Myokardprotektion in der koronären Bypasschirurgie
A. Schiessler, C. Obst, F. Zartnack, AI. Kopitz
Summary
The methods of myocardial protection used in aortocoronary bypass operation are so safe and effective that an almost complete restoration
of myocardial functions occur after cardiac arrest and cardiopulmonary bypass:
in 443 consecutive patients 86% had immediate spontaneous restoration of sinus rhythm, 10% hat to he treated by electroshock, 11,3% of
them required pharmacological (in no case mechanical} circulatory support longer than 6 hours postoperatively. Operative mortality was
1,35%
These results show the effectivness of the present technique of myocardial protections that include cardioplegic coronary perfusion, profound
topical cooling and mild systemic hypothermia.
Einleitung
Die aorto-koronare Bypasschirurgie ist seit ihrer ersten
Durchführung im Jahr 1969 durch Favaloro (4) die häufig­
ste Herzoperation in den meisten Herzzentren der Welt.
Obwohl nahezu 30 Jahre seit dem ersten Einsatz der Herz-
Lungen-Maschine durch Gibbon ( 5) imjahr 1953 und ihrer
ersten Anwendung in Deutschland durch Bücheri(2) 1956
Erfahrungen mit Eingriffen am offenen und stillstehenden
Herzen lieferten, bleibt der Erfolg oder das Scheitern eines
Eingriffs heute noch wesentlich durch die Qualität des
Myokardschutzes beeinflußt. Ausdruck für die Effektivität
der myokardialen Protektion ist die rasche komplette und
permanente Wiederherstellung aller Funktionen des Her­
zens. Innerhalb des Herzmuskels ist das Erregungslei­
tungssystem das am meisten spezialisierte Gewebe und
möglicherweise drücken sich in Herzrhythmusstörungen
am ehesten eine Myokardschädigung bzw. umgekehrt in
deren Vermeidung eine Effektivität myokardprotektiver
Maßnahmen aus. Die postischämische Erholungsphase des
Myokards läßt sich durch eine längerdauernde hämodyna-
mische Entlastung des schlagenden Herzens verbessern. Re-
perfusionszeiten von 10 – 20 Minuten scheinen bezüglich
einer ausreichenden Herzaktion zu genügen (1). Die tägli­
che Praxis zeigt jedoch, daß die Reperfusionszeiten häufig
länger sind, wenn in tiefer Ganzkörperhypothermie ope­
riert wurde. Eine gelungene Myokardprotektion läßt sich
deshalb aus der Nachperfusionsdauer nicht immer ablesen.
Für die vorliegende Arbeit wurden als Kriterien einer voll­
ständigen Wiederherstellung der Herzfunktionen die spon­
tane Aktivität des Herzens nach Entfernung der Aorten­
klemme nach Fertigstellung der distalen Anastomosen, die
Rhythmusform, die Notwendigkeit pharmakologischer
Unterstützung (mit Katecholaminen) und das Verhalten
kardiospezifischer Enzyme gewertet.
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Referat
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Patientengut
Im Jahr 1982 und 1983 wurden 443 konsekutive Patienten
retrospektiv studiert. Patienten mit großen ventrikulären
Aneurysmen oder gleichzeitig vorliegenden valvulären De­
fekten wurden nicht berücksichtigt. Ebenso wurden Pa­
tienten aus der Studie ausgeschlossen, die notfallmäßig we­
gen eines akuten Infarktes zur Operation kamen.
Von den 443 Patienten waren 51 Frauen ( Durchschnittsal­
ter 54 Jahre). 317 dieser Patienten hatten einen präoperati­
ven Myokardinfarkt, diagnostiziert durch die einweisenden
Ärzte. Bei 348 Patienten lag eine generalisierte Koronaro-
pathie vor. 87 Patienten wiesen lediglich isolierte Einen­
gungen im Bereich der linken oder der rechten Kranzarte­
rie auf. 171 Patienten hatten eine normale linksventrikulä­
re Ejektionsfraktion, bei 108 Patienten war sie patholo­
gisch. 39 Patienten zeigten präoperativ einen stabilen Si­
nusrhythmus, bei 43 Patienten lagen andere Formen der
Herzrhythmusstörung vor, vorwiegend Bradykardien mit
A V-Blockierung.
