Kaltsterilisation aus der Sicht des Praktikers in der Kardiotechnik
A. Reidiger………………………………………………………………………………………………………. 40
Kardiotechnik
Fachzeitschrift für medizinische und technische Berufe
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Referat
Aus dem Zentrum der Anaesthesiologie und Wiederbelebung (Geschäftsführender Direktor: Prof. Dr. med. R. Dudziak) der
Johann-Wolfgang-Goethe-Universität Frankfurt a. M.
Einflußfaktoren auf den Sauerstoffverbrauch des
Gesamtorganismus während der extrakorporalen Zirkulation
J. Schreiner-Hecheltjen
Summary
Parallel to the protection against hypoxemic damage of the myocardium during hypothermic extracorporal circulation question about the
sufficient oxygen supply of the whole organism is important just as much. The sufficient oxygen supply of the whole body during extra­
corporal circulation presumes in addition to the sufficient offer of oxygen knowledge ofdifferent factors which influence oxygen consumption
of the whole body – 134 patients were studied referring to the influences of the arterial partial pressure of CO,, of the arterial value of
pH, of the total peripheral resistance and of the endogenous catecholamines on the oxygen consumption of the whole organism. The oxygen
consumption of the whole body during hypothermic extracorporal circulation increased significantly during respiratory or metabolic al-
calosis, during a decrease of the total peripheral resistance and during a decrease of the endogenous catecholamines epinephrine and no­
repinephrine. Increased hypothermic sympatho-adrenal activity during extracorporal circulation shouldn’t in any case sause in increase of
oxygen consumption of the whole body.
Parallel zu der fortschreitenden Verbesserung der Myo­
kardprotektion gegenüber hypoxischen Schäden ist die Fra­
ge hinsichtlich des Sauerstoffverbrauches und der Sauer­
stoffversorgung des Gesamtorganismus während des extra­
korporalen Kreislaufes gleichwertig aktuell. Die funktio­
nelle Integrität jeder Körperzelle hängt ab von einem aus­
reichenden Sauerstofftransport über ein intaktes Kreis­
laufsystem zu jeder Zelle des Organismus. Da die Gewebe
keine nennenswerte Speichermöglichkeit für Sauerstoff ha­
ben, muß durch eine ausreichende Kreislauffunktion und
Gewebsperfusion die dem jeweiligen Sauerstoffbedarf ent­
sprechende Sauerstoffzufuhr kontinuierlich gewährleistet
werden. Dieses Primärziel einer intakten Kreislauffunktion
unterliegt einer Reihe verschiedener Regulationsprinzi­
pien.
Der extrakorporale Kreislauf verursacht im menschlichen
Organismus tiefgreifende Veränderungen der Haemodyna-
mik, des Säure-Basen-Status der Sauerstofftransporteigen­
schaften des Blutes, der Katecholaminfreisetzung sowie der
intrazellulären Energiestoffwechselvorgänge. Die totale ex­
trakorporale hypotherme Zirkulation stellt eine außeror­
dentliche artifizielle Kreislaufsituation dar, deren Regula­
tionsprinzipien nur teilweise physiologischen oder patholo­
gischen Kreislaufverhältnissen entsprechen.
Die Herstellung und Unterhaltung einer ausreichenden
Sauerstoffbilanz des Gesamtorganismus während der extra­
korporalen Zirkulation beinhaltet die Frage nach dem „op­
timalen“ Sauerstoffbedarf des Gesamtorganismus während
der extrakorporalen Zirkulation entspricht nicht einer Ma­
ximalsenkung des Sauerstoffverbrauches bis zu dem „ho-
stoplegischen“ Minimalbedarf nach Laborit, H., sondern
die optimale Senkung des Gesamtsauerstoffverbrauches
während der hypothermen extrakorporalen Zirkulation
beinhaltet die Reversibilität einer Abnahme der zellulären
Stoffwechselvorgänge. Größenordnungsmäßig wurden –
u. a. auch im Rahmen eigener Untersuchungen – während
der hypothermen extrakorporalen Zirkulation im Mittel
Werte für den Sauerstoffverbrauch des Gesamtorganis-
mus/min./m2 Oberfläche unterhalb des von Boothby, W.
