Vergleichende hämodynamische Untersuchung bei Gabe von
Dopamin – Natriumnitroprussid nach kardiochirurgischen Eingriffen
M. H. Nadjmabadi……………………………………………………………………..17
Praeoperative Diagnostik angeborener Herzfehler
U. Mennicken……………………………………………………………………………24
Echokardiographie und Herzchirurgie
P. Bubenheimer…………………………………………………………………………32
Vielfach-Myokardrevaskularisation bei
fortgeschrittener Koronarerkrankung
E. M. Eschenbruch, A. Philipp, P. Stürzenhofecker……………………….37
Autotranfusion mit dem Sörensen-Gerät
B. Homann……………………………………………………………………………….42
Der Salz- und Wasserhaushalt
P. Böttger, G. Schneider…………………………………………………………….47
Hydraulischer Einfluß von HLM-Komponenten
auf den venösen Rückfluß
D. Demierre, D. Maass, E. Garcia, H. Wagner, G. K. Uhlschmid…. 51
Presseinformation……………………………………………………………………..54
Tagungsbericht…………………………………………………………………………55
2
Referat
Aus der Chirurgischen Klinik und Poliklinik und dem * Pathologischen Institut, Klinikum Charlottenburg,
Freie Universität Berlin.
Herzkonservierung mit dem Gambro-Kühlbox-System
und Reperfusion in einer parabiotischen Anordnung
A. Schiessler, J. Frank, P. Kolmsee, G. Beltran-Garcia, G. Chmielewski*, E. S. Bücberl
Summary
In a series of ten experiments for heart preservation, a portable commercially purchaseahle storage system was used (Gambro-Organ-Pre-
servationsbox with self made modifications). The mobile system allowed a hypothermic perfusion of canine hearts at a constant pH and
oxygenation by a gas mixture. During the storage of the heart at 4″C biochemical parameters were evaluated, showing a slight increase
of potassium and lactate in the perfusion solution. Several probes for histological examination were taken at this time. Besides a slight in
terstitial edema there was no alteration seen. After storage times of the excised hearts up to 13 hours, a functional testing with a parabiotic
preparation of reperfusion was performed. Despite a good myocardial function, the electron micro graphs taken after one hour reperfusion
time showed the most severe alterations.
Einleitung
Wissenschaftliche Arbeiten über Organkonservierung, ins
besondere über die Konservierung der Nieren und des Her
zens, haben in den letzten Jahren aus der allgemein bekann
ten ausgeweiteten Indikationsstellung zur Transplantation
dieser Organe zunehmendes Interesse gefunden und er
scheinen in größerer Zahl. Die dort gewonnenen Erkennt
nisse haben größte Bedeutung für die tägliche Herzchirur
gie, nachdem vergleichbare Probleme beim während der
Operation stillstehenden, ischaemischen Herzen bestehen.
Bis heute ist es unklar, wiegroß eine sichere Periode der Or
gankonservierung bzw. der myocardialen Protektion wäh
rend des Herzstillstands tatsächlich ist, und wo diese
schließlich auch für jedes individuelle Herz überschritten
wäre.
Die große Zahl der Lösungen und Komponenten, die zur
Organkonservierung empfohlen werden, lassen schon er
kennen, daß es bis heute keine Einigung auf diesem Gebiet
gibt, und daß sich persönliche Bevorzugungen durchaus er
kennen lassen. Mag sein, daß keine dieser angebotenen
Maßnahmen so wichtig ist, wie schließlich die Technik ih
rer Anwendung. Über den Wert folgender Maßnahmen
wird jedoch Einigkeit bestehen: 1. rascher Kardioarrest; 2.
Reduzierung der Herztemperatur und Stabilisierung bei ei
nem Bereich von ca. 15 – 20°C während des Kardioarrestes;
3. Perfusion des Myokards mit kalten Lösungen im Bereich
von 4 bis 10°C.