Ahh. I: Kühllöffel aus Silastic mit Kühlwasserzufuhr (Innenseite
des Löffels) und Kühlwasserabsaugung (Unterseite des Löffels)
Methoden
Nach Heparinisierung und Kanülierung zur extrakorpora­
len Zirkulation (Aortenkanüle, venöser Zweistufenkathe­
ter über das rechte Herzohr) wurde folgendermaßen vorge­
gangen:
Die Füllösung der Herz-Lungen-Maschine wurde auf 10 –
20°C vorgekühlt. Nach Aufnahme der extrakorporalen
Zirkulation erfolgte eine umfassende Kühlung des Peri­
kardsackes mit oiskalter Lösung. Entsprechend der von
Sbumway (9) erstmalig beschriebenen Maßnahme wurde
eine von Bücberl modifizierte Methode angewandt:
Die Hinterwand des Herzens wird durch einen Silansticlöf­
fel1) vom Mediastinum isoliert. Der Löffel enthält ein dop­
pelläufiges Rohrsystem, über das kalte Lösung zugeführt
und auf der dem Mediastinum zugewandten Seite wieder
abgesaugt wird. Die nach vorne liegende Herzoberfläche
wird durch eine Dusche mit kalter Lösung bespritzt ( Abb.
1,2, 3, 4). Zusätzlich erfolgt zur besseren Umwälzung der
Kühllösung eine Absaugung durch eine Kanüle, die in der
Regio jugularis plaziert wird. In dem Augenblick, wo das
Herz bradykard schlägt bzw. fibrilliert, wird die Aorta ab­
geklemmt und mit ca. 180 ml Kirsch-Lösung2) durch In­
jektion in die Aortenwurzel ein vollständiger Kardioarrest
herbeigeführt. Die topische Kühlung des Herzens wird
fortgeführt und nach der Kirsch-Lösung wird über die Aor­
tenwurzel eine druckgesteuerte (max. 40 mm Hg) Koro­
narperfusion mit kardioplegischer Perfusionslösung}) für
ca. 3 Minuten fortgeführt. Am Ende dieser Periode ist das
Herz mechanisch und elektrisch stillgestellt mit Abküh­
lung auf Temperaturen septal gemessen von ca. 1 5°C. Der
linke Ventrikel wird durch einen über den Apex eingeführ­
ten „Vent“ drainiert. Zwischen der Fertigstellung der ein-
1) hergestellt in der Werkstatt der Experimentellen Chirurgie,
Klinikum Charlottenburg, Berlin, Direktor: o. Prof. Dr. E. S.
Bücheri
2) Cardioplegin, Dr. Franz Köhler Chemie KG, Alsbach/Bergstr.
3) Cardioplegische Perfusionslösung Dr. E. Fresenius KG Bad
Homburg
Ahh. 2: Kanüliertes, stillstehendes Herz mit Kühlsystem: Dusche,
Absaugung und Kühllöffel
Ahh. 3: Aufgesperrter Thorax von vorne gesehen mit Dusche und
Kühllöffel an der Hinterwand des Herzens
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Referat
Ahh. 4: Querschnitt mit Ansicht des Herzens und mit Eiswasser ge­
fülltem Perikardsack, Dusche, Kühllöffel und Absaugung, darun­
ter Vorratsbehälter mit Kühllösung ( Pressluftförderung)
Herzstillstandszeiten
In Abb. 5 sind die Herzstillstandszeiten aufgeführt.
zelnen distalen Anastomosen am Herzen erfolgt eine neu­
erliche topische Kühlung des Herzens und die Perfusion
mit kardioplegischer Lösung für etwa 1 Minute. Die proxi­
malen Anastomosierungen werden unter Ausklemmung
eines Teilstücks der aufsteigenden Aorta nach Entfernen
der Aortenklemme bei schlagendem Herzen ausgeführt.
Bei allen Patienten kamen Vena Saphena-Transplantate zur
Verwendung. Arterielle, venöse Drucke und EKG wurden
kontinuierlich aufgezeichnet, dazu in ausgewählten Fällen
Pulmonalarterien- und pulmonalkapillärer Verschluß­
druck.
Postoperativ wurden alle Patienten auf der Intensivstation
für 12-24 Stunden überwacht. Wenn die zirkulatorischen
und respiratorischen Funktionen stabilisiert erschienen, ka­
men die Patienten auf die periphere Station. Herzspezifi­
sche Enzyme wurden sowohl auf der Intensivstation wie auf
der peripheren Station bestimmt. EKG‘s wurden, wenn im­
mer erforderlich geschrieben.
