Zum Verfahren der Bluteinsparung aus anaesthesiologischer Sicht
K. Ratthey, B. v. Bormann, H. A. Adams, G. Wagner, G. Hempelmann
Summary
Blood conservation methods
The risks of homologous blood transfusion have been reduced but not been eliminated by modem screening procedures. In addi­
tion to the possibility of transmission of infectious diseases, homologous transfusion is supposed to depress host resistance by sup­
pression of immunologic system.
Attemps at using the patients own blood for himself (autotransfusion) have been made continuosly during the entire history of
surgery.
In the Federal Republic of Germany autotransfusion programms are organized by anaesthesiologists including preoperative col­
lecting procedures. At the University Hospital Gießen the following methods have been established:
acute normovolaemic haemodilution (ANH), predeposit of whole blood, preoperative plasmapheresis and autotransfusion using
cell seperator. Autotransfusion procedures are particularly performed in orthopedic surgery, trauma surgery, and cardiac surgery.
The application of autotransfusion has led to a merked decrease in bankblood consumption, ranging from 35-70% compared to
the requirement before.
It is noteworthy that up to now methods of blood conservation have not been followed by any relevant complications.
Key words: autotransfusion, risks of homologous blood transfusion
Innerhalb kurzer Zeit haben blutsparende Verfahren wie
die Eigenblutspende (EBS), die akute normovolämische
Hämodilution (ANH), die präoperative Plasmapherese
(PPH) und die intraoperative Autotransfusion (MAT)
durch die Entwicklung neuer Methoden und Geräte ei­
nen deutlichen Aufschwung erhalten. Durch die ver­
mehrte Anwendung dieser teilweise schon seit längerer
Zeit praktizierten Methoden gelingt es, bei elektiven Ein­
griffen weitgehend auf Fremdblutderivate zu verzichten.
Grund für dieses erneute Interesse an der Autotransfu­
sion sind vor allem die Risiken homologer Blutgabe
(Abb. 1). Statistisch gesehen spielt AIDS in der Transfu­
sionsmedizin keine Rolle. Wesentlichstes Transfusionsri­
siko ist nach wie vor die Übertragung der non A- non B-
Hepatitis.
Als Folge homologer Bluttransfusion infizieren sich in
der BRD jährlich ca. 20 000 Patienten, wobei 3000-5000
dieser Erkrankungen chronisch progredient verlaufen
(14). Zusätzliche Risiken bestehen in der Bildung von ir­
regulären Antikörpern sowie einer Depression des Im­
munsystems (10, 15, 17). Um so erstaunlicher sind die
Ergebnisse von Toy (16), der aufzeigen konnte, daß in
Amerika der Eigenblutanteil bei elektiven Eingriffen
deutlich unter 1 % liegt. Es können zahlreiche Gründe
für die Ablehnung blutsparender Verfahren aufgezeigt
werden (Abb. 2). Zukünftig könnten jedoch forensische
Gesichtspunkte dieses mangelnde Engagement maßgeb­
lich beeinflussen. Im folgenden sollen die verschiedenen
Autotransfusionstechniken dargestellt und ihre Anwend­
barkeit am Beispiel des Universitätsklinikums Gießen er­
läutert werden (Abb. 3):
INFEKTION
— Hepatitis (Risiko L-Zellkarzinom : x200!)