Methode
1. Tiermaterial:
Es wurden 10 Hunde verschiedener Rassen, meist je
doch Beagle, mit einem Körpergewicht von 9 bis 20 kg
in den Versuch genommen. Für jeden Versuch wurde
ein zweites Tier bereitgestellt, welches als Empfänger
des Spenderherzens zu dienen hatte. Bei diesen Tieren
wurde über die Halsgefäße mit Verbindung in Form von
Gefäßprothesen eine parabiotische Perfusion des Spen
derherzens durchgeführt. Diese Tiere wurden nach ca.
einer Stunde von den Spenderherzen wieder getrennt
und überlebten.
2. Operative Maßnahmen:
Neuroleptanalgesie (Ketanest, Rampun, Sauerstoff-
Lachgas-Intubationsnarkose) mit Rechtsseitenlage des
Tieres und Thorakotomie im 4. Intercostalraum links.
Nach Incision des Perikards Ligatur des Truncus bra-
chiocephalicus und Einlage eines Katheters in die A.
subclavia sinistra, schließlich nach Abklemmen der
Aorta descendens Instillation kardioplegischer Lösung
ca. 50 ml (nach Kirsch, Dr. Franz Köhler Chemie KG,
Alsbach), Excision des Herzens, Einbringungen in eiskal
te Kochsalzlösung, Einbinden eines Perfusionsschlau
ches mit Temperaturmeßsonde in den Truncus brachio-
cephalicus. Schließlich Einbringen des Herzens (nach
Wägung) in das Gambro-Kühlbox-System.
3. Darstellung des Gambro-Kühlbox-Systems (4):
Das Gambro-Kühlbox-System war zunächst als ther
misch isoliertes System für die Nierentransplantation
von der Firma Gambro entwickelt worden. Die Gam
bro-Kühlbox, die für die Organkonservierung während
des Transports konstruiert ist, besteht aus drei voneinan
der unabhängig einzustellenden Kreisläufen (Abb. 1).
Diese Kreisläufe sind:
Abbildung 1: Darstellung des Gambro-Kühlbox-Systems
Kardiotechnik 7. Jahrgang/Heft 1/1984
Referat
3
– Gaskreislauf (Sauerstoff)
– Kühlkreislauf
– Perfusionskreislauf
Der Gaskreislauf wird aus einer kleinen Sauerstofflasche
gespeist. Der Gasfluß für den Sauerstoffkreislauf läßt
sich zwischen 0 und 450 ml/min. einstellen (wahlweise
Einsatz eines Sauerstoff-Kohlendioxyd-Gemisches).
Der Kühlkreislauf besteht im wesentlichen aus einem
Reservoir für das Eisgranulat-Wasser-Gemisch für die
Kühlung, einem Wärmetauscher und einer Pumpe, die
die Kühlflüssigkeit durch den Wärmetauscher pumpt.
Der Wärmetauscher, der auf der Unterseite der Organ
box sitzt, hat bei einer neuen, im Haus konstruierten
Version der Organbox, eine Oberfläche von 320 cm2.
Die Temperatur des gekühlten Organs und der Perfu
sionsflüssigkeit wird durch einen Meßfühler an der Un
terseite der Organbox ermittelt und angezeigt. Diese
kontinuierlich gemessenen Temperaturen werden mit
der eingestellten Kühltemperatur (Einstellbereich: 4 –
10°C) verglichen und führen bei Unterschreitung zum
Abschalten des Kühlkreislaufs.
Der Perfusionskreislauf für die Perfusionslösung wird
mittels einer Rollerpumpe, die sich zwischen 0 und 500
ml/min. einstellen läßt, in das zu konservierende Organ
gepumpt. Die aus dem Organ wieder herausfließende
Perfusionsflüssigkeit wird von der Rollerpumpe über
den Wärmetauscher aus der Organbox abgepumpt und
gelangt über einen Filter wieder in den Kreislauf, d. h.
zum Organ. Die Organbox, die Aortenkonnektierung
(im Falle eines Herzens), der Schlauchsatz und der Filter
sind austauschbar.
