Operationen unter Einsatz des Membran-Oxygenators:
Ergebnisse und Vergleich mit dem Bubble-Oxygenator
A. Tanzeem, P. Goretzki, B. Hasper……………………………………………………………..26
Die intraoperative Registrierung der Blutströmung mit
dem elektromagnetischen Verfahren
Th. Pasch…………………………………………………………………………………………………………30
Fortbildung — Operative Behandlung der koronaren
Herzerkrankung
R.W, Hacker…………………………………………………………………………………………………….37
Mitteilungen…………………………………………………………………………………………………….42
Erscheinen: dreimal jährlich zum April/August/Dezem-
ber. Bezugspreis DM 4.— zuzügl. Porto, für Mitglieder
des Verbandes frei. Nachdruck nur mit schriftlicher
Genehmigung der Redaktion gestattet. Leserbriefe
geben ausschließlich die Meinung des Verfassers wieder.
Redaktion:
Verantwortlich für Verlag, Anzeigen, Referat, Fort­
bildung: G. Schneider, Chir.-Univ.-Klinik, Abt. H.L.M.,
Maximiliansplatz, 8520 Erlangen, Telefon 09131/853242
— privat: Langenaustraße 6a, 8520 Erlangen, Telefon
09131/601285. Druck: Bresler, Erlangen.
Verantwortlich für Buchbesprechungen: H. Bock, Klinik
für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie, Bereich: Kardio­
technik, Goßlerstraße 10, 3400 Göttingen, Telefon
0551/396020 — privat: Ginsterweg 14, 3400 Göttingen,
Telefon 0551/34390
Verantwortlich für Berufspolitik, Mitgliederinformation,
Veranstaltungen: P. Böttger, Abt. Herz- und Gefäß­
chirurgie der Med. Fakultät RWTH Aachen, Bereich:
Kardiotechnik, Goethestraße 27 — 29, 5100 Aachen,
Telefon 0241/4289951 — privat: Theodor-Storm-Straße
7, 5102 Würselen, Telefon 02405/4503
Verantwortlich für Vertrieb, Abonnements: G. Hauffe,
Chir.-Univ.-Klinik, Abt. H.L.M., Maximiliansplatz, 8520
Erlangen, Telefon 09131/853242 — privat: Ebracher Weg
8, 8520 Erlangen, Telefon 09131/45711
Verantw. für Medizin – Technik, Pacemaker: J. Kreuzer,
Chir.-Univ.-Klinik, Abt. Thorax-, Herz- u. Gefäßchirurgie,
Theodor-Stern-Kai 7, 6000 Frankfurt 70, Telefon
0611/63015773 — privat: Heinrich-Hoffmann-Straße 5,
6000 Frankfurt, Telefon 0611/673577
Verantwortlich für Auslandsinformation, fachtechnische
Information: A. Reidiger, Kantonspital, Herzchir. Abt.,
CH-4004 Basel — privat: Pappelstraße 40, CH-4123
Neuallschwil, Telefon 004161/252525
Verantwortlich für Fachfragen, europ. Literatur, Aus­
landsinformation Österreich, Leserbriefe: P. Scherer,
Krankenhaus der Stadt Wien-Lainz, 1. Chir. Abt.,
Wolkersbergenstraße 1, A-1130 Wien, Telefon 0043/222-
822611256

Die neue Familie
der POLYSTAN-Oxygenatoren
• Optimale O2-Sättigung bei niedrigstem Gas-flow
• Langanhaltende, effektive Entschäumung
• Sichere, effektive Filtration
• Geringes Füll-Volumen
• Gas-Linie mit Bakterien-Filter
• Eingebaute Kanüle mit Zweiwege-Hahn
für Blutproben-Entnahme
• Lieferbar in drei Größen (mit und ohne Wärmeaustauscher)
Weitere Informationen:
AD. KRAUTH
Wandsbeker Königstr. 27-29 • 2000 Hamburg 70 ■ Tel. 040/682141

Referat
Aus der Chirurgischen Klinik und Poliklinik der Westfalischen Wilhelms-Universität Münster
(Direktor: Prof. Dr. H. Dittrich, Lehrstuhl für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie)
Zur Pathophysiologie während Herzoperationen
mit der Herz-Lungen-Maschine*
H. Dittrich
Das Thema, welches Sie von mir als Vortrag wünschten,
ist so groß, daß ich mich im Rahmen einer Fortbil­
dungsveranstaltung in erster Linie nur auf gesicherte und
für die Praxis wichtige Befunde der Pathophysiologie der
extrakorporalen Zirkulation beziehen kann. Ein wenig
sollen, dabei eigene Untersuchungsergebnisse mit einge­
flochten werden.
Sucht man nach einer globalen Definition der
pathophysiologischen Veränderungen, die die extrakor­
porale Zirkulation hinterläßt, dann muß man sich auch
heute noch etwas modifiziert der Formulierung von
Lillehei aus dem Jahre 1964 (14) anschließen, daß die
Zeitdauer der Operation mit der Herz-Lungen-
Maschine einem Zustand eines klinisch kontrollierten
Schocks in seiner ersten Phase entspricht.