Ergebnisse
Venentransplantation
160 Patienten erhielten einen ein- bis zweifachen, 83 Pa­
tienten einen dreifachen Venenbypass. Bei 120 Patienten
wurden vier und bei 26 Patienten mehr periphere Anasto­
mosen angelegt.
R eperfusionszeiten
Bei 92 Patienten lagen die Reperfusionszeiten unter 30 Mi­
nuten, bei 224 Patienten bis 45, bei 91 Patienten bis 60, bei
35 Patienten bis maximal 120 Minuten.
Postoperative Rbytbmussituation
Bei 381 Patienten kam es nach Freigabe der Perfusion über
die Koronarostien zum Auftreten eines stabilen Si­
nusrhythmus, wobei bei 95 Patienten erste Herzaktionen
unmittelbar nach Freigabe der Koronarperfusion erfolgte,
bei 67 Patienten spätestens nach 30 Sekunden, bei 1 34 Pa­
tienten bis zu 60 Sekunden, bei 98 Patienten bis zu 90 Se­
kunden und bei 49 Patienten über 90 Sekunden nach Re­
perfusion.
46 Patienten wiesen zunächst ein Kammerflimmern auf,
welches durch Elektroschock behandelt wurde. 16 Patien­
ten zeigten bradykarde Rhythmusstörungen in Form einer
AV-Blockierung und erforderten vorübergehende Stimu­
lierung durch epikardial angelegte Schrittmacherelektro­
den.
Enzymerböbungen
Bei 133 Patienten konnten keine Veränderungen des
Enzymverhaltens beobachtet werden. 282 Patienten zeig­
ten leicht erhöhte kardiospezifische Enzyme in der postope­
rativen Phase (CK, GOT, Alpha-HBDH), 16 Patienten
wiesen stark erhöhte Serumwerte der Enzyme auf. ( Tabelle
1)
Tab. 1 Kardiospezifische Enzyme
– Wertung –
leicht
erhöht
stark
erhöht
Normbereich
CK/Kreatininkinase
70 U/l
150 U/l
10 – 70 U/l
GOT/Glutamat-Oxalcetat-Transaminase
17 U/l
60 U/l
5 – 17 U/l
a-HBDH/Hydroxybutyrathydrogenase
140 U/l
300 U/l
55 – 140 U/l
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Referat
Postoperative EKG-Veränderung
Bei einer Untergruppe von 206 Patienten wurden prospek­
tiv EKG-Veränderungen im Vergleich zu präoperativen
EKG-Befunden in der postoperativen Phase studiert. Bei
etwa 30% zeigten sich keine EKG-Veränderungen, bei
51% unspezifische ST- und T-Wellenveränderungen. Bei
4,3 % der Patienten (n = 9) mußte auf Grund der EKG-
Veränderungen und auch des kardiospezifischen Enzym­
verhaltens von einem perioperativen myokardialen In­
farktgeschehen ausgegangen werden (7).
Operationsletalität
6 Patienten wurden postoperativ verloren (1,35%). Der
jüngste Patient war 61, der älteste 71 Jahre alt. Alle Patien­
ten hatten einen präoperativen Myokardinfarkt, bei 5 Pa­
tienten lag eine pathologische Ruhehämodynamik vor. Als
Todesursache konnten bei 5 Patienten zirkulatorische Pro­
bleme zu Grunde gelegt werden. Der älteste Patient erlag
einem akuten Nierenversagen.
Diskussion
Eine Vielzahl von Methoden der Myokardprotektion wird
während der myokardialen Revaskularisation in der Koro­
narchirurgie angewandt. Die meisten Zentren wenden ir­
gendeine Form des kalten karioplegischen Arrestes an. Die
kardioplegischen Losungen differieren von Zentrum zu
Zentrum. Obwohl die Operationsletalität mittlerweile sig­
nifikant reduziert wurde, bleiben perioperative Infarkte,
reduzierte Herzleistung, Rhythmus- und Uberleitungsstö-
rungen ein wesentliches Problem in der postoperativen
Phase. Die Komplikationen werden chirurgischen Fehlern,
unzureichender Myokardprotektion und Koronarspasmen
zugeordnet.