Zur Überprüfung des Perfusionsdrucks besteht eine
weitere Druckmeßstelle, die sich bei der Herzkonservie
rung im Aortenbulbus bzw. im Truncus brachiocepha-
licus anbringen läßt (s. Abb. 2 und 3). Durch eine zu
sätzlich eingebaute Regelung wird dieser Druck in der
Aortenwurzel (resp. damit in den Koronarien) mit ei
nem frei einstellbaren Druck verglichen. Kommt es zu
einer Überschreitung dieses eingestellten Druckes, so
wird die Rollerpumpe für den Perfusionskreislauf zeit
weise abgeschaltet.
Außer einigen zusätzlich angebrachten Meßstellen für
Temperatur und Druck verfügt das Kühlbox-System
über folgende Anzeigen:
– Perfusionsvolumen
– Temperatur, gemessen an der Unterseite der Organ
box
– Perfusionsdruck („Gambro-Systemdruck“)
– Gasfluß für Sauerstoffkreislauf
– Perfusionsflüssigkeiten
4. Wiederbelebung resp. Reperfusion des konservierten
Herzens:
Nach Konservierungszeiten von 6 bis 13 Stunden Ent
nahme des Herzens aus dem Kühlbox-System und Wä
gung. Anschluß des Herzens an die A. carotis und die V.
jugularis eines Empfängerhundes. Der Empfängerhund
wurde in Neurolept- Intubationsnarkose operiert. Da
her Freilegung der entweder rechts- oder linksseitigen
Abbildung 2: Ansicht der Gambro-Kühlbox ( Deckel abgenommen)
mit perfundiertem Herzen in der Organbox
Abbildung 3: Hundeherz in der Organbox. von Perfusionsflüssig
keit umspült
— Perfusionsschlauch mit Druck- und Temperaturfühler in der
Aorten Wurzel
Halsgefäße, A. carotis und V. jugularis. End-zu-Seit-
Anastomosierung von Gefäßprothesen in unterschiedli
chen Diametern entsprechend der Gefäßsituation des
Empfängertieres (s. Abb. 4). Allgemeine Heparinisie-
rung des Tieres mit 300 Einheiten pro kg Körperge
wicht nach Fertigstellung der Anastomosen. Schließlich
Anastomosierung der Gefäßprothesen arteriell und ve
nös an die Aorta bzw. Pulmonalarterie des Spenderher
zens (in einigen Versuchen mit gefäßchirurgischen Me
thoden, in anderen Versuchen mit Hilfe von sogenann
ten Quick-Konnektoren, die speziell zur rascheren Ana
stomosierung entwickelt wurden – statt aufwendiger
Anastomosentechnik per Naht jeweils Einbinden des
Verbindungsstückes in Gefäßprothese/Aorta oder Pul
monalarterie). Am Spenderherzen wurden folgende
Maßnahmen getroffen: Verschluß des rechten und lin-
Kardiotechnik 7. Jahrgang/Heft 1/1984
4
Referat
Abbildung 4: „Spender“-Hundeherz mit Gefäßprothesen an Hals
gefäße eines Empfängers angeschlossen
Aorta — A. carotis
A. pulmonalis — V. jugularis
ken Vorhofs, Anlage eines künstlichen Vorhofseptum
defektes, Anlage einer künstlichen Mitralinsuffizienz
nach Resektion des septalen Segels (Abb. 5).
Pe rfusionslösungen:
Cardioplegin
Injektionslösung für den cardioplegischen Herzstill
stand (Dr. Franz Köhler Chemie KG)
in 100 ml:
2,575 g Magnesium-bis-( L-hydrogenaspartat) • 2 H2O
0,300 g Procain-Hydrochlorid
4,500 g Sorbit
Cardioplegische Perfusionslösung
(Dr. E. Fresenius KG, Bad Homburg)
in 1 1:
O- (2 -Hydroxy-äthyD-amylopectin -Hydrolysat
(Hydroxyäthylstärke) 50,0 g
D, L-Magnesiumaspartat (4 H2O) 0,721 g
Procainhydrochlorid 1,091 g
Calciumchlorid (2 H2O) 0,074 g
Natriumchlorid 1,461 g
Kaliumchlorid 0,373 g
Glucose-Monohydrat für Injektionszwecke 1,982 g
Mannit 36,44 g
Abbildung 5: Schematische Darstellung der parabiotischen Perfu
sion des Spenderherzens durch den Empfänger
Einlage von Druckmeßkathetern in den rechten und
linken Ventrikel bzw. in die Aorta und die Pulmonalar
terie.
