken Herzohr oder
dem rechten Vorhof haben, da bei einem Defibrillationsim-
puls ein Vorhofflimmern ausgelöst werden kann, wie bei
dem ersten von uns mit diesem System verwandten Patien­
ten (s. unten). Als Sensing-Elektroden werden übliche epi­
kardiale Schrittmacherelektroden verwandt. Die in der er­
sten klinischen Erprobungsphase transvenös applizierten
Schrittmacherelektroden zur Steuerung des Defibrillators
haben sich nicht bewährt. Neben der Erkennung sehr stark
varierender R-Amplituden bei instabilerElektrodenlage
wurden hohe P-Wellen ebenfalls als R-Zacken erkannt und
täuschten so fälschlicherweise Tachykardien vor. Dieses
führte zur Auslösung eines Kardioversionsschocks.
Patienten-Selektion zur Implantation von Kardiover­
ter-Defibrillator-Systemen
Die Implantation eines der beschriebenen, sicherlich noch
nicht völlig ausgereiften, sehr kostenaufwendigen Systeme
Kardiotechnik 8. Jahrgang/Heft 2/1985

Jostra Blutfilter HBF 20 und HBF40.
Moderne Technik ermöglicht optimale Filtrationseigenschaften.
Kaskadenfiltrationsprinzip
erlaubt durch Hintereinanderschalten
von 2 Filtergeweben unterschiedlicher
Porengröße kleine Filteroberflächen.
Dadurch kurze Kontaktzeit Blut-Filter­
gewebe.
Vorfiltration
Die Vorfiltration durch ein großporiges
Gewebe entfernt alle Partikel größer
200 |i. Die Standzeit des Filters wird
verlängert ohne Erhöhung des Druck­
abfalles.
Straff gespannte Filtergewebe
Die gespannten Filtergewebe bieten
keine Luftfallen, dadurch wird einfa­
ches und sicheres Füllen und Entlüften
des Filters ohne »Klopfen« ermöglicht.
Nur zwei Werkstoffe
Polyester für das Gewebe, Polypropy­
len für das Gehäuse, dadurch höchste
Biokompatibilität des ganzen Filters.
Filter wie »aus einem Guß«
Die patentierte Umspritztechnik bietet
absolute Dichtigkeit, auch bei höchsten
Drücken. Berstdruck mit über 5 atü.
Filterspezifikation
Filtertyp
HBF 20
HBF 40
Porengröße
Vorfilter
200 |i
200 u
Endfilter
20 n
40
Filterfläche
190 cm2
190 cm2
Füllvolumen
250 ml
250 ml
§30
o.
<3 20
Filtrationsdruck
Qb = 6000 ml/min.
HBF 40————
HBF 20———–
30
60
90
120
150
180
t(Min.) Zeit
josura*
JOSTRA Medizintechnik GmbH + Co. KG
Ermelesstraße 37
D-7450 Hechingen • BRD
Telefon (0 74 71) 40 41 – Telex 7 67 358 jostr d

