Linksventrikuläre Kreislaufunterstützung bei einem 7 Tage alten Neugeborenen
unter Einsatz einer Zentrifugalpumpe
B. U. Lazar, B. Palzer, G. Fitz, J. Lehmann, F. X. Schmid, D. Schranz, H. Oelert…………………………… 14
Bestimmung des Herzminutenvolumens durch computergestützte Auswertung
noninvasiv gewonnener arterieller Pulskurven
M. Rödenbeck, K. Dähnert, S. Vogt, D. Troitzsch………………………………………………………………………….. 19
Neuartige Verfahren zur Verbesserung der Blutverträglichkeit
von Schlauchmaterialien
W. Lemm, W. Kühlein ……………………………………………………………………………………………………………….. 24
Neues aus der Industrie ……………………………………………………………………………………………… 30
Das Klinikportrait
Kerckhoff-Klinik GmbH, Bad Nauheim…………………………………………………………….. 33
Das Portrait
COBE Laboratories GmbH……………………………………………………………………………….. 36
Mitteilungen der DGfK………………………………………………………………………………………………. 38
Kongreßnotizen…………………………………………………………………………………………………………… 41
Kongresse, Veranstaltungen…………………………………………………………………………………………. 42
Heft 3/93
Heft 1/94
Erscheinungstermin
15.10.1993
Erscheinungstermin
22. 2.1994
Einsendeschluß für
Einsendeschluß für
• redaktionelle Beiträge
6. 8.1993
• redaktionelle Beiträge
15.12.1993
• Anzeigenaufträge
17. 9.1993
• Anzeigenaufträge
11. 1.1994
Leitthema:
Leitthema: Langzeitperfusion/
Tachycarde Rhythmusstörungen
extrakorporaler Lungenersatz
Ein Beitrag für unsere Umwelt: Die KARDIOTECHNIK wird auf chlorfrei gebleichtem Papier gedruckt
3

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Editorial
Äa^OL /ZW;
Datenverarbeitung in der Kardiotechnik –
das Leitthema der vorliegenden Ausgabe
der Kardiotechnik ist aktuell, umfassend
und gibt Anlaß zu kritischen Gedanken.
Die Datenaufnahme, aber auch die Verar­
beitung der aufgenommenen Daten ist
schon immer selbstverständlicher Be­
standteil der Tätigkeit des Kardiotechni-
kers gewesen. Die Methode und Effizienz
der Datenverarbeitung (DV) haben sich
hingegen grundlegend geändert oder un­
terliegen in vielen Kliniken einem Wan­
del. Das bewährte und sicherlich am wei­
testen verbreitete handschriftliche Proto­
koll, welches während der OP geführt
wird, war lange Zeit die Datenbasis für
spätere Auswertungen. Die Verarbeitung
der Daten stellte sich, in Abhängigkeit
von der Fragestellung, dann als beson­
ders mühsam heraus, wenn sie manuell,
z.B. durch Auszählen oder Aufsummie­
ren, durchgeführt werden mußte.
Die Einführung von Computern im Be­
reich Kardiotechnik scheint genauso un­
aufhaltsam voranzuschreiten, wie in allen
anderen Bereichen des Lebens. Aller­
dings ist schon jetzt absehbar, daß sich,
obwohl wir erst am Anfang der Compute­
risierung unseres Bereiches stehen, kein
für alle Kliniken gültiger Standard finden
läßt. Klinikspezifische Anforderungen, fi­
nanzielle Rahmenbedingungen, aber
auch gebäudetechnische Aspekte führen
zu verschiedenen Ausbaustufen in den
einzelnen Herzchirurgien. Die Variations­
möglichkeiten beim Aufbau eines DV-Sy­
stems sind mannigfaltig, die Schwerpunk­
te liegen in jeder Klinik anders: Compu­
ternetzwerk oder Einzelplatzlösung, On­
line- oder Off-line-Datenerfassung, indu­
strielle oder selbst entwickelte Software.
Alle denkbaren Kombinationen finden
sich in der Praxis. Industrielle, professio­
nelle Produkte, die spezifisch auf den Be­
reich Kardiotechnik abgestimmt sind, exi­
stieren nur wenige, und alle sind, wenn
auch in unterschiedlichem Maße, an den
jeweiligen Herz-Lungen-Maschinen-Typ
gebunden.