5. Analytik:
a) Bestimmung von Kalium (K+), Kreatininkinase
(Ck), Laktat durch stündliche Probennahme aus dem
Perfusionsbad.
b) Bestimmung von pH, pCO2 und pO2 durch stündli
che Probennahme aus dem Perfusionsbad.
c) Wägung des Herzens vor Einbringen in die Gambro-
Box, Wägung des Herzens nach hypothermer Perfusion,
Wägung des Herzens nach Reperfusion vor Beendigung
des Versuches.
d) Probennahmen durch Excision eines Gewebsbröck
chens subpericardial des linken Ventrikels zur elektro
nenoptischen Untersuchung.
Ergebnisse
1. Bestimmungen von K+ (mval/1), Creatininkinase (Ck
in mU/ml)und Lactat (mmol/1) aus der Perfusionsflüs
sigkeit – in Zeitintervallen von I – 2 Stunden.
Abbildung 6: K+, Ck, Lactat (Versuch 13. 5. 1983)
2. Messungen von pH, pCO2, pO2 in der Perfusionsflüssig-
keit ( Meßstellen Aorta/Organbox) am Beispiel Versuch
1. 2. 1983 < Abb. 7) (Konservierungszeit 13 h)sind Ver
läufe vom pH, pCO2 und pO2 erkennbar, die nach 5 Ex
perimenten mit pH-Werten der Perfusionsflüssigkeit
von ca. pH 7,9 typisch erscheinen.
a) zum pH-Werte-Verlauf:
Es fanden sich regelmäßig pH-Werte hin zum Sauren in
Proben, die in der Aortenwurzel des konservierten Her
zens, also vor Passage des Perfusates durch die Corona-
rien entnommen wurden.
b) zum pCO2-Werte-Verlauf:
Druckverläufe sehr unstet, Messungen im Perfusat nach
Herzpassage durchweg niedriger
Kardiotechnik 7. Jahrgang/Heft 1/1984
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Referat
c) zum pCb-Werte-Verlauf:
Starke Schwankungen (max. 320 mmHg, min. 160
mmHg) im Perfusat-Organbox, ebenso in den Proben
aus der Aortenwurzel, die jedoch durchweg niedriger
gefunden wurden als nach Passage.
Abbildung 1: Fortlaufende Messungen von pH, pCOj und pCb in
der Perfusionsflüssigkeit (Entnahmeort: Aorta und Perfu-
sat in d. Organbox) bei Versuch 1. 2. 1983
vierungszeitraum von 12 h (Versuch 17.2.1983). Die durch
schnittlichen Temperaturen liegen dabei zwischen 2 und 4°C. Der
Anstieg, der nach ca. 9 h zu beobachten ist, rührt daher, daß die
Kühlflüssigkeit eine zu hohe Temperatur angenommen hat und
durch ein neues Wasser-Eis-Gemisch ersetzt werden mußte. Die
feingestrichelte Linie zeigt das gepumpte Perfusionsvolumen wäh
rend des Konservierungszeitraums (bei maximalen Perfusions
drucken von 30 mm Hg)
4. Nach Reperfusion des konservierten Herzens aufge
zeichnete Druckkurven
– Pven (gemessen in Pulmonalarterie)
– Pv (gemessen im linken Ventrikel)
-PA (gemessen in Aorta/A. carotis, Anastomosenge
biet)
In der Abb. 9 erkennt man nur geringe Ausschläge im Aor
tendruck pA, nachdem der Versuchsaufbau eine Füllung
der Ventrikel nur über die Coronarien resp. Coronarsinus
zuläßt, und damit ein zu kleines Auswurfvolumen pro Ven
trikelkontraktion zur Verfügung steht. Der niedrige Ven
trikeldruck (zwischen 50 und 80 mm Hg) läßt sich über
den geringen Gegendruck in der A. carotis/Aortenanasto-
mosengebiet erklären, nachdem bei dem narkotisierten
Empfängerhund eine Kreislaufdepression vorlag.