— AIDS
— Malaria, Lues, Loa Loa, Zytomegalie
TRANSFUSIONSREAKTION
— hämolytisch, allergisch, febril
LAGERUNGSSCHÄDEN
— Hämolyse, Endotoxine, Verklumpung
MANGEL AN BLUTEINHEITEN BEI
STEIGENDEM BEDARF
— irreguläre Antikörper, seltene Blutgruppen
IMMUNSUPPRESSION
Abbildung 1: Nachteile und Gefahren homologer Transfusionen
Kardiotechnik 11. Jahrgang/Heft 3/1988

Referat
119
Organisatorische Probleme bei der Abnahme und
Lagerung autologer Blut-Einheiten (präoperative
Entnahme im sog. „leap-frog-Verfahren”)
Falsche Vorstellungen über zusätzliche Kosten
Undurchführbarkeit wegen spezifischer Probleme
der medizinischen Einrichtung (technisch/personell)
Potentielle Risiken einer OP-Feld-Absaugung (trifft
nicht zu bei Verwendung eines Cell-Savers)
Ablehnung der Arzte, wenn zusätzlicher Arbeitsaufwand
und Kosten unter ihre Verantwortlichkeit fallen
Ablehnung durch Blutbanken, die das traditionelle
Versorgungssystem durch ihre Einrichtung gefährdet
sehen
Unbegründete Vorsicht gegenüber Hamodilution
und Blutentnahme
Unkenntnis der Vorteile autologer Transfusions-
Techniken
Mangelnde Kenntnis der Physiologie und Patho­
physiologie des Sauerstoffbedarfs und der -Versorgung
Abbildung 2;Gründe, unter denen autologe Transfusionsverfah­
ren abgelehnt werden
Man erkennt auf dieser Abbildung, daß die akute nor-
movolämische Hamodilution (ANH) und die maschinel­
le Autotransfusion (MAT) in fast allen operativen Berei­
chen routinemäßig eingesetzt werden.
Während die präoperative Plasmapherese (PPH) zuneh­
mend bei längerfristig geplanten elektiven Eingriffen ein­
gesetzt wird, bleibt die Eigenblutspende (EBS) auf weni­
ge Ausnahmen beschränkt.
Bei der Eigenblutspende wird den Patienten in wöchent­
lichen Abständen Vollblut entnommen. Bei der Abnahme
von jeweils 2 Konserven und der Rücktransfusion einer
älteren Konserve stehen zum Operationstermin 2-5 Voll­
blutkonserven zur Verfügung (Bocksprung-Technik).
Bei diesen Verfahren muß der Operationstermin exakt
eingehalten werden, da diese Vollblutkonserven nur be­
fristet haltbar sind. Dieses Verfahren ist ambulant durch­
führbar und bei Beachtung der Kontraindikationen ent­
sprechend auch bei kardiochirurgischen Patienten durch­
führbar (4). Der Tiefkühlkonservierung von Erythrozy­
ten mit hohem technischen und organisatorischen Auf­
wand steht derzeit in unserer Klinik kein adäquater Be­
darf gegenüber. Bringt die akute normovolämische Hä-
modilution rein rechnerisch auch nur eine geringe Ein­
sparung (200-400 ml Erythrozyten), so können durch
ihren Einsatz jedoch 1-2 Fremdbluteinheiten eingespart
werden (1, 2). Bei Beachtung der Kontraindikationen
(Abb. 4) werden direkt präoperativ 10-20 ml/kg KG Ei­
genblut entnommen und mit einer mittelmolekularen
Hydroxyaethylstärke (Haes steril 6% [200], Fresenius
AG, Oberursel) normovolämisch ersetzt (5, 8, 9, 11, 18).
In Abb. 5 sind die Effekte der akuten normovolämischen
Abbildung 3: Anaesthesiologische Autotransfusionsverfahren
der JLU-Gießen (AAG):
EBS Eigenblutspende
PPH präoperative Plasmapherese
ANH akute normovolämische Hämodilution
MAT maschinelle Autotransfusion
Chirurgie
EBS
PPH
ANH
MAT
Kardio
+
+
+
Gefäss
selten
selten
+
+
Allgemein
selten
+
Unfall
selten
+
+
Orthopädie
selten
+
-1-
+
Urologie
selten
selten
selten
HNO
selten
selten
+
Gynäkologie
+
Neuro
+
-1-
Plastische
+
+
+
£> Instabile Angina pectoris, drohender
Infarkt
£> Eingeschränkte LV-Funktion
—► EF < 50%
—► C.l. Ischämiezeichen im Ruhe-EKG
Abbildung 4: Kontraindikation der akuten normovolämischen
Hämodilution (ANH) bei koronarer Herzkrankheit
HZVj
Perfusion |
VERBESSERUNG DER
GEWEBSOXYGENIERUNG
Abbildung 3: Effekte der akuten normovolämischen Hämodilu­
tion (ANH)
Kardiotechnik 11. Jahrgang/Heft 3/1988

Der Kündens
Computergezeichnete Schlauchsets – ■
MASCHINENSET
2.)