In verschiedenen Abteilungen wurden
eigene Softwarelösungen entwickelt, die
sicherlich ihre Berechtigung haben, zu­
mal sie den spezifischen Anforderungen
am nächsten kommen. Andererseits sind
Kardiotechniker in der Regel keine DV-
Spezialisten, die in der professionellen
Programmentwicklung trainiert sind. Das
Machbare bei der Verarbeitung von Pa­
tientendaten wird bei näherer Betrach­
tung durch juristische Vorgaben (Daten­
schutz) und technische Reglementierun­
gen (MedGV) deutlich eingeschränkt.
Die Industrie ist gefordert, in engster Zu­
sammenarbeit mit dem Kardiotechniker
finanzierbare Lösungen zu entwickeln.
Diese wenigen Beispiele zeigen deutlich
die Inkohärenz im Zusammenspiel Kar-
diotechnik/Datenverarbeitung. Die Be­
dienung von Computern im OP während
der Durchführung der Perfusion bedeutet
die zusätzliche Bedienung eines Gerätes,
welches primär nichts mit der eigentli­
chen Aufgabe, nämlich der Steuerung der
Extrakorporalen Zirkulation, zu tun hat.
Mittelpunkt ist und bleibt der Patient und
dessen bestmögliche Versorgung. Nur in
diesem Sinne wird sich in der Zukunft das
Tätigkeitsgebiet des Kardiotechnikers mit
der Datenverarbeitung als festem Be­
standteil weiterentwickeln.
Dipl.-Ing. Dirk Buchwald
Ltd. Kardiotechniker
Bochum
KARDIOTECHNIK 2/93
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05
E
H. Bock‘, D. Buchwald2, H. Schillings3,
T Kober4
‘ Abt. Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie,
Georg-August-Universität Göttingen
2 Klinik für Herz- und Thoraxchirurgie,
Universitätsklinik Bergmannsheil, Bochum
3 Abt. Medizinische Informatik,
Georg-August- Universität Göttingen
4 Abt. SARNS/CDI, 3M Medica GmbH, Borken
Praxisbezogene
Datenverarbeitung in der
Kardiotechnik-
Anforderung und Realisierung
Zusammenfassung
Der vorliegende Artikel zeigt die theoreti­
sche und praktische Verwirklichung eines
Datenverarbeitungssystems in der Kar­
diotechnik. Die Anforderungen seitens
des Kardiotechnikers, die historische Ent­
wicklung und Verwirklichung der Hard­
ware sowie die konzeptionelle Grundlage
für die Software eines Clinical Informa­
tion Systems (CIS) werden dargestellt.
Die Umsetzung aller Anforderungen
wird an einem Beispiel aus der Praxis er­
läutert.
Schlüsselwörter
Klinisches Informationssystem (CIS),
Computer-Netzwerk, GISI/OP, Doku­
mentation, Perfusionsaufzeichnungen.
Summary
This article describes the theoretical and
practical realization of a computer docu­
mentation system for the use d uring CPB.
The required profile of perfusionists, the
historical development and realization of
the hardware as well as the conceptional
fundamentals for the software of a Clini­
cal Information System (CIS) will be re­
presented. The conversion in all demands
will be shown in a practical example.
Keywords
Clinical Information System (CIS), Com­
puter-Network, GISI/OP, Documenta­
tion, Perfusion records.
Grundlagen
Die Entwicklungen der Medizin auf dem
Gebiet der Herzchirurgie und Anästhesie
ermöglichten, langdauernde und aggressi­
ve operative Eingriffe im Thorax vorzu­
nehmen. Mit der Herz-Lungen-Maschine
erweiterten sich die Möglichkeiten der
chirurgischen Interventionen in der offe­
nen Herzchirurgie und machten damit
die Kardio- und Perfusionstechnik zu ei­
nem neuen Fachgebiet mit einer immer
umfangreicheren und leistungsfähigeren
technischen Ausstattung. Neben der an­
fangs alleinigen Aufgabenstellung der
Durchführung der extrakorporalen Zirku­
lation bei herzchirurgischen Eingriffen
ergaben sich mit der Zeit zwangsläufig
neue Tätigkeiten in den prä- und postope­
rativen Bereichen, wie z. B. Einsätze mit
der IABP, Rechts-/Linksherz-Unterstüt-
zungsperfusionen, Kunstherzen usw.