Nachdem die meisten Patienten in einem kardial kompen­
sierten Zustand zur Operation gelangen, muß eine postope­
rativ auftretende myokardiale Einschränkung nach erfolg­
ter Verbesserung des Koronarflusses darin begründet lie­
gen, daß die ischämische Toleranz des Myokards nicht aus­
reichend erweitert wurde. Einigkeit besteht darin, daß eine
Hypothermie den entscheidenden Faktor darstellt. Aus die­
sem Grund wird allgemein bei erwartbar längeren Eingrif­
fen in allgemeiner, d. h. Ganzkörperhypothermie operiert.
Damit lassen sich lediglich Effekte, die durch den extrako-
ronären kollateralen Blutfluß (6) auftreten und Effekte, die
durch die Kanülierung des Herzens bedingt werden, redu­
zieren. Bei nicht individueller Kanülierung der Venae ca-
vae, z. B: durch Verwendung eines Zweistufenkatheters,
werden die rechtsseitigen und schließlich auch die linkssei­
tigen Herzhöhlen, insbesondere damit die Innenschichten
des Myokards wieder aufgewärmt. Eine linksventrikuläre
Drainage wird nicht immer diese Effekte vollständig elimi­
nieren. Die Abkühlung des Myokards durch eine kardio-
plegische hypotherme Perfusion findet ihre Grenzen durch
die bestehenden koronären Stenosen/Okklusionen die eine
einheitliche Abkühlung des Myokards erschweren. Eine
zusätzliche Komplikationsmöglichkeit besteht darin, daß
durch die Koronarstenosierung, sofern nicht druckgesteu­
ert perfundiert wird, Ödeme in den anderen myokardialen
Regionen entstehen können, während unzureichend per­
fundierte Areale stenosierter Gefäße besonders empfäng­
lich für perioperative Infarkte bleiben. Aus diesem Grunde
wurde in Klinikum Charlottenburg einer profunden topi­
schen Kühlung des Herzmuskels Priorität eingeräumt. Die
vorgestellte Methode zur örtlichen Kühlung des Herzens
erbrachte bei einer klinischen Versuchsreihe folgende Er­
gebnisse;
Die Myokardtemperatur, die über eine in das Septum ein­
gebrachte Thermistorsonde überwacht wurde, sinkt in 1
Minute bei Umlauf eiskalter Lösung (4°C) um 1,7°C. Die
beobachtete Wiederaufwärmung des Myokards war unab­
hängig vom Grad der allgemeinen Hypothermie und
gleichzeitig vorgenommener kardioplegischer Koronarper­
fusion und erfolgte relativ konstant mit einer Zunahme von
0,4°C/Min. ( Abb. 6). Voraussetzung hierfür ist, daß die im
Herzbeutel zum Umlauf gebrachte Kühllösung ausrei­
chend einer Konvektion unterworfen ist. Dies ist bei dem
vorgestellten System durch eine Absaugung in der Regio
jugularis und über den an der Herzhinterwand eingelegten
Kühllöffel besorgt. In der Regel werden während eines ko­
ronarchirurgischen Eingriffs bis zu 70 Liter eiskalten Kühl­
mittels verbraucht. Entscheidend ist, daß während der Pe­
rioden der Manipulationen am Herzen der Herzbeutel völ­
lig befreit wird von der Kühllösung, nachdem die Wärme­
leitfähigkeit von Flüssigkeit wesentlich höher liegt als die
der umgebenden Luft. Als Regel bleibt festzuhalten, daß
während einer etwa 3 – 4 Minuten dauernden Kühlaktion
die Herztemperatur um ca. 10°C, auch in den Innenschich­
ten abgesenkt werden kann und dann eine Periode von
knapp 20 Minuten verbleibt, in der das Herz wiederum die
Ausgangstemperatur erreicht. Bei gleichzeitiger hypother-
mer kardioplegischer Perfusion lassen sich damit Myokard­
temperaturen, septal gemessen, von durchschnittlich 15 –
20uC sicherstellen.