Herzkonservierung
3. Temperatur- und Flußkurven des Perfusates (Abb. 8)
am Beispiel Versuch Nr. 17. 2. 1983
Temp.CC) V(ml/min)
Perfusionszeit N (h) —
—— Aorta
——in Organbox
Abbildung 8: zeigt den Temperaturverlauf an zwei Meßstellen
( Aorta/in der Perfusionslösung in der Organbox) über den Konser
Abbildung 9
5. Elektronenmikroskopische Befunde (Abb. 10 bis 13)
der aus dem linken Ventrikel gewonnenen Gewebspro
ben.
Beispiele aus den Versuchen 18. 1. 1983, 1. .2. 1983 und
17. 2. 1983
Kardiotechnik 7. Jahrgang/Heft 1/1984
Referat
7
Abbildung 10: In 10 (XX)facher Vergrößerung erkennt man eine Ka
pillare (K), umgeben von einer Muskelzelle mit ihren vielen Mi
tochondrien ( M) – Probe wurde 20 min. nach Eingabe des Herzens
in die Kühlbox entnommen. Kein pathologischer Befund.
Abbildung 12: In 40 (XX)facher Vergrößerung ein Mitochondrium
( Vers. Nr. 1. .2. .1983) ohne pathologische Veränderungen nach 8
h Konservierungszeit.
(.346^
ö ■ C U 1U
Abbildung 11: In 40 OOOfacher Vergrößerung ein Mitochondrium
ohne pathologische Veränderungen (Versuch Nr. 21.1.1983).
Probe 20 min. nach Eingabe des Herzens in die Kühlbox entnom
men.
Abbildung 13: In 40 OOOfacher Vergrößerung ein Mitochondrium
(Vers. Nr. 1. 1. 1983) nach 8-stündiger Konservierungszeit und
anschließend einstündiger Reperfusionszeit. Schwellung und Brü
che der Cristae mit Aufhellung und Kondensation der Matrix –
schwere Veränderung.
Kardiotechnik 7..Jahrgang/Heft 1/1984
8
Referat
Diskussion
Bei der vorgestellten Versuchsserie von insgesamt zehn
Versuchen waren fünf in jeder Hinsicht befriedigend ver
laufen. Die gewonnenen Ergebnisse müssen deshalb mit
Zurückhaltung interpretiert werden.
1. Zum Verhalten von Kalium, Kreatinin-Kinase und
Laktase in der Perfusionsflüssigkeit: Auch bei Aufbe
wahrungstemperaturen um 4 °C hat das Myocard einen
minimalen Stoffwechsel (2), gleichzeitig muß mit An
stieg der Kaliumkonzentration im Perfusat und gleich
zeitig der Kreatininkinase mit einer gewissen Schädi
gung des Myocards gerechnet werden.
2. Die Interpretation der gemessenen Werte von pH,
pCÜ2 und PCL an den verschiedenen Meßstellen, ein
mal Aortenwurzel und einmal Perfusat in der Organ
box, ist nicht ohne weiteres möglich. Zunächst ist auffäl
lig, daß die gemessenen pH-Werte aus den Proben, die
in der Aortenwurzel entnommen wurden, also bevor das
Perfusat die Herzmuskelmasse durchströmt hat, in mehr
saurem Bereich gefunden wurden als im Perfusat. Mög
licherweise lag hier eine unzureichende Konvektion
vor.
Eine Interpretation des Kurvenverlaufs von pCO2 er
scheint genauso problematisch wie die Interpretation
der pH-Werte. •
Zum pO2-Verlauf muß angemerkt werden, daß hier
starke Schwankungen vorliegen, sowohl in den Proben,
die aus der Aortenwurzel entnommen wurden, wie bei
denen, die aus der Organbox gewonnen wurden. Hier
läßt sich ein gewisser Zusammenhang mit der manuell
gesteuerten Appliktion des Sauerstoffs und der Lage der
O2-versprudelnden Sonde herstellen.