Die ersten Herz-Lungen-Maschinen wa­
ren einfache elektromechanische Geräte
mit ölhydraulischen oder Zahnradgetrie­
ben. Das Flußvolumen der arteriellen
Pumpe wurde aus Tabellen abgelesen.
Mit mechanischen Meßeinrichtungen
wurden der Perfusionsdruck und die Gas­
dosierung gemessen.
Die Wandlungen in der Medizintechnik
mit den fortschreitenden Innovationen
auf dem Gebiet der Digitaltechnik und
Mikroelektronik bieten heute neue Mög­
lichkeiten in der Konstruktion und Her­
stellung von Herz-Lungen-Maschinen
und Geräten des perfusionstechnischen
Umfeldes. Der Einsatz programmge­
steuerter Mikroelektronik ermöglicht
die Realisierung komplexer, genau auf
die jeweilige Aufgabe zugeschnittener
Steuer- und Regelfunktionen.
Für die Überwachung und Protokollie­
rung der immer umfangreicher werden­
den Datenfluten reicht ein handgeschrie­
benes Protokoll nicht mehr aus. Die Mög­
lichkeit, durch den Einsatz von Mikro­
computern eine vollständige und repro­
duzierbare Dokumentation des Perfusi­
onsgeschehens zu erhalten, bietet sich an.
Es ist sicherlich sinnvoll, das Verfahren
als Bestandteil eines EDV-Gesamtkon-
zeptes in der prä-, intra- und postoperati­
ven Phase zu betreiben.
Um eine Nutzung derartiger Gesamtkon­
zepte durch den Anwender sicherzustel­
len, sollen Computerprogramme in Ko­
operation von entsprechend qualifizier­
ten Informatikern, Ingenieuren für die
Entwicklung und Anpassung der Geräte­
konfigurationen und dem mit medizini­
schen und perfusionstechnischen Abläu­
fen vertrauten Kardiotechniker entwik-
kelt werden. Nur eine gute Zusammenar­
beit kann eine für alle zufriedenstellende
Lösung anbieten und verhindern, tech­
nisch Machbares an der Benutzerrealität
vorbei zu entwickeln.
Für ein Gesamtkonzept ist ein System zu
entwerfen, das von der Patienteneinbe­
stellung bis zur Entlassung des Patienten
reicht. Im einzelnen sollten folgende
Funktionen erfüllt werden:
– Patienteneinbestellung
– Operationsplanung
– Datenerfassung während der
Operation
– Bereitstellung von Daten für den
OP-Bericht
– Datenerfassung in der Intensivpflege
– Daten für den Verlegungsbericht
von der IP
– Bereitstellung von Daten für den
Arztbrief
– Bereitstellung von Daten für
statistische Zwecke
– Bereitstellung von Daten für wissen­
schaftliche Fragestellungen
Ein solches Gesamtkonzept setzt voraus,
daß eine Vernetzung aller Bereiche einer
Klinik, von der Patientenadministration
bis zurNormalpflegestation, vorhanden ist.
Uns interessiert hier in erster Linie der
Arbeitsplatz des Kardiotechnikers im
Operationssaal. Auch bei einer Einbin­
dung in einem Gesamtkonzept sollte
dieser Arbeitsplatz auf den Funktions­
bereich zugeschnitten sein.
Für eine vollständige Dokumentation des
Operationsablaufes sollten folgende Da­
ten zur Verfügung stehen:
1. Patientendaten:
– Stammdaten
– Patientennummer
– präoperative Diagnose
– Risikofaktoren
– vorgesehene Operation
– präoperative Laborwerte
2. Herz-Lungen-Maschine-Daten:
– Ausstattung der Herz-Lungen-
Maschine
– Spezifikation des verwendeten
Oxygenators
KARDIOTECHNIK 2/93
7

– Spezifikation der verwendeten Filter
– arterielle und venöse Kanülen
– Primärfüllung des HLM-Systems
– Operationsteam
Zur automatischen Datenaufnahme ist
die Taktfrequenz der verschiedenen Si­
gnalquellen zu klären. Für die überwie­
gende Anzahl der Parameter reicht sicher­
lich ein 30- oder 60-Sekunden-Intervall
aus. Kontinuierlich zu erfassen sind:
1. vom Patientenmonitor:
– Herzfrequenz
– arterieller Druck
– zentralvenöser Druck
– Temperaturen (ösophageal, rektal)
2. von der Herz-Lungen-Maschine:
– Perfusionsvolumen
– Perfusionsdruck
– Druck vor dem arteriellen Filter
– Druck vor dem Membranoxygenator
– Bluttemperaturen (arteriell, venös)
– Oj-Flow
– Fi-O2
– CO2-Flow
3. von Peripheriegeräten:
– O2-Sättigung
– Blutgaswerte
– Urinausscheidung
– Wassertemperatur vom
Hypo-/Hyperthermiegerät
Die Datenübernahme erfolgt über digita­
le oder analoge Schnittstellen. Bei älteren
Geräten ist eine Anpassung erforderlich.