PVC 1/4“x1/16″ 0.80 m
1/4“x3/8“
PVC 3/8“x3/32″ 0.50 m
XZ
=j~) geP
3/8“x1/4“x1/4″
=j ) geP
PVC 1/4“x1/16″ 0.80 m
1/4″x3/8″
PVC 3/8″x3/32“ 0.50 m
UnTnrffi1 b‘
3/8“x1/4“ LL
Gasfilter
gruen
Kappe
Daturi
Herz­
zen tn

service von//////
individuell nach Ihren Wünschen gefertigt
I
1
Verpackung: Ihrer Wahl I
CODEC (Computer Designed Cu­
stompacks) sindTÜV-bauartgeprüft.
TÜVS
BAUART-
GEPRÜFTVOM
TÜV BAYERN
Ab 01. Januar 1988 fallen sterile Ein­
malartikel unter das Arzneimittelge­
setz (AMG).
Ab diesem Zeitpunkt werden diese
Artikel unter dem Oberbegriff „Fiktive
Arzneimittel” in das AMG einbezo­
gen und unterliegen damit auch den
Bestimmungen der Betriebsverein­
barung für Pharmazeutische Unter­
nehmer (PharmBetrV).
Die Grundlagen hierzu stellt die
WHO unter Sicherung der GMP-
Richtlinien. Selbstverständlich erfüllt
CODEC (Computer Designed Cu­
stompacks) alle diese Anforderun­
gen.
CODEC-Schlauchsysteme sind bei
Ihrem gewünschten Lieferanten er­
hältlich.
ZzzzZ
hmt-HERDLICKA MEDIZINTECHNIK GMBH
Maisacher Straße 118
■ Postfach 1518
8080 Fürstenfeldbruck Tel. 08141/4003-0
Telex 5-27 982 proxm d • Fax 08141/91298

122
Referat
Hämodilution (ANH) dargestellt. Wie Untersuchungen
von v. Bormann und Mitarbeiter (1, 2) zeigen konnten,
ist besonders im Hinblick auf die Rheologie die Hy-
droxyaethylstärke den anderen Volumenersatzmitteln
vorzuziehen.
Zur maschinellen Autotransfusion (MAT) benutzen wir
in Gießen die beiden gängigen Cell-Seperatoren (Cell-sa-
ver®, Fa. Haemonetics, Autotrans®, Fa. Dideco). Das
während der Operation steril abgesaugte Blut aus der
Herz-Lungen-Maschine und ebenso das Blut, welches
postoperativ aus den Drainagen gewonnen wird, kann
auf diese Weise zu gewaschenen autologen Erythrozy­
tenkonzentraten aufgearbeitet werden. Durch diese Auf­
bereitung wird das Blut vom Plasma getrennt, wobei un­
erwünschte Bestandteile wie Spüllösungen, ein Großteil
des Heparins, Metabolite der plasmatischen Gerinnung
und freies Hämoglobin weitgehend entfernt werden
(7, 12).
Bei größeren Blutverlusten ist der Plasmaverlust der li­
mitierende Faktor der maschinellen Autotransfusion
(MAT) und erfährt seine sinnvolle und notwendige Er­
gänzung durch die präoperative Plasmapherese (PPH)
(6, 7, 13).