3. Bezüglich des Temperaturverlaufs und der gepumpten
Perfusionsvolumina ist festzustellen, daß über einen
Zeitraum von ca. neun Stunden das Kühlbox-System
unabhängig zu arbeiten scheint (zumindest bei den per
fundierten Herzen dieser Größe). Erst in der neunten
Stunde mußte das Eiswassergemisch erneuert werden.
4. Die nach Reperfusion aufgezeichneten Druckkurven,
die vom Versuch 21.1. 1983 vorgestellt wurden, zeigen
hier eine relativ frühe Phase; obwohl die Ventrikeldruk-
ke relativ gering sind (zwischen 50 und 80 mm Hg), läßt
sich jedoch gegenüber dem geringen Gegendruck in der
von der A. carotis des Spendertieres her perfundierten
Aortenwurzel tatsächlich ein Offnen der Aortenklappe
nachweisen. Eine befriedigende Erklärung für die nicht-
pulsatile und in ihren Mitteldrucken unzureichende
Perfusion von Seiten des Spendertieres ist hier nicht an
zubieten. Allerdings ist nach unseren Erfahrungen ein
Neuroleptanalgesie-narkotisiertes Tier stets einer gewis
sen Kreislaufdepression ausgesetzt. Darüber hinaus be
standen zum Teil spastische Zustände an den Gefäßen
des Empfängertieres, so daß hier ein weiterer Mangel
dieser Anordnung erkennbar wird.
5. Bezüglich der elektronenmikroskopischen Befunde läßt
sich folgendes feststellen: Unabhängig von der Zeitdau
er der Konservierung, zumindest bis hin zu 13 Stunden,
läßt sich unter den beschriebenen Bedingungen eine in
takte Ultrastruktur der Herzmuskelzelle und dabei ins
besondere der Mitochondrien nachweisen. Entscheiden
de Veränderungen gehen in der relativ kurzen Zeit der
Reperfusion in der Herzmuskelzelle und dabei nun wie
derum insbesondere in den Mitochondrien vor. Nach
den Arbeiten von Schaper 1980 ( 5) und Baldermann
1983 (1), die sich sehr eingehend mit der myocardialen
Ultrastruktur auseinandergesetzt haben, muß man tat
sächlich von einem schweren, zumindest ultrastruktu
rellen Schaden sprechen. Allerdings muß dieser ultra
strukturelle Schaden nicht unbedingt mit der Klinik
korrelieren. Es ist durchaus möglich, daß ein funktionell
befriedigendes Ergebnis gleichzeitig vorliegen kann. So
hat eben gerade Baldermann 1983 gezeigt, daß sich
Herzmuskeln, bei denen die myocardiale Temperatur
beiö°Cbzw. 10°Cüber 120 Minuten bewegte, zwar eine
überlegene morphologische Konservierung aufwiesen,
jedoch verglichen zu einer bei 16°C gehaltenen Myo
cardtemperatur funktionell weniger befriedigten. Als
Ursache für das schlechtere funktionelle Abschneiden
wurde von Baldermann ein nicht für diese tiefen Tem
peraturen genügend im Alkalischen liegender pH-Wert
und eine möglicherweise nicht adäquate lonenzusam-
mensetzung des Perfusates angesehen – in einem Sinne,
in dem sich auch Buckberg geäußert hatte (3).