N. in Anlehnung an die Mayo Foundations Standards difi-
nierten Sauerstoffverbrauches bei Grundumsatzbedingun­
gen von 123,79 ml/min./m2 für einen normalgewichtigen
männlichen Erwachsenen gemessen. (1)
Einerseits ist die Sauerstoffzufuhr während der hypother­
men extrakorporalen Zirkulation durch verschiedene Fak­
toren quantitativ limitiert. Andererseits hängt der Gesamt­
sauerstoffverbrauch des Organismus während des extrakor­
poralen Kreislaufes von multiplen verschiedenartigen Fak­
toren ab; sie können den Sauerstoffverbrauch steigernd
oder senkend beeinflussen.
Einige dieser Faktoren – wie die arterielle Kohlensäurespan­
nung, den von dem arteriellen Kohlensäurepartialdruck
trennbaren pH – Einfluß, den totalen peripheren Widerstand
und den Einfluß endogener Katecholamine möchte ich an
Hand eigener Untersuchungsergebnisse diskutieren. Ähnli­
che Untersuchungen über den Zusammenhang zwischen
der arteriellen Kohlensäurespannung und dem Gesamtsau­
erstoffverbrauch während des extrakorporalen Kreislaufes
sind von Gattiker, R. und Kreihenbühl, G. bereits 1976
veröffentlicht worden. (6)
Methodik:
Untersucht wurden insgesamt 134 Patienten mit einer ko­
ronaren Herzerkrankung oder einem rheumatischen Herz­
klappenfehler. Das methodische Vorgehen der Untersu­
chungen skizziert das Folgende:
Der Sauerstoffverbrauch wurde ausschließlich während des
totalen Bypasses der extrakorporalen Zirkulation bei ge­
schlossenen Hohlvenen und abgeklemmter Aorta gemes­
sen. Exogen veränderte Parameter waren der arterielle Par­
tialdruck für die Kohlensäure und die Temperatur des Pa­
tienten. Der arterielle Kohlensäurepartialdruck wurde
durch Veränderungen des inspiratorischen Kohlensäure-
Flows zwischen 0 und maximal 1,0 Liter, im Mittel 0,8
1/min. für die Ventilation des Oxygenators verändert. Die
Flowwerte für die inspiratorische Sauerstoffkonzentration
bei der Herz-Lungen-Maschine lagen dabei zwischen 3,0
und 6,0 1/min. Als Bezugstemperatur wurde die Oesopha-
gustemperatur des Patienten genommen. Die Oesophagus-
temperaturen während der Untersuchungsperiode lagen
Kardiotechnik 6. Jahrgang/Heft 1/Mai 1983

Referat
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zwischen 33°C und 22°C. Der dritte Parameter, welcher
die einzelne Beobachtungssituation charakterisierte, war
das Kreislaufminutenvolumen, vorgegeben durch die Um­
drehungszahl der arteriellen Pumpe der Herz-Lungen-Ma­
schine. Primär wurde angestrebt, die Förderleistung der
Maschine und damit das Kreislaufminutenvolumen für
den Patienten während der gesamten Untersuchungsperio­
de konstant zu halten. Dies war bei 75 Patienten möglich,
bei den übrigen 59 Patienten mußte zur Aufrechterhaltung
optimaler haemodynamischer Bedingungen das Kreislauf­
minutenvolumen erhöht oder reduziert werden.