Da die Plasmapherese u. a. bei kardialen Risikopatienten
durchgeführt wird, sollte sie unserer Meinung nach nur
unter Aufsicht notfallmedizinisch geschulter Ärzte ihre
Anwendung finden. Wir entnehmen den — nicht nüch­
ternen — Patienten ambulant jeweils 900 ml Plasma pro
Sitzung, dies entspricht drei autologen Plasmakonserven.
Die hämodynamischen Auswirkungen sind gering (3).
Das Einfrieren erfolgt bei — 90° Celsius, die Lagerung
bei — 40° Celsius. Zum Operationstermin stehen dem
Patienten 6-9 Plasmaeinheiten zur Verfügung. Sie die­
nen als ideales Volumenersatzmittel in Ergänzung der
MAT und stellen hochwertiges Plasma mit intaktem Im­
mun- und Gerinnungspotential dar. Zusätzlich wird
durch die präoperative Abnahme die körpereigene Ei­
weißsynthese stimuliert.
Durch die Kombination der aufgeführten blutsparenden
Verfahren gelingt es uns, den Fremdblutbedarf bei elekti-
ven Eingriffen auf ein Minimum zu reduzieren (Abb. 6).
In dieser Abbildung ist der zusätzliche Effekt der prä­
operativen Plasmapherese noch nicht enthalten.
Nach betriebswirtschaftlichen Berechnungen sind die in
unserer Klinik angewendeten Verfahren als kostenneu­
tral einzustufen. Unberücksichtigt bleiben in dieser Kal­
kulation die Folgekosten von Zwischenfällen oder
Krankheitsübertragungen nach homologer Bluttransfu­
sion — volkswirtschaftlich stellen diese blutsparenden
Verfahren in ihrer Summe einen erheblichen Beitrag zur
Kostensenkung dar.
Zusammenfassung
Trotz modernster Untersuchungsmethoden besteht bei
homologen Bluttransfusionen ein Restrisiko an Infektio­
sität. Die zusätzlich vermittelte Immunsuppression ist
nicht zu vernachlässigen. Diese Gründe führen u. a. zu
einer vermehrten Beachtung autologer Transfusionsver­
fahren.
Abbildung 6: Reduzierung des Fremdblutbedarfs in der Herz­
chirurgie:
ANH akute normovolämische Hämodilution
MAT maschinelle Autotransfusion
Methode
Effekt
Autor(en) (Jahr)
25 %
HALLOWELL (72)
50 %
LAWSON (74), OCHSNER (73)
20 %
COHN (75)
ANH
35 %
KAPLAN (77)
80 %
LILLEASEN (78)
30 %
LÖWENSTEIN (81)
18 %
HOPPE (82)
52 %
DIETRICH (83)
40 %
KAPLAN (77)
MAT
50 %
SCHAFF(79)
(Autotrans?
30 %
VERTREES (80)
«X
55 %
DIETRICH (83)
Cell-Saver 1
50 %
V.BORMANN (86)
58 %
MORAN (78)
89 %
COSGROVE (79)
ANH + MAT
35 %
KODALL (81)
70 %
DIETRICH (83)
50 %
CUTLER(84)
63 %
v.BORMANN (88)
An der Justus-Liebig-Universität Gießen werden bei
elektiven Eingriffen zur Fremdbluteinsparung verschie­
dene Autotransfusionsverfahren durchgeführt: Es han­
delt sich dabei um die akute normovolämische Hämodi­
lution (ANH), die präoperative Plasmapherese (PPH)
und die intra- und postoperative maschinelle Autotrans­
fusion (MAT).
Alleine mit diesen Verfahren lassen sich Einsparungen an
Fremdblut zwischen 35-70% erreichen. Spezifische
Komplikationen wurden nicht registriert.