Nach dem Eindruck, der sich uns aufdrängt, scheint die
kritische Phase, die auch oft schon in der Literatur als
„reperfusion injury“ dargestellt wurde, tatsächlich in
der Phase der Wiederaufwärmung und Wiederbele
bung des Herzens zu liegen. Einhergehend mit den ul
trastrukturellen Veränderungen dieser kurzen Zeit fin
det sich auch in dieser Zeit die größte Zunahme des
Herzgewichtes. In einigen Fällen wurde hier eine Zu
nahme des Herzgewichtes von 28 g, d. h. 15% festge
stellt. Sicherlich spielen die Modalitäten der Reperfu
sion hier eine entscheidende Rolle. Das hier dargestellte
parabiotische Modell ist sicherlich für die Untersuchung
der hier zu Tage tretenden Fragestellungen unzurei
chend. Eine Aufklärung über das „Wie“ der Reperfu
sion erscheint dringend geboten, wobei folgende Fragen
sicherlich eine besondere Rolle spielen:
1. Temperaturunterschied des Reperfusates zum ge
kühlten Herzen
2. Höhe des Druckes
3. pulsatile/nicht pulsatile Perfusion
4. spezielle Zusammensetzung des Perfusats/spezieller
pH-Wert/spezielle Pharmaka (Thrombozytenaggrega
tionshemmer).
Literatur
/. Baldermann. S. C.. Binette. J. P.. Chan, A. If< K.. Gage. A. /L; The Optimal
Temperatur for Preservation of the Myocardium during Global Ischemia
< Ann. Thorac Surg. 35, 605 – 614, 1983)
2. Bret Schneider. H. /.: Myocardial Protection (Thorac cardiovasc Surgeon 28,
295 – 302, 1980) ‘
3. Buckberg. G. D.: t Proposed „Solution“ to the Cardioplegic Controversy
J. (Thorac cardiovasc Surg. 77, 803 – 815, 1979)
4. Frank. J.. Baer. P.. Gerlach. K.. Pannek. H.. Bücheri. E. S.: Erste Erfahrungen
mit dem Gambro-Kühlbox-System für die Herzkonservierung ( Biomedizi
nische Technik 26, 105 – 106, 1981)
5. Schaper. J.. Schwarz. Killst tin. H.. Kreisel. E.. Winkler. B.. Hehrlein. F. W.:
Ultrastructural Evalution of the Effects of Global Ischemia and Reperfusion
on Human Myocardium (Thorac cardiovasc Surgeon 28, 337 – 342, 1980)
Anschrift des Verfassers:
Dr. med. A. Schiessler
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Referat
Aus dem Kantonsspital Basel
Die direkte Blutdruckmessung und der Einfluß der
Temperaturen auf die Meßgenauigkeit.
H. Haas
1. Grundlagen:
Für die direkte Blutdruckmessung, d. h. die Bestimmung
des Blutdruckes mittels eines Katheters in den Blutgefäßen,
werden heute allgemein Druckabnehmer (Transducer)
eingesetzt. Am Kantonsspital Basel sind es die Fabrikate
Statham P 23 Db, P 23 ID und die Hewlett-Packard Quarz
druckwandler. Jede Druckmessung geht prinzipiell in der
Weise vor, indem man eine Membrane dem Druck aus
setzt. Diese verbiegt sich unter der Druckeinwirkung. Die
so erzeugte Längenänderung kann auf verschiedene Arten
in ein elektrisches Signal umgewandelt werden. Häufig
werden Dehnungsmeßstreifen verwendet.
Dehnungsmeßstreifen sind sehr dünne Streifen, die unter
dem Einfluß einer Dehnung oder Stauchung ihren Wider
stand ändern. Diese Widerstandsänderung kann in einer
Brückenanordnung ( Abbildung 1) in ein elektrisches Span
nungssignal umgewandelt werden. Durch diese Maßnahme
wird nicht nur der Temperatureinfluß erheblich vermin
dert, darüber hinaus ist die Spannungsschwankung um
Faktor 2 größer, als wenn man nur einen Dehnungsmeß
streifen allein einsetzen würde. Diese Schaltung ist nach ih
rem Erfinder mit dem Namen Wheatstone-Brücke be
nannt. (Chr. Wheatstone 1802 – 1875 Engi. Physiker)
Druck P ’ 0, Instrument – null
Alle Widerstände gleich (Rj – R2 * R3 ■ R4)
Kammerschema :
Der Druckabnehmer besteht aus einer Kammer,