Membranbeschaffenheit und Gasdurchlässigkeit bei Membranoxy-
genatoren
D. Birnbaum ……………………………………………………………………………..10
Die kontinuierliche Blutgasanalyse während des extrakorporalen
Kreislaufs mittels Durchflußmessung
E. Kliemert……………………………………………………………………………………14
Fortbildungsseminar Bayrischzell
P. Böttger…………………………………………………………………………………..20
Mitteilungen des Vorstandes
P. Böttger……………………………………………………………………………………22
In eigener Sache
H. Elbert ……………………………………………………………………………………24
Die Zeitschrift »Kardiotechnik« erscheint vierteljährlich.
Preis des Einzelheftes: 4,- DM plus Porto, für Mitglieder des Verbandes frei.
Die Originalartikel können mit Quellenangabe weiter veröffentlicht werden.
Satz und Druck: Universitäts-Buchdruckerei Junge & Sohn,
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Referat
Extrakorporale Zirkulation –
Entwicklung und heutiger Stand
V.Sadony
(Fortsetzung)
4.1. An erster Stelle muß hier die Verbesserung der
Qualität der künstlichen Ganzkörperdurchströmung,
nämlich die Verbesserung der Perfusion der termina­
len Strombahn mit Ermöglichung einer adäquaten
Sauerstoffversorgung aller Organsysteme genannt
werden. Wie wir sehen werden, sind verschiedene
Faktoren daran beteiligt.
4.1.1. Perfusion mit großen Pumpzeitvolumina. In
der Abb. 12 ist ein Schema der Entwicklung und
Selbstunterhaltung des hypovolämischen Schocks
dargestellt (8). Am Anfang der Reaktionskette steht
ein vermindertes Herzzeitvolumen. Der Organismus
reagiert mit einer sympathiko-adrenergen Reaktion
mit dem Ziel, die Durchströmung vitaler Kreisläufe
(Herz, Gehirn) unter Inkaufnahme einer Minder­
durchblutung anderer Regionen (Muskel, Haut,
Splanchnikusgebiet, Niere) aufrechtzuerhalten. Es re­
sultiert eine charakteristische Umverteilung des Herz­
zeitvolumens. In den betroffenen Versorgungsberei­
chen besteht zunächst eine prä- und auch postkapil­
läre Vasokonstriktion. In der Spätphase folgt in Zu­
sammenhang mit einem Abfall der Katecholamine
und Überwiegen dilatierender, unter dem Einfluß
Volumenverlust
I
Abb. 12 Schema der Entwicklung und Selbstunterhaltung
des Schocks aufgrund positiver Rückkoppelung (Aus Messmer
und Sunder-Plassmann (8)).
lokaler Hypoxie entstandener, Faktoren eine Durch­
brechung der präkapillären bei Fortbestehen der post­
kapillären Vasokonstriktion — ein Vorgang, der als
schockspezifische Vasomotion bezeichnet wird. Ver­
langsamung bzw. komplette Stase des Blutstromes,
Veränderungen der Fließeigenschaften des Blutes mit
Formation massiver Erythrozytenaggregate sowie in­
trakapillärer Druckanstieg mit Zunahme des effekti­
ven Filtrationsdruckes und Wasserabstrom in das In-
terstitium kennzeichnen die Störungen der Mikro­
zirkulation. Darüber hinaus kann es im Rahmen der
gestörten Hämodynamik zu einer lokalen Aktivie­
rung des Gerinnungssystems mit Ausbildung von
Mikrothromben in der terminalen Strombahn kom­
men.
PERFUSION FLOW RATE, L/M2/min
Abb. 13 Die Beziehung zwischen Pumpzeitvolumen während
totalem kardiopulmonalem Bypass, Sauerstoffverbrauch des
Organismus und Ausmaß einer sich entwickelnden metaboli­
schen Azidose (Aus Paneth u. Mitarb. (9)).