Literatur
1. V. Bormann, B., B. Weidler, J. Boldt, D. Jooss, K. Aigner, J. Peil, G. Hem­
pelmann: Die akute normovolämische Hämodilution bei großen operati­
ven Eingriffen. Chirurg 57 (1986), 457.
2. v. Bormann, B., J. Boldt, Dr. Kling, VF. Schleinzer, G. Hempelmann:
Kombinierte Autotransfusion in der Herzchirurgie. DMW 112 (1987),
1887.
3. u. Bormann, B., J. Boldt, D. Kling, W. Schleinzer, G. Hempelmann: Hä­
modynamik unter Spenderplasmapherese. Anästhesist 37 (1988), 316.
4. Dahmen, E., H. Ohlmeier, I. Hoppe: Eigenblutspende und Eigenblut­
transfusion bei kardiochirurgischen Risikopatienten. 1 horaxchirurgie 26
(1978), 27.
5. Ehrly, A. N., H. Landgraf, P. V. Mossner, K. Saeger-Lorenz: Hydroxy-
aethylstärke gegen Dextran: Verhalten des Gewebesauerstoffdruckes und
der Fließeigenschaften des Blutes bei Patienten mit Claudicatio intermit-
tens. Med. Welt 28 (1987), 976.
6. v. Finck, M.,J. Eulert, W. Heller: Autotransfusion und operationsvorbe­
reitende Plasmapherese. Anaesthesist 34 (1985), 612.
7. v. Finck, M., R. Schmidt, W . Schneider, U. Feine: Die Qualität gewa­
schener autotransfundierter Erythrozyten. Anaesthesist 35 (1986), 686.
Kardiotechnik 11. Jahrgang/Heft 3/1988

Referat
S. Goto, K, S. Sakakura, N. Hatta, Y. Sukiura, T. Aa/o: Haemo rheological
effects of colloidal plasma substitutes infusion. Acta. Anaesth. Scand. 29
(1985), 217.
9. Kiesewetter, H., F. Jung, J. Blume, N. Gerhards: Hämodilution bei Pa­
tienten mit peripherer arterieller Verschlußkrankheit im Stadium Ilb:
Prospektiver randomisierter Doppelblindvergleich von mittelmolekularer
Hydroxyaethylstärke und kleinmolekularer Dextranlösung. Klin. Wschr.
65 (1987), 324.
10. Maetani, S., T. Nishikawa, A. Hirakawa, T. Tobe: Role of blood trans­
fusion in organ system failure following mayor abdominal surgery. Ann.
Surg. 203 (1986), 275.
11. Messmer, K. F. W.: Acceptable hematocrit levels in surgical patients.
World J. Surg. 11 (1987), 41.
12. Paravicini, D., J. Rassat, D. Kamanobroo: Morphologische Verände­
rungen von Erythrozyten unter intraoperativer Autotransfusion. Med.
Clin. 78 (1983), 176.
13. Schleimer, W., H. H. Mehrkens, M. Weindler, M. Wollinsky, H. Poh-
land: Klinisches Konzept der autologen Transfusion: Hämodilution, ma­
schinelle Autotransfusion, Plasmapherese, Eigenblutspende. Anaesth. In-
tensivmed. 28 (1987), 235.
14. Sugg, R.: Die Risiken der Transfusion von Blut und Blutderivaten.
Anaesth. Intensivmed. 28 (1987), 343.
13. Tartter, P. I., L. Burrows, P. Kirschner: Perioperative blood transfusion
adversely affects prognosis after resection of stage I (subset NO) non-oat
lung cancer. J. Thorac. Cardiovasv. Surg. 88 (1984), 659.
16. Toy, T. C. Y. et al.: Predeposited autologous blood for elective surge­
ry. A national multicenter study. New Engl. J. Med. 316 (1987), 517.
17. Waymack, J. P., L. Gallon, U. Bartcelli, O. Trocki et al.: Effect of blood
transfusions on immune function Arch. Surg. 122 (1987), 56.