TEMPERATURVERLAUF WAHREND EINER HERZOPERATION
Ahh. 6: Temperaturverlauf während einer Herzoperation ( HLM =
Herz-Lungen-Maschine)
Mit dieser Art der Myokardprotektion lassen sich gute Er­
gebnisse erzielen: Operationsletalität und perioperative In­
farktrate sind niedrig. Die Reperfusionszeiten sind in aller
Regel dadruch bedingt, daß in allgemeiner Hypothermie
operiert wurde und mit Hilfe der Herz-Lungen-Maschine
(Wärmetauscher) physiologische Temperaturen zum Ende
der Operation angestrebt wurden. Nur in wenigen Fällen
war die Nachperfusionszeit aus Gründen einer noch ver­
minderten Herzleistung erforderlich. In keinem Falle wur-
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Referat
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de eine intraaortale Gegenpulsation oder extrakorporale
Kreislaufunterstützung erforderlich. Bezüglich des ersten
Auftretens der Herzaktion bleibt folgendes festzustellen:
Nach kurz vorangegangener topischer Kühlung des Her­
zens und kardioplegischer Perfusion wird nach Freigabe
der Perfusion über die Koronarostien infolge Entfernung
der Aortenklemme regelmäßig ein späteres Auftreten beob­
achtet (Ausdruck einer tiefen Abkühlung) – in aller Regel
Sinusrhythmus. Defibrillation und Kardioversion respekti­
ve die Notwendigkeit eines Aufbringens von Schrittma­
cherelektroden sind eine Seltenheit.
Diese Maßnahmen zeigen keine Abhängigkeit von der
Dauer des Kardioarrestes. Allerdings ließ sich nachweisen,
daß Patienten, die ein höheres präoperatives Risiko mit­
brachten (pathologisch veränderte Hämodynamik im klei­
nen Kreislauf, Myokardinfarkte, Alter über 60Jahre) insge­
samt ein ungünstigeres postoperatives Auskommen bezüg­
lich Rhythmusstörungen haben. Darüber hinaus zeigte
sich, daß in dieser Patientengruppe häufiger postoperativ
Katecholamine gegeben werden mußten, in der Regel be­
schränkte sich die Katecholaminzufuhr ( Dopamin) auf die
ersten postoperativen Stunden.
Die vorgestellten Ergebnisse erlauben den Schluß, daß die
Methoden zur Myokardprotektion, die im Klinikum Char­
lottenburg durch Bücberlentwickelt wurden, folgendes si­
cherstellen:
5. Gibbon, H. H.: Application of a mechanical heart and lung apparatus to car­
diac surgery. Minn. Med. 37, 171, 1954
6. Hetzer. R„ Warnecke. H.. Wittrock, H.. Engel. H.J.. Borst, H. G.: Extracoro­
nary collateral myocardial blood flow during cardioplegic arrest. Thorac.
Cardiovasc. Surgeon 28, 191, 1980
7. /ohn. T. A.: Persönliche Mitteilung. Universitätsklinikum Charlottenburg
Berlin, 1984
8. Kuan, P„ Bernstein, S. B„ Ellestad, M. H.t Coronary Artery Bypass Surgery
Morbidity J. A. C. C. 3: 1.391, 1984
9. Shumway, N. E., Lower R. R.: Topical cardiac hypothermia for extended pe­
riods of anoxic arrest. Surg. Forum 10, 563, 1959
Anschrift des Verfassers
Dr. med. Arnulf Schiessler
Chirurgische Universitätsklinik und Poliklinik
Klinikum Charlottenburg der Freien Universität Berlin
Spandauer Damm 130
1000 Berlin 19
1. eine rasche Herstellung eines mechanisch und elektrisch
stillstehenden Herzens,
2. eine einfache Methode zur topischen Kühlung des Her­
zens – auch der Innenschichten des Myokards –
3. eine einfache Technik kardioplegischer Perfusion.
Diese Maßnahmen, zusammen mit einer moderaten allge­
meinen Hypothermie (28° – 30°C) bedingen eine Myokard­
protektion mit einer akzeptablen Sicherheit bezüglich der
erwartbaren Operationszeiten, kaum ungünstige Effekte
auf das Myokard, sei es Ödem oder Verletzung des erre­
gungsbildenden Apparates und damit rasche Wiederher­
stellung einer ausreichenden Herzaktion nach Aufhebung
des elektromechanischen Arrestes.
Der Erfolg dieser Bemühung mag darin erkannt werden,
daß im Klinikum Charlottenburg ungünstigere Ergebnisse
nach aortocoronarer Bypasschirurgie bei Frauen und älte­
ren Patienten über 70 Jahre genauso wie Patienten mit
schlechter linksventrikulärer Funktion, wie anderswo be­
richtet (3, 8), nicht beobachtet werden konnten.
Literatur
1, Breischneider, H.J.: Myocardial protection. Thorac. Cardiovasc. Surgeon 28,
295,1980
2 Bücheri, E. S.:Ja