Zur Situation der Kardiotechnik in der deutschen Herzchirurgie heute*
G. Lauterbach
Beim Fachberuf des Kardiotechnikers handelt es sich um einen
relativ jungen Fachberuf in der Medizin, der in der Öffentlich-
* Vorgetragen anläßlich
6. Berufspolitisches Symposium von DAG und Marburger Bund
am 22.5. 86 in Berlin
keit noch keinen hohen Bekanntheitsgrad erlangt hat. Erlauben
Sie mir deshalb die Entstehung des Fachberufes Kardiotechnik
sowie seinen Stellenwert im herzchirurgischen Team zu erläu­
tern.
Kardiotechnik 10. Jahrgang/Heft 1/1987

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Fortbildung / Referat
Als in den frühen 60er Jahren die Herzchirurgie in Deutschland
Fuß faßte, wurde sie vorerst von der Chirurgie bzw. vom Chirur­
gen beherrscht. Dies war auch weiter nicht verwunderlich, re­
krutierten sich damals noch die Anästhesisten vornehmlich aus
dem Kreis der Chirurgen, während die Bedienung der Herz-
Lungen-Maschine dem technisch begabten Assistenten in der
Chirurgie überlassen wurde. Mit zunehmender Routine ent­
wickelte sich die Herzchirurgie zu einer echten Team-Chirurgie,
wobei heutzutage jedem Team-Mitglied ein spezifischer Aufga­
benbereich zukommt: dem Chirurgen die Chirurgie, dem An­
ästhesisten die Anästhesie, dem Kardiotechniker, welcher inzwi­
schen den Chirurgieassistenten an der Herz-Lungen-Maschine
abgelöst hat, die Steuerung der extrakorporalen Zirkulation. Je­
der der drei genannten Arbeitsbereiche greift unmittelbar in die
Vitalfunktion des Patienten ein und ist damit gleichermaßen für
den Gesamterfolg der Operation verantwortlich, denn so wie
beispielsweise eine Uhr still steht, wenn ein Rädchen bricht, so
funktioniert ein herzchirurgisches Team nicht mehr, wenn eines
seiner Mitglieder versagt. Durch die Einführung neuer Techno­
logien in der Herzchirurgie wurde und wird der Kardiotechni­
ker stets vor neue Aufgaben gestellt. Dies hat dazu geführt, daß
sich das Berufsbild des Kardiotechnikers stets weiterentwickelt
hat. Neben der Steuerung der Herz-Lungen-Maschine über­
nimmt der Kardiotechniker heute eine Reihe von Tätigkeiten in
der Herzchirurgie wie Mitarbeit bei Forschungsvorhaben, Mit­
arbeit in der Herzschrittmachertherapie, Durchführung von
Tests neuer Produkte, die in der Herzchirurgie Anwendung fin­
den sollen, um hier nur einige beispielhaft zu nennen. Zur Be­
wältigung dieser Aufgaben benötigt der Kardiotechniker heute
ein sehr umfangreiches Fachwissen.
Im Jahre 1971 wurde der Verband der Kardiotechniker Deutsch­
lands eV. gegründet. Seither bemüht sich dieser Berufsverband,
der heute den Namen Deutsche Gesellschaft für Kardiotechnik
eV. trägt, um eine dringend erforderliche Ausbildung zum Kar­
diotechniker und eine bundeseinheitliche tarifliche Regelung.
Aufgrund der hohen Anforderungen, die heute an den Kardio­
techniker gestellt werden, vertritt die Deutsche Gesellschaft für
Kardiotechnik die Auffassung, daß eine solche Ausbildungsstät­
te an der Fachhochschule angesiedelt werden muß. Denkbar wä­
re hierbei die Einbindung in einen schon vorhandenen Ausbil­
dungsgang zum Bio-Ingenieur, zumal diese Lösung kostengün­
stiger ist als die Schaffung einer eigenständigen Ausbildung für
Kardiotechniker. Das Fehlen einer staatlich anerkannten Aus­
bildung bedeutet aber nicht, daß heute tätige Kardiotechniker
über keine Ausbildung verfügen. Die Ausbildung zum Kardio­
techniker wird bis heute berufsbegleitend an den herzchirurgi­
schen Zentren durchgeführt und dauert in der Regel 3 Jahre. Da
es an den herzchirurgischen Zentren keine zusätzlichen Plan­
stellen für auszubildende Kardiotechniker gibt und ein auszubil­
dender Kardiotechniker damit eine für den Routinebetrieb vor­
gesehene Panstelle belegt, ist es den herzchirurgischen Zentren
heute nicht mehr möglich, den quantitativen Ausbildungsbe­
darf für die Zukunft zu erfüllen.