IS. Zander, R.:Zur Beurteilung potentieller Blutersatzlösungen mit Sau­
erstoffträger-Eigenschaften und deren Einsatzmöglichkeiten. Infusions­
therapie 8 (1981), 274.
Anschrift der Verfasser
Dr. med. Klaus Ratthey
Abteilung Anaesthesiologie
und Operative Intensivmedizin
Klinikstr. 29
6300 Gießen
Cardio Cartoon
Als Poster zu beziehen bei:
Cobe Laboratories GmbH
Henschelring 3
8011 Kirchheim/Mchn.
Telefon 089/903 2071-5
Kardiotechnische Zeitschriften KT Verlag GmbH, 5000 Köln 51, Goltsteinstraße 49
Fachzeitschrift für medizinische
und technische Berufe
Kardiotechnik 11. Jahrgang/Heft 3/1988

Mechanische
Herzklappen
Intraaortale
Ballonpumpen
Blutpumpen
*
Herzdrähte
Angioscope
Lasersysteme
Heparin-Management
PTCA-Katheter
Beschaffungsservice
für internationale
Produktneuheiten
und Zubehör
* Produkte und Systeme
für die extrakorporale Zirkulation:
Standard- und Spezial-Kanülen,
Blutfilter, Oxygenatoren,
Kardiotomie-Reservoires, Schlauchsets

finden Sie auch
einen Membran-Oxygenator
in unserem Programm.
Den Hybrid-Oxygenator H-1700
gibt es allerdings nur von
William Harvey.
Das Prinzip der .Hybrid“-
Oxygenierung wurde erstmals
1972 vorgestellt.
Sie ist patentiert. Seither wurden
Tausende von Operationen
erfolgreich mit Hybrid­
oxygenatoren durchgeführt.
In Hybridoxygenatoren sind
sowohl Gas- wie auch
Blutfluß im Oxygenierungs-
röhrchen wandstabilisiert.
Diese kontrollierte Strömung
führt zu optimalem Sauerstoff-
und Kohlendioxydaustausch.
Der Gasaustausch in Hybrid­
oxygenatoren nähert sich auch
bei Anwendung niedriger
Gas/Blut-Strömungsverhältnisse
physiologischen Idealwerten,
Hämolyse und Mikroblasen
treten viel seltener auf als bei
üblichen Bläschenoxygenatoren.
Hybridoxygenierung ist nur
mit den William Harvey
Oxygenatoren möglich –
und das alles zum Preis tradi­
tioneller Bläschenoxygenatoren.
Wäre der William Harvey
Membran-Oxygenator HF-4000
nicht ein so überdurchschnitt­
licher Repräsentant
geschlossener Hohlfasersysteme,
wir würden nur den Hybrid-
oxygenator H-1700 verkaufen.
Bahnhofstraße 30
8900 Augsburg
Telefon 0821/36232*
Teletex 821845 hpmedic
Telefax 0821/514360

126
Referat
Aus der Klinik und Poliklinik für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie der Georg-August-Universität Göttingen,
(Direktor: Prof. Dr. H. Dalichau)
Klinische Erfahrung mit dem Blutfilter 40066 von SARTORIUS für
die arterielle Linie in der EKZ
H. Bock
Summary
Used over 1 WO times in hospitals, the arterial blood filters 40066 from SARTORIUS have proved reliable even under extreme
conditions.
The following features proved to be particularly beneficial in routine use:
p The flow direction in the filter Blood inlet at the lower side of the filter. Blood outlet at an angle of 90 to the blood inlet. A
simplified hose with no curves liable to kink and savings in hose of around 60 cm.
2. The facility of separate bleeding of the filter chambers, via the appropriate Luer connectors, means that the filter can be bled
very easily without having to change its position.
Prior rinsing with CO2 means that „knocking out“ the micro bubbles can be almost entirely dispensed with. Air bubbles
reaching the filter during operation can be removed easily from both chambers (!).