Bevor ich auf diese Einzelheiten näher eingehe, möchte
ich Ihnen anhand eines Schemas erläutern, wie wir ohne
Berücksichtigung der allgemeinen Technik heute die
Herz-Lungen-Maschine „fahren“: Bei Erwachsenen und
Kindern bis zu 14 kg Körpergewicht füllen wir die Herz-
Lungen-Maschine ohne Fremdblut. Das Füllvolumen
errechnen wir uns aus einer 30 %igen Hämodilution des
Patientenblutes nach der Formel in der Abbildung rechts
Dieses priming-Volumen entspricht etwa 30 ml Flüssig­
keit pro kg Körpergewicht. Zur Füllung benutzen wir 5
%ige Glucose mit einer Einheit Heparin pro ml Füllung.
Der Patient erhält 300 E Heparin pro kg KG am Beginn
der Kanülierung intravenös. Während der extrakorpo­
ralen Zirkulation substituieren wir, wie Sie es in der
mittleren Spalte dieser Abbildung sehen, Kaliumchlorid
und Natriumbicarbonat in den angegebenen Dosierun­
gen. Wir werden darauf noch kurz eingehen. Zur
Neutralisierung des Heparins verwenden wir Protamin­
chlorid in der Equivalenzdosis 1,3 : 1 + 10 %. Prednisolon
geben wir als sog. Schockfolgenprotektion und zur
Mobilisierung der abgespeicherten Thrombocyten.
Genügend Calcium müssen wir als Transmittersubstanz
verabreichen zur kardialen elektromechanischen Ein­
koppelung und zur Membranstabilisierung; denn wir
führen nahezu alle Operationen in hypothermer,
pharmakologischer Kardioplegie durch und waschen das
Calcium durch Koronarperfusion aus dem Herzmuskel
aus, so daß es rund 20 s nach Koronarperfusion zu einer
elektromechanischen Blockierung und somit zu einer
Konservierung der energiereichen Phosphate bzw. zu
einem verlangsamten Abbau im Herzmuskel kommt.
* Nach einem Vortrag Fortbildungsveranstaltung der Klinik für
Anästhesiologie und operative Intensivmedizin der Westf. Wilhelms-
Universität Münster am 19.3.1977 in Münster
Operationen mit der Herz – Lungen maschine ohne Fremdblut
vorder EKZ
während der EKZ
| Heparirü~|
300if /kg KG.i.v.
~ 3mg/kg KG
|kci]l.5 miol kg I G.
per infusionem
Oxygenator – Maschinen-
Füllung:
307» ige Haemodilution
Füllvolumen: x-Blutvolumen
Y Blutvolumen ■ 10
7
Kardiotechnik 3. Jahrgang / Heft 3 / Dezember 1977
n20min.Peff.zeit
0,5 mvol/kg KG. KCl
|NaHCO3| 3 mvol/ kg K G.
per infusionem
Füllung: 57.Glucose
♦ 1 iE Hepar in/mi Füllung
♦ V I V
lOxygenator
nach der EKZ
| Protaminlöquiv. Dosis zu
Heparin = 1,3:1 *107. (in mg J
Prednisolon: 100 mg i.v.
Calcium: in 3-4 Portionen
je 10 ml
dosierte Reinfusion
des Restblutes aus dem
Oxygenator
Bei bekannten Faktorenmongel
schlechter Leberfunktion
o. Rethorakotomie
zusätzlich:
500 E Prothrombinkonzentrot,
250 ml Cohn’sche Fraktion
Abb. 1 Anwendung der Herz-Lungen-Maschine bei extrakorporaler
Zirkulation bei Herz-Operationen. Vorbereitung zur Herz-Lungen-
Maschinen-Füllung, Zugaben während der extrakorporalen Zirku­
lation und parenterale Gaben nach der extrakorporalen Zirku­
lation.
1. Die Änderung der Hämodynamik durch die
extrakorporale Zirkulation
Heute werden in der Regel nur noch Rollerpumpen für
den Antrieb — die Herz-Lungen-Maschine — verwen­
det. Die Druckmessungen am Ausgang der Herz-
Lungen-Maschine zeigen einen kleinen pseudopulsatilen
Anteil, der sich im Vergleich zum normalen pulsatilen
Druckablauf in der Aorta wie um 180° gedreht verhält.