6
Referat
sollte zunächst nur bei streng selektionierten Patienten er­
folgen. Die Kriterien für eine Indikation sind sicherlich
noch nicht als endgültig zu bezeichnen. Bei den bisher
durchgeführten Implantationen haben sich folgende Aus­
wahlkriterien herauskristallisiert:
Es müssen eine oder mehrere Episoden lebensbedrohlicher
ventrikulärer Arrhythmien oder Tachykardien registriert
worden sein, die auch durch eine Kombinationstherapie
mit antiarrhythmischen Pharmaka nicht zu behandeln wa­
ren (3, 7). Die Häufigkeit des Auftretens ventrikulärer
Tachykardien sollte idealerweise ein Ereignis pro Woche
nicht überschreiten, da die Kapazität des AICD-Generators
zur Zeit lediglich für ca. 100 Schocks ausreicht. Ebenso soll­
te der Patient keine sich selbst terminierenden Tachykar­
dien aufweisen, die die Erkennungszeit des Systems zur
Diagnostik der Rhythmusstörung (5-15 Sekunden) über­
schreiten, um eine nicht erforderliche Defibrillation zu ver­
meiden. Es ist daher vor der Entscheidung für eine Implan­
tation ein mehrtägiges Monitoring erforderlich. Da der De-
fibrillationsimpuls von ca. 25 Joule subjektiv äußerst unan­
genehm empfunden wird, sollte der Patient intellektuell in
der Lage sein, die Lebensbedrohlichkeit der zugrundelie­
genden Herzrhythmusstörung zu erkennen und Einsicht in
die Erfordernis dieser sehr invasiven Therapie haben. Eine
sorgfältige psychologische Führung dieses Patientenkollek­
tivs ist dringend erforderlich.
Selbstverständlich ist im Rahmen der präoperativen Dia­
gnostik eine coronare Herzkrankheit auszuschließen, die ei­
ner anderen chirurgischen Intervention mit möglicherwlei-
se antiarrhythmischem Effekt (coronarrevaskularisierende
Operation, ventrikelchirurgische Maßnahme oder Endo­
kardektomie) zugängig ist.
Time from Implantation (yrs)
Abbildung 5: Kumulative Überlebensrate bei 52 Patienten nach Im­
plantation eines AICD-Systems aus M. Mirowski: The implantable
cardioverter-defibrillator: an update (Lit. 4) (nähere Erläuterun­
gen s. Text)
Duration of Implant (mo)
Batteries Declining
Abbildung 4: Kriterien der Generatorerschöpfung (end of life-Cha-
rakteristik) aus R. A. Winkle: The Implantable Defibrillator in
Ventricular Arrhythmias (Lit. 8)
Abbildung 6: Intraoperative EKG-Registrierung bei Implantation
eines Kardioverter-Defibrillator-Systems ( Erläuterungen s. Text)
Abbildung 1: Postoperative EKG-Registrierung und Tachykardie-
Induktion nach Implantation eines AIDC's (nähere Erläuterungen
s. Text)
Kardiotechnik 8. Jahrgang/Heft 2/1985

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Inhaber K. u. S. Widensohler
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Postfach 70 12 60 • Telefon 0 40/65 88-0 • Telex 2 11 309 medex d

8
Referat
Abbildung 8: Röntgenthoraxübersichtsaufnahme in 2 Ebenen nach
Implantation zweier epikardialer Defibrillationselektroden
Klinische Erfahrungen und Ergebnisse nach AICD-Im-
plantation
Der erste implantierbare Defibrillator wurde 1980 von Ml-
ROWSKI in den USA implantiert. Das heute zur Verfü­
gung stehende Modell bietet wesentliche Verbesserungen
im Vergleich zu dem Prototyp. Während die ersten Syste­
me ausschließlich eine Defibrillation induzieren konnten
< AID), ist heute über die Differenzierungsmöglichkeit zwi­
schen ventrikulärer Tachykardie und Kammerflimmern
sowohl eine Kardioversion ab auch eine Defibrillation
möglich (A1CD). Die kumulative Uberlebensrate der er­
sten 52 Patienten, die ein solches System der ersten Ent­
wicklungsphase implantiert bekamen, ist aus Abb. 5, die ei­
ner Publikation von M1ROWSKI entnommen ist, ersicht­
lich. Die obere unterbrochene Linie betrifft die Patienten,
die unvorhergesehen, vermutlich an einem plötzlichen
Herztod, verstarben. Die mittlere Linie zeigt die Mortalität
des gesamten Patientengutes, die gepunktete untere Linie
die erwartete Uberlebensrate ohne Implantation eines De­
fibrillators. Bei strenger Selektion führt der AICD zu einer
erheblichen Verbesserung der Prognose. Da das System in
Europa erst seit 1984 verfügbar ist, beschränken sich eigene
Erfahrungen ausgewählter deutscher Kliniken auf wenige
Implantationen und lediglich kurze Nachbeobachtungs-
zeirräume.
In unserer Klinik wurden bisher 3 Implantationen von au­
tomatischen Kardioverter-Defibrillatoren durchgeführt.
Wir verwendeten zwei epikardiale Patchelektroden. Als
Zugang wählten wir eine mediane Sternotomie, um neben
einer sicheren Fixierung eine günstige Zuordnung der Elek­
troden zueinander zu gewährleisten. Die bei der intraope­
rativen Testung erforderliche Energie zur Terminierung ei­
ner Tachykardie lag bei 2 Joule, die zur Defibrillation eines
Kammerflimmerns bei 5 bzw. l