Auf diesem Hintergrund lassen sich die schwerwie­
genden, nicht selten deletären Folgen einer Perfusion
mit einem unzureichenden Maschinenzeitvolumen un­
schwer nachzeichnen. Tatsächlich muß ein Teil der in
der Anfangsphase der Chirurgie am offenen Herzen
beobachteten klinischen Zustandsbilder und beschrie­
benen histopathologischen Schädigungsmuster nach
extrakorporaler Zirkulation auf die Durchführung der
Perfusion mit unzureichenden Flußraten bezogen wer­
den. 1957 machten Paneth u. Mitarb. (9) anhand
2. Jahrgang / Heft 3 / Dezember 1976
5

Referat
klinischer und experimenteller Daten auf die Bezie­
hung zwischen Perfusionsrate und Sauerstoffver­
brauch des Organismus einerseits und dem Ausmaß
einer sich entwickelnden metabolischen Azidose an­
dererseits aufmerksam (Abb. 13). Die Erklärung die­
ser Zusammenhänge ist einfach: Bei niedrigen
Pumpraten kommt es ähnlich wie im Schock mit ver­
mindertem Herzzeitvolumen zu einer charakteristi­
schen Umverteilung der Durchblutung, weite Versor­
gungsgebiete werden von ihrer nutritiven Durchblu­
tung ausgeschlossen — der Gesamtsauerstoffverbrauch
des Organismus ist klein, die Anhäufung saurer
Stoffwechselprodukte groß. Mit Steigerung der Per­
fusionsrate über 2 Liter/m2 Körperoberfläche/Min er­
reicht der Sauerstoffverbrauch nach kontinuierlichem
Anstieg ein Plateau — das Sauerstoffangebot an die
Gewebe ist nunmehr angemessen, erkennbar an der
metabolischen Azidose in einer Größenordnung, wie
sie während Anästhesie und Operation ohne Anwen­
dung der Herz-Lungen-Maschine auch beobachtet
wird. Aufgrund dieser und ähnlicher Untersuchun­
gen wurde die Notwendigkeit einer Perfusion mit
großem Pumpzeitvolumina, d. h. die Durchführung
einer sog. „high flow perfusion“, erkannt. Nach dem
heutigen Verständnis der Pathophysiologie des
Schocks war diese Entscheidung ein ganz wesentlicher
Beitrag zur Verwirklichung des Konzeptes einer
idealen Perfusion.
4.1.2. Verdünnungsperfusion. Ein weiterer entschei­
dender Fortschritt auf diesem Wege war die Einfüh­
rung der sog. Verdünnungsperfusion oder Hämodi-
lution. Hierbei wird das extrakorporale Kreislauf­
system mit einer Blutersatzlösung, z. B. 5 %ige Dex­
trose mit verschiedenen Zusätzen, gefüllt; auf Blut
als Füllflüssigkeit wird soweit wie möglich verzichtet.
Während Einleitung der Perfusion kommt es zu einer
Durchmischung von Patientenblut und Füllvolumen.
Da mit der Verdünnung die Sauerstoff-Transport-
Kapazität des Blutes abnimmt, sind dem Ausmaß der
Hämodilution jedoch Grenzen gesetzt. Dieses Ver­
fahren bewirkt durch Minderung der Blutviskosität
und damit Verbesserung der Fließeigenschaften des
Blutes eine effektivere Perfusion der terminalen
Strombahn. Störungen der Mikrozirkulation wird
dadurch entgegengewirkt. Gleichzeitig wird durch die
Hämodilution das mechanische Bluttrauma durch die
extrakorporale Maschineneinheit gemindert. Die mit
dieser Perfusionstechnik verbundene Flüssigkeitsbe­
lastung des Organismus mit Wasser- und Elektrolyt­
verschiebungen zwischen den verschiedenen Flüssig­
keitsräumen muß bei der postoperativen Behandlung
berücksichtigt werden.
4.1.3. Verbesserung der Pumpoxygenatoren. Schließ­
lich kommt der ständigen Verbesserung der Pump­
oxygenatoren mit dem Ziel einer Minderung der
Bluttraumatisierung eine große Bedeutung zu. Führt
doch die Zerstörung von Blutzellen und die Denatu­
rierung von Bluteiweißkörpern durch Freisetzung ge­
rinnungsaktiver Phospholipide, Bildung von Zell­
aggregaten und makromolekularen Aggregaten etc.
zu Beeinträchtigungen der Mikrozirkulation.
4.2. Als zweiter Punkt sind die Bemühungen um
eine Verbesserung der Methoden zur Myokardpro­
tektion zu besprechen — ein Problem, das noch viele
Fragen offen läßt. Hierbei gilt es zu bedenken, daß
nach Beendigung des kardio-pulmonalen Bypass das
Herz seine Funktion als zentraler Kreislaufmotor
möglichst schnell und vollwertig wieder übernehmen
muß. Ist es nicht in der Lage, ein angemessenes Herz­
zeitvolumen zu fördern, so kommt es, wie bespro­
chen, zur Entwicklung und Selbstunterhaltung eines
nicht selten zum Tode führenden Schockzustandes:
ein postoperatives Krankheitsbild, das früher häufi­
ger beobachtet und als sog. „low cardiac output syn­
drome“ bezeichnet wurde. Nicht nur die Vermeidung
irreversibler Myokardschädigungen sondern die mög­
lichst geringgradige reversible Beeinträchtigung des
Myokardstoffwechsels während der Ausschaltung des
Herzens aus dem Körperkreislauf ist daher Voraus­
setzung für einen günstigen Ausgang.