Diese Erscheinung entsteht durch die ruckartige Freigabe
der Rollerokklusion am Schlauchaustritt aus dem
Pumpenkopf. Die Konfiguration der geschriebenen
Kurve entspricht auch nicht einem einfachen sinus­
förmigen Verlauf. Mit Hilfe der Fourier-Analyse gelang
es, dieses Verhalten weiter aufzuklären. Nach Fourier
können die nichtsinusförmigen Pulsationen von Druck
(und Strömung) als eine Summe von Sinusschwingungen
aufgefaßt werden, deren Frequenzen in einer harmoni­
schen Reihe wie 1 : 2 : 3 : 4 usw. angeordnet sind. Die
Grundfrequenz ist dabei der reziproke Wert der
Pulszyklusdauer. Nach Baust (3) kommt man ent­
sprechend der Fourier-Analyse durch Konstruktion der
Pulsform, wie sie die Herz-Lungen-Maschine produziert,
sehr nahe, wenn man zum Unterschied zur zusammen­
gesetzten Radialis-Pulskurve aus Grundschwingung und
Oberschwingung die letztere um —90° verschiebt und
daraus die Interferenz aus der Grundschwingung und der
phasenverschobenen Oberschwingung bildet. Diese Er­
kenntnis ist von außerordentlicher Bedeutung; denn
wenn die Blutdruckfühler, die Barorezeptoren, eine
3

Referat
Abb. 2 Pseudopulsatile Druckkurve einer Herz-Lungen-Maschinen-
Rollerpumpe während der extrakorporalen Zirkulation und normale
Druckkurve in der Arteria radialis nach einer Herz-Lungen-
Maschinen-Operation.
Proportional- mal Differentialempfindlichkeit aufwei­
sen, dann wird durch die Fourier-Analyse bestätigt, was
Keidel (9) schon vermutete, daß bei der retrograden
Perfusion der fehlende und bei der orthograden Per­
fusion der kaum vorhandene Differential-Anteil die
normovolämische Hypotonie durch ein fehlendes Regel­
verhalten erzeugt. Trotz ausreichendem Fördervolumen
sehen wir eine zunehmende Verkleinerung der Blut­
druckamplitude, eine Erhöhung des diastolischen
Druckes, eine Verminderung des Mitteldruckes, eine
Erhöhung der aortalen Pulswellengeschwindigkeit und
als weiteres Zeichen des gestörten Regelkreises eine
Erhöhung des peripheren Widerstandes und anderer­
seits eine Sequestration bis zu 80 % des Blutvolumens mit
dort nachfolgender Hypostase, sludge- und Aggrega-
tionsvorgängen, deren unausbleibliche Folgen wiederum
Hypoxie und Azidose darstellen.
Konstruktion von Druckkurven durch Fourier-Analyse
a)A. radialis
b)HLM-Ausgang
Bei b) Phasenverschiebung d. Oberschwingung -90u
(modifiz nach Baust)
Abb. 3 Konstruktion von Herz-Lungen-Maschinen-Druckkurven
durch Interferenz von Sinusschwingungen und zusätzlicher Phasen­
verschiebung der Oberschwingung zur Grundschwingung um -90°
(modifiziert nach Baust).
E K Z
Änderungen der Hämodynamik
1. Verkleinerung der Blutdruckamplitude
2. Erhöhung des diastolischen Druckes
3. Verminderung des Mitteldruckes
4. Erhöhung des peripheren Widerstandes
5.
Erhöhung der aortalen Pulswellengeschwindigk.
6. „Sequestration“ bis 80% des Blutvolumens,
dort: Hypostase, Sludge, Aggregation, Hypoxie,
Azidose
Prädilektionsorgane: Leber, Milz, Niere,
Lunge, (Gehirn).
Abb. 4 Änderungen der Hämodynamik durch extrakorporale
Zirkulation.
Diese Feststellungen erlauben mit Lillehei, Baust u.a. die
Behauptung, daß die extrakorporale Zirkulation einem
spezifischen, kontrollierten, normovolämischen Schock­
zustand im Stadium der Zentralisation entspricht.
Nahezu alle folgenden pathophysiologischen Verände­
rungen im Organismus können unschwer aus diesem
hämodynamischen Zustandsbild abgeleitet werden. Hin­
zu kommt die Unvollkommenheit der künstlichen
Oxygenation des Blutes.
2. Auswirkungen der künstlichen Oxygenation
Heute werden in erster Linie für die EKZ die sog. bubble-
Oxygenatoren und in geringer Zahl Membranoxygena-
toren verwendet. Letztere sollen hier bei unserer
Darstellung unberücksichtigt bleiben. Die wesentlichen
pathophysiologischen Unterschiede zur natürlichen
Oxygenation in unserer Lunge bestehen in einer
kleineren Gasaustauschfläche von etwa einem Zehntel
der natürlichen Lunge und eines zwanzig- bis sechzig­
fach dickeren Blutfilmes. Es gibt noch eine ganze Reihe
anderer Unterschiede, die nicht so gravierend ins
Gewicht fallen. Diese erheblichen Nachteile werden
kompensiert durch eine dreißig- bis hundertfach
verlängerte Kontaktzeit, eine Verlängerung kapillarer
Spalten um das Fünfhundert- bis Zweitausendfünfhun­
dertfache im Oxygenator und einer Erhöhung des pO2
durch Einströmen reinen Sauerstoffes um das Sieben­
fache. Diese Kompromisse werden allerdings durch das
schädigende Verhalten des direkten Kontaktierens des
Sauerstoffes mit Blut erkauft. Wegen der nicht konstant
zu haltenden Sauerstoffgas- u