3. The dome fitted onto the filter serves to calm the flow thus facilitating an improved air elimination in the inside chambers of
the filter.
Einleitung
In enger Zusammenarbeit mit unserer Klinik entwickelte
die Fa. Sartorius im Jahre 1986 ein arterielles Blutfilter
für den Einsatz in der extracorporalen Zirkulation bei
Herzoperationen.
Konstruktion des arteriellen Blutfilters 40066
Dieses Filter besteht aus einem transparenten Filterge­
häuse aus Cyrolite, welches das Filtergewebe aus Nylon
mit einer Maschenweite von 40 |im umschließt (Abb. 1).
Zur Stabilisierung des feinen Filtergewebes ist beidseitig
ein Stützgitter aus Polyäthylen angebracht. Das Filterge­
webe wird nach der Plissierung mit Polyurethankleber
am Boden und Deckel des Filtergehäuses verklebt. Bei ei­
ner effektiven Filterfläche von 650 cm2 beträgt das Füll­
volumen 230 ml. Das Blut fließt im Unterschied zu den
meisten angebotenen Filtern von unten durch einen
’/«“-Anschluß in das Innere des Filters und fließt von dort
nach Passage des Filtergewebes in die äußere Filterkam­
mer. Der Blutauslaß mit ’/«“-Anschluß ist in einem Win­
kel von 90° zum Bluteintritt dicht am Filterboden ange­
ordnet. Ein auf dem Filtergehäuse sitzender Dom be­
wirkt für das einfließende Blut eine Strömungsberuhi­
gung und ermöglicht damit eine gute Abscheidung von
Luftblasen beim Betrieb des Filters. Drei Luer-Anschlüs-
se am Filterdeckel erlauben die separate Entlüftung der
Innen- und Außenkammer des Filters. Die Luft wird
über entsprechende Schläuche ins Kardiotomiereservoir
geleitet. Der dritte Luer-Ansatz dient zur Temperatur­
messung oder als Blutentnahmestelle.
Die sorgfältige Füllung und Entlüftung des Filters läßt
sich durch eine vorherige Spülung mit CO2 wesentlich
vereinfachen. Durch langsames Einströmen der Perfu­
sionsflüssigkeit bei abgeklemmtem Blutausgang ent­
weicht die Luft über die Luer-Ansätze der Filterinnen-
und Außenkammer durch die Entlüftungsschläuche ins
Kardiotomiereservoir, ohne daß das Filter in seiner Posi­
tion verändert werden muß.
Material und Methode
Ein Standardschlauchsystem für die Nutzung von Bub­
ble- und Membranoxygenatoren besteht für das arterielle
Abbildung 1: Schnittzeichnung des arteriellen Blutfilters 40066
Kardiotechnik 11. Jahrgang/Heft 3/1988

Referat
127
System aus 3/s“-PVC-Schläuchen. In der arteriellen Pum­
pe liegt ein 3/s“-Silikonschlauch. Der Schlauch für das ve­
nöse Blut hat V2“ Innendurchmesser. Das Saugersystem
hat ’/V-PVC-Schläuche. Das Kardiotomiereservoir von
Polystan mit einem Volumen von 1000 ml und einer Fil­
tergröße von 120 |im entlüftet das Saugerblut und leitet
es danach durch ein Sartorius-Kardiotomieblutfilter in
den Oxygenator zurück. Bei Nutzung des Membranoxy-
genators fließt das venöse Blut in ein Reservoir, um von
dort durch die arterielle Pumpe, durch den Oxygenator
und durch das arterielle Filter in den Patienten zu gelan­
gen. Die Polystan-Herz-Lungen-Maschine ist mit vier
Pumpen bestückt, das Blut wird mit dem Stöckert Hypo/
Hyperthermiegerät temperiert.