Methoden zur Myokardprotektion während EKZ
A.
Selektive Koronarperfusion :
a) in Normothermie
b) in Hypothermie
B.
Induzierter Herzstillstand:
1) durch Anoxie (reine Ischämie)
a) in Normothermie
b) in Hypothermie
?) durch Hypothermie
3) pharmakologisch induziert (durch Eingriffe in den Elektrolytstoffwechsel)
a) Lokalanaesthetika (z. B. Procain)
b) Elektrolyte
z. B. Kaliumsti llsiand
z. B. Kalziumstillstand
z. B. Magnesiumstillstand
z. B. Natriumentzugstillstand
4) durch elektrisch induziertes Kammerflimmern
Abb. 14 Zusammenstellung der Methoden zur Myokardpro­
tektion während extrakorporaler Zirkulation.
Die Vielzahl der angegebenen und klinisch erprob­
ten, z. T. wieder verworfenen Methoden zur Myo­
kardprotektion (Abb. 14) zeugt von den mannig­
faltigen Bemühungen um eine befriedigende Lösung
dieses Problems. Bei Eingriffen an der Aortenklappe
mit Eröffnung der Aortenwurzel und Unterbrechung
der Koronardurchblutung hat sich die selektive Koro­
narperfusion in mäßiger Hypothermie zur Protektion
des Myokardstoffwechsels bewährt. Die Mehrzahl
der herzchirurgischen Eingriffe erfordert aber die Ein­
leitung eines Herzstillstandes mit Unterbrechung der
Koronardurchblutung zur Erhaltung eines bewe­
gungslosen und blutfreien Operationsfeldes. Das
heute noch am häufigsten geübte Verfahren ist der
6
2. Jahrgang / Heft 3 / Dezember 1976

Referat
sog. ischämische, besser anoxische Herzstillstand in
Hypothermie. Hierzu wird zunächst eine kurzfristige
Abkühlung des Patientenblutes mit Hilfe des Wär­
meaustauschers in der extrakorporalen Maschinen­
einheit durchgeführt. Dieses Blut durchströmt auch
die Koronararterien und bedingt eine Kühlung des
Myokards zur Senkung des Energiebedarfes des
Herzens. Nach anschließender Abklemmung der
Aorta knapp oberhalb der Koronararterienabgänge
wird der Patient wieder aufgewärmt. Im nunmehr
vollständigen Sauerstoffmangel reicht die anaerobe
Energiebereitstellung durch die Glykolyse zu keinem
Zeitpunkt aus, den Energiebedarf des Myokards zu
decken; es kommt zu einem fortschreitenden Energie­
defizit. Nachteil dieser Methode ist die relativ kurze
Toleranzzeit — das ist die Zeitspanne der Anoxie, die
vom Myokard ohne irreversible Schädigungen ver­
tragen wird —, über deren Dauer die Diskussion je­
doch noch nicht beendet ist. Da mit zunehmender
Myokardabkühlung der Energiebedarf des Herzens
weiter reduziert werden kann, wurde von Shumway
u. Mitarb. (11) zur Verlängerung der anoxischen
Toleranzzeit des Herzens bereits 1959 die Methode
der lokalen tiefen Hypothermie entwickelt. Hierbei
wird das Myokard durch kontinuierliche Spülung der
Herzoberfläche, ggf. auch der Herzhöhlen, mit einer
auf 4° C temperierten Ringer-Lösung gekühlt. Dieses
Verfahren zur Myokardprotektion hat insbesondere
in den USA weite Verbreitung gefunden. Eine neue­
re, erfolgversprechende Methode ist die Induzierung
eines Herzstillstandes mittels der von Kirsch angege­
benen Lösung Procain-Magnesium-L-Aspartat. Hier­
bei kommt es nach querer Aortenabklemmung und
sofort anschließender Injektion der Lösung in die
Aortenwurzel über eine Membranstabilisierung der
Myokardzellen zu einem Herzstillstand. Dieser phar­
makologisch induzierte Herzstillstand scheint längere
Eingriffe am stillstehenden Herzen zu erlauben. Nach
Beendigung der intrakardialen Korrektur und Auf­
hebung der Aortenabklemmung wird die Lösung
durch die wieder in Gang gesetzte Koronardurchblu­
tung ausgespült, die Herzaktion kommt zumeist so­
fort spontan wieder in Gang. Andere Verfahren