Zur Messung des Sauerstoffgehaltes, der Blutgasanalysen
und der Katecholamine wurde simultan venöses und arte­
rielles Blut entnommen, das venöse aus dem Y-Stück des
Zusammenflusses der oberen und unteren Hohlvenenka­
nüle, das arterielle Blut aus der Aortenkanüle 20 cm von
der Aortenklemme entfernt. Der integrierte Sauerstoffver-
brauch/m2/min. wurde nach Fick aus dem Kreislaufminu­
tenvolumen, d. h. der Förderleistung der Herz-Lungen-Ma­
schine, und aus der arteriovenösen Sauerstoffgehaltsdiffe­
renz berechnet.
Der Sauerstoffgehalt des Blutes bei der aktuellen Oesopha-
gustemperatur wurde mit dem LEX-O,-Con-Gerät der Fir­
ma B. G. Schlag, Bergisch Gladbach (4), gemessen. Da der
Sauerstoffgehalt im Blut als Vol %gemessen wurde, erfolg­
te die temperaturkorrigierte Umrechnung der gemessenen
Gasvolumina bezogen auf einen Barometerstand von 760
Torr im trockenen Zustand. Alle aktuell gemessenen arte­
riovenösen Sauerstoffgehaltsdifferenzen wurden auf eine
Bezugstemperatur von 33°C umgerechnet. Die berechne­
ten Sauerstoffgehaltswerte für 33°C wurden mit den ent­
sprechenden Korrekturfaktoren auf Vergleichstemperatu­
ren von 17°C – 37°C transformiert. Die Korrekturfaktoren
für die Umrechnung von Gasvolumina wurden den Tabel­
len der Dokumenta Geigy entnommen.
Um den Sauerstoffverbrauch in Abhängigkeit des arteriel­
len CO,-Partialdruckes bei gleichen Temperaturbedingun­
gen prüfen zu können, wurden die aktuell bei verschiede­
nen Temperaturen gemessenen CO,-Werte unter Verwen­
dung des Rosenthal-Faktors zunächst auf die gemeinsame
Bezugstemperatur von 33°C, anschließend unter Verwen­
dung der temperaturspezifischen Korrekturfaktoren für
17°C – 37°C umgerechnet nach der Formel:
pCO2 = + 0,185 X (X = Oesophagustemperatur)
Die Bestimmung der Katecholamine im Blut wurde nach
der enzymatischen Methode von Passon, P. G. und Peuler,
J. D., die von der Arbeitsgruppe von Palm, D. und Appel,
E. modifiziert wurde, am Pharmakologischen Institut der
Universität Frankfurt, vorgenommen. (7)
Der Totale periphere Widerstand während der Bypasspha­
se wurde aus dem Quotienten des gemessenen Perfusions­
mitteldruckes und dem Zeitvolumen der Herz-Lungen-
Maschine mit Hilfe einer modifizierten Formel von Hagen-
Poiseuille, J. L. M. berechnet:
R = p(mmHg) x80
F (1/min.)
Die verschiedenen Faktoren, welche den Sauerstoffver­
brauch des Gesamtorganismus während der extrakorpora­
len Zirkulation entscheidend beeinflussen – d. h. die arte­
rielle Kohlensäurespannung, der arterielle pH-Wert, der
totale periphere Widerstand und die endogenen Katecho­
lamine, Adrenalin und Nor-Adrenalin, wurden sowohl als
Einzelparameter als auch in der Kombination ihrer Wir­
kung auf den Sauerstoffverbrauch untersucht.
Ergebnisse:
Die Arterielle Kohlensäurespannung beeinflußt den tota­
len Sauerstoffverbrauch im Sinne einer Zunahme während
Hypokapnie. Dieser Einfluß der Kohlensäurespannung auf
den Sauerstoffverbrauch ist zwar temperaturunabhängig,
ist aber einem gleichzeitigen Temperatureinfluß auf den
Sauerstoffverbrauch untergeordnet; d. h. je höher die Tem­
peratur war, desto weniger stark nahm der Gesamtsauer­
stoffverbrauch mit