Um die Probleme, die sich bei der Patientenversorgung in der
Herzchirurgie, welche sich durch das Fehlen einer staatlich aner­
kannten Ausbildung zum Kardiotechniker sowie dem Fehlen ei­
ner bundeseinheitlichen tariflichen Regelung für Kardiotechni­
ker ergeben, besser verstehen zu können, ist ein Blick auf die
Entwicklung der Herzchirurgie in der Bundesrepublik
Deutschland erforderlich.
Abb. 1 zeigt die herzchirurgischen Kliniken in der Bundesrepu­
blik Deutschland, Stand Anfang 1986. Das deutsche Herzzen­
trum Berlin, welches sich Anfang 1986 noch im Aufbau befand,
ist zwischenzeitlich in Betrieb gegangen, so daß nunmehr 34
Herzzentren in der Bundesrepublik Deutschland und West-
Berlin in Funktion sind. Ein weiteres Herzzentrum befindet
sich im Aufbau.
OFFENE HERZCHIRURGIE IN WESTLICHEN LANDER
Abb. 2 zeigt einen Vergleich der herzchirurgischen Operations­
frequenz pro 1 Million Einwohner in den westlichen Ländern
aus dem Jahr 1981. Mit ca. 200 Operationen pro 1 Million Ein­
wohner schneidet die Bundesrepublik Deutschland (D) bei die­
sem Vergleich außerordentlich ungünstig ab. Im Mai 1983 hat
die Deutsche Gesellschaft für Thorax-, Herz- und Gefäßchirur­
gie eine Bedarfsanalyse für Herzoperationen in der Bundesrepu­
blik Deutschland erstellt. Sie kommt dabei zu dem Ergebnis,
daß mindestens 500 Herzoperationen pro 1 Million Einwohner
pro Jahr für die Bundesrepublik Deutschland erforderlich sind.
Dies bedeutet für die Bundesrepublik Deutschland mindestens
30 000 Herzoperationen mit Herz-Lungen-Maschinen pro Jahr.
Dieses Ziel kann nur erreicht werden durch Kapazitätserweite­
rungen der einzelnen Herzzentren und Schaffung neuer Herz­
zentren. Wie Sie aus Abb. 3 ersehen können, hat man in den Jah­
ren nach 1983 mit einer deutlichen Zunahme neuer Herzzen­
tren auf den Mißstand in der Herzchirurgie in der Bundesrepu­
blik Deutschland reagiert.
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Fortbildung / Referat
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HERZCHIRURGISCHE ZENTREN BRD
HERZOPERATIONEN MIT HLM
Lungen-Maschine für die Bundesrepublik Deutschland in den
Jahren 1970 bis 1985 dargestellt. Die Zahlen der Herzoperatio­
nen mit Herz-Lungen-Maschine sind kontinuierlich angestie­
gen, so daß im Jahr 1985 22120 Patienten operiert werden konn­
ten. Bei einem errechneten Bedarf von 30 000 Operationen pro
Jahr bedeutet dies, daß eine weitere Steigerung von ca. 8 000 Ope­
rationen pro Jahr erforderlich ist. In den 70er Jahren konnte eine
Steigerung der Operationsfrequenz durch Rationalisierung im
Fachbereich Kardiotechnik erreicht werden, ohne daß hier eine
nennenswerte Personalaufstockung erforderlich war. So konn­
ten beispielsweise viele wieder verwendbare Zubehörteile für die
extrakorporale Zirkulation, die mit aufwendigen Prozeduren
wieder aufbereitet werden mußten, duch Einwegartikel ersetzt
werden. Desweiteren konnten die für die extrakorporale Zirku­
lation erforderlichen Schlauchsysteme, die anfänglich von Kar-
diotechnikern hergestellt wurden, bei der Industrie in Auftrag
gegeben werden. Durch diese Arbeitsentlastung war eine Steige­
rung der Operationsfrequenz ohne nennenswerte Personalauf­
stockung im Fachbereich Kardiotechnik möglich. Diese Mög­
lichkeiten sind heute voll ausgeschöpft und eine weitere Steige­
rung der Operationsfrequenz ist nur über eine Personalauf­
stockung erreichbar. Das Fehlen einer staatlich anerkannten
Ausbildung hat dazu geführt, daß es bereits heute einen deutli­
chen Enpaß bei qualifiziertem Personal im Fachbereich Kardio­
technik gibt. Eine Umfrage der Deutschen Gesellschaft für Kar­
diotechnik aus dem Jahr 1985 hat ergeben, daß von den damals
156 bundesweit vorhandenen Planstellen bereits 15 nicht besetzt
waren, weil es hier an ausgebildetem und qualifiziertem Personal
fehlt. Erschwerend kommt hinzu, daß aufgrund von lukrativen
Angeboten aus der Industrie ein Abwanderungstrend von quali­
fiziertem Personal aus dem Fachbereich Kardiotechnik zu ver­
zeichnen ist. Diese Situation hat dazu geführt, daß man bei­
spielsweise an der Technischen Hochschule in Aachen per Mini­
stererlaß eine bessere Besoldung für Kardiotechniker ermöglicht
hat, um die Patientenversorgung zu sichern. Ebenso konnten
neue Herzzentren nur dadurch in Betrieb gehen, daß die Besol­
dung für Kardiotechniker aufgehoben wurde. Nach Auffassung
der Deutschen Gesellschaft für Kardiotechnik entschärfen aber
solche Maßnahmen nicht die Situation, sondern verlagern nur
die Probleme von einem Herzzentrum in ein anderes Herz­
zentrum.