Neue Geräte verfügen in der Regel über
externe V24-Schnittstellen. Aus den ge­
wonnenen Primärdaten sollen weitere Pa­
rameter berechnet werden, die für die
Steuerung der Perfusion von Nutzen sind
(z. B. Gefäßwiderstand, Differenzdrücke,
O2-Transferraten des Oxygenators).
Die Dokumentation häufig wiederkeh­
render Ereignisse ist sinnvollerweise über
fest zugeordnete Funktionstasten zu rea­
lisieren (wie z. B. part. Bypass, tot. Bypass,
Aorta auf/zu, Blutentnahmen usw.).
Ebenso ist es erforderlich, über ein Klar­
textfeld Eingaben vornehmen zu können.
Die Software
In der Fachliteratur werden Softwaresy­
steme mit primär klinischer Ausrichtung
als CIS (Clinical Information System)
oder PDMS (Patient Data Management
System) bezeichnet. In der Regel sind sol­
che Informationssysteme in den Daten­
verbund des Krankenhausinformations­
systems (KIS) eingebunden. Unabhängig
vom Einsatzgebiet ist allen CIS gemein­
sam, daß klinische Anwender verschiede­
ner Anwendergruppen direkt mit dem Sy­
stem kommunizieren. Der Akzeptanz
kommt in einem CIS also ein hoher Stel­
lenwert zu.
Ein Softwaresystem zum Einsatz im OP
ist ein klassisches Beispiel für ein CIS; es
muß den unterschiedlichen Anforde­
rungsprofilen des im OP arbeitenden
Teams aus Chirurgen, Anästhesisten, Kar-
diotechnikern und Pflegepersonal sowie
der Verwaltung genügen. Nur ein umfas­
sendes integriertes OP-Informationssy-
stem kann allen Aspekten gerecht wer­
den. Im Rahmen dieser Arbeit wollen wir
uns auf diejenigen Komponenten eines
solchen Informationssystems beschrän­
ken, die die Arbeit des Kardiotechnikers
direkt oder indirekt unterstützen.
Anforderungen an die Software
Ein CIS sollte als praxisbezogenes, offe­
nes System konzipiert sein. Die Software
sollte soweit wie möglich auf Standards
basieren [1] und sollte folgenden Ge­
sichtspunkten genügen:
(a) Unterstützung routinemäßiger Ar­
beitsabläufe ohne Mehrbelastung. Um
die Akzeptanz zu erreichen, die benötigt
wird, um die Vollständigkeit und Validität
der Daten sicherzustellen, muß die Sum­
me der Leistungen eines CIS die system­
immanenten Nachteile für alle beteilig­
ten Nutzergruppen mehr als kompensie­
ren [2],
(b) Intuitive Nutzeroberfläche. Die Be­
dienung des Systems muß allgemeinen
Bedienungsstandards genügen.
(c) Anpassung an die Dynamik des medi­
zinischen und organisatorischen Um­
felds. Bedingt durch die Dynamik in der
Kardiochirurgie und der sich verändern­
den Anforderungsprofile ist ein CIS stets
ein dynamisches System. Die Software
muß dieser Dynamik Rechnung tragen.
(d) Reproduzierbarkeit der Ergebnisse.
Es muß nachvollziehbar sein, wer wann
welche Daten in das System eingegeben
hat.
(e) Datenschutz und Datensicherheit.
Hier steht vor allem die Gewährleistung
der Verfügbarkeit der Anwendungen und
der damit erzeugten Daten im Vorder­
grund. Darüber hinaus muß sicherge­
stellt werden, daß jeder Anwender nur
diejenigen Daten bearbeiten kann, zu
deren Verwendung