Als Bubble-Oxygenator benutzen wir den Polystan VT
5000 Venotherm mit zwei Wärmeaustauschern sowie den
Membranoxygenator MAXIMA von Medtronic. Für
Säuglinge und Kleinkinder kommen die beiden Master-
flo-Oxygenatoren von Dideco zum Einsatz.
Füllung des Oxygenations- und Schlauchsystems
Die Primärfüllung des Systems mit dem notwendigen Si­
cherheitsvolumen liegt beim Bubbleoxygenator bei 2500
ml und 2000 ml für den Membranoxygenator bei erwach­
senen Patienten. Für die Säuglings- und Kinderoxygena-
toren werden 700-1000 ml Flüssigkeit zur Füllung benö­
tigt.
Die Füllung besteht aus 1000-1500 ml Ringer-Lactat,
500 ml Glucose, 100 ml Natriumbicarbonat, 400 ml 20%
Humanalbumin und 7500 i. E Heparin.
Ein Hämoglobinwert von 7 g% oder der entsprechen­
de Hämatokrit von 20% wird nicht unterschritten. Vo­
lumenverluste während der Perfusion, durch Urinaus­
scheidung oder Blutungen werden mit kristalloiden
Lösungen ausgeglichen. Beim überwiegenden Teil er­
wachsener Patienten wird während der Perfusion kein
Blut benötigt.
Patientengut und Perfusionstechnik
Mit Hilfe dieses Systems wurden seit Oktober 1986 über
1500 EKZ mit den Sartorius-Filtern in unserer Klinik
durchgeführt. Ausgewertet wurden 1266 Perfusionen.
Davon kamen 791 Patienten mit degenerativen Herzer­
krankungen zur Operation (Tab. 1). 255 Eingriffe an
den Herzklappen (Tab. 2) und es wurden 198 angebore­
ne Herzfehler im Kindesalter korrigiert (Tab. 3).
In der Alters- und Gewichtsverteilung der Patienten war
der jüngste Patient 17 Tage alt und wog 2700 g (Tab.
4, 5). Der älteste Patient war 78 Jahre alt. Der schwerste
Patient wog 118,0 kg.
Das Perfusionsvolumen lag zwischen 300 ml und 600
ml/min. Das entspricht einer Perfusionsrate von 2,15 bis
2,50 1/m2 min. Alle Formen der Hypothermie kamen zur
Anwendung. Die tiefste rectal gemessene Temperatur be­
trug 16° C, wobei die venöse Bluttemperatur 10° C er­
reichte. Bei der Wiedererwärmung wurde eine Tempera­
turdifferenz von über 5° C vermieden. Die Perfusion
wurde nicht vor Erreichen einer rectalen Temperatur von
35° C beendet.
Tabelle 1: Anzahl der Perfusionen bei Koronarerkrankungen
ACVB/IMA
1-fach
70
ACVB/IMA
2-fach
168
ACVB/IMA
3-fach
311
ACVB/IMA
4-fach
195
ACVB/IMA
5-fach
47
ACVB + Vent. Aneus.
28
ACVB 4- AKE
38
ACVB + MKE
10
ACVB + AKE + MKE
5
Gesamt
791
Tabelle 2: Anzahl der Perfusionen bei isolierten Herzklappen­
eingriffen
AKE
154
MKE
68
TKE
4
AKE + MKE
27
AKE + MKE + TKE
2
Gesamt
255
Tabelle 3: Anzahl der Perfussionen bei angeborenen Herzfeh­
lern
ASD
30
VSD
15
ASD + VSD
7
A-V-Kanal
16
Fallot’s
38
TGA
23
DORV
9
Single Ventrikel
2
Cor Atrium
2
Fontan
15
Conduit-Op.
11
Aortenventriculoplastik
5
Aortenstenosen
24
Gesamt
198
Perfusionszeiten
Bei einer mittleren Perfusionszeit von 125 Min. dauerte
die kürzeste Perfus