Zusammenfassend läßt sich sagen, daß durch die Schaffung neu­
er Herzzentren ein erster Schritt zum Abbau der Wartelisten in
der Herzchirurgie getan wurde. Ob es tatsächlich gelingt, die
Wartelisten deutlich abzubauen, hängt aber auch von der Bereit­
stellung qualifizierten Personals ab. So sind nach Auffassung der
Deutschen Gesellschaft für Kardiotechnik hier im Fachbereich
Kardiotechnik dringend zwei Maßnahmen erforderlich:
1. Schaffung einer staatlich anerkannten Ausbildung zum Kar­
diotechniker und
2. eine bundeseinheitliche tarifliche Regelung, die dem Stellen­
wert, den der Kardiotechniker heute im herzchirurgischen
Team hat, gerecht wird.
Ein weiteres Hinausschieben dieser Maßnahmen hätte weitrei­
chende Negativfolgen auf die Patientenversorgung in der Herz­
chirurgie Deutschland.
Anschrift des Verfassers:
Deutsche Gesellschaft für Kardiotechnik
G. Lauterbach
Herderstraße 67
5000 Köln 41
Kardiotechnik 10. Jahrgang/Heft 1/1987

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Referat
Aus der Herzchirurgischen Universitätsklinik, München Großhadern
(Ärztlicher Direktor: Prof. Dr. med. Dr. h. c. W. Klinner)
Ventrikuläre Schrittmacher-Sonden im Vergleich
Andreas Markewitz, Christian Weinhold
Summary
Comparison of ventricular leads
Today’s available leads meet the mechanical requirements ofan ideal lead. The only existing differences are material and configmation of the
lead-tip and the price. We tried to find out whether different results in stimulation and detection justify different prices. 61 unipolar endocardial
tined leads with pretreated electrode surface area (11 Intermedics 487-07, 10Medtronic target-tip, 20 Sorin S 80,10 Sorin S100 und 10 Telectro­
nics Laserdish electrodes) were investigated and compared to a standard electrode with an untreated elgiloy tip. Main criterion for the final
judgement was energy consumption during safety programming as a result of noninvasive assessment ofchronic stimulation threshold. 3 leads
showed comparable good results (Intermedics 487-07, Medtronic target-tip and Sorin S 80). Regarding the cost weperfer the last lead for routine
implantation.
Einleitung
Schrittmachersonden stellen die Verbindung zwischen Schritt­
macheraggregat und erregbarem Herzmuskelgewebe her. Die
Lebensdauer des Impulsgebers hängt also nicht zuletzt von den
Eigenschaften der Sonde ab, was die Bedeutung der Elektroden
in der Schrittmachertherapie unterstreicht.
Die heute erhältlichen Sonden verfügen über eine genügend ho­
he Bruchfestigkeit und eine hohe Flexibilität, die Fixationsme­
chanismen sind als sicher zu bezeichnen, und eine Korrosion ist
durch die verwendeten Edelstahllegierungen so gut wie ausge­
schlossen.
Weitere Anforderungen an eine ideale Sonde sind eine niedrige
Detektions- und Polarisationsimpedanz sowie eine hohe Stimu­
lationsimpedanz (4). Dies bedeutet vereinfacht: Die Sonde soll
gleichzeitg gute Wahrnehmungseigenschaften, einen geringen
Energieverlust am Elektroden-Gewebsübergang sowie eine
niedrige Stimulationsreizschwelle aufweisen.
Entscheidend für die genannten Anforderungen ist die Beschaf­
fenheit des Sondenkopfes. Die genannten Eigenschaften schlie­
ßen sich zunächst aus; für