Infektionsrate bei der ambulanten und stationären Schrittmacher­
therapie — Verzicht auf eine generelle Antibiotikaprophylaxe
M. Zegelmann, J. Kreuzer, R. Wagner…………………………………………… 43
Welche Möglichkeiten bietet der multi-programmierbare
Herzschrittmacher heute?
G. Lauterbach………………………………………………………………………………… 46
Reizschwellenwerte ventrikulärer Schrittmacherelektroden
und resultierende Sicherheitsspannen bei Verwendung von
VVI-Schrittmachern
Th. Wählers, L. Jürgens……………………………………………………………………..52
Herzzentrum Nordrhein-Westfalen, nicht universitäre Klinik in NRW
H. Knobl, T. Breymann…………………………………………………………………… 57
Erfahrungen mit einem computerisierten System zur Aufzeichnung
wichtiger Parameter während des kardiopulmonalen Bypass
R. Tillemanns, D. de Jong, A. von Dalen, J. Oomen, E. Bos…………. 59
Unsere Erfahrungen mit dem Eschweiler D
N. Sauerland…………………………………………………………………………………… 62
Diagnostik und Therapie der Pericardtamponade
B. Herse……………………………………………………………………………………………..68
Medizingeräteverordnung soll helfen medizinisch-technische Geräte
und deren Anwendung sicherer zu machen
R. Theobald…………………………………………………………………………………….. 73

4
Referat
Aus der Klinik für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main
(Leiter: Professor Dr. med. P. Satter)
Ferdinand Sauerbruch — Leben und Werk —
Eine Übersicht in zwei Folgen
R. Wagner
Summary
On July 3rd, 1985, we remembered the 110th birthday of Ferdinand Sauerbruch.
In this series we would like to honour a surgeon who’s lifework which gave a lot of important impulses not even for surgery but also
for general medicine has not been appreciated sufficiently because of the consequence of World War II but also because of the manifestations
of old age he showed since 1948.
Am 3. Juli 1985 erinnerten wir uns anläßlich seines 110. Ge­
burtstages an Ferdinand Sauerbruch.
In zwei Folgen soll des Mannes gedacht werden, dessen Lebens­
leistung bedingt durch Kriegswirren, bewegte Nachkriegsaera
und Aufbauzeit aber auch wegen seiner Alterskrankheit viel­
fach nicht die gebührende Aufmerksamkeit und Würdigung
erfährt und der doch so viel zur Bereicherung nicht nur unse­
res Faches, der Chirurgie, sondern der gesamten Medizin beige­
tragen hat.
Ferdinand Sauerbruch wurde am 3. Juli 1875 als Sohn des tech­
nischen Leiters einer Tuchfabrik in Barmen im Rheinland ge­
boren. Als sein Vater, der sein gesamtes Kapital in die
Entwicklung eines neuen Webstuhles investiert hatte, unver­
hofft im Jahre 1877 starb, ließ er seine Frau und den zweijähri­
gen Ferdinand völlig mittellos zurück. In dieser schweren Zeit
nahm sich nun der Vater der Mutter, Großvater Hammer-
schmidt, der beiden an, und Ferdinand zog mit seiner Mutter
in das Haus des Großvaters nach Elberfeld. In dessen Haushalt
lebte auch die Schwester der Mutter, Tante Mathilde. Trotz sei­
nes hohen Alters mußte der Großvater seine schon lange ge­
schlossene Schuhmacherei wieder eröffnen, um die Ernährung
der Familie sicherstellen zu können. Während Mutter und
Tante im Laden die Kundschaft bediente, half der kleine Ferdi­
nand seinem über alles geliebten Großvater in der Werkstatt.
Im Alter von sechs Jahren wurde Ferdinand in die Volksschule
Elberfeld eingeschult, und 1885 wechselte er auf das dortige Re­
algymnasium über. Er war zunächst ein sehr guter Schüler, der
die schulischen Anforderungen spielend bewältigte und dessen
Lieblingsbeschäftigung das Lesen war. Zu dieser Zeit erlernte
er das Violinspiel und wenig später, weil er bedeutend mehr
Spaß daran fand, das Spiel der Trompete.
Sauerbruch verlebte eine rundum glückliche, ungetrübte Ju­
gendzeit, in welche der plötzliche Tod des geliebten Großvaters
wie ein schwarzer Schatten fiel. Der Tod dieses Mannes ließ
den Jungen schier verzweifeln, und er benötigte eine lange
Zeit, um den schweren Verlust zu verwinden. Seine schuli­
schen Leistungen wurden plötzlich so schlecht, daß er nicht
versetzt werden konnte und seine Zukunft im Erlernen eines
Handwerks sah. In dieser Lebensphase konnte ihn jedoch seine
Mutter, die ihm unter großen Opfern den kostenpflichtigen
Besuch des Gymnasiums ermöglichte, in langen Gesprächen
zum weiteren Schulbesuch bewegen, der jetzt allerdings zur
rühmlosen und mühseligen Wanderung wurde. Im Jahre 1895
legte Sauerbruch dennoch die Reifeprüfung ab. Sein Zeugnis at­
testierte ihm allerdings nur äußerst dürftige Leistungen:
Deutsch, Lateinisch, Französisch, Englisch und Arithmetik
mangelhaft, Zeichnen, Singen und Turnen genügend.
Ohne klar umrissene Vorstellungen bezüglich seines weiteren
Werdeganges nahm Sauerbruch 1895 in Marburg an der Lahn
das Studium der Naturwissenschaften auf und studierte etwa
ein Jahr lang, in der Vorstellung Lehrer zu werden, ohne große
Begeisterung. Die Freundschaft mit einem Mediziner jedoch
Abbildung 1: Sauerbruchs Lehrer und Förderer
Wilhelm His (1831-1902)
Kardiotechnik 9. Jahrgang/Heft 1/1986

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6
Referat
weckte schließlich sein Interesse für dieses Fach, so daß er sich
entschloß, sich dem Studium der Heilkunde zu widmen. Zur
damaligen Zeit war ein Zeugnis, wie es Sauerbruch vorweisen
konnte, durchaus hierfür ausreichend.
Dank fleißiger Arbeit, die aus dem in dem jungen Studenten
geweckten Interesse erwuchs, stellte das Physikum kein Pro­
blem dar. Nach kurzer Studienzeit in Marburg wechselte Sau­
erbruch schließlich nach Leipzig, wo der Anatom Wilhelm
His (1831-1902) großen Einfluß auf ihn ausübte.
His war Schüler von Johannes von Müller (1801-1858) und Ru­
dolf Virchow (1821-1902) und las vornehmlich Histologie und
Entwicklungsgeschichte. Besonderer Eifer und außergewöhnli­
ches Interesse des Studenten blieben ihm nicht verborgen. Er
stellte daher dem mittellosen Studiosus ein Zimmer bei freier
Verpflegung in der Klinik zur Verfügung, was ihm dieser, den
nun keine materiellen Sorgen mehr plagten, mit besonderem
Eifer und noch intensiveren Studien dankte.
Neben His hörte Sauerbruch in seiner Leipziger Zeit ganz be­
sonders gerne Wilhelm Wundt (1832-1920), den Mitbegründer
der experimentellen Psychologie.
In jener Zeit erlitt der junge Sauerbruch einen weiteren Schick­
salsschlag: sein Freund Ritter, mit dem er innig verbunden war,
verstarb an den Folgen einer akuten Appendicitis. Von nun an
nahm sich Ritters Vater Sauerbruchs Entwicklung mit großer
Fürsorge an und unterstützte den Studenten auch materiell.
Ein kurzer, von His vermittelter Studienaufenthalt führte Sau­
erbruch nach Jena. Schon bald kehrte er jedoch nach Leipzig
zurück und legte dort am 26. Februar 1901 sein medizinisches
Staatsexamen ab. Noch im gleichen Jahr erfolgte die Promo­
tion zum Dr. med., nachdem er seine Dissertation mit dem Ti­
tel „Ein Beitrag zum Stoffwechsel des Kalks und der
Phosphorsäure bei infantiler Osteomalacie“ abgeschlossen
hatte.
Eine wissenschaftliche Tätigkeit erschien dem jungen Arzt
ausgeschlossen, da man in jener Zeit an den großen Kliniken
ein etwa zwei Jahre währendes Volontariat abzuleisten hatte
und eine ausreichende Unterstützung durch Mutter und Tante
völlig unmöglich war. Sauerbruch entschloß sich daher, als
praktischer Arzt zu arbeiten und nahm eine kurze Landarzttä­
tigkeit in Thüringen unweit Erfurt auf. Da ihn diese Tätigkeit
jedoch nicht recht ausfüllte, bewarb er sich schon bald am Hes­
sischen Diakonissenhaus in Kassel, dem als Chefarzt Dr. Rock­
witz vorstand. Am 1. April 1901 trat er hier seine erste
Assistentenstelle an. Wegen interner Schwierigkeiten mit der
Leitenden Schwester des Hauses mußte sich Sauerbruch aller­
dings schon bald unterstützt von seinem Chef, anderweitig
umsehen. Glücklicherweise gelang es ihm für den 1. Oktober
des Jahres eine Anstellung als chirurgischer Assistent am Städ­
tischen Krankenhaus Erfurt unter Sanitätsrat Dr. Bock zu er­
halten.
An Bocks Klinik hatte Sauerbruch nun reichlich Gelegenheit
selbständig zu operieren und Erfahrungen zu sammeln. Er er­
hielt hier zudem noch vielfältige Anregungen zu experimentel­
len und wissenschaftlichen Arbeiten, wobei er seine ganz
außergewöhnliche Begabung zeigte.
1902 erschien seine erste wissenschaftliche Arbeit mit dem Ti­
tel „Klinische Beiträge zur Diagnose der eitrigen Perityphlitis“
in den Correspondenzblättern des allgemeinen ärztlichen Ver-
Ein Beitrag
zum
Stoffwechsel des Kalks und der Phosphorsäure
